Das politische System der Europäischen Union ist im Wandel begriffen. Trotz einiger Rückschläge, wie der Ablehnung des Entwurfes für eine Europäische Verfassung in Frankreich, ist ein Bedeutungszuwachs der Europäische Union zu erkennen. Mit diesem Bedeutungszuwachs der supranationalen Ebene, wird seit einiger Zeit auch eine wachsende Bedeutung der subnationalen regionalen Ebene beobachtet, einhergehend mit einem Politikstil der versucht durch Verhandlung und Netzwerkbildung die Aufwertung der subnationalen Ebene zu nutzen und positive Effekte zu internalisieren. Die EU wird deshalb nicht mehr gesehen als ein zweigliedriges System aus Nationalstaat und EU, sondern als ein dynamisches Mehrebenensystem. Der vorliegende Beitrag untersucht daher, die Bedeutung der Regionen im Europäischen Mehrebenensystem mit besonderem Augenmerk auf die Formen der regionalen Interessenvertretung. Ich werde zunächst die neue konzeptionelle Grundlage des Mehrebenenansatzes und die Besonderheiten des Europäischen Mehrebenensystems darstellen. In den darauffolgenden Kapiteln werde ich die Regionalisierung des Europäischen Mehrebenensystems beschreiben und auf Formen der regionalen Interessenvertretung eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Inhalt und Struktur
2 Das Mehrebenensystem der Europäischen Union
2.1 Der Mehrebenenansatz als neues Erklärungsmodell
2.2 Die Charakteristika des Europäischen Mehrebenensystem
3 Die lokale und regionale Ebene im Mehrebenensystem der EU
3.1 Der Begriff der Regionalisierung
3.2 Die Regionalisierung des Mehrebenensystems der EU
3.3 Die Strukturpolitik der Europäischen Union als Ausgangspunkt für eine europäische Regionalpolitik
3.4 „Europa der Regionen“ – formelle und informelle Wege der regionalen Interessenvertretung im europäischen Mehrebenensystem
3.4.1 Der Ausschuss der Regionen
3.4.2 Die Generaldirektion XVI für Regionalpolitik der Europäischen Kommission
3.4.3 Der Ausschuss für Regionalpolitik im Europäische Parlament
3.4.4 Europäische Regionalorganisationen
3.4.5 Die Vertretungsbüros der Regionen
4 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Bedeutungszuwachs der Regionen innerhalb des politischen Systems der Europäischen Union. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie Regionen durch formelle und informelle Kanäle am europäischen Mehrebenensystem partizipieren und welche Auswirkungen diese Regionalisierung auf die EU-Politikgestaltung hat.
- Grundlagen des europäischen Mehrebenensystems und des Mehrebenenansatzes
- Entwicklung der regionalen Interessenvertretung und ihrer institutionellen Einbettung
- Analyse der EU-Strukturpolitik als Katalysator für die Einbindung regionaler Akteure
- Unterscheidung zwischen formellen Institutionen (z.B. Ausschuss der Regionen) und informellen Lobbying-Strukturen (z.B. Vertretungsbüros)
- Wechselwirkungen zwischen regionaler und europäischer Politik
Auszug aus dem Buch
1.0 Der Mehrebenenansatz als neues Erklärungsmodell
Der Mehrebenenansatz stellt eine neue Grundlage der politikwissenschaftlichen Diskussion über die Europäische Union dar. Die bisherige Debatte wurde überwiegend geprägt durch die neofunktionalistischen und die intergouvernementalisitschen Ansätze. Beide Ansätze versuchten die Frage zu beantworten warum es zu einer Europäischen Integration kam (Grande, 2000:11). Ihr Fokus lag weitestgehend auf den Urachen und Zielen des Integrationsprozesses. Die Intergouvernementalisten wie z.B. Moravcsik (1997) gehen davon aus, dass Staaten innerhalb einer sich integrierenden Europäischen Union die einzige entscheidende Machtposition innehaben. Der Schwerpunkt ihrer Analyse liegt deshalb hauptsächlich auf staatlichen Präferenzen und Machtverhältnissen innerhalb von Politikprozessen. Am Endpunkt der Europäischen Integration steht für die Intergouvernementalisten ein Staatenverbund.
Die Neofunktionalisten wie z.B. Haas (1964), sehen die Europäische Integration als „einen eigenständigen sich selbst verstärkenden Prozess, in dessen Verlauf sich supranationale Systeme entwickeln, auf die die Nationalstaaten eine wachsende Zahl von Kompetenzen verlagern, so dass es zu einem Souveränitätstransfer kommt (Eichener. 2000: 11)“. Betont wird von den Funktionalisten der Beitrag von privaten und öffentlichen Akteuren als Motoren des Integrationsprozesses. Am Ende dieses Integrationsszenarios könnte dann ein Bundesstaat stehen, in welchem die Nationalstaaten lediglich Untereinheiten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Inhalt und Struktur: Einführung in den Wandel des politischen Systems der EU hin zu einem dynamischen Mehrebenensystem und Zielsetzung der Arbeit.
2 Das Mehrebenensystem der Europäischen Union: Theoretische Einordnung des Mehrebenenansatzes und Erläuterung der Charakteristika des europäischen Systems.
3 Die lokale und regionale Ebene im Mehrebenensystem der EU: Detaillierte Analyse der Regionalisierung, ihrer Ursachen sowie der verschiedenen formellen und informellen Wege regionaler Interessenvertretung.
4 Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse über die wachsende Bedeutung der Regionen und die Wechselwirkung zwischen regionaler und europäischer Politik.
Schlüsselwörter
Mehrebenensystem, Europäische Union, Regionalisierung, Regionen, Interessenvertretung, Strukturpolitik, Mehrebenenansatz, Politikverflechtung, Europäische Integration, Policy-Netzwerke, Governance, Subnational, Institutionen, Ausschuss der Regionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die zunehmende Rolle und Partizipation der Regionen innerhalb des politischen Systems der Europäischen Union.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Themen sind die EU-Strukturpolitik, die Funktionsweise des Mehrebenensystems sowie verschiedene Wege der Interessenvertretung von Regionen in Brüssel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erarbeiten, wie sich die Regionen institutionell in das Mehrebenensystem eingliedern und welche Formen der Einflussnahme sie dabei nutzen.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verfolgt?
Die Arbeit nutzt den Mehrebenenansatz als theoretische Grundlage, um die Folgen der europäischen Integration für subnationale Akteure zu beleuchten.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Regionalisierung, die Bedeutung der EU-Strukturpolitik und eine detaillierte Auflistung formeller und informeller Interessenvertretungsorgane.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mehrebenensystem, Regionalisierung, Governance und Policy-Netzwerke.
Welche Rolle spielt der Ausschuss der Regionen im Mehrebenensystem?
Der Ausschuss der Regionen dient als institutionelle Stimme der Regionen, wobei die Arbeit kritisch beleuchtet, ob er eine starke Vertretung oder eher informeller Natur ist.
Warum sind die Vertretungsbüros der Regionen für die EU relevant?
Diese Büros ermöglichen den Regionen eine direkte, oft informelle Lobbyarbeit, um Informationen zu erhalten und Einfluss auf den politischen Willensbildungsprozess der EU zu nehmen.
- Quote paper
- Matthias Kreutzer (Author), 2004, Die Regionalisierung des Mehrebenensystems der EU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69235