Aspekte der Kunstkalyptik Hansen-Löves in Nabokovs Vesna v Fialte’


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in das Thema der Arbeit und in die zu besprechenden Texte
1.1. Einleitung
1.2. Hansen-Löves Begriff der Kunstkalyptik
1.3. Inhaltsangabe von Vesna v Fialte’

2. Untersuchung
2.1. Kunstkalyptische Reflexion des Ortes Fialta
2.2. Die Person Nina als Medium der Kunstkalyptik
2.3. Kalyptischer Augen-Kult
2.4. Diskussion über den kalyptischen Gehalt der Icarus- und der Abendmahl-Allusionen

3. Fazit

1. Einführung in das Thema und in die zu besprechenden Texte

1.1. Einleitung

Die Hausarbeit soll sich mit der Theorie der Kunstkalyptik von Hansen-Löve in Bezug auf Vladimir Nabokovs Erzählung Vesna v Fialte’[1] befassen. Nach einer Einführung in Hansen-Löves Kunstkalyptik, in welcher ich nur auf die für den behandelten Text relevanten Einzelpunkte eingehen werde, gebe ich eine kurze Inhaltsangabe der Erzählung. Danach werde ich anhand der herausgearbeiteten Aspekte des Kalyptik-Begriffs von Hansen-Löve den Ort Fialta und die Person Nina analysieren und prüfen, inwiefern diese literarischen Elemente der Erzählung kalyptische Merkmale aufweisen. Anschließend beschäftige ich mich mit dem Augen-Kult der Kunstkalyptik und untersuche in diesem Zusammenhang den Engländer und Victor. Später erörtere ich anhand zweier Thesen der Erzählung die Frage, ob in der Erzählung nicht-kalyptische Motive enthalten sind. Zum Schluss gebe ich eine Zusammenfassung und einige abschließende Bemerkungen.

1.2. Hansen-Löves Begriff der Kunstkalyptik

Der Begriff „Kalyptik“ leitet sich von Kalypso ab, in der griechischen Mythologie eine Nymphe, deren Name Verbergerin“ bedeutet. Kalypso hält sowohl ihr trauerndes Gesicht unter einem Schleier als auch ihren Geliebten Odysseus auf der Insel Ogygia verborgen.

Die Kalyptik ist ein Element des Apollinischen, jenes Begriffs, unter welchem in der Literaturtradition die Prinzipien derjenigen Kunstrichtung zusammengefaßt werden, die vom Scheinhaften, Transparenten, Progressiv-Modernen getragen wird, während im Gegensatz dazu das Verständnis des Dionysischen das Rauschhafte, Ornamentale und Archaische impliziert.[2] Typisch für das Apollinische sind das Verhüllen unter der Oberfläche und die Weigerung, in die Tiefe zu gehen, um nach Verborgenem zu suchen.[3]

Hansen-Löve untersucht in seiner Theorie der Kunstkalyptik die apollinischen Motive bei Vladimir Nabokov. Im Gegensatz zum Dionysischen prävaliert im Apollinischen das Oberflächliche; hier liegt das Geheimnis, das lediglich verschleiert[4] und durch das Nicht-Zeigen gezeigt[5] wird.

Auf der Oberfläche des Textes prägt sich ein Muster aus, eine Struktur im Textum; Hansen-Löve begreift den Text als Gewebe.[6] Einer solchen Oberflächentextur korrespondiert die „Vorliebe für die Maske“[7], welche die Persönlichkeit des „Trägers anzeigt und zugleich verhüllt“[8]. Durch Auslassung bestimmter Daten entsteht eine „epische Spannung“ und die dadurch entstehende „Lücke im Gewebe“ ist für die Kunstkalyptik kennzeichnend.[9]

Der Aspekt der Zeit spielt in der Kunstkalyptik eine wesentliche Rolle. Die Zeit verläuft nur für den „platten Blick“[10] linear und zielgerichtet,[11] in der kalyptischen Betrachtung gewinnt sie jedoch die Form einer Fläche.[12] Nabokov versteht die Zeit in seinen Werken als Textur. In diesem Status kann die Zeit vom Autor auf verschiedenste Weisen instrumentalisiert werden. Ihr entspricht kein einfaches Nacheinander, sondern eine Überlagerung der verschiedenen Zeitpunkte.[13] Die Explosion der linearen Zeitstruktur identifiziert Hansen-Löve als eine Aufgabe des Künstlers.[14]

Das Medium des Sehens durch das „Auge der Welt“[15] ist ein weiterer relevanter Gesichtspunkt des Apollinischen. Der Augen-Kult[16] und der damit verbundene Voyeurismus sind zwei Aspekte, die in als kalyptisch geltenden Texten oftmals vorgefunden werden können. Voyeurismus wird in der Kunstkalyptik als Lustgewinn an der Schau verstanden. Die Vigilanz liegt auf der Beschaffenheit des Schleiers, der das Abgründige und Tatsächliche verhüllt. Bei Nabokov spielen Beobachten und Beobachtet-Werden eine zentrale Rolle.[17] Der „Extremfall kalyptischer Transparenz“[18] erfolgt in der Schau durch durchsichtige oder gar fehlende Augenlider, wie dies in einigen Werken Nabokovs der Fall ist. Durch das Auge[19] kann der Betrachter einer totalen Schau nachgehen, die dem Voyeurismus gleichkommt. Der Augen-Kult gipfelt in der Verwandlung einer Figur in ein einziges Auge mit der totalen Sicht auf die Welt[20].

In diesem Zusammenhang spricht Hansen-Löve von Schein, призрачность, und Transparenz, прозрачность[21]. Die Welt als transparentes Gebilde wird von einem allgegenwärtigen Welt-Auge beäugt. Hansen-Löve deklariert dieses Welt-Auge als „oko-okno“[22]. Es ist das Fenster zur Welt durch das das Auge seine Schau ausüben kann.

Apollon, ein Gott der griechischen Mythologie und Sohn des Zeus und der Leto, gilt als Gottheit des Lichts. Die Sonne und das Strahlen des Lichts sind apollinische Motive. Die Lichtmetaphorik korrespondiert mit den Licht- und Schattenmustern.[23] Das Flimmern der Oberflächentextur durch das Spiel von Licht und Schatten hat den Effekt einer „Augentäuschung“[24].

Der Antagonismus von Eros und Thanatos[25] ist ein weiterer Aspekt der Kunstkalyptik. Die von Sigmund Freud in seiner Triebtheorie[26] definierten Pole Eros, das Lustprinzip darstellend und Thanatos, den Todestrieb verkörpernd, stehen sich in der Kalyptik nahe. Beide werden partiell verwechselt[27] und können sich in einer Person vereinen[28]. Der „Eros- und Thanatoskult“[29] findet sich in der Untersuchung von Texten bezüglich der Kalyptik häufig wieder.

In dieser Arbeit soll die Theorie der Kunstkalyptik auf Vladimir Nabokovs Erzählung Vesna v Fialte’ angewandt werden. Besonderes Augenmerk wird auf die kalyptischen Aspekte Apoll, Licht und Schatten, Transparenz und Schein, Zeit sowie Augenkult und Voyeurismus und Eros- und Thanatos-Motivik gerichtet.

[...]


[1] Ich beziehe mich sowohl auf die englische Version von 1996, als auch auf die russische Version von 2001. Zwischen den beiden Ausgaben treten sowohl inhaltliche als auch sprachliche Diskrepanzen auf. Einige dieser Abweichungen werden in dieser Arbeit erwähnt.

[2] Nietzsche (1988) geht in seiner Geburt der Tragödie auf die Dichotomie Apollinisch versus Dionysisch ein.

[3] Vgl. Hansen-Löve, S.1

[4] Vgl. Hansen-Löve, S.2

[5] Vgl. Hansen-Löve, S.2

[6] Vgl. Hansen-Löve, S.7

[7] Hansen-Löve, S.5

[8] Hansen-Löve, S.5

[9] Vgl. Hansen-Löve, S.6

[10] Vgl. Hansen-Löve, S.23

[11] Vgl. Hansen-Löve, S.23

[12] Vgl. Hansen-Löve, S.24

[13] Vgl. Hansen-Löve, S.23

[14] Vgl. Hansen-Löve, S.24

[15] Vgl. Hansen-Löve, S.32

[16] Hansen-Löve, S.4

[17] Vgl. Hansen-Löve, S.16

[18] Hansen-Löve, S.17

[19] Der „Aug-Apfel“ gilt durchaus als „apollinisches Emblem“, Vgl. Hansen-Löve S.17

[20] Vgl. Hansen-Löve, S.26

[21] Hansen-Löve, S.4

[22] Vgl. Hansen-Löve, S.32

[23] Vgl. Hansen-Löve, S.37

[24] Hansen-Löve, S.11

[25] Vgl. Hansen-Löve, S.15

[26] Vgl. Freud (1920): Jenseits des Lustprinzips.

[27] Vgl. Hansen-Löve, S.21

[28] Vgl. Hansen-Löve, S.28

[29] Hansen-Löve, S.28

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Details

Titel
Aspekte der Kunstkalyptik Hansen-Löves in Nabokovs Vesna v Fialte’
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V69186
ISBN (eBook)
9783638595407
ISBN (Buch)
9783638768719
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aspekte, Kunstkalyptik, Hansen-Löves, Nabokovs, Vesna, Fialte’
Arbeit zitieren
Jasmin Vukovic (Autor), 2007, Aspekte der Kunstkalyptik Hansen-Löves in Nabokovs Vesna v Fialte’ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69186

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