Die vorliegende Arbeit soll das Phänomen der Young German Art mit Hilfe der Theorie Pierre Bourdieu´s zum künstlerisch- intellektuellen Feld aus dem Blickwinkel der Soziologie beleuchten und zusammenführen. Eine Analyse der einzelnen Positionen und Stellungen bezogen auf die Theorien Bourdieu´s soll die Aktualität der Theorien zeigen. Dabei werden die Grundbegriffe der Theorie, wie Habitus, Feld, und Kapital geklärt und auf das künstlerische Feld bezogen. Danach wird auf die externen und internen Strukturen des Feldes eingegangen und auf die sozialen Akteure und ihre Beziehungen zueinander. Weiterhin wird der religionssoziologische Ansatz Max Weber´s in der Theorie Bourdieu´s erklärt. Nach der Vorstellung der Leipziger Kunsthochschule, wird die Theorie des künstlerisch-intellektuellen Feldes in Bezug zu den Akteuren in Leipzig gesetzt. Das Ergebnis zeigt, dass die Theorie Bourdieu´s klare Hinweise auf die Stellung der einzelnen Akteure gibt und so die Klärung der Strukturen des Geflechtes der verschiedenen Beziehungen des Leipziger Künstlerkreise erleichtert. Handlungsweisen und Konzeptionen der verschiedenen Akteure werden nachvollziehbar und das Phänomen kann geklärt werden.
Struktur der Arbeit
1. Einleitung
2. Habitus, Feld, Kapital und ihre Bedeutung für das künstlerisch-intellektuelle Feld Pierre Bourdieu´s
2.1 Habitus
2.2 Feld
2.3 Kapital
3. Pierre Bourdieu´s Theorie zum künstlerisch– intellektuellen Feld
3.1 Externe und interne Strukturen des künstlerisch- intellektuellen Feldes
3.2 Soziale Akteure innerhalb des Feldes und ihre Beziehungen zueinander
3.3 Der religionssoziologische Ansatz Max Weber´s in Bourdieu´s Theorie zum künstlerisch intellektuellen Feld
4. Die Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig und das Phänomen der „Young German Art“
5. Die Theorie des künstlerisch- intellektuellen Feldes Pierre Bourdieu´s in Bezug auf die Akteure der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, das Phänomen der "Young German Art" unter Anwendung der soziologischen Feldtheorie von Pierre Bourdieu zu analysieren und die Akteure des Leipziger Kunstumfelds in dieses theoretische Gefüge einzuordnen.
- Analyse der Bourdieu-Grundbegriffe: Habitus, Feld und Kapital.
- Erforschung der internen und externen Strukturen des künstlerisch-intellektuellen Feldes.
- Integration des religionssoziologischen Ansatzes von Max Weber in die Feldtheorie.
- Untersuchung der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst und ihrer Akteure.
- Evaluierung der Übertragbarkeit des Bourdieu-Schemas auf zeitgenössische Kunstphänomene.
Auszug aus dem Buch
3.1 Externe und interne Strukturen des künstlerisch- intellektuellen Feldes
Bourdieu ging es sowohl um die Bestimmung des Verhältnisses zwischen intellektuellen Feld und den übrigen Feldern als auch um die Analyse der Strukturen innerhalb des Feldes selbst. Ausgehend vom sozialgeschichtlichen Faktum des Übergangs von der Ständegesellschaft zur bürgerlichen Gesellschaft, konstatiert Bourdieu einen "besonderen Typus von Legitimation" der Ausbildung des künstlerischen- intellektuellen Feldes, der sich durch seine oppositionelle Stellung zur ökonomischen, religiösen oder politischen Macht auszeichnet.16 Unter Intellektuellen versteht er dabei im Allgemeinen alle über eine gewisse professionelle Kompetenz verfügenden, wissenschaftlichen, schriftstellerischen und künstlerischen Geistesarbeiter.17 In meiner Arbeit werde ich vorwiegend auf die Gruppe der Künstler innerhalb des Intellektuellen Feldes eingehen. Die Intellektuellen vertreten dabei Interessen, die mit ihrer Teilnahme an den Feldern der kulturellen Produktion verbunden sind, wie die Akkumulation von kulturellem und symbolischem Kapital oder die Formulierung wissenschaftlicher Erkenntnisse.18 Sozialstrukturell betrachtet nimmt die Gruppe der Intellektuellen, die sich nicht selten als freidüngende und vorraussetzungslos agierende Einheit ansieht, eine spezifische aber auch zwiespältige Position innerhalb des Feldes ein. Bourdieu zählt die Intellektuellen zur herrschenden Klasse.19 Eine herrschende Klasse ist sie dadurch, dass ihre Mitglieder, als Kulturkapitalbesitzer, über relativ seltene und ungleich verteilte kulturelle Machtmittel und Kompetenzen verfügen. Innerhalb der herrschenden Klassen, d.h. innerhalb des Machtfeldes, stellen die Intellektuellen jedoch den dominierten Pol des Feldes dar, denn in ihren Beziehungen zu den Inhabern der politischen und der ökonomischen Macht sind sie dominiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der Leipziger Kunstszene, sowie Darlegung der soziologischen Herangehensweise mittels Bourdieu.
2. Habitus, Feld, Kapital und ihre Bedeutung für das künstlerisch-intellektuelle Feld Pierre Bourdieu´s: Definition und Erläuterung der zentralen theoretischen Begriffe, die das Fundament für die weitere soziologische Analyse bilden.
3. Pierre Bourdieu´s Theorie zum künstlerisch– intellektuellen Feld: Detaillierte Untersuchung der Feldstrukturen sowie der Übertragung religionssoziologischer Konzepte nach Max Weber auf das künstlerische Feld.
4. Die Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig und das Phänomen der „Young German Art“: Historische Einordnung der Leipziger Schule und Beschreibung des Aufstiegs von Künstlern wie Neo Rauch und Tim Eitel.
5. Die Theorie des künstlerisch- intellektuellen Feldes Pierre Bourdieu´s in Bezug auf die Akteure der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig: Anwendung der erarbeiteten Theorie auf die Akteure der Leipziger Szene, um deren Rollen und Beziehungen nachvollziehbar zu machen.
6. Schlussbetrachtung: Fazit zur Anwendbarkeit von Bourdieus Theorien auf das Phänomen der Young German Art und Zusammenführung der Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Habitus, Feldtheorie, Kapital, Young German Art, Leipziger Schule, Kunstsoziologie, Neo Rauch, symbolisches Kapital, Autonomie, Heteronomie, künstlerisch-intellektuelles Feld, Max Weber, soziale Akteure, Kunstmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der "Young German Art" aus einer soziologischen Perspektive, basierend auf den Theorien von Pierre Bourdieu.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Begriffe Habitus, Feld und Kapital sowie deren Anwendung auf das künstlerisch-intellektuelle Feld und die Akteure der Leipziger Kunsthochschule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die soziologische Aufarbeitung des Erfolgs der Leipziger Künstler und die Klärung, inwiefern Bourdieu'sche Schemata dieses Phänomen erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoretische Analyse angewandt, die durch den methodologischen Transfer religionssoziologischer Ansätze von Max Weber auf die Kunstsoziologie ergänzt wird.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Bourdieus, eine Analyse der Strukturen des künstlerischen Feldes und die konkrete Fallstudie zur Leipziger Hochschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Bourdieu, Habitus, künstlerisches Feld, Young German Art und Leipziger Schule definieren.
Inwiefern spielt der religionssoziologische Ansatz von Max Weber eine Rolle?
Er dient Bourdieu als Vorbild, um durch Analogien wie Priester und Prophet die internen Machtstrukturen und Legitimationskämpfe innerhalb des künstlerischen Feldes besser zu verstehen.
Wie werden Akteure wie Neo Rauch soziologisch eingeordnet?
Neo Rauch wird in der Arbeit beispielhaft als ein "Prophet" beschrieben, der durch seine individuelle künstlerische Praxis die bestehende "Doxa" des Kunstmarktes herausfordert.
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- Carina Danzer (Author), 2005, Das künstlerisch- intellektuelle Feld Bourdieus und das Phänomen der Young German Art , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69291