Für viele Kinder ist das Großwerden in ihrer Familie aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. In solchen Fällen stehen dem Jugendamt verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung, bspw. Adoption, Pflegefamilie oder Heim.
Im Folgenden konzentriere ich mich auf die Betrachtung von Pflegefamilie und Heim unter dem Aspekt der Identitätsentwicklung eines Kindes und der Fragestellung, welche Unterbringungsform, d.h. das diffuse, sozialisatorische Milieu einer Pflegefamilie oder das strukturierte, durch spezifische Rollenmuster geprägte Milieu einer Heimerziehung, für die Identitätsentwicklung die besseren Chancen für Kinder und Jugendliche bietet.
Ausgehend von der Beschreibung beider Unterbringungsformen beschäftigt sich dieser Text mit den Phasen der frühkindlichen Sozialisation nach Mead, wobei allgemeinsoziologische Erkenntnisse der Sozialforschung, dabei insbesondere die primäre und sekundäre Sozialisation in den ersten Lebensphasen eines Kindes, besondere Beachtung finden. Anschließend wird auf die jeweiligen Vor- bzw. Nachteile der Unterbringungsmöglichkeiten eingegangen, sowie auf mögliche sozialisatorische Probleme hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
IDENTITÄTSENTWICKLUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
ERZIEHUNGSHILFE HEIM
VOR- UND NACHTEILE DER HEIMERZIEHUNG
ERZIEHUNGSHILFE PFLEGEFAMILIE
VOR- UND NACHTEILE DES SOZIALISATIONSFELDES PFLEGEFAMILIE
IDENTITÄTSENTWICKLUNG IN DEN BEIDEN ERZIEHUNGSHILFEN HEIM UND PFLEGEFAMILIE
SCHLUSSBETRACHTUNGEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht vergleichend, ob das sozialisatorische Milieu einer Pflegefamilie oder das strukturierte Milieu einer Heimeinrichtung für die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen förderlicher ist, wobei die Bedeutung subjektiver Empfindungen und der Beziehungsqualität zentral im Fokus steht.
- Grundlagen der Identitätsentwicklung und Sozialisation
- Strukturen und pädagogische Ansätze der Heimerziehung
- Dynamiken und Anforderungen in Pflegefamilien
- Vergleich der Identitätsbildung in beiden Erziehungssystemen
- Bedeutung von emotionalen Bindungen und Stabilität
Auszug aus dem Buch
Identitätsentwicklung in den beiden Erziehungshilfen Heim und Pflegefamilie
Zur Identitätsentwicklung in beiden Erziehungshilfen, Heim und Pflegefamilie, lässt sich schlussendlich sagen, dass je widerspruchsfreier, intensiver und eindeutiger der Interaktionsprozess zwischen wenigen Bezugspersonen und Kind verläuft, desto erfolgreicher insgesamt der Lernprozess (hier Identitätsentwicklung). Die Pflegefamilie kommt diesen Ansprüchen schon relativ nahe. In ihr überblickt ein Kind die Beziehungen zwischen allen Bezugspersonen. Hier kann ein Kind „Familie“ erleben. Vor allem in der ersten Lebensphase wird dies als besonders wichtig erachtet. Nach Mead bildet sich die „Ich-Identität“ (Self) im Zusammenspiel zwischen „I“ und „Me“. Am deutlichsten vollzieht sich dies für das Kind im Spiel (play). Durch die Übernahme verschiedener Rollen, wie zum Beispiel Vater oder Mutter, kann es den Standpunkt der anderen kennen lernen.
Im organisierten Spiel (game) kann das Kind dann eine Reihe von Regelwerken anwenden, wie zum Beispiel im Fußball, und übernimmt somit die Vorgehensweisen der jeweiligen anderen. Gleichzeitig lernt es diese zu deuten. Im späteren Verlauf des Lebens und der Sozialisationsphase (Identitätsphase) orientiert sich das Kind mehr an Gleichaltrigen. In dieser Phase verlieren die Eltern als erste Instanz an Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage zum Vergleich von Pflegefamilie und Heim hinsichtlich ihrer Eignung für die Identitätsentwicklung von Kindern unter Berücksichtigung traumatischer Vorerfahrungen.
IDENTITÄTSENTWICKLUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Identitätsbildung als dynamischen Prozess, der stark von der frühen Sozialisation und der Qualität der ersten Bezugspersonen abhängt.
ERZIEHUNGSHILFE HEIM: Hier werden moderne Konzepte der Heimerziehung dargestellt und aufgezeigt, wie diese heute über den traditionellen "Heim-Begriff" hinausgehen und unterschiedliche Wohnmodelle bieten.
VOR- UND NACHTEILE DER HEIMERZIEHUNG: Das Kapitel analysiert die materielle Ausstattung und Selbstständigkeitsförderung in Heimen im Kontrast zu den Herausforderungen bei der Etablierung dauerhafter Verbindlichkeiten.
ERZIEHUNGSHILFE PFLEGEFAMILIE: Diese Sektion behandelt die Pflegefamilie als komplexes System, das mit der Integration des Kindes vor besondere Herausforderungen bezüglich der Herkunftsfamilie und rechtlicher Rahmenbedingungen steht.
VOR- UND NACHTEILE DES SOZIALISATIONSFELDES PFLEGEFAMILIE: Es wird diskutiert, wie Pflegefamilien einerseits Normalität vermitteln können, andererseits aber mit Rollenkonflikten und dem Gefühl fehlender vollständiger Zugehörigkeit bei Pflegekindern kämpfen.
IDENTITÄTSENTWICKLUNG IN DEN BEIDEN ERZIEHUNGSHILFEN HEIM UND PFLEGEFAMILIE: Dieses Kapitel führt die Argumente zusammen und bewertet die unterschiedlichen pädagogischen Ansätze im Hinblick auf den Lern- und Identitätsprozess des Kindes.
SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Das Fazit resümiert, dass beide Systeme Stärken und Schwächen haben und die "richtige" Wahl stark von der individuellen Lebensgeschichte des Kindes abhängt.
Schlüsselwörter
Identitätsentwicklung, Sozialisation, Heimerziehung, Pflegefamilie, Bindung, Erziehungshilfe, Kindesentwicklung, Pädagogik, Identitätsbildung, Rollenbeziehung, Fremderziehung, Lebenswelt, soziale Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend die Eignung der Erziehungshilfesysteme "Heim" und "Pflegefamilie" für die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Sozialisation, die Analyse der unterschiedlichen Erziehungsmilieus sowie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Betreuungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob das diffuse Milieu einer Pflegefamilie oder das strukturierte Umfeld einer Heimeinrichtung förderlicher für den Identitätsaufbau junger Menschen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Sozialisationsforschung und einer vergleichenden Analyse bestehender Literatur zu den beiden Erziehungshilfesystemen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Gegenüberstellung von Heimerziehung und Pflegefamilienerziehung, inklusive der jeweiligen Vor- und Nachteile für die Entwicklung der Heranwachsenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identitätsentwicklung, Sozialisation, Bindung, Erziehungshilfe, Normalität und Fremderziehung.
Warum wird die "Chemie" als wichtiger Faktor für den Erziehungserfolg genannt?
Die Autorin hebt hervor, dass unabhängig vom institutionellen Rahmen das gefühlsmäßige Zueinanderfinden zwischen den Bezugspersonen und dem Kind eine essenzielle Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist.
Welches Fazit zieht die Autorin hinsichtlich der "besseren" Erziehungsform?
Die Autorin neigt zu der Annahme, dass die Pflegefamilie, da sie einer biologischen Familie am nächsten kommt, eine Form der Erziehung bietet, die kollektiven Missbrauch eher ausschließt und Normalität besser abbilden kann.
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- Anna Eckert (Author), 2002, Pflegefamilie oder Heim? Die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Erziehungskontexten - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6910