Das künstlerisch- intellektuelle Feld Bourdieus und das Phänomen der Young German Art


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Habitus, Feld, Kapital und ihre Bedeutung für das künstlerisch-intellektuelle Feld Pierre Bourdieu´s
2.1 Habitus
2.2 Feld
2.3 Kapital

3. Pierre Bourdieu´s Theorie zum künstlerisch– intellektuellen Feld
3.1 Externe und interne Strukturen des künstlerisch- intellektuellen Feldes
3.2 Soziale Akteure innerhalb des Feldes und ihre Beziehungen zueinander
3.3 Der religionssoziologische Ansatz Max Weber´s in Bourdieu´s Theorie zum künstlerisch- intellektuellen Feld

4. Die Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig und das Phänomen der „Young German Art“

5. Die Theorie des künstlerisch- intellektuellen Feldes Pierre Bourdieu´s in Bezug auf die Akteure der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

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Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit soll das Phänomen der Young German Art mit Hilfe der Theorie Pierre Bourdieu´s zum künstlerisch- intellektuellen Feld aus dem Blickwinkel der Soziologie beleuchten und zusammenführen. Eine Analyse der einzelnen Positionen und Stellungen bezogen auf die Theorien Bourdieu´s soll die Aktualität der Theorien zeigen. Dabei werden die Grundbegriffe der Theorie, wie Habitus, Feld, und Kapital geklärt und auf das künstlerische Feld bezogen. Danach wird auf die externen und internen Strukturen des Feldes eingegangen und auf die sozialen Akteure und ihre Beziehungen zueinander. Weiterhin wird der religionssoziologische Ansatz Max Weber´s in der Theorie Bourdieu´s erklärt. Nach der Vorstellung der Leipziger Kunsthochschule, wird die Theorie des künstlerisch-intellektuellen Feldes in Bezug zu den Akteuren in Leipzig gesetzt. Das Ergebnis zeigt, dass die Theorie Bourdieu´ s klare Hinweise auf die Stellung der einzelnen Akteure gibt und so die Klärung der Strukturen des Geflechtes der verschiedenen Beziehungen des Leipziger Künstlerkreise erleichtert. Handlungsweisen und Konzeptionen der verschiedenen Akteure werden nachvollziehbar und das Phänomen kann geklärt werden.

1. Einleitung

Über Akteure oder Ereignisse in der Welt der Kunst zu sprechen, heißt die sozialen Strukturen in den Blick zu nehmen, in welche diese Akteure oder Ereignisse eingelassen sind.[1] Die Analyse über das künstlerische Feld in Pierre Bourdieu´s Theorien zum sozialen Raum bietet hierzu einen wesentlichen Ansatz, den ich in meiner Arbeit näher verfolgen möchte.

Ziel meiner Darlegungen soll es sein die Leipziger Kunsthochschule, ihre Akteure und ein sich dort in diesen Tagen abspielendes Phänomen aus soziologischer Seite zu betrachten. Eine Analyse der einzelnen Positionen und Stellungen der Maler, Professoren Künstler und Kritiker aus Leipzig, bezogen auf die Theorien Bourdieu´s soll die Aktualität der Theorien zeigen und die Kunstszene von soziologischer Seite aus betrachten.

Hierbei stelle ich zuerst die Hochschule für Graphik und Buckkunst in Leipzig vor, gehe näher auf besondere Künstler, ihre Kunstwerke und weitere wichtige Personen in ihrem Umfeld wie Kritiker, Galeristen und Professoren ein. Um die Strukturen und Ereignisse der Kunstwelt aus soziologischer Sicht zu verstehen folgt eine Einführung und Erläuterung der Grundbegriffe und der wesentlichen Aspekte Pierre Bourdieu´s zum künstlerische intellektuellen Feld. Hier wird auf externe und interne Strukturen des Feldes, einzelne Akteure, ihre Beziehungen zueinander eingegangen und der religionssoziologische Ansatz Max Weber´s in Bourdieu´s Theorie beleuchtet.

Am Ende der Arbeit werde ich zeigen, ob sich das Phänomen der Young German Art problemlos in die aufgestellten Schemata Bourdieu´s einfügen läßt.

2. Habitus, Feld, Kapital und ihre Bedeutung für das künstlerisch-intellektuelle Feld Pierre Bourdieu´s

Der Habitus, das Kapital und der Begriff des Feldes bilden die Grundbegriffe in Pierre Bourdieu´s Theorien des sozialen Raumes. Im Folgenden möchte ich diese Grundbegriffe erläutern und ihre Bedeutung für das künstlerisch-intellektuelle Feld darlegen.

2.1 Habitus

Das Konzept des Habitus ist in nahezu allen soziologischen Untersuchungen Pierre Bourdieu´s von essentieller Bedeutung. Der Habitus wird als Dispositionssystem sozialer Akteure verstanden.[2] Formal gesehen bildet er den Übergang von Objektivismus und Subjektivismus und überwindet somit deren komplementäre Einseitigkeit.[3] Dem Begriff des Habitus wird die Bedeutung von Anlage, Haltung, Erscheinungsbild, Gewohnheit oder Lebensweise zugetragen.[4] Auf sehr allgemeine Weise definiert Bourdieu Habitusformen als Systeme dauerhafter Dispositionen, strukturierte Strukturen, seine Grundannahme liegt dabei darin, dass soziale Akteure mit systematisch strukturierten Anlagen ausgestattet sind, die für ihre Praxis und ihr Denken über diese Praxis wesentlich sind.[5] Der Habitus ist gesellschaftlich bedingt er ist nicht angeboren, er beruht auf Erfahrungen, die sich in jedem Organismus anhand von Wahrnehmungs-, Denk-, und Handlungsschemata niederschlagen.[6] Diese Schemata sind in der Praxis unauflöslich miteinander verbunden und wirken fortwährend zusammen, charakteristisch für sie ist, dass sie unbewußt geschehen. Ein weiteres wichtiges Charakteristikum, welches den Begriff des Habitus für die Soziologie wesentlich macht, ist seine gesellschaftliche Bedingtheit, denn der Habitus determiniert, durch die spezifische Position im sozialen Feld des einzelnen Akteurs, welche Stellung er innerhalb der Sozialstruktur einnimmt. Doch der Habitus ist nicht nur gesellschaftlich bedingt sondern auch sozialstrukturell, durch die Stellung die ein Akteur innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen einnimmt. Der Habitus formt sich im Zuge der Verinnerlichung der äußeren gesellschaftlichen Bedingungen des Daseins, die Formung vollzieht sich ungleich, das heißt im Grunde klassenspezifisch.[7] Im Zuge des Habitus spricht man daher auch von einem modus operandi, der im Wesentlichen die Art und Weise der Ausführung von Praktiken und weniger von Praxisinhalten bestimmt.[8] Die von mir bisher erörterten internen Habitusstrukturen bilden nur eine Seite eines komplexen Verhältnisses. Die andere Seite bilden die externen, objektiven Strukturen bilden. Unter diesen objektiven Strukturen versteht man die Strukturen der sozialen Felder. Zwischen Habitus und sozialem Feld besteht demnach ein unauflösliches Komplementärverhältnis.[9] Korrelativ zum Habitusbegriff – „Leib gewordener Geschichte“- steht der Feldbegriff- Ding gewordene Geschichte.[10] Im gleichen Sinne wie sich der Habitus in Form von Handlung, Denk- und Wahrnehmungsstrukturen ausbildet, so konstituieren sich umgekehrt die externen sozialen Strukturen im Vollzug gesellschaftlicher Praxis. Der Habitus fungiert demnach als Vermittlung zwischen Struktur und Praxis. In Bezug auf das künstlerisch intellektuelle Feld ist der Habitus von großer Bedeutung da Bourdieu den Begriff des Habitus von E. Panofsky entlehnte, der ihn in und durch die Analyse eines Kunstwerkes entwickelte. Innerhalb des Feldes verbindet der Habitus den Künstler mit der Kollektivität und mit seinem Zeitalter, ohne dass der Künstler es merkt spiegelt sich sein Habitus in seinen Werken wieder.[11] Dies drückt sich beispielsweise im lndividualstil des Künstlers aus.

[...]


[1] Zitko, Hans, 2000: Die Kunst und ihre gesellschaftliche Legitimation. Kritische Anmerkungen zur Kunstsoziologie Pierre Bourdieus. S. 171 –186 in: Hans Zitko ( Hg.): Kunst und Gesellschaft. Beiträge zu einem komplexen Verhältnis. Heidelberg: Kehrer Verlag, S.173.

[2] Schwingel, Markus, 2003:Pierre Bourdieu. Zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag, S.73.

[3] Ebd. S.5.

[4] Ebd.S.60.

[5] Ebd.S.61.

[6] Bourdieu, Pierre, 1987: Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S.101.

[7] Schwingel 2003, S.66.

[8] Bourdieu, Pierre, 1982: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 281.

[9] Schwingel 2003, S.81.

[10] Bourdieu, Pierre, 1985: Sozialer Raum und "Klassen". Leçon sur la leçon. Zwei Vorlesungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S.69.

[11] Jurt, Joseph, 1994: Für eine Wissenschaft der Genese kultureller Werke. Versuch einer Rekonstruktion des literatursoziologischen Ansatzes von Pierre Bourdieu in Les règles de l´art. S. 319-347 in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen.Bd.231.Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 322.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das künstlerisch- intellektuelle Feld Bourdieus und das Phänomen der Young German Art
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Lektürekurs Pierre Bourdieu
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V69291
ISBN (eBook)
9783638622127
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feld, Bourdieus, Phänomen, Young, German, Lektürekurs, Pierre, Bourdieu
Arbeit zitieren
Carina Danzer (Autor), 2005, Das künstlerisch- intellektuelle Feld Bourdieus und das Phänomen der Young German Art , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69291

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