Die Krise der New Economy, das Abklingen des E-Hypes und die schwache Entwicklung der IT-Budgets weltweit haben zu einem verstärkten Kostendruck sowie Kostenbewusstsein im IT-Bereich der Unternehmen geführt. 1 Zudem zwingen ein steigender Wettbewerbsdruck, sinkende Margen und die wirtschaftliche Stagnation viele Unternehmen dazu, ihre Investitionen in Informations- und Kommunikationssysteme (IKS) gründlich zu überprüfen. 2 Folglich gewinnen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in diesem Sektor an Bedeutung. 3 Der Erfolg vieler Unternehmen ist an den kostengünstigen Nutzungs- und Durchdringungsgrad ihrer IKS gebunden. Investitionen in IKS sind kostenintensiv, irreversibel und haben langfristige sowie unternehmensweite Auswirkungen. 5 Dies sind gute Gründe, IT-Investitionen auf deren Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Oftmals werden Investitionsentscheidungen auf Grund von Daumenregeln oder Bauchentscheidungen getroffen. 6 Dies widerspricht jedoch der betriebswirtschaftlichen Grundauffassung, dass eine Investition nur dann durchzuführen ist, wenn durch diese ein positiver ökonomischer Effekt erwartet werden kann. Das Aufzeigen von Grenzen und Möglichkeiten alternativer Verfahren zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von IKS ist Thema der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsübersicht
1 Einleitung
1.1 Wirtschaftlichkeit von Informations- und Kommunikationssystemen
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Wirtschaftlichkeit als Zielerreichungsgrad
3 Wesen und Inhalt von Informations- und Kommunikations-systemen
4 Kosten und Nutzen bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse von IKS
4.1 Einmalige und laufende Kosten des Lebenszyklus
4.2 Strategische Wettbewerbsvorteile als wichtigste Nutzenkategorie
5 Darstellung und Bewertung ausgewählter Verfahren
5.1 Bewertungs- und Klassifizierungskriterien
5.2 Quantitative, monetäre Verfahren
5.2.1 Statische Verfahren unter sicheren Erwartungen
5.2.2 Dynamische Verfahren unter sicheren Erwartungen
5.2.3 TCO als kostenorientiertes Verfahren der Prozesskostenrechnung
5.2.4 Weitere quantitative Ansätze im Überblick
5.2.5 Ausgewählte Verfahren zur Reduzierung der Unsicherheit
5.3 Qualitative, nicht monetäre Verfahren
5.3.1 Rangfolge durch Punktevergabe in der Nutzwertanalyse
5.3.2 Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen in der Argumentebilanz
5.3.3 Strategieorientierter Ansatz von McFarlan/McKenney
5.3.4 Wettbewerbsorientierter Ansatz von Nolan/Norton
5.3.5 Weitere qualitative Ansätze im Überblick
5.4 Ganzheitliche Verfahren
5.4.1 Umfassende Betrachtung von Nutzeffekten und Kosten
5.4.2 Monetarisierung der Tätigkeitsstruktur im Hedonic-Wage-Model
5.4.3 Transformation von Wettbewerbsvorteilen in monetäre Größen
5.4.4 Vier-Ebenen-Modell als Rahmenkonzept
5.4.5 IT-BSC als übergreifendes Koordinationsinstrument
5.4.6 Weitere ganzheitliche Verfahren im Überblick
5.4.7 Kombination von Einzelverfahren im Multiperspektiven-Ansatz
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenbereiche
Die Arbeit untersucht die Grenzen und Möglichkeiten verschiedener Verfahren zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Informations- und Kommunikationssystemen (IKS), um deren Eignung zur Bewertung oft komplexer und kostenintensiver Investitionen zu prüfen und eine fundierte Entscheidungsbasis zu schaffen.
- Klassifizierung und kritische Analyse quantitativer, qualitativer und ganzheitlicher Wirtschaftlichkeitsverfahren.
- Untersuchung von Kosten- und Nutzenaspekten sowie strategischen Wettbewerbsvorteilen von IKS.
- Bewertung der Anwendbarkeit traditioneller Investitionsrechnungen auf IT-Investitionen.
- Herausarbeitung der Bedeutung von Unsicherheit und deren Berücksichtigung in Prognosemodellen.
- Empfehlung kombinierter Ansätze zur ganzheitlichen Erfolgsmessung im IT-Bereich.
Auszug aus dem Buch
5.2.3 TCO als kostenorientiertes Verfahren der Prozesskostenrechnung
Ein großer Teil der Kosten, die besonders im Zusammenhang mit dem Einsatz von IKS für die Erstellung und den Verkauf eines Produktes anfallen, haben den Charakter von Gemeinkosten. Diese Gemeinkosten können mit klassischen Kostenrechnungsinstrumenten, wie der Prozesskostenrechnung oder Verteilungsschlüsseln, umgelegt und verursachungsgerecht zugeordnet werden. Die Prozesskostenrechnung ist eine Vollkostenrechung und beschreibt das Geschehen innerhalb eines Unternehmens in Prozessen. Ein Prozess stellt dabei eine Folge logischer, miteinander in Beziehung stehender Einzelfunktionen dar. Die Prozesskostenrechnung steigert die Transparenz des Unternehmens und ist ein anpassungsfähiges Führungsinstrument zur Planung, Steuerung und Kontrolle der IV-Kosten, weist jedoch bei kontinuierlicher Durchführung einen hohen Aufwand auf.
Der Ansatz des Total Cost of Ownership (TCO) stellt – basierend auf der Prozesskostenrechnung – ein Konzept dar, das alle mit einem Kauf verbundenen direkten und indirekten Kosten eines beschaffenden Unternehmens erfasst und die Ermittlung der Gesamtkosten auf Vollkostenbasis über den gesamten Lebenszyklus eines IT-Investitionsobjektes zum Ziel hat. Diese anfallenden Gesamtkosten werden als „Total Cost of Ownership“ bezeichnet.
Der Ursprung dieses Konzeptes liegt in der IT-Branche und basiert auf Untersuchungen des IT-Beratungsunternehmens Gartner Group im Jahre 1987. Bei diesen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Anteil der Anschaffungskosten für Hard- und Software unter zwanzig Prozent der Gesamtkosten liegt. Die Residualgröße ist unter anderem auf Wartungsarbeiten, Updates, Mitarbeiterschulungen oder Entsorgung zurückzuführen. Anlass für den TCO-Ansatz waren die steigenden und teils unüberschaubaren Kosten von PC-Arbeitsplätzen. Bei dieser Analyse werden, wie der folgenden Abbildung 4 zu entnehmen ist, die Kosten in die zwei grundlegenden Kategorien, direkte und indirekte Kosten, unterteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den gestiegenen Kostendruck bei IT-Investitionen und definiert das Ziel der Arbeit, alternative Wirtschaftlichkeitsverfahren auf ihre Eignung zu prüfen.
2 Wirtschaftlichkeit als Zielerreichungsgrad: Hier wird der Wirtschaftlichkeitsbegriff als Relation zwischen Soll- und Ist-Zuständen diskutiert, wobei die Ausrichtung auf das Erreichen unternehmerischer Ziele hervorgehoben wird.
3 Wesen und Inhalt von Informations- und Kommunikations-systemen: Dieses Kapitel definiert IKS als Mensch-Aufgabe-Technik-Systeme und erläutert deren wandelnde Rolle vom rein operativen Werkzeug zum strategischen Wettbewerbsfaktor.
4 Kosten und Nutzen bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse von IKS: Es werden die Lebenszykluskosten sowie die Bedeutung von Nutzenkategorien wie Kostenersparnis, Produktivität und strategische Wettbewerbsvorteile für die Analyse dargelegt.
5 Darstellung und Bewertung ausgewählter Verfahren: Der Hauptteil gliedert Analysen in quantitative, qualitative und ganzheitliche Verfahren und bewertet diese anhand eines elfstufigen Kriterienkatalogs.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Dieses Kapitel aggregiert die Analysen der 22 betrachteten Verfahren und stellt deren Stärken und Schwächen gegenüber.
7 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass kein einzelnes Verfahren die Wirtschaftlichkeit von IKS umfassend und objektiv abbilden kann, und plädiert für die Kombination verschiedener Methoden.
Schlüsselwörter
Wirtschaftlichkeit, Informations- und Kommunikationssysteme, IKS, IT-Investitionen, Nutzwertanalyse, Total Cost of Ownership, TCO, Balanced Scorecard, IT-Controlling, Prozesskostenrechnung, Strategische Wettbewerbsvorteile, Investitionsrechnung, Produktivität, Investitionsentscheidung, Wirtschaftlichkeitsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Informations- und Kommunikationssysteme (IKS) mittels verschiedener wissenschaftlicher Verfahren bewerten können.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Kategorisierung und Bewertung von Methoden zur Wirtschaftlichkeitsmessung, wobei zwischen monetären, nicht-monetären (qualitativen) und ganzheitlichen Ansätzen unterschieden wird.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Kriterienkatalog zu erstellen, um zu prüfen, inwieweit etablierte Analyseverfahren in der Lage sind, komplexe IT-Investitionen und deren strategischen Nutzen adäquat abzubilden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, entwickelt einen Bewertungskatalog mit elf Kriterien und wendet diesen systematisch auf 22 verschiedene Verfahren der Wirtschaftlichkeitsberechnung an.
Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Verfahren in quantitative Ansätze (z.B. TCO, statische/dynamische Verfahren), qualitative Ansätze (z.B. Nutzwertanalyse, Argumentebilanz) und ganzheitliche Methoden (z.B. IT-Balanced Scorecard, Multiperspektiven-Ansatz).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Wirtschaftlichkeitsanalyse, IKS, Investitionscontrolling, strategische Wettbewerbsvorteile, Total Cost of Ownership und Nutzenpotenziale.
Warum sind traditionelle Investitionsrechnungen oft unzureichend für IT-Projekte?
Herkömmliche Verfahren sind oft zu stark auf monetäre, direkt zurechenbare Effekte fokussiert und können den strategischen, qualitativen oder schwer quantifizierbaren Nutzen von IT-Investitionen nur unzureichend erfassen.
Warum wird der Multiperspektiven-Ansatz als besonders relevant hervorgehoben?
Dieser Ansatz kombiniert verschiedene Einzelverfahren zu einer Gesamtschau, um sowohl Kosten als auch Nutzenaspekte über unterschiedliche Unternehmensebenen hinweg transparenter darzustellen, wenngleich er hohe Anforderungen an die Komplexität stellt.
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- Christian Marth (Author), 2006, Wirtschaftlichkeitsanalysen von Informations- und Kommunikationssystemen - Grenzen und Möglichkeiten alternativer Verfahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69071