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Der Mythos von Daphne und Apoll bei Garcilaso de la Vega

Title: Der Mythos von Daphne und Apoll bei Garcilaso de la Vega

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 27 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Alice Ahlers (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Herrera wendet sich 1580 in seinem Kommentar der Frage zu, welche Merkmale eine eigenständige spanische Lyrik auszeichnen sollten. Er meint, dass nicht nur die Italienerallen voran Petrarca - nachgeahmt werden sollten. Man solle sich vor allem dem Reichtum der antiken Autoren zuwenden. Petrarca sei auch nicht so sehr, auf Grund der Imitatio der provenzalischen Troubadours, sondern vielmehr „por vestirse de la riqueza latina“1 zum Vorbild geworden. „(...) que piensan alcançar eterna los nuestros, no pusiera el cuidado en ser imitador suyo, sino endereçara el camino en seguimiento de los mejores antiguos, y juntando en una mescla a éstos con los italianos.” Im Hinblick auf die Imitatio in der spanischen Lyrik spricht man heute in der Forschung von einem „Systemwechsel von den mittelalterlichen zu den modernen Formen“3. Was zeichnet diesen Systemwechsel aus, wenn man die Funktion der Mythologie bei Garcilaso betrachtet? Darauf wird im Rahmen dieser Arbeit zurückzukommen sein. Wie aber sieht die moderne Forschung den Mythos? Hier wird dem Mythos vor allem eine strukturelle Offenheit zugesprochen.4 Dieser offene Kontext bedingt die Konstanz des Mythos bis heute, da er immer wieder neue Variationen zulässt. Der Mythos fungiert als eine Art Muster oder Rahmen. Die Verwendung von Mythologemen verändern sich je nach Intention der Literatur. Durch die Indifferenz von Raum und Zeit im Mythos, spricht man darüber hinaus von einer Kreisstruktur des Mythos, die überzeitlich ist. „Der Mythos hält etwas parat, das man die Struktur der offenen Situation nennen könnte. Danach wären sowohl die verschiedenen Dogmen der ‚Absolutisten’ als auch die jeweils konkrete mythische Bedeutsamkeit in der Geschichte immer nur einseitige Vollzüge dessen, was in der offenen Situation enthalten ist. [...]

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Apollo und Daphne in Ovids „Metamorphosen“

3. Apollo und Daphne als petrarkistische Liebende

3.1 Petrarkistische Elemente im Sonett XIII

3. 2 Der Apollo und Daphne Mythos bei Petrarca

4. Der Dichter zwischen Mittelalter und Neuzeit

4.1 Der antike Mythos als Moral

4. 2 Der Dichter als Betrachter des mythologischen Geschehens

5. Daphne und Apollo in der Ekloge III

5.1 Variationen des Mythos in der Ekloge III

5. 2 Die Sprechsituation

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang des Renaissance-Dichters Garcilaso de la Vega mit dem antiken Mythos von Apollo und Daphne. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Garcilaso den Mythos durch individuelle Variationen und eine spezifische Sprechsituation von der einseitigen mittelalterlichen moralischen Auslegung löst und eine eigene, moderne poetische Qualität etabliert.

  • Die Transformation des antiken Mythos bei Garcilaso.
  • Einfluss des petrarkistischen Liebeskonzepts auf die Mythenrezeption.
  • Die Rolle der Sprechsituation bei der Objektivierung mythischer Ereignisse.
  • Kontrastierung von mittelalterlicher Moralallegorese und Renaissance-Ästhetik.
  • Vergleichende Analyse von Sonett XIII und der dritten Ekloge.

Auszug aus dem Buch

3.1 Petrarkistische Elemente im Sonett XIII

Die antike Vorlage der Daphne und Apollo Episode bietet einen Stoff, der sich für den höfisch-petrarkistischen Rahmen nutzen lässt. Apollo ist hier Liebender und Leidender und seine Liebe bleibt gemäß dem petrarkistischen Ideal unerfüllt.14 So ist bei Garcilaso Apollo einmal mehr höfisch-petrarkistischer Liebender, wenn er dem mythologischen Geschehen das seiner Zeit entsprechende klassische Motiv des Weines beifügt. Es entspringt der Schmerzliebe. Prill spricht hier gar von einer Reduzierung Apollos zur „apollinischen Gießkanne“15. Wenn Apollo, motiviert durch den Verlust Daphnes nach der Verwandlung, Tränen vergießt, so sind diese wiederum Auslöser dafür, dass der Baum weiter wächst. Das Wachsen des Baumes veranlasst den Liebenden aber wieder zum Weinen. Durch das Motiv des Weinens wird also ein weiteres typisches Merkmal des Petrarkismus aufgerufen: Die Struktur eines ewigen Kreislaufs.

Im zweiten Kapitel ist im Vergleich zu Ovid bereits auf die antithetische Gestaltung bei Garcilaso hingewiesen worden. Im Petrarkismus ist die Antithese der stilistische Ausdruck des „antinomisch-paradoxalen Liebeskonzeptes“16, das auf Petrarca zurückgeht. Das Liebesgeschehen steht unter dem Zeichen des Kontrastes. Die Begegnung mit Laura erfährt der Sprecher bei Petrarca als „Epiphanie des Vollkommenen“17. Beglückung und Schmerz liegen hier nah beieinander. Das Verlangen nach dem Vollkommenen drückt sich im Diesseits aus und steht unter den Bedingungen des Irdischen. Gäbe die Dame dem Begehren nach, verlöre sie ihre Idealität und damit die Eigenschaft, der sie vor allem die Liebe des Sprecher verdankt. Sie versagt sich dem Liebenden und wird in ihrer Unnahbarkeit eine Quelle des Leids. Mit dem Thema der unerwiderten, unerfüllten Liebe bietet der Apollo und Daphne Mythos Garcilaso also einen Stoff, der sich in den höfisch-petrarkistischen Rahmen mühelos einbeziehen lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Imitatio in der spanischen Lyrik der Renaissance und führt in die moderne Forschungsperspektive zur Offenheit und überzeitlichen Struktur von Mythen ein.

2. Apollo und Daphne in Ovids „Metamorphosen“: Dieses Kapitel vergleicht Garcilasos Bearbeitung mit der antiken Quelle bei Ovid und stellt fest, dass Garcilaso gezielt spezifische Elemente für eine eigene Originalität auswählt.

3. Apollo und Daphne als petrarkistische Liebende: Hier wird analysiert, wie Garcilaso den Mythos in den höfisch-petrarkistischen Rahmen integriert, insbesondere durch das Motiv des Weinens und den Kontrast zwischen idealer Schönheit und Zerstörung.

4. Der Dichter zwischen Mittelalter und Neuzeit: Das Kapitel untersucht die Abgrenzung von der mittelalterlichen allegorischen Moralinterpretation und die Rolle des Dichters als distanzierter Beobachter.

5. Daphne und Apollo in der Ekloge III: Diese Analyse vertieft das Verständnis der komplexen Sprechsituation in der dritten Ekloge und den Zusammenhang zwischen Bildlichkeit und ästhetischer Reflexion.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Garcilaso durch die Variation des Mythos und die Gestaltung des lyrischen Ichs den Systemwechsel von mittelalterlichen zu modernen Formen in der spanischen Lyrik vollzieht.

Schlüsselwörter

Garcilaso de la Vega, Apollo, Daphne, Mythos, Petrarkismus, Imitatio, Metamorphosen, Renaissance, Sprechsituation, Liebeskonzept, Lyrik, Systemwechsel, allegorische Auslegung, ästhetische Reflexion, Mythenrezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Garcilaso de la Vega den antiken Mythos von Apollo und Daphne in seinen Werken, insbesondere im Sonett XIII und der dritten Ekloge, rezipiert und transformiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen antiker Tradition und Renaissance-Ästhetik, den Einfluss des petrarkistischen Liebeskonzepts sowie die Funktion des lyrischen Ichs.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu belegen, dass Garcilaso durch eine spezifische, distanzierte Sprechsituation und individuelle Variationen den Mythos von einer starren mittelalterlichen Moralauslegung befreit und ihn als Ausdruck ästhetischer Originalität nutzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die primär auf dem Vergleich zwischen den antiken Quellen (Ovid), der petrarkistischen Tradition und Garcilasos Texten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden das Sonett XIII und die dritte Ekloge detailliert analysiert, wobei besonders auf die Sprechsituation, die Transformation der Mythenfiguren und die poetologische Ironie eingegangen wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind unter anderem Garcilaso, Mythos, Petrarkismus, Imitatio, Sprechsituation, Transformation und Renaissance-Lyrik.

Wie unterscheidet sich Garcilasos Ansatz von der mittelalterlichen Ovid-Rezeption?

Im Gegensatz zur mittelalterlichen Praxis, den Mythos als rein christlich-moralisches Exempel zu verwenden, löst Garcilaso das mythologische Geschehen durch eine distanzierte Beobachterrolle des lyrischen Ichs aus dieser einseitigen Funktion.

Welche Bedeutung hat das Motiv des Weinens bei Garcilaso?

Das Motiv des Weinens dient als petrarkistisches Element, das einen ewigen Kreislauf von Schmerz und erneutem Wachstum des Lorbeerbaums erzeugt und somit die Unerfüllbarkeit der Liebe verdeutlicht.

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Details

Title
Der Mythos von Daphne und Apoll bei Garcilaso de la Vega
College
University of Cologne  (Romanisches Seminar)
Course
Spanische Lyrik der Renaissance
Grade
1.3
Author
Alice Ahlers (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V69203
ISBN (eBook)
9783638613002
Language
German
Tags
Mythos Daphne Apoll Garcilaso Vega Spanische Lyrik Renaissance
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alice Ahlers (Author), 2003, Der Mythos von Daphne und Apoll bei Garcilaso de la Vega, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69203
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