"Der rasende Reporter" Egon Erwin Kischs und die Reflexion seiner Reportagen im Kontext des Nachrichtenwerts


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in das Thema und in die zu besprechenden Texte
1.1. Einleitung
1.2. Egon Erwin Kischs Biographie
1.3. Der rasende Reporter
1.3.1. Unter den Obdachlosen von Whitechapel
1.3.2. Dies ist das Haus der Opfer!

2. Die Reportage
2.1. Der Wahrheitsanspruch Kischs und die heutige Reflexion der Reportage
2.2. Nachrichtenfaktoren

3. Untersuchung
3.1. Welche Nachrichtenwertkriterien finden sich in Kischs Reportagen?
3.2. Ist Kischs Reportage eine Reportage?

4. Fazit

1. Einführung in das Thema und in die zu besprechenden Texte

1.1. Einleitung

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Reportagesammlung Der rasende Reporter von Egon Erwin Kisch. Zunächst werden seine Biographie und die Entstehung des Rasenden Reporters dargestellt. Nach einer kurzen Inhaltsangabe der beiden behandelten Reportagen Die Obdachlosen von Whitechapel und Dies ist das Haus der Opfer! wird erläutert, welche Anforderungen Kisch an die Reportage und den Reporter stellt, wie die Reportage in heutiger Zeit definiert wird und was Nachrichtenfaktoren sind. Anschließend werden beide Reportagen Kischs auf ihren Nachrichtenwert hin untersucht. Danach soll geklärt werden, ob Kisch seinen eigenen Anforderungen gerecht wird. Zum Schluss werden die Ergebnisse der Untersuchung in einem Fazit zusammengefasst.

1.2. Egon Erwin Kischs Biographie

Egon Erwin Kisch wird am 29. April 1885 als Sohn des jüdischen Tuchhändlers Hermann Kisch und dessen Frau Ernestine in Prag geboren.

1906 wird er nach dem Besuch einer Berliner Journalistenschule als Volontär beim Prager Tagblatt eingestellt. In den nächsten sieben Jahren arbeitet Kisch als Lokalreporter für die Prager Tageszeitung Bohemia und später für das Berliner Tageblatt, wo er seine ersten Reportagen verfasst. Hier trifft er zum ersten Mal auf das untere Milieu und auf Kleinkriminelle, über die er berichtet.

Nach Anbruch des Ersten Weltkriegs wird Kisch an die serbische Front geschickt, wodurch sein Kriegstagebuch Soldat im Prager Korps, welches später in Schreib das auf, Kisch! umbenannt wird, inspiriert ist. 1918 wirkt er im illegalen Arbeiterrat für Friedensverhandlungen mit und tritt ein Jahr später in die Kommunistische Partei Österreichs ein. Während des Kriegs beginnt Kisch, die Problematik journalistischer Arbeit zu erkennen und kritisiert, dass sich Zeitungen zu Propagandazwecken manipulieren lassen.

In den Zwanziger Jahren unternimmt Kisch zahlreiche Reisen durch Europa, Nordafrika und die Sowjetunion. 1925 veröffentlicht er sein Buch Der rasende Reporter, was zu einem Appellativum für ihn selbst wird.

1931 reist Kisch illegal nach China ein. Aus dieser Reise entsteht der Bericht China geheim. Zwei Jahre später geht Kisch nach Paris ins Exil, nachdem er auf Grund des Reichstagsbrand, kurz zuvor verhaftet, wegen seiner tschechischen Staatsbürgerschaft jedoch wieder freigelassen wird.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs flieht er aus Paris nach Mexiko, wo er als Redakteur für die Zeitschrift Freies Deutschland arbeitet. Nach sieben Jahren kehrt Kisch nach Prag zurück und wird dort Stadtrat. Kisch stirbt am 31. März 1948 in seiner Geburtstadt an einem Herzschlag.[1]

1.3. Der rasende Reporter

„Ich arbeite nicht mehr gerne für Zeitungen“[2], schreibt Kisch im November 1924 seiner Mutter in einem Brief, kurz nach der Veröffentlichung seines Rasenden Reporters. Er kritisiert die Presse in der Weimarer Zeit als „ein Werkzeug der Kapitalsvermehrung“[3], da sich sowohl die deutsche als auch die österreichische Presse der Kriegspropaganda unterwerfen.

Das Buch ist eine Sammlung aus 53 Reportagen, welche er selbst als die „merkwürdigsten meiner Reportagen“[4] betitelt. Erschienen ist diese Sammlung im Reiß-Verlag. Kisch stellt mit dem Rasenden Reporter die Anforderung an die Reportage, eine Form der Kunst zu sein[5] ; mit diesem Buch gelingt ihm ein journalistischer „Ansatz einer kritischen Wirklichkeitsdarstellung“[6]. Durch seine Reportagesammlung wird er zum „Schöpfer der literarischen Reportage“[7], konkomitierend präsentiert sich diese als „Manifest der „Neuen Sachlichkeit“[8], denn Kisch verbindet die detektivische Arbeit des Journalisten mit der „Entdeckung der Alltagswelt“[9] und pointiert die Faktizität seiner Reportagen sowie die sachliche Realitätswiedergabe[10]. Die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit impliziert nüchterne Sachbeschreibungen und die „an Tatsachen orientierte Materialaufbereitung durch einen erzählerischen (narrativen) Stil“[11]. Bis zur Veröffentlichung seines Buchs galt die Reportage gemeinhin als Genre ohne „wissenschaftliche Ambition und ohne literarisches Prestige“[12].

Seine Sammlung beinhaltet Reportagen, die in ihrem Inhalt stark divergieren; handelt die erste Reportage noch von Obdachlosen in London[13], so spielt sich das Geschehen der nächsten bereits auf dem Meeresboden[14] ab. Dem Leser wird der Eindruck eines rasenden Reporters suggeriert, was mit dem Titel des Werkes korrespondiert[15]. Bereits im Vorwort weist Kisch auf das Fehlen einer inhaltlichen Kohärenz der einzelnen Reportagen hin, in dem er konstatiert, dass „[d]ie nachstehenden Zeitaufnahmen […] nicht auf einmal gemacht worden“[16] sind. Scheinbar unmethodisch, versteckt sich dahinter „das Bestreben, aus isolierten Elementen früherer Kontexte einen Wirbel von Bildern verschiedener Zeiten und Räume zu erzeugen“[17].

Mit seinem Rasenden Reporter hat Kisch es geschafft, „eine eigenständige Form [zu schaffen], die, in ihrer Mischung aus journalistisch aufbereiteter Beobachtung, Dokumentation und narrativer Verknüpfungstechniken, von den drei […] Traditionen [Feuilleton, Zeitungsbericht und Kurzgeschichte] beeinflußt wurde, sich jedoch durch die Art und Weise, in der sie diese Elemente verwendete, von jenen emanzipiert hat“[18].

1.3.1. Unter den Obdachlosen von Whitechapel

Die Reportage handelt von einem Reporter, der sich eine Nacht in Ost-Londons Obdachlosenmilieu aufhält. Er beschreibt die Zustände der Clochards und ist erschrocken ob der Tatsache, dass es selbst unter den Ärmsten der Armen noch Hierarchien gibt. In Lumpen verkleidet, schleust sich der Reporter in das Nachtasyl Whitechapel ein, in dem lediglich die Plebejer der Stadtstreicher Obdach finden. Er beschreibt die entsetzlichen Zustände der Kantine, der Betten und der Waschsäle und belauscht das Gespräch einiger Nachtgäste. Nach überstandener Nacht ist der Reporter erleichtert, wieder in sein normales Leben zurückkehren zu können.

[...]


[1] Vgl. Schlenstedt, S.428- 431 und www.dhm.de

[2] Jacobi, S.111

[3] Jacobi, S.110

[4] Schlenstedt, S.182

[5] Vgl. Schlenstedt, S.184

[6] www.dhm.de

[7] Jacobi, S.108

[8] Jacobi, S.108

[9] Kreuzer, S.447

[10] Vgl. www.dhm.de

[11] Haller, S.45

[12] Kreuzer, S.446

[13] Vgl. Kisch, S.9

[14] Vgl. Kisch, S.15

[15] Vgl. Schlenstedt, S.185

[16] Kisch, S.8

[17] Schlenstedt, S.187

[18] Geisler, S.252

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Der rasende Reporter" Egon Erwin Kischs und die Reflexion seiner Reportagen im Kontext des Nachrichtenwerts
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V69184
ISBN (eBook)
9783638595384
ISBN (Buch)
9783638754354
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reporter, Egon, Erwin, Kischs, Reflexion, Reportagen, Kontext, Nachrichtenwerts
Arbeit zitieren
Jasmin Vukovic (Autor), 2007, "Der rasende Reporter" Egon Erwin Kischs und die Reflexion seiner Reportagen im Kontext des Nachrichtenwerts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69184

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