Wille und Vernunft bei Thomas von Aquin


Seminararbeit, 2005

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Vorbetrachtung
II.I. Trennung von Leib und Seele
II.II Die Vermögen der Seele

III Begriffsbestimmung von Wille und Vernunft
III.I. Wesen von Wille und Vernunft
III.II. Notwendigkeit des Wollens

IV Tugend und Moralität als Inbegriff von Wille und Vernunft

V Fazit

VI Literatur

Anhang

I. Einleitung

Was macht das Wesen von Wille und Vernunft bei Thomas von Aquin aus?

Verhalten sich Wille und Vernunft konträr zueinander oder stehen sie in engen Zusammenhang?

Werden Wille und Vernunft durch Gott determiniert?

Bevor man sich der spezifischen Fragestellung nach der Vorstellung vom Willen und von der Vernunft zuwendet, sollten einige wichtige Ausgangspunkte hervorgehoben werden.

Zunächst sollte man sich stets vor Augen halten, dass Thomas von Aquin seinem Wesen nach Theologe war, auch beim Lesen seiner philosophischen Schriften. Alle seine Thesen gründen in einer theologischen Vorentscheidung. Die theologische Vorentscheidung beinhaltet, dass die Welt eine Schöpfung Gottes ist, und diese ist grundsätzlich positiv bestimmt.

„ Das von Gott Geschaffensein macht Größe und Würde der Welt aus, darin gründet ihre Selbstständigkeit und Eigenwertigkeit.“1 D.h. obgleich Gott die erste allgemeine Wirkungsursache ist, findet in den Dingen eine eigene Wirkkraft statt.

De facto müssen wir uns immer einer Allwirksamkeit Gottes und eine Eigenwirksamkeit der Geschöpfe im Hinterkopf bewahren.

Der Mensch, als Vernunft wesen, als verleiblichter Geist, ist Teil dieser Welt.„Alle Eigenständigkeit, Eigenwertigkeit und Eigenwirksamkeit der Welt sammelt sich gewissermaßen im Menschen, in der Autonomie der Vernunft.“2 Die Fähigkeit dieser ´ratio´

ist es die Wahrheit aus eigener Initiative zu finden. Die ´ratio´ weist also zwei Seiten auf. Zum einen erfährt die ´ratio´ von der Theologie selbst her eine Bevormundung durch den Glauben, zum anderen gewinnt die ratio eine Welterkenntnis auf selbstständiger Art und Weise. Außerdem kann man die Vernunft in Hinordnung auf ein bestimmtes Ziel in vier Kategorien einteilen: Die erste befasst sich mit Dingen, die sie betrachtet und entdeckt, aber nicht hervorbringt. Zuständige Wissenschaften wären die Mathematik und die Naturphilosophie. Die formale Logik beschäftigt sich mit der Ordnung der Begriffe und deren sprachlichen Zeichen zueinander.

Eine weitere Ordnung befasst sich mit der Herstellung von Dingen, wie zum Beispiel die Mechanischen Künste. Die letzte Vernunftklasse schafft Vernunft durch Wille nshandlungen. Dafür ist die Moralphilosophie zuständig, mit der sich diese Arbeit später noch beschäftigen wird.

Anhand dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie sich der Wille und die Moral zueinander verhalten und was das Wesen der Moralphilosophie des Thomas von Aquin ausmacht. Dazu soll anfänglich gezeigt werden, welchem Teil des Menschen die Vernunft und der Wille entspringt, ferner, ihr Verhältnis zueinander, und deren Beeinflussungsmöglichkeiten.

Am Ende soll deutlich zum Ausdruck gebracht werden, in welcher unabdingbaren Kohärenz sich Wille und Vernunft befinden.

II. Vorbetrachtung

II.I. Trennung von Leib und Seele

Zu Beginn stellt Thomas von Aquin klar, dass der Mensch keine Deduktion allgemeiner Prinzipien ist. Ferner macht er eine Analyse was der Mensch wirklich ist und ermittelt seine Seinsprinzipien von da aus.3

Neben der Tatsache, dass der Mensch ein Geschöpf Gottes ist gründet seine Theorie darin, dass der Mensch ein Kompositum aus Leib und Seele ist, das so von Gott geschaffen und beabsichtigt ist. Selbst die Individualität des Menschen ist ein Produkt Gottes.

Als nächstes gilt es den Zusammenhang zwischen dem Geist und der Materie etwas genauer zu erläutern.

Körper und Seele leben je in Selbstständigkeit, aber erst beide zusammen geben dem Menschen seine Vollständigkeit. Genauer gesagt, gibt die Seele dem Menschen seine ganze Artnatur, und könnte sich darüber hinaus ohne einen dazugehörigen Körper nicht verwirklichen. Daher müssen der Leib und die Seele immer in einem engen Zusammenhang gesehen werden.

II.II Die Vermögen der Seele

Die Vermögen der Seele können nun im Gegensatz zum Körper genauer differenziert werden.

Das erste Vermögen der Seele ist das vegetative, das zweite das Vermögen der Sinneswahrnehmungen, Begehrung, freie und willkürliche Bewegung und das letzte Vermögen nimmt der Verstand ein ( intellektuelles Vermögen).

Wie sich leicht erkennen lässt sind sowohl Wille als auch Vernunft Seelenvermögen, also Potenz der einen `anima`. Eine Trennung wäre schier unmöglich, da die Sinnlichkeit und das Denken im Menschen zusammenfallen, und es nicht das eine ohne dem anderen geben kann.

Der menschliche Versand, als höchste Potenz, benötigt ein Ersteres des Erkennens. Dazu benötigt er die Sinneswahrnehmungen, als erste Quelle der Erfahrung.

III Begriffsbestimmung von Wille und Vernunft

III.I. Wesen von Wille und Vernunft

Der Mensch ist Herr seiner Handlung in zwei – facher Hinsicht. Zum einen weiß, er was er tut, und zum andern tut er, was er tun will. Das letztere setzt einen freien Willen voraus, denn nur wer einen freien Willen hat, hat die Möglichkeit einer freiwilligen Handlung. Thomas von Aquin begründet es wie folgt: Wenn es keinen freien Willen gäbe, der Mensch demnach nicht die Möglichkeit hätte frei zu entscheiden, wären Vorschriften, Verbote, Regeln... völlig sinnlos. Drastischer formuliert würde dies bedeuten, dass letztendlich die Moralphilosophie aufgehoben würde, da sie ihren Nährboten verlieren würde.

Der Wille ist nach Aquin ein gewisses Streben, das wiederum als ein Rationales bestimmt wird. Dabei schließt er an Aristoteles Worten an „ Der Wille ist in der Vernunft“.

Wie muss man nun den Zusammenhang von Wille und Vernunft verstehen?

Wie bereits erwähnt sind beide Vermögen der Seele. Beide Vermögen werden durch ihre Formalobjekte voneinander abgegrenzt. Das Formalobjekt des Willen ist das Gute. Zwar kann der Wille Gutes oder Schlechtes Wollen, das Schlechte ist aber nach den Worten von Aquin nicht Wesen der Freiheit. Viel mehr sind das `summum bonum` und `beatitudo` die letzten Ziele der Freiheit. Genauer gesagt ist es eine natürliche Notwendigkeit, der der Wille anhängt.

(Ähnlich sogar widerstreitet weder die natürliche Notwendigkeit dem Willen. Es ist notwendig, gleich wo der Verstand aus Notwendigkeit den ersten Prinzipien anhängt, dass der Wille aus Notwendigkeit dem äußeren Zweck, der `Glücklichsein` ist. Denn der Zweck verhält sich im Machbaren wie der Anfang im Betrachtbaren, wie es in der zweiten Phys. gesagt wird. Denn es nützt, dass das, was sich einem naturgemäß ereignet und unbeweglich sei, Ursprung aller anderen Dinge sei: weil die Natur der Sache in jedem einzelnen als erstes ist, und jede Bewegung von irgendeinem Unbeweglichem vorangeht.( S. Th. Qu. 82, 1))4

Die Freiheit im Menschen setzt die Vernunft voraus, die dem Individuum Regeln und ein Richtmaß vorgibt. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen nimmt Anteil am ´lex naturalis´ (dem von Gott gegebenen ewigen Gesetz). D.h. dass der Mensch trotz seiner vegetativen und sensitiven Vermögen eine natürliche Neigung in sich verspürt gemäß der Vernunft zu handeln.

Das Formalobjekt der Vernunft ist die Wahrheit, wonach sich das Vermögen des Beurteilens und des Einschätzens der Vernunft richtet.

[...]


1 Richard Heinzemann, Thomas von Aquin, S. 26, 1994

2 Ebd., S.27

3 Ebd., S.44

4 Similiter etiam nec necessitas naturalis repugnat voluntati. Quinimmo necesse est quod, sicut intellectus ex necessitate inhaeret primis principiis, ita voluntas ex necessitate inhaerit ultimo fini, qui est beatitudo: [...] Oportet enim quod id quod naturaliter alicui convenit et immobiliter, sit fundamentum et principium omnium aliorum: quia natura rei est primum in unoquoque, et omnis motus procedit ab aliquo immobili. (S.Th. Qu. 82,1)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wille und Vernunft bei Thomas von Aquin
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Wille und Vernunft von Sokrates bis Kant
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V69236
ISBN (eBook)
9783638613163
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wille, Vernunft, Thomas, Aquin, Sokrates, Kant
Arbeit zitieren
Sylvi Roos (Autor), 2005, Wille und Vernunft bei Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69236

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