Vergleich der Fresken 'Das Quellwunder' und 'Die Vogelpredigt'


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einbettung der Fresken in die Kirche von San Francesco in Assisi

3. Bildbeschreibung des Quellwunders
3.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive

4. Bildbeschreibung der Vogelpredigt
4.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive

5.) Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Fresken das Quellwunder und die Vogelpredigt aus dem Zyklus des Heiligen Franziskus von Giotto

6.) Schlussbetrachtung

7.) Literaturverzeichnis

Abbildungen

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der heilige Franziskus gilt als der Ordensstifter der Franziskaner. Er wurde 1181/82 in Assisi geboren und starb dort am 3. 10.1226.

Nach einer verschwenderischen Jugend folgte seine Bekehrung um 1207. Danach stellte er sein ganzes Leben in den Dienst der Nachfolge Christi, wurde Wanderprediger und veröffentlichte Schriften wie den berühmten Sonnengesang (il cantico di frate Sole um 1224). Heute gilt er als Schutzheiliger Italiens und auf Grund seiner Liebe zur Natur und den Tieren auch als Schutzpatron der Tiere. Franziskus gehört zu den wenigen Heiligen des Mittelalters, die schon bald nach dem Tod nicht nur als Einzelgestalt, sondern auch mit ihrer Legende dargestellt wurden. Wie beispielsweise in der Oberkirche von San Francesco in Assisi und in der Badikapelle von Santa Croce in Florenz.

Ich möchte mich im Folgenden auf die Darstellungen des Franziskuszyklus in der Kirche San Francesco in Assisi konzentrieren. Der Zyklus der Vita des Heiligen Franziskus wurde um 1300 geschaffen, jedoch ist bis heute ungeklärt wer das Meisterwerk schuf. Es bestehen hierzu verschiedene Thesen, die die Meisterfrage klären sollen:

Vertreter der ersten These sehen Giotto di Bondone als den Meister der Franziskuslegende, das heißt, dass er für den Entwurf und die Ausführung mit Hilfe von Schülern und Gehilfen, verantwortlich gewesen sein soll.

Die zweite Gruppe vertritt den Standpunkt, dass Giotto nur den Entwurf gefertigt habe, die Ausführung dabei aber weitgehend seinen Schülern überlassen habe.

Weiterhin existiert eine Gruppe von Forschern die Giotto weder den Entwurf noch die Ausführung de Fresken zuspricht.[1]

Ich vertrete den Standpunkt, dass es sich um Giotto selbst als Meister des Zyklus handelt.

Ich möchte aus dem Zyklus zwei Fresken besonders hervorheben: Das Quellwunder und Die Vogelpredigt. Die beiden Werke befinden sich in unmittelbarer Nähe von einander, links und rechts des Portals an der Eingangswand zur Oberkirche von San Francesco.

Im meiner Arbeit möchte ich diese vergleichen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Bilder darlegen. Bei der Betrachtung der Darstellungen gehe ich besonders auf die Form, die Farbgebung, kompositionelle Aspekte sowie den Bildinhalt der Fresken ein.

2. Einbettung der Fresken in die Kirche von San Francesco in Assisi

Zwei Jahre nach dem Tode Franziskus bereiste Papst Gregor der Neunte Assisi, um Franziskus aufgrund der Zeugnisse und Wunder, die über ihn berichtet wurden in die Zahl der Heiligen aufzunehmen. Am 16. Juli 1228 wurde die Kanonisation vollzogen und am folgenden Tag legte Gregor selbst den Grundstein zum Bau der Kirche San Francesco in Assisi.[2]

1230 erklärte Papst Gregor der Neunte San Francesco zur Haupt- und Mutterkirche des von Franziskus gegründeten Ordens der Franziskaner. San Francesco ist nicht nur durch kathedrale Größe, sondern auch durch die Superfluitas einer Krypta und durch eine Unter- und Oberkirche über gewaltigen Substruktionen ausgezeichnet. Außerdem hat sie auch einen gewaltigen Glockenturm.[3]

Der Zyklus der Legende des Heiligen befindet sich in der Oberkirche von San Francesco. Die Oberkirche ist eine einschiffige, kreuzförmige Anlage. Vier fast quadratische Gewölbefelder bilden das Langhaus, in das man durch einen schmalen tonnengewölbten Raum eintritt. Das Querschiff wird von drei quadratischen Gewölben gebildet. Die Apsis ist aus fünf Seiten des Achtecks gebildet.[4] Der Freskenzyklus umfasst 28 Bilder. Diese sind nebeneinander auf gleicher Höhe in der Sockelzone der Langhauswände und links und rechts des Eingangsportals angebracht. Die Erzählfolge beginnt im Westen der Nordwand, verläuft über diese, die Ost- und Südwand und endet dem ersten Fresko gegenüber im Südwesten der Langhauswand.[5] Das Langhaus hat vier Joche, von denen das am Eingang gelegene etwas länger ist als die übrigen. In ihm befinden sich auf jeder Wand vier Szenen, in allen übrigen sind es nur je drei Szenen. Zwei weitere Darstellungen, das 14. und 15. Fresko, das Quellwunder und die Vogelpredigt, befinden sich rechts- und linksseitig des Portals.[6] Unmittelbar über den Darstellungen der Legende des Heiligen Franziskus befinden sich Fresken des Alten und Neuen Testamentes, welche von Westen nach Osten gemalt sind. Ihrer Richtung folgen auch die ersten vierzehn Darstellungen aus dem Leben des Franziskus. Hingegen laufen die nächsten vierzehn Darstellungen aus dem Leben des Franziskus in Gegenrichtung der Darstellungen des Neuen Testamentes. Die Einteilung der Fresken der Franziskuslegende in einen ersten und einen zweiten Teil ergibt sich durch die Darstellung unter dem Alten Testament als ersten Teil, und dem Neuen Testament als zweitem Teil.[7]

Vor dem Fresko des Quellwunders befindet sich das 13. Fresko, Die Weihnachtsfeier in Greccio. Der Vogelpredigt folgt als 16. Fresko des Zyklus Der Tod des Edlen von Celano. Nie zuvor wurde ein so umfangreicher Bildzyklus einem einzigen Heiligen gewidmet.[8]

3. Bildbeschreibung des Quellwunders

3.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive

Das Quellwunder (siehe Abb.1) von Giotto di Bondone ist das 14. Fresko des Zyklus der Legende des Heiligen Franziskus in der Oberkirche von San Francesco in Assisi. Das Bild ist auf 1297 datiert und hat eine Größe von 270 x 200 cm.

Es befindet sich auf der linken Seite der inneren Fassadenwand der Oberkirche und ist verhältnismäßig gut erhalten.[9] Wie oben bereits erwähnt handelt es sich um die Darstellung des Quellwunders. Die Fresken des Zyklus sind durch ein vereinheitlichendes Rahmensystem gekennzeichnet, welches sich auch beim Fresko des Quellwunders wiederfindet.[10] Es handelt sich hier um eine regelrechte Rahmenarchitektur, die der Gliederung der gebauten Architektur an die Seite tritt. Unter dem Bild befindet sich ein mit gemalten Teppichen geschmückter Sockelstreifen. Der Bilderfries wird jeweils durch gemalte Marmorgesimse klar abgegrenzt. Das obere Gesims, das von Konsolen getragen wird, ist in Untersicht gezeigt. An den Seiten wird das Bild durch Säulen, deren Plinthen schräg nach hinten abfallen, umrahmt.[11]

Das Fresko ist durch eine Dreieckskomposition gegliedert.

Der Betrachter findet den Einstieg in das Bild unten links in der vorderen Ecke. Dort sind zwei Männer mit einem Esel dargestellt. Einer der Männer hält den Esel an der Leine. Der Körper des Esels ist in der Mitte durch den Bildrand abgeschnitten. Der Esel trägt einen Sattel, welcher sehr detailliert dargestellt, aber nur zur hälfte sichtbar ist. Der Esel hat sein rechtes Bein angewinkelt.[12] Die beiden Männer sind stehend dargestellt, tragen beide Kutten, an den Füßen haben sie Sandalen. Sie haben beide eine kleine Tonsur. Die Männer blicken sich an, ihr Gesichtsausdruck zeigt Erstaunen.

In der Bildmitte sehen wir eine weitere männliche Person, sie kniet auf einem Felsen. Die Person ist im Profil dargestellt und trägt eine braune Kutte, ebenso wie die anderen beiden Figuren in der linken Bildecke. Jedoch trägt sie, im Gegensatz zu den anderen Personen, die große Tonsur. Der Nimbus über seinem Haupt lässt erkennen, dass es sich bei dieser Figur um einen Heiligen handelt. Gemeint ist hier der Heilige Franziskus, dem der Zyklus gewidmet ist. Er ist die Hauptperson des Bildes. Er blickt zum Himmel auf, seine beiden Hände sind erhoben. Der Heilige nimmt die Gestalt eines Betenden ein.

Auf der rechten Bildseite ist ganz außen ein kleiner blauer Wasserstreifen zu sehen, über den sich eine weitere Person beugt, um aus diesem zu trinken. Bei der Person handelt es sich ebenfalls um einen Mann. Er stützt sich mit beiden Händen und Füßen auf einem weiteren Felsen ab, wobei nur eines der beiden Beine zu sehen ist. Das andere wird von seinem blauen Gewand überdeckt. Der Mann hat längere hellbraune Haare und trägt einen spitzen Hut.

[...]


[1] ANTONIC, Magda: Bildfolge, Zeit- und Bewegungspotential im Franziskuszyklus der Oberkirche San Francesco in Assisi. Ein Beitrag zur Klärung der Giotto-Frage. Frankfurt am Main u. a. 1991 (Bochumer Schriften zur Kunstgeschichte; Band 18), S.2.

[2] THODE, Henry: Franz von Assisi und die Anfänge der Kunst der Renaissance in Italien, 2. Auflage. Berlin 1904, S. 197.

[3] SCHRADE, Hubert: Franz von Assisi und Giotto. Köln 1964, S. 13.

[4] Thode 1904, S. 195.

[5] Antonic 1991, S. 7.

[6] Thode 1904, S. 146.

[7] Ruf, P. Gerhard: Franziskus und Bonaventura. Die Heilsgeschichtliche Deutung der Fresken im Langhaus der Oberkirche von San Francesco in Assisi aus der Theologie des heiligen Bonaventura. Assisi 1974, S.176.

[8] Poescke, Joachim: Die Kirche San Francesco in Assisi und ihre Wandmalereien. München 1985, S. 34.

[9] Ruf 1974, S. 172.

[10] Poeschke 1974, S. 37.

[11] Ebd. S. 38.

[12] Schrade 1964, S. 85.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Fresken 'Das Quellwunder' und 'Die Vogelpredigt'
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
HEILIGE- Ikonographie und Verehrung
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V69287
ISBN (eBook)
9783638622004
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Fresken, Quellwunder, Vogelpredigt, HEILIGE-, Ikonographie, Verehrung
Arbeit zitieren
Carina Danzer (Autor), 2005, Vergleich der Fresken 'Das Quellwunder' und 'Die Vogelpredigt', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69287

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