Das Straßburger Eulenspiegelbuch von 1515 entstand im Druck- und Verlagshaus Johann Grüningers. Kunze bezeichnet Grüninger als die „ohne Zweifel interessanteste Figur im Straßburger Buchdruck mit Illustrationen“. Auffallend hinsichtlich des Bildmaterials dieser Ausgabe ist „die aus kunsthistorischer Sicht ganz unterschiedliche Qualität des Illustrationsmaterials“ und Grüningers Arbeit mit Versatzstücken. Das Zerschneiden von Holzschnitten und ihre Mehrfachverwendung war charakteristisch für Grüningers Arbeitsweise. Nicht zuletzt weil „[d]ie Notwendigkeit der Wiederbenutzung und die Kosten von Satzmaterial, ebenso die Schwierigkeiten und Kosten der Lagerung von Stehsatz [...] sehr früh zu Versuchen geführt [haben], die Reproduktion zu rationalisieren.“ Außerdem entsprach die Wiederverwendung älterer Bilder für Neuausgaben nicht nur des gleichen Textes, sondern auch für Bücher anderen Inhalts durchaus den damaligen Druckgepflogenheiten.
In dieser Untersuchung der Straßburger Eulenspiegelausgabe sollen einzelne Holzschnitte in ihrem Verhältnis zum Text betrachtet werden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand ausgewählter Historien herauszuarbeiten, wie sich das Verhältnis zwischen Holzschnitt und Text der jeweiligen Historie gestaltet. Anhand der Gruppeneinteilung Gundula Wucherpfennigs werden stellvertretend für die gesamte Gruppe jeweils zwei Historien untersucht. Thomas Cramer hat in seinem Beitrag „Der Bildniss jch hab har gemacht – Noch einmal: Zu Text und Bild im ‚Narrenschiff’“ die Frage aufgeworfen: „Was leisten die Bilder für den Text?“ Sowohl diese Frage als auch die Gegenfrage, die „Frage nach der Leistung des Textes für das Bild bzw. für einzelne Bilder“, sollen die Herangehensweise der Untersuchung bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Untersuchung
2.1 Ausgewählte Historien mit Holzschnitten der Gruppe 1
2.2 Ausgewählte Historien mit Holzschnitten der Gruppe 2
2.3 Ausgewählte Historien mit Holzschnitten der Gruppe 3
2.4 Ausgewählte Historien mit Holzschnitten der Gruppe 4
2.5 Ausgewählte Historien mit Holzschnitten der Gruppe 5
2.6 Zu den Architekturversatzstücken
3. Zusammenfassung
4. Literaturverzeichnis
Internetseiten:
5. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Text und Holzschnitten im Straßburger Eulenspiegelbuch von 1515. Ziel ist es, anhand ausgewählter Historien und unter Berücksichtigung verschiedener Bildgruppen herauszuarbeiten, wie die Illustrationen den Text interpretieren, ergänzen oder verändern.
- Analyse des Zusammenspiels von Text und Bildmotiv
- Untersuchung der Gruppeneinteilung der Holzschnitte nach Gundula Wucherpfennig
- Diskussion der Diskrepanzen zwischen bildlicher Darstellung und erzählter Handlung
- Betrachtung der Funktion von Füllholzschnitten mit Architekturmotiven
Auszug aus dem Buch
Die 63. Historie
Auf dem Hauptholzschnitt links neben dem Füllholzschnitt mit Architekturmotiv sind fünf Personen abgebildet, zwei im Vordergrund und drei weitere im Hintergrund. Im Vordergrund rechts sitzt ein Mann mit Zepter und Krone, bei dem es sich den Insignien nach zu urteilen um einen König oder Kaiser zu handeln scheint, auf einem Thron. Mit dem linken Zeigefinger weist er auf eine Brille, die Eulenspiegel, der ihm gegenüber steht, in seiner linken Hand nach vorn hält. Eulenspiegels rechter Zeigefinger zeigt ebenfalls auf die Brille. Eulenspiegel und der Herrscher blicken einander in die Augen. In Hintergrund in der Mitte des Bildes sind die Oberkörper dreier Männer zu sehen, die durch eine rechteckige Öffnung in den Raum blicken, in dem sich Eulenspiegel und der Herrscher befinden und miteinander diskutieren. Der Mann in der Mitte der Dreiergruppe ist barhäuptig, die beiden anderen tragen Hüte. Inwieweit sie mit Eulenspiegel und dem Herrscher in Zusammenhang stehen, wird nicht deutlich. Sie scheinen in ihre eigene Unterhaltung vertieft zu sein. Die beiden Männer, links und rechts blicken einander in die Augen, und der Mann in der Mitte schaut zu dem Mann, der links von ihm steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage zur Straßburger Eulenspiegelausgabe von 1515 und Formulierung der Forschungsfrage zum Verhältnis von Text und Bild.
2. Untersuchung: Detaillierte Analyse ausgewählter Historien und deren zugehöriger Holzschnitte, unterteilt nach verschiedenen Gruppierungen sowie eine gesonderte Betrachtung der Architekturversatzstücke.
3. Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der verschiedenen Funktionen der Holzschnitte im Eulenspiegel.
4. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Internetseiten.
5. Anhang: Tabellarische Übersicht der Historien im Bezug auf Stadt, Dorf und Verwendung von Architekturversatzstücken.
Schlüsselwörter
Till Eulenspiegel, Straßburger Eulenspiegelbuch, Johann Grüninger, Holzschnitt, Buchillustration, Text-Bild-Verhältnis, Bildgruppen, Historien, Spätmittelalter, Requisiten, Illustration, Buchdruck, Interpretationsansatz, Erzählweise, Druckgepflogenheiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie das Bildmaterial (Holzschnitte) des Straßburger Eulenspiegelbuchs von 1515 mit dem entsprechenden Text korrespondiert und welche Interpretationsleistungen die Illustrationen erbringen.
Welche Themenfelder stehen im Vordergrund?
Zentral sind die Analyse der Bild-Text-Beziehungen, die Gruppeneinteilung der Illustrationen nach Gundula Wucherpfennig und die Frage, inwieweit die Holzschnitte den Text ergänzen oder verfälschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, an hand von ausgewählten Historien aufzuzeigen, wie das Verhältnis zwischen Holzschnitt und Text der jeweiligen Geschichte gestaltet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine hermeneutische und komparative Analyse der Texte in Verbindung mit einer kunsthistorischen Betrachtung der jeweiligen Holzschnitte vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Bildgruppen und diskutiert deren visuelle Umsetzung der textlichen Vorlagen sowie den willkürlichen Einsatz von Füllholzschnitten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Till Eulenspiegel, Text-Bild-Verhältnis, Holzschnitt, Buchillustration und Straßburger Eulenspiegelbuch.
Warum werden in der 26. Historie Kinder als Erwachsene dargestellt?
Die Autorin vermutet, dass dies daran liegen könnte, dass es sich bei dieser spezifischen Ausgabe um ein Buch für Erwachsene handelte.
Welche Rolle spielen die Architekturversatzstücke im Buch?
Die Analyse zeigt, dass diese Füllholzschnitte völlig willkürlich und ohne konkreten inhaltlichen Bezug zur jeweiligen Historie eingesetzt wurden.
- Quote paper
- Anja Elstner (Author), 2003, Die Holzschnitte im Ulenspiegel - Eine Untersuchung zu Text und Bild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69175