Das leid in den Liedern Paul Gerhardts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erkenntnis
2.1 Die Ursache des Leids
2.2 Geduld
2.3 Paul Gerhardts Lieder als Lebenshilfe

3. Erlösung
3.1 Providenz und Eschaton
3.2 Schuld und Tod
3.3 Trost

4. Schluss

Literatur

Quellen:

Literatur:

1. Einleitung

Das Problem des Leids in den Liedern Paul Gerhardts (1607-1976) soll das Thema dieser Hausarbeit sein.

Paul Gerhardt stammte aus dem Mutterland der Reformation, dem Kurfürstentum Sachsen. Bereits in seiner Schulzeit in Grimma wurde er mit den theologischen Grundsätzen des Luthertums vertraut gemacht. Er studierte Theologie in Wittenberg und arbeitete später als Hauslehrer und schließlich als Geistlicher. Aus seinem Lebenslauf erklärt sich, dass Gerhardt tief geprägt war von der lutherischen Theologie. Sie war die Grund-lage für sein geistiges Leben und somit auch für seine Lieder.[1]

Gerhardts geistliche Dichtungen sollen näher untersucht werden, um so Rückschlüsse auf den Umgang mit Not und Leid zu ziehen, in einer Zeit, die vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) geprägt war. Wie wurden die Menschen mit ihrem Leid fertig? Wo fanden sie geistigen Halt? Was half ihnen ihren Glauben zu bewahren?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wird sich diese Arbeit mit der Analyse des Inhalts und dem theologischen Hintergrund von Gerhardts geistlichen Dichtungen beschäftigen.

Die Bandbreite seiner Lieder reicht von den Stationen des Lebens wie Geburt, Ehe, Krankheit und Tod, über Tages- und Jahreszeiten. Er schrieb Buß- und Dankeslieder ebenso wie Lieder, die sich nach den Ereignissen des Kirchenjahres richteten: Passions- und Osterlieder, Advents- und Weihnachtslieder etc. Der damaligen Mode entsprechend, wurde die Dichtkunst zu jedem denkbaren Anlass gepflegt.

Paul Gerhardts Lieder könnte man als „Gebrauchslyrik“ bezeichnen, denn sie begleiten den Christen auf seinem Lebensweg und sollen ihm helfen, ein gottgefälliges Leben zu führen, das heißt, sie haben die Aufgabe, dem Gläubigen beratend und ermahnend zur Seite zu stehen, um ihn auf den richtigen Weg zu führen. Dieser Weg soll natürlich zu Gott und zur Erlösung führen. Doch um nach dem Tod erlöst zu werden, muss der Christ Gottes Allmacht erkennen, sich zu seinen Sünden bekennen und Buße tun, denn im orthodoxen Luthertum geht es vor allem um die Rechtfertigung des Sünders und Gottes Gnadenspruch.

Gerhardt gelang es, einen neuen Typus von geistlichen Liedern zu schaffen, indem er die theologischen Grundsätze der lutherischen Theologie in seinen Dichtungen veranschaulichte. So überwand er das Defizit, das die reine Worttheologie, die sich stark am Intellekt orientierte, geschaffen hatte und ließ eine Sprache entstehen, die man singen und beten konnte.

2. Erkenntnis

Das erste Kapitel behandelt den Prozess der Erkenntnis, der nötig ist, um ein „erfolgreiches“, gottgefälliges Leben zu führen. Dazu muss der gläubige, protes-tantische Christ sich einiger Dinge bewusst werden, die ihn auf den rechten Weg führen und auch halten.

Woher kommt das Leid und wie geht man damit um? Was ist die Vorraussetzung für den richtigen Umgang mit Not und Elend? Wo findet er Hilfe und Halt in schwe-ren Zeiten?

2.1 Die Ursache des Leids

In seinen Dichtungen bezog sich Paul Gerhardt unter anderem auf die theo-logischen Schriften Leonhard Hutters (1563-1616)[2] und Johann Gerhards (1582-1637)[3]. Beide waren bedeutende lutherische Theoretiker ihrer Zeit.[4]

Ein zentraler Punkt in Hutters Philosophie ist, dass Gott, der Schöpfer der Welt, alles in seiner Schöpfung lenkt und erhält. Den Menschen, die dies erkennen, gibt er alles, was nötig ist. Sofern sie ihn darum bitten, erwartet sie die Glückseligkeit in Gemeinschaft mit ihm.

Das heißt aber nicht, dass diese Art von Unterwerfung den eigenen Willen der Menschen aufhebt. Es wird nicht zur Passivität aufgerufen, denn Gott hat allen von ihm geschaffenen Dingen die Kraft gegeben, selber tätig zu sein Beim Menschen erhält diese Eigenursächlichkeit eine besondere Qua-lität, da Gott ihm die Freiheit des Willens geschenkt hat.[5].

Der Mensch soll vielmehr Gottes Rat für die Beschlussfassung des eigenen Willens erbitten.

Dieser Zusammenhang wird jedoch durch das Problem des Leids gestört, denn das Leid stellt die Vorsehung und die väterliche Güte Gottes in Frage.[6]

Wenn Hutter über das Übel spricht, meint er vor allem das Böse, bzw. die Sünde. Das Leid wiederum wird als Folge der Sünde verstanden (malum poenae). Es ist die Strafe Gottes für die Sünden der Menschen, wie z. B. Krieg. Die Frage nach der Ursache des Leids ist also eigentlich die Frage nach der Ursache des Bösen.

Die Antwort auf diese Frage kann nur der Sündenfall Adams sein, der die gesamte Menschheit mit dem Fluch der Erbsünde belegte.[7]

Aber der Mensch verfügt auch über einen freien Willen, den er einsetzen kann, um Gutes oder Böses zu tun. Wenn Gott also Böses zulässt, tut er dies nicht aus Ohnmacht, sondern weil er den Menschen den freien Willen geschenkt hat. Gott selbst hält seinen Willen zurück, stimmt nicht zu und lehnt auch nicht ab, denn sonst geschähe die Sünde ja nicht. Die Sünde hat allein der handelnde Mensch zu verantworten, der von seinem freien Willen Gebrauch macht, aber Gottes Gebot widerspricht.[8] Auch Adam hätte den Apfel nicht essen können, da Gott auch ihm die Freiheit des Willens geschenkt hatte.

Das Leid, das die Menschen plagt, z. B. Krankheiten, Krieg und Hunger, ist also als Bestrafung für die Sünden zu verstehen, denn es liegt am Willen des Menschen, diese Sünden zu tun oder zu lassen.

Allerdings hat Gott die Macht, die Reichweite der Wirkung einer sündigen Handlung zu begrenzen. Er bestimmt, wen sie trifft und wie lange sie anhält. Schließlich kann er eine böse Absicht zu einem guten Ergebnis umlenken.[9]

Letztlich ist alles, was geschieht, ob gut oder böse, in einen großen Gesamt-zusammenhang eingeordnet, der allein von Gott bestimmt wird. Das Böse, das den Menschen als Unordnung innerhalb von Gottes Schöpfung erscheint, schadet dieser nicht. Aber der irdische Betrachter kann Gottes Ordnung, in die die Unordnung eingearbeitet ist, wegen seines einge-schränkten Blickwinkels von sich aus nicht erkennen. Dennoch gibt es weder Schuld noch Leid, sobald man alles in Gottes zielgerichtetem escha-tologischen Zusammenhang betrachtet. Im Eschaton, dem Weltende, in dem alle Taten, ob gut oder böse, vergolten werden, gewinnt der Mensch Gottes übergeordneten Standpunkt, von dem aus betrachtet alles Übel nichtig ist.[10]

2.2 Geduld

Die wesentliche Vorraussetzung für ein gottgefälliges irdisches Leben ist Geduld. Geduld ist nötig, um nicht vom rechten Weg abzukommen und den Anfechtungen, denen der Christ auf seinem Lebensweg ausgesetzt ist, Stand zu halten.

Gerhardt erkennt in seinem Lied „Geduld ist euch vonnöten“, dass es in glücklichen Zeiten leicht ist, an Gott zu glauben und ihm zu vertrauen. In schweren Zeiten aber, wenn „Sorge, Gram und Leid“[11] dem Gläubigen zu schaffen machen, fällt es schwer, sich Gott anzuvertrauen, und nicht an ihm zu zweifeln.

[...]


[1] Vgl.: Gerhard Rödding: Nachwort. In: Paul Gerhardt: Geistliche Lieder, Stuttgart, 1991, S.135-156, S. 136-139.

[2] Hutter, Leonhard: Loci communes theologici ex sacris literis diligenter eruti, Veterum Patrum testimoniis paßim roborati, et conformati ad methodum Locorum Philippi Melanchthonis, adeoque singulari dexteritate ita explicati, ut divina veritas ex iis facile cognosi, et adversiorium sophismata sufficienter refutari poßint, Wittenberg 1619.

[3] Gerhard, Johann: Loci theologici, 9 Bde., Jena 1610-1622.

[4] Vgl.: Grosse, Sven: Gott und das Leid in den Liedern Paul Gerhardts, Göttingen, 2001, S.24.

[5] Vgl.: Ebd.: S. 35.

[6] Vgl.: Ebd.: S.115.

[7] Vgl.: Ebd.: S.36-37.

[8] Vgl.: Grosse.: S.38.

[9] Vgl.: Ebd.: S.39.

[10] Vgl.: Ebd.: S.42-43.

[11] Vgl.: Gerhardt, Paul: Geistliche Lieder, Stuttgart, 1991, S.55, Str.1, 2.

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Details

Titel
Das leid in den Liedern Paul Gerhardts
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Barocke Dichtung als historische Quelle
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V69169
ISBN (eBook)
9783638612883
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liedern, Paul, Gerhardts, Barocke, Dichtung, Quelle
Arbeit zitieren
Jennifer Ammel (Autor), 2005, Das leid in den Liedern Paul Gerhardts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69169

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