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Fürbitte als Strafe? Untersuchung von Kapitel 28 der Benediktinerregel

Title: Fürbitte als Strafe? Untersuchung von Kapitel 28 der Benediktinerregel

Seminar Paper , 1998 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andreas Wendt (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

In Kap. 28 der Regula Benedicti nehmen die Sanktionen für Mönche, die gegen die Klosterregel verstoßen haben, eine bisher kaum beachtete Wendung: Wenn alle Strafen nichts nützen, um den Mönch zur Besserung zu bewegen, soll für ihn gebetet werden, damit der allmächtige Gott die Besserung wirkt. Erst wenn das nichts nützt, soll der Mönch ausgeschlossen werden.
Die vorliegende Untersuchung fragt nach den kirchen- und theologiegeschichtlichen Hintergründen dieser Wendung. Das theologische Interesse liegt dabei auf den beiden Fragen, warum der zu Bessernde erst Züchtigungen über sich ergehen lassen muss, wenn Gebet doch besser wirkt, und warum es bei Gottes Allmacht nach Benedicts Ansicht offenbar dennoch möglich ist, dass das Gebet nichts nützt.
Die Arbeit kommt zu dem Zwischenergebnis, dass erst Klosterregeln im 6. Jahrhundert das Gebet im Zusammenhang mit Sanktionen erwähnen, die Verantwortung für die Besserung oder den Ausschluss in den älteren Regeln des 4. Jahrhunderts noch ganz beim Menschen liegt. Sie kommt zu dem Schlluss, dass die Problematik des Verhältnisses von göttlichem und menschlichem Handeln im 6. Jahrhundert bereits deutlicher bewusst war.
Dieses Thema wurde im 5. Jahrhundert im größeren Rahmen im pelagianischen Streit verhandelt. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Positionen dieses Streits und ihre Anwendung auf das Klosterleben erlauben es, die These zu wagen: Benedict hat wahrscheinlich unbewusst die augustinische Prädestinationslehre auf den Mikrokosmos des Klosters übertragen. Wichtiger als dogmatische Schlüssigkeit war ihm jedoch, bei einer praktikablen Ordnung des Klosterlebens gleichzeitig dem Verdacht des Pelagianismus zu entgehen. Das ist ihm mit Kap. 28. der Regula Benedicti gelungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Text

1.1. Paraphrase

2. Die Quellen

2.1. Biblische Quellen

2.1.1. Ex. 32 und Amos 7

2.1.2. Mt. 18,14 - 22

2.1.3. weitere eventuell relevante Bibelstellen

2.1.4. Auswertung

2.2. Ältere Klosterregeln

2.2.1. Die Regula Magistri

2.2.2.Die Regula Pachomii

2.2.3. Die "Regula Basilii"

2.3. Ambrosius, de officiis

2.4. Auswertung

3. Die Geschichte

3.1. Pelagius

3.2. Augustin

3.3. der "Semipelagianismus"

3.4. die Synode von Orange 529

3.5. Auswertung

4. Würdigung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische und kirchengeschichtliche Bedeutung des 28. Kapitels der Benediktinerregel, insbesondere die Rolle des Fürbittgebets im Umgang mit ungehorsamen Mönchen. Dabei wird analysiert, wie Benedikt von Nursia das Verhältnis zwischen menschlichem Handeln zur Disziplinierung und dem göttlichen Eingreifen konzipiert hat.

  • Analyse von Kapitel 28 der Regula Benedicti
  • Vergleichende Betrachtung mit biblischen Quellen und älteren Klosterregeln
  • Einordnung in den kirchengeschichtlichen Kontext des pelagianischen Streits
  • Untersuchung des Verhältnisses von menschlichem Handeln und göttlicher Allmacht
  • Die Funktion des Gebets als ultima ratio in der Klosterdisziplin

Auszug aus dem Buch

1.1. Paraphrase

In den Kapiteln 23 - 30 seiner Mönchsregel beschäftigt sich Benedikt von Nursia im 6. Jh. mit der Frage, wie man mit einem Mönch umzugehen habe, der gegen die Regel verstoßen hat oder eines sonstigen Vergehens oder auch nur einer unangemessenen Geisteshaltung für schuldig erfunden wurde. Hierbei ist wichtig zu beachten, daß die Behandlung eines solchen Bruders weder zur Vergeltung noch zur Wiedergutmachung seines Vergehens erfolgt. Letztere geschieht in der von der Regel vorgesehenen Buße, nach welcher ihm seine Schuld vergeben wird, also nicht mehr vergolten werden kann und muß. Vielmehr soll der Mönch durch die Behandlung dazu gebracht werden, sich zu bessern (emendare), d.h. von seinem Delikt abzulassen und Buße zu tun. Der Sinn der Sanktionen in der Benediktusregel ist also der Resozialisation im modernen deutschen Justizvollzug sehr ähnlich - auch wenn die Mittel freilich andere sind.

Mir soll es hier vor allem um Kapitel 28 gehen, in welchem diese Vorschriften eine erstaunliche Wendung nehmen. 28,1 blickt zurück auf die bisher vorgeschriebenen Maßnahmen, nämlich die mündliche Zurechtweisung und den Ausschluß von Tischgemeinschaft oder Oratorium, und regelt dann das Vorgehen bei weiterhin ausbleibender Besserung, schreibt nämlich Prügelstrafe vor. 28,2 geht dann auf die Möglichkeit ein, daß der Mönch sich auch hiernach noch nicht bessert, oder daß er sich sogar in seine Fehlerhaftigkeit hineinsteigert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Text: Diese Einleitung erläutert den Aufbau der Sanktionen in der Benediktsregel und führt in die Problematik von Kapitel 28 ein, welches die Reaktion auf anhaltenden Ungehorsam beschreibt.

2. Die Quellen: Hier werden biblische Vorbilder und frühere Klosterregeln auf ihre Bezüge zu Zucht und Fürbitte untersucht, um die Eigenständigkeit Benedikts herauszuarbeiten.

3. Die Geschichte: In diesem Hauptteil wird der pelagianische Streit und die Synode von Orange analysiert, um den dogmatischen Hintergrund zum Verständnis von freiem Willen und Gnade im 6. Jahrhundert zu erhellen.

4. Würdigung: Das Fazit fasst zusammen, wie Benedikt durch die Einbindung des Gebets als letzte Instanz die Verantwortung auf Gott überträgt und damit eine praktikable Ordnung für das Klosterleben schuf.

Schlüsselwörter

Benediktinerregel, Kapitel 28, Regula Benedicti, Fürbitte, Kirchenzucht, Gnade, freier Wille, Pelagius, Augustin, Synode von Orange, Klosterexzucht, Benedikt von Nursia, Resozialisation, Gottes Allmacht, klösterliches Leben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das 28. Kapitel der Benediktinerregel und analysiert, warum das Gebet dort als letzte Maßnahme bei hartnäckigem Fehlverhalten eines Mönches eingeführt wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die Themen Klosterdisziplin, die Rolle der Gnade, das Verhältnis von menschlichem Tun und göttlichem Wirken sowie die historische Kontinuität theologischer Lehren.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich menschliches und göttliches Handeln im Kontext des Umgangs mit Sündern verhalten und warum Benedikt das Gebet explizit als Mittel gegen hartnäckigen Ungehorsam positioniert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-theologische Analyse durchgeführt, die exegetische Arbeit an biblischen Quellen mit der Auswertung von Klosterregeln und kirchengeschichtlichen dogmatischen Debatten verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Quellenanalyse (biblisch, mönchisch, patristisch) und eine geschichtliche Untersuchung des pelagianischen Streits sowie der Synode von Orange.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Benediktinerregel, Kirchenzucht, Fürbitte, Gnadenlehre und das Spannungsfeld zwischen der Allmacht Gottes und menschlicher Bosheit.

Inwiefern beeinflusste der pelagianische Streit Benedikt?

Die Arbeit legt nahe, dass Benedikts Betonung der göttlichen Allmacht als Reaktion auf die Debatten um den freien Willen und die Gnade zu verstehen ist, um den Vorwurf des Pelagianismus zu entgehen.

Warum wird das Gebet in Kapitel 28 als "ultima ratio" bezeichnet?

Weil es laut Benedikt erst dann erbeten werden soll, wenn menschliche Bemühungen zur Züchtigung des Mönches erfolglos geblieben sind, was die Verantwortung für die Besserung letztlich an Gott zurückgibt.

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Details

Title
Fürbitte als Strafe? Untersuchung von Kapitel 28 der Benediktinerregel
College
University of Hamburg  (Kirchen- und Dogmengeschichte)
Course
Proseminar "Regula Benedicti"
Grade
1,0
Author
Andreas Wendt (Author)
Publication Year
1998
Pages
24
Catalog Number
V69333
ISBN (eBook)
9783638624916
ISBN (Book)
9783638673389
Language
German
Tags
Fürbitte Strafe Untersuchung Kapitel Benediktinerregel Proseminar Regula Benedicti
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Wendt (Author), 1998, Fürbitte als Strafe? Untersuchung von Kapitel 28 der Benediktinerregel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69333
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