Die Hausarbeit soll sich mit der Theorie der Kunstkalyptik von Hansen-Löve in Bezug auf Vladimir Nabokovs Erzählung Vesna v Fialte’ befassen. Nach einer Einführung in Hansen-Löves Kunstkalyptik, in welcher ich nur auf die für den behandelten Text relevanten Einzelpunkte eingehen werde, gebe ich eine kurze Inhaltsangabe der Erzählung. Danach werde ich anhand der herausgearbeiteten Aspekte des Kalyptik-Begriffs von Hansen-Löve den Ort Fialta und die Person Nina analysieren und prüfen, inwiefern diese literarischen Elemente der Erzählung kalyptische Merkmale aufweisen. Anschließend beschäftige ich mich mit dem Augen-Kult der Kunstkalyptik und untersuche in diesem Zusammenhang den Engländer und Victor. Später erörtere ich anhand zweier Thesen der Erzählung die Frage, ob in der Erzählung nicht-kalyptische Motive enthalten sind. Zum Schluss gebe ich eine Zusammenfassung und einige abschließende Bemerkungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema der Arbeit und in die zu besprechenden Texte
1.1. Einleitung
1.2. Hansen-Löves Begriff der Kunstkalyptik
1.3. Inhaltsangabe von Vesna v Fialte’
2. Untersuchung
2.1. Kunstkalyptische Reflexion des Ortes Fialta
2.2. Die Person Nina als Medium der Kunstkalyptik
2.3. Kalyptischer Augen-Kult
2.4. Diskussion über den kalyptischen Gehalt der Icarus- und der Abendmahl-Allusionen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Vladimir Nabokovs Erzählung Vesna v Fialte’ auf Grundlage der Theorie der Kunstkalyptik von Aage Hansen-Löve, um zu prüfen, inwiefern sich die literarischen Elemente des Textes als kalyptisch einordnen lassen.
- Analyse apollinischer Motive (Licht, Schatten, Transparenz)
- Die Rolle von Raum (Fialta) und Identität (Nina) im kalyptischen Kontext
- Untersuchung des kalyptischen Augen-Kults und Voyeurismus
- Diskurs über Eros- und Thanatos-Allusionen in der Erzählung
- Kritische Würdigung der Anwendbarkeit des Kalyptik-Begriffs auf Nabokov
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Person Nina als Medium der Kunstkalyptik
Offensichtlich sind die Treffen zwischen Victor und Nina in den fünfzehn Jahren unvorhergesehen und akzidentiell. Die Zusammenkünfte weisen eine auffällige Gemeinsamkeit vor: Jedes Mal ist es Victor, der Nina zuerst sieht und ad hoc wiedererkennt. So ist es auch bei ihrem letzten Treffen in Fialta. Doch auch Victor hätte Nina womöglich gar nicht entdeckt, hätte es nicht den Engländer gegeben, der mit seinem Auge Ninas Schritt gefolgt ist und sie sprichwörtlich anvisiert hat wie ein Jäger seine Beute.
Nina weist Züge nicht-menschlichen Gebarens auf. Ob in einem Modejournal, bei Victors Frau daheim oder am Bahnhof - Ninas sprunghaftes Auftauchen und Verschwinden zeugt von übernatürlichem Verhalten. Episodisch wie das Dienstmädchen in Ferdinands Geschichte tritt auch Nina in Victors Leben auf. Sie ist eine aus Schnappschüssen entstandene Figur, gänzlich durchsichtig, zusammenhanglos und sich an nichts erinnernd, ganz im Gegensatz zu Victor, der all die gemeinsamen Erlebnisse heraufbeschwört.
In Nina vereinen sich wenige menschliche und viele übernatürliche Eigenschaften; sie ist wie ein Geist und wird dadurch, vereinfacht gesagt, zum Inbegriff der Kalyptik. Victor schildert eine Begegnung am Bahnhof mit Nina. Strittig ist, wie Victor sich Ninas gewahr wurde. Ihr Gesicht ist durch den Blumenstrauß, den sie in ihren Händen hält, verschleiert, jedoch ist sie von einer Schar von Freunden umgeben. Anzunehmen ist, dass Victor Nina durch ihre Freunde identifiziert, während sie selbst in einem Blumenstrauß verhüllt ist. Sie entgleitet mit einer „безупречная гладкость“, gleichsam in eine andere Welt, als fliege sie. Diese Gegebenheit trägt kalyptische Merkmale, denn sie suggeriert dem Leser Ninas Geisterhaftigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Thema der Arbeit und in die zu besprechenden Texte: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die theoretischen Grundlagen der Kunstkalyptik nach Hansen-Löve sowie eine Zusammenfassung der Erzählung.
2. Untersuchung: In diesem Hauptteil werden der Ort Fialta, die Figur Nina und der Augen-Kult analysiert sowie die Bedeutung von Allusionen kritisch diskutiert.
3. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Kalyptik-Theorie als hilfreicher Interpretationsrahmen bestätigt, aber auch in ihrer Einseitigkeit kritisiert wird.
Schlüsselwörter
Kunstkalyptik, Aage Hansen-Löve, Vladimir Nabokov, Vesna v Fialte’, Apollinisch, Transparenz, Schein, Augen-Kult, Voyeurismus, Eros, Thanatos, Fialta, Zeitstruktur, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Vladimir Nabokovs Erzählung Vesna v Fialte’ unter dem theoretischen Blickwinkel der "Kunstkalyptik", wie sie Aage Hansen-Löve definiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die apollinische Ästhetik, die Darstellung der Zeit als Fläche, der Voyeurismus sowie die Motivik von Eros und Thanatos.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die Überprüfung, inwieweit die kalyptischen Merkmale (wie Verschleierung und Durchsichtigkeit) auf die Protagonisten und die Umgebung der Erzählung zutreffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den primären Erzähltext auf Basis der von Hansen-Löve erarbeiteten theoretischen Begriffe untersucht.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Ortes Fialta, die Rolle Ninas als kalyptisches Medium, den spezifischen Augen-Kult sowie eine Diskussion über symbolische Anspielungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff der Kunstkalyptik sind Begriffe wie Transparenz, Voyeurismus und die apollinische Ästhetik entscheidend für das Verständnis der Argumentation.
Inwiefern beeinflusst der Ort Fialta die kalyptische Wirkung der Erzählung?
Fialta wird als rätselhafter, durch Dunst und Licht verschleierter Ort beschrieben, der durch seine Durchsichtigkeit und melancholische Atmosphäre wesentliche Attribute der Kunstkalyptik erfüllt.
Wie wird das Ende der Erzählung im Hinblick auf den "Eros- und Thanatoskult" interpretiert?
Das Ende, das Ninas Tod und Victors Erlösung zeigt, wird als Moment gedeutet, in dem das strahlende Licht und der Tod verschmelzen, was dem kalyptischen Muster der Verbindung von Liebe und Vergänglichkeit entspricht.
- Quote paper
- Jasmin Vukovic (Author), 2007, Aspekte der Kunstkalyptik Hansen-Löves in Nabokovs Vesna v Fialte’ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69186