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Die Funktion der Märchen in Christoph Martin Wielands "Don Sylvio"

Title: Die Funktion der Märchen in Christoph Martin Wielands "Don Sylvio"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 2,25

Autor:in: M.A. Marcus Puknatis (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Märchen gelten seit jeher, und im Besonderen für die Eltern von Kindern, als der „Vorleseklassiker“ schlechthin. Sie verzaubern uns und entführen uns in eine Welt, in der Hexen, Drachen, Zwerge und viele andere seltsame Wesen existieren. Betrachtet man heute die hohe Verbreitungsvielfalt der Märchen, nicht nur durch das alte Märchenbuch, sondern auch durch die modernen Medien, wie Radio, TV, DVD und sogar Computersoftware, kann man getrost behaupten, dass Märchen bis heute nichts von ihrem Zauber verloren haben. Daher weiß wohl ein jeder, wovon die Rede ist, wenn es um Märchen geht, und kann eines nennen. Das liegt allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit auch daran, dass unsere heutige Vorstellung von Gehalt und Form des Märchens weitestgehend von der Märchensammlung der Gebrüder Grimm geprägt ist, die 1812 und 1815 in zwei Teilen erschienen ist. Seit den Brüdern Grimm verstehen wir unter dem Begriff Märchen, zumindest im deutschsprachigen Raum, vorwiegend eine durch dichterische Phantasie entworfene Erzählung, besonders aus der Zauberwelt, die in irgendeiner Weise Fiktion und Wirklichkeit miteinander verbindet. Zauber, Wunder, Übernatürliches sind hierbei die prägenden Begriffe. Doch kaum einer von den Rezipienten weiß über ihre Entstehung und ihre Geschichte bescheid, die das europäische Märchen doch sehr geprägt haben. Dass Märchen nicht gleich Märchen sind, dass sie mehr als bloßer Erzählstoff sein können und ursprünglich nicht lediglich als allabendliche Kinderliteratur vor dem Einschlafen gedacht waren, ist vielen nicht bewusst.

In der vorliegenden Hausarbeit befasse ich mich mit der Funktion der Feenmärchen in Christoph Martin Wielands „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“. Daher soll zunächst der Begriff des Märchens und dessen Entstehung geklärt werden. Im Folgenden möchte ich einen Überblick über die verschiedenen Märchentypen geben wobei der Focus gemäß dem Thema der Arbeit speziell auf der Entstehung und Herkunft der Feenmärchen liegen wird. Unter Berücksichtigung der epochalen Einordnung des Romans, soll im weiteren Verlauf die Wirkungsweise des Feenmärchens auf den Protagonisten „Don Sylvio“ und dessen Entwicklung untersucht werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Märchen

2.1. Die Begriffbildung (Terminologie)

2.2. Die übergeordnete Einteilung von Märchentypen

2.3. Die untergeordnete Einteilung von Märchentypen

2.4. Die Entstehungsgeschichte des Märchens

2.5. Die „Contes de fées“ (Feenmärchen)

2.6. Wielands Beitrag zur Annerkennung des Märchens

3. Chr. M. Wielands komischer Roman „Don Sylvio“

3.1. Die epochale Einordnung und Funktionalität

3.2. Das Märchenhafte in Wielands Roman „Don Sylvio“

3.3. Die Funktion und Wirkung der Feenmärchen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Funktion und Wirkungsweise von Feenmärchen innerhalb von Christoph Martin Wielands Roman „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie die durch Lektüre geprägte Weltwahrnehmung des Protagonisten durch Wielands Einsatz von Ironie und das Motiv der „gelebten Literatur“ reflektiert und schließlich in einem aufklärerischen Sinne relativiert wird.

  • Begriffliche und historische Einordnung des Märchens
  • Entwicklung und Rezeption der französischen Feenmärchen
  • Die Funktion der Feenmärchen in Wielands „Don Sylvio“
  • Das Spannungsfeld zwischen Fiktion, Einbildungskraft und Wirklichkeit
  • Der aufklärerische Ansatz der Läuterung durch kritische Distanz

Auszug aus dem Buch

3.1. Die epochale Einordnung und Funktionalität

Der Roman liest sich auf den ersten Blick wie eine leichte, komödienhafte Variation des Don-Quijote-Themas. Innerhalb des Romans häufen sich die Zitate und Anspielungen auf Don Quijote, und weniger aufmerksame Leser werden sogar durch den Erzähler oder eine der Personen öfters darauf hingewiesen. Don Quijote liest Ritterromane und projiziert die als reale Geschichte aufgefasste Fiktion in seiner Lebenswelt. Ähnliches geschieht mit Don Sylvio der in seiner Jugend Feenmärchen verschlingt und gleichfalls keinen Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit erkennen kann.

Anders als Don Quijote der in der Folge als ein heroischer und tragischer Schwärmer in der Nachfolge edler Ritter für Gerechtigkeit kämpft und erst nach mehrmaliger Konfrontation mit der Wirklichkeit auf dem Sterbebett seinen Wahn einsieht, zieht Don Sylvio in der Nachfolge schöner und edler Prinzen in die Welt hinaus, um dort eine verzauberte Fee zu befreien und sein Glück in der Liebe zu finden. Er wird schließlich durch die Begegnung mit einer Frau aus Fleisch und Blut geheilt. Wieland hat also die Ritterbücher des literarischen Vorbilds durch ein literarisches Genre, nämlich die Feenmärchen, ersetzt.

Im Gegensatz zu Cervantes Roman „Don Quijote“ fallen innerhalb Wielands Romans allerdings bereits sehr früh die neuen Akzente auf, die ihn als Geschichte des 18. Jahrhunderts ausweisen. So schildert Wieland beispielsweise in aller Ausführlichkeit die fortschreitende Verzauberung des jungen Don Sylvio durch die Literatur. Dem ersten Abenteuer des Protagonisten geht eine detaillierte beschriebene „Bildungsgeschichte“ voran, in der viele psychologische Erkenntnisse der Frühaufklärung enthalten sind. Im Gegensatz dazu benötigt Cervantes lediglich ein halbes Kapitel, um die Ursache der „Verrückung“ die seinem alten Protagonisten widerfährt zu beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Feenmärchen ein, beleuchtet deren Stellenwert in der Literatur und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext von Wielands Roman.

2. Märchen: Dieses Kapitel widmet sich der Terminologie, der Einteilung von Märchentypen sowie der Entstehungsgeschichte des Märchens mit besonderem Fokus auf die französischen Feenmärchen.

3. Chr. M. Wielands komischer Roman „Don Sylvio“: Hier wird der Roman analysiert, wobei die epochale Einordnung, das märchenhafte Element im Werk sowie die spezifische Funktion der Feenmärchen für den Protagonisten im Zentrum stehen.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Wielands Roman als kritisches Werk, das die Grenzen der Fantasie aufzeigt und die Läuterung des Helden thematisiert.

Schlüsselwörter

Christoph Martin Wieland, Don Sylvio, Feenmärchen, Märchen, Aufklärung, Frühaufklärung, Schwärmerei, Fiktion, Wirklichkeit, Roman, Literaturtheorie, Don Quijote, Bildungsgeschichte, Ironie, Allegorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkung von Feenmärchen in Christoph Martin Wielands komischem Roman „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Gattungsgeschichte des Märchens, die Rezeption französischer Feenmärchen im 18. Jahrhundert sowie die literarische Auseinandersetzung mit Schwärmerei und Fiktionsbewusstsein.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wieland durch die satirische Einbindung von Märchenelementen eine aufklärerische Kritik an unkontrollierter Fantasie und irrationalen Systemen übt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in seinen epochengeschichtlichen Kontext einbettet und die Erzählweise Wielands unter Rückgriff auf zeitgenössische literaturtheoretische Schriften untersucht.

Was ist Gegenstand des Hauptteils?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Märchens, die Entwicklung der Feenmärchen sowie die konkrete Untersuchung der Romanhandlung und der Läuterung des Protagonisten.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wieland, Don Sylvio, Feenmärchen, Aufklärung, Schwärmerei, Fiktion und gelebte Literatur.

Warum wird Don Sylvio im Roman als „schwärmerisch“ bezeichnet?

Don Sylvio wird als schwärmerisch eingestuft, da er durch eine einseitige Erziehung und die exzessive Lektüre von Feenmärchen die Fähigkeit verloren hat, zwischen der fiktiven Welt der Bücher und der realen Welt zu unterscheiden.

Welche Rolle spielt die Figur Don Gabriel im Roman?

Don Gabriel fungiert als pädagogische Instanz, die dem Protagonisten durch die Erzählung des Biribinker-Märchens die Augen öffnet und ihn zur Reflexion und letztendlichen Läuterung führt.

Inwiefern unterscheidet sich Wielands Roman von Cervantes „Don Quijote“?

Wieland ersetzt die Ritterromane durch Feenmärchen und verbindet die Geschichte mit einer detaillierten Bildungsgeschichte, die psychologische Erkenntnisse der Frühaufklärung integriert.

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Details

Title
Die Funktion der Märchen in Christoph Martin Wielands "Don Sylvio"
College
LMU Munich  (Institut für deutsche Philologie)
Course
Figurationen des Grotesken
Grade
2,25
Author
M.A. Marcus Puknatis (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V69151
ISBN (eBook)
9783638595889
ISBN (Book)
9783638678445
Language
German
Tags
Christoph Martin Wieland Funktion Märchen Wielands Sylvio Figurationen Grotesken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Marcus Puknatis (Author), 2006, Die Funktion der Märchen in Christoph Martin Wielands "Don Sylvio", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69151
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