Mehrere Autoren beschäftigen sich mit Photographiegeschichte. Dabei spielen zwei Aspekte eine wichtige Rolle. Einerseits geht es bei dieser Geschichte um die Technik und ihre Entwicklung in Bezug auf die Photographie. Andererseits muss aber auch der Gesichtspunkt, der die Photographie als Kunstform betrachtet, miteinbezogen werden. Während bei Autoren wie Josef Maria Eders und Erich Stengers „die Photographiegeschichte zu einer Abfolge technischer Innovationen und Entwicklungen“ wird (Stiegler 17), geht es im Werk von Beaumont Newhall darum, der Photographie einen Stellenwert in der Kunst zukommen zu lassen „Seine Photographiegeschichte legt daher erstmals ein besonderes Augenmerk auf Photographien, deren Geschichte als Kunstgeschichte beschreiben wird“ (17).
Inhaltsverzeichnis
I. Einblick in die Geschichte der Fotografie
II. Fotografie und Literatur im 19.Jahrhundert
1. Allgemeine Aspekte
2. Textbeispiel: E.T.A. Hoffmanns „Des Vetters Eckfenster“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der aufkommenden Fotografie und der literarischen Produktion im 19. Jahrhundert, wobei insbesondere die veränderten Wahrnehmungsmuster und die Konkurrenz der Medien im Fokus stehen. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Frage, inwiefern das fotografische Verfahren die Literatur beeinflusste und als Metapher für neue Schreibweisen und Blickführungen diente.
- Entwicklung und Wahrnehmung des fotografischen Mediums
- Die Fotografie als Instrument der Naturbeschreibung
- Wechselverhältnis zwischen Realismus, Naturalismus und Fotografie
- Einfluss technischer Apparaturen auf die menschliche Wahrnehmung
- Literarische Analyse von E.T.A. Hoffmanns „Des Vetters Eckfenster“
Auszug aus dem Buch
2. Textbeispiel: E.T.A. Hoffmann „Des Vetters Eckfenster“
1822 erscheint die Erzählung „Des Vetters Eckfenster“ von E.T.A. Hoffmann. Es handelt sich um zwei Personen, den gelähmten Vetter, der eine Wohnung mit einem Eckfenster auf dem Marktplatz von Berlin bewohnt und den Erzähler, der seinen Vetter dort besucht und von ihm die Kunst des Schauens erlernen will. Gemeinsam sehen die beiden Protagonisten durch das Eckfenster und beobachten die Geschehnisse am Berliner Marktplatz.
Sucht man in dieser Erzählung nach dem Einfluss der Photographie, so liegt es auf der Hand, dass dieser sich in Form des Panoramas zeigt. Das Zimmerpanorama, welches sich den Protagonisten beim Blick aus dem Eckfenster bietet, bildet den Mittelpunkt der Erzählung. Schnell kommt es zum Vergleich mit dem Guckkasten, der die Basis für „Scarron am Fenster“ darstellt. Beides, das Panorama und der Guckkasten sind abgeschlossene Innenräume, in die man von außen hineinsehen kann und trotzdem zeichnen das Panorama besondere Eigenschaften aus „Die besondere Faszination des Panoramas liegt in der Unbegrenztheit des Blicks. Dieser ist nicht mehr auf den gerahmten Realitätsbezirk beschränkt, er soll im Gegenteil frei auf der Bildfläche schweifen können. … Das Panorama ist, wenn man so will, nur mit einer ganzen Reihe von Blicken zu rezipieren“ (Krauss 48 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einblick in die Geschichte der Fotografie: Dieses Kapitel erläutert die technologische Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert sowie die damit einhergehende Debatte über ihren Status als technisches Verfahren oder neue Kunstform.
II. Fotografie und Literatur im 19.Jahrhundert: Hier wird der mediale Konkurrenzkampf zwischen Fotografie und Literatur beleuchtet, wobei der Fokus auf dem Einfluss fotografischer Prinzipien auf realistische und naturalistische Schreibstile liegt.
1. Allgemeine Aspekte: Dieser Abschnitt analysiert das Selbstverständnis von Autoren als „literarische Photoapparate“ und die kritische Auseinandersetzung mit der Detailgenauigkeit der Fotografie.
2. Textbeispiel: E.T.A. Hoffmanns „Des Vetters Eckfenster“: Das Kapitel bietet eine Fallstudie, in der die Erzählung als ein Modell für die kontrollierte Wahrnehmung und die visuelle Zerlegung von Panoramen in Teilbilder interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Fotografie, Literatur, 19. Jahrhundert, Wahrnehmung, Panorama, E.T.A. Hoffmann, Daguerreotypie, Realismus, Naturalismus, Blick, Camera obscura, Medientheorie, Literaturgeschichte, Bildlichkeit, Beschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturellen und ästhetischen Prägung der Literatur durch das neue Medium der Fotografie im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Fototechnik, die veränderte Rolle des Künstlers bzw. Autors und die Verschränkung von optischer Wahrnehmung und literarischer Beschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie fotografische Sichtweisen und Verfahren den literarischen Diskurs des 19. Jahrhunderts beeinflussten und als Modell für eine neue Art des „Sehens“ dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen kultur- und medienwissenschaftlichen Ansatz, der Literaturanalyse mit fotohistorischen Diskursen verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung zur Fotografie, die theoretische Verknüpfung von Literatur und Fotografie sowie die Analyse eines literarischen Textbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Fotografie, Wahrnehmung, Panorama, Realismus und literarisches Daguerreotyp.
Welche Rolle spielt das Eckfenster in der Analyse von E.T.A. Hoffmann?
Das Eckfenster fungiert als optische Apparatur, die den Betrachtern ermöglicht, das Panorama des Marktplatzes in einzelne, fixierbare Details zu zerlegen, ähnlich der Funktionsweise einer Kamera.
Warum wird die Fotografie als „janusköpfig“ bezeichnet?
Sie gilt als janusköpfig, da sie einerseits als bloße mechanische Reproduktion (Modell) und andererseits als komplexer ästhetischer Impulsgeber für die Literatur (Gegenmodell) fungiert.
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- Martha Ogorka (Author), 2005, Literatur und Fotografie im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69346