That thereby beauty’s rose might never die.
William Shakespeares Sonett Nummer I – Versuch einer Auslegung.
Das Eröffnungssonett des Zyklus gehört zur Gruppe der sogenannten Prokreationssonette, die ersten 17 Sonette, in denen der Dichter den Jüngling auffordert, Nachkommen zu zeugen.
„As the opening sonnet of the sequence, this one obviously has especial importance.“ Helen Vendler geht noch weiter, ihrer Meinung nach verkörpert das Eröffnungssonett folgendes: „The sonnet can be seen, in sum, as an index to the rest of the sonnets, or as a diapason of the notes of the sequence.“
Zweifelsfrei existieren Verbindungen des ersten Sonetts zu anderen Sonetten des Zyklus, und seine Erststellung läßt auf seine Wichtigkeit schließen. Es wird auch vermutet, daß dieses Sonett später als andere Sonette des Zyklus entstanden ist. Doch das erste Sonett soll an dieser Stelle – so umfassend wie möglich – als Einzelsonett untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. William Shakespeares Sonettzyklus
2. Das Eröffnungssonett des Zyklus
3. Analyse des Sonetts Nummer I
3.1. Formale Aspekte
3.2. Inhaltliche Aspekte
3.3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das erste Sonett aus William Shakespeares Sonettzyklus einer detaillierten literaturwissenschaftlichen Auslegung zu unterziehen. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie das lyrische Ich den Jüngling zur Fortpflanzung bewegt, um dessen Schönheit gegen die Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit und den Verfall durch die Zeit zu bewahren.
- Historische Einordnung des Shakespeareschen Sonettzyklus
- Strukturelle und formale Analyse des Sonetts Nummer I
- Semantische Untersuchung zentraler Metaphern und Wortpaare
- Deutung der Prokreationsthematik im Kontext der Renaissance-Schönheitsdiskussion
- Darstellung des Spannungsfeldes zwischen individuellem Egoismus und menschlicher Verpflichtung
Auszug aus dem Buch
3.1. Formale Aspekte
Das Sonett besteht aus 14 Verszeilen, deren Versmaß durchgehend ein fünfhebiger Jambus ist. Es ist aufgeteilt in drei Quartette und ein abschließendes Reimpaar, das sogenannte Couplet. In den drei Kreuzreimquartetten finden wir das Reimschema abab, cdcd, efef, und im Couplet finden wir das Reimschema gg. Shakespeare reimt in den Quartetten folgende Wortpaare miteinander: increase – decease, die – memory, eyes – lies, fuel – cruel, ornament – content, spring – niggarding, und im Couplet reimt er be mit thee.
Dabei fällt auf, daß sich bei heute gebräuchlicher englischer Aussprache die und memory sowie fuel und cruel nicht miteinander reimen. Daraus könnte man zweierlei schließen, entweder Shakespeare hat in diesen beiden Fällen unreine Reimpaare verwendet oder die Aussprache der Worte hat sich im Laufe der Zeit verändert. Letzteres scheint plausibler.
Die erste Zeile des Sonetts beginnt mit der Alliteration from fairest. Weitere Alliterationen finden sich in der achten Zeile – sweet self – und in der elften Zeile – bud buriest.
Die einzelnen Zeilen eines Quartetts sind durch Enjambements miteinander verbunden. Jedes Quartett bildet einen Satz. Die beiden Zeilen des Couplets sind ebenfalls mittels Zeilensprung miteinander verknüpft und bilden einen Satz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. William Shakespeares Sonettzyklus: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung des englischen Sonetts und führt in die Struktur sowie das Personal von Shakespeares 154 Sonetten umfassendem Zyklus ein.
2. Das Eröffnungssonett des Zyklus: Hier wird das erste Sonett als Teil der Prokreationssonette eingeordnet und seine besondere, einleitende Bedeutung innerhalb des gesamten Werks hervorgehoben.
3. Analyse des Sonetts Nummer I: Dieser Hauptteil gliedert sich in eine formale Untersuchung von Versmaß und Reimschema, eine inhaltliche Interpretation der zentralen Motive wie Schönheit und Sterblichkeit sowie eine abschließende Synopse der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
William Shakespeare, Sonett Nummer I, Sonettzyklus, Prokreationssonette, Vergänglichkeit, Schönheit, Renaissance, Lyrisches Ich, Literaturwissenschaft, Metaphorik, Zeit, Fortpflanzung, Egoismus, Interpretation, Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten philologischen und inhaltlichen Auslegung des ersten Sonetts aus dem berühmten Zyklus von William Shakespeare.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Vergänglichkeit menschlicher Schönheit, der Gegensatz zwischen Eigennutz und Fortpflanzung sowie die Zeit als zerstörerisches Element.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die rhetorischen und motivischen Mittel zu analysieren, mit denen das lyrische Ich den Adressaten zum Erhalt seiner Schönheit durch Nachkommenschaft auffordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine klassische literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die formale Aspekte wie Metrik und Reimschema mit inhaltlicher Interpretationsarbeit verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine systematische Analyse des Sonetts, beginnend bei den formalen Merkmalen über eine zeilenweise inhaltliche Exegese bis hin zur wissenschaftlichen Zusammenfassung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Shakespeare, Sonettzyklus, Vergänglichkeit, Schönheit, Prokreation und literaturwissenschaftliche Analyse.
Warum wird im Sonett ausgerechnet die Metapher der Rose verwendet?
Die Rose dient hier nicht nur als Symbol für Schönheit, sondern wird im Kontext der Vergänglichkeit genutzt, um die Notwendigkeit von Erneuerung und Nachfolge zu verdeutlichen.
Wie bewertet der Autor das Verhalten des Jünglings?
Der Autor interpretiert das lyrische Ich so, dass es dem Jüngling aufgrund seiner Weigerung, sich fortzupflanzen, Narzissmus, Egoismus und eine unnatürliche Selbstzerstörung vorwirft.
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- Anja Elstner (Author), 2002, "That thereby beauty's rose might never die": William Shakespeares Sonett Nummer I – Versuch einer Auslegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69171