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Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt

Title: Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt

Diploma Thesis , 2006 , 80 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Niklas Hoyer (Author)

Economics - Finance
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Summary Excerpt Details

Im März 2000 formulierten die Regierungschefs der Europäischen Union auf dem Gipfel in Lissabon ein neues strategisches Ziel für das kommende Jahrzehnt. Das Ziel: Die Union zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. In diesem Zusammenhang wurde dazu aufgerufen, die Liberalisierung in den Bereichen Gas, Strom, Postdiensten und Beförderung zu beschleunigen. Angestrebt wurde die Verwirklichung eines voll funktionsfähigen EU-Binnenmarktes.

In Deutschland begann der Prozess der Liberalisierung des Strommarktes mit dem 1998 erlassenen Energiewirtschaftsgesetz. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern entschied sich Deutschland damals, keine Regulierungsbehörde für den Elektrizitätsmarkt einzurichten. Die deutsche Regierung vertraute darauf, dass die Marktkräfte in der Lage seien, sich selbst zu regulieren.

Aus juristischer Sicht ist der Strommarkt in Deutschland vollständig geöffnet. So können sowohl Industrie- als auch Haushaltskunden ihren Stromanbieter frei wählen. Die praktische Umsetzung dieser Liberalisierung hat sich jedoch als schwierig erwiesen.

Das Konzept der Anreizregulierung versucht, diese Missstände zu beheben. Die Netzbetreiber sollen so reguliert werden, dass sie, in größtmöglicher Analogie zum vollkommenen Wettbewerb, Anreize zu möglichst großer Effizienz und geringen Kosten haben und die Gewinne aus diesen Effizienzsteigerungen außerdem, zumindest teilweise, an die Endkunden weitergereicht werden.

Diese Arbeit stellt, nach einem kurzen historischen Abriss der Liberalisierung des deutschen Strommarktes und einer Darstellung der Charakteristika des deutschen Strommarktes, die verschiedenen Konzepte der Anreizregulierung, ihre Anwendung auf den Strommarkt und die mit ihnen verbundenen Anreizstrukturen vor. Davon ausgehend wird das Konzept der Bundesnetzagentur für die Einführung einer Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt dargestellt und analysiert. Es wird auf die Reaktionen der Wissenschaft und der verschiedenen Marktakteure auf dieses Konzept eingegangen und abschließend eine Bewertung vor dem Hintergrund der europaweit geforderten Liberalisierungsbeschleunigung und Errichtung eines EU-Binnenmarktes vorgenommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Problematik

1.1 Einleitung

1.2 Historischer Abriss der Liberalisierung des deutschen Elektrizitätsmarktes

1.3 Charakteristika des deutschen Elektrizitätsmarktes

2. Anreizregulierung

2.1 Grundlagen der Anreizregulierung

2.2 Auswirkungen der Anreizregulierung auf die Produktqualität

2.3 Methoden der Anreizregulierung

2.3.1 „Profit-sharing“- oder “Sliding-scale”-Regulierung

2.3.2 Yardstick-Regulierung

2.3.3 Preisobergrenzen-Regulierung (Price-Caps)

2.3.3.1 Price-Cap im Einproduktfall

2.3.3.2 Price-Cap bei zwei und mehr Produkten

2.3.4 Erlösobergrenzen-Regulierung (Revenue-Cap)

2.3.5 Wahl der Regulierungsform durch das Unternehmen

2.4 Rolle und Bestimmung des X-Faktors

2.4.1 Funktionsweise des X-Faktors

2.4.2 Festlegung der Höhe des X-Faktors

2.4.3 Zusammenspiel von X-Faktor und der Länge der Regulierungsperiode

2.4.4 Bestimmung der relativen Produktivität durch Benchmarking-Ansätze

2.4.5 Funktionsweise, Vor- und Nachteile der verschiedenen Benchmarkingverfahren

2.4.5.1 Data Envelopment Analysis (DEA)

2.4.5.2 Methode der kleinsten Quadrate

2.4.5.3 Corrected Ordinary Least Squares (COLS)

2.4.5.4 Stochastic Frontier Analysis (SFA)

2.4.5.5 Törnquist-Index

2.4.5.6 Malmquist-Index

3. Anreizregulierungskonzept der Bundesnetzagentur

3.1 Beeinflussbare und nicht-beeinflussbare Kostenbestandteile

3.2 Erreichbarkeit und Übertreffbarkeit

3.3 Zumutbarkeit

3.4 Effizienzvorgaben und konkrete Ausgestaltung

3.4.1 Bestimmung des generellen X-Faktors

3.4.2 Kritik an der Bestimmung des generellen X-Faktors

3.4.3 Bestimmung des individuellen X-Faktors

3.4.4 Kritik an der Bestimmung des individuellen X-Faktors

3.5 Qualitätsregulierung und Investitionshemmnisse

3.5.1 Maßnahmen zum Abbau von Investitionshemmnissen

3.5.2 Implementierung der Qualitätsregulierung

3.6 Regulierung der Transportnetzbetreiber

3.6.1 Erlösobergrenzenregulierung bei Transportnetzbetreibern

3.6.2 Investitionsbudgets für Erweiterungs- und Umstrukturierungsinvestitionen

3.7 Regulierungsformel

3.8 Internationale Erfahrungen

3.9 Bewertung des Konzeptes der Bundesnetzagentur

3.9.1 Die Berechnung des generellen X-Faktors weist methodische Mängel auf

3.9.2 Durchschnittsorientiertes Benchmarking hat politisch-ökonomische Vorteile

3.9.3 Mehr Wettbewerb, höhere Produktivität, aber nicht unbedingt sinkende Strompreise

3.9.4 Die Bundesnetzagentur steht vor großen Herausforderungen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert das Konzept der Bundesnetzagentur zur Einführung einer Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt. Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Grundlagen der Anreizregulierung darzustellen und die konkrete Ausgestaltung des von der Regulierungsbehörde vorgeschlagenen Systems kritisch zu bewerten, insbesondere vor dem Hintergrund der notwendigen Liberalisierung des Strommarktes und der Errichtung eines EU-Binnenmarktes.

  • Historische Entwicklung der Liberalisierung des deutschen Strommarktes.
  • Methoden der Anreizregulierung und die ökonomische Rolle des X-Faktors.
  • Vergleich verschiedener Benchmarking-Verfahren (z.B. DEA, SFA).
  • Kritische Würdigung des Konzepts der Bundesnetzagentur hinsichtlich Erreichbarkeit, Zumutbarkeit und Qualitätsregulierung.
  • Bewertung der Auswirkungen auf Wettbewerb und Strompreise.

Auszug aus dem Buch

1.1 Einleitung

Im März 2000 formulierten die Regierungschefs der Europäischen Union auf dem Gipfel in Lissabon ein neues strategisches Ziel für das kommende Jahrzehnt. Das Ziel, die Union zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. In diesem Zusammenhang wurde dazu aufgerufen, die Liberalisierung in den Bereichen Gas, Strom, Postdiensten und Beförderung zu beschleunigen. Angestrebt wurde die Verwirklichung eines voll funktionsfähigen EU-Binnenmarktes.

Der Elektrizitätsmarkt gehört zu den Netzindustrien. Diese Industrien zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Produkte auf Netzinfrastrukturen beruhen. Netzindustrien erfordern meist einen hohen Einsatz von Kapital, der zum Aufbau des Netzes nötig ist. Dieses Kapital wird in der Form versunkener Kosten („Sunk costs“) gebunden und führt dazu, dass die Konsumenten nach Aufbau des Netzes über einen Verhandlungsvorteil verfügen. In solchen Infrastrukturen, wie etwa dem Stromnetz, bestehen monopolistische Engpässe (auch „Bottlenecks“ genannt), wenn es einerseits nicht möglich ist, parallele Infrastrukturen aufzubauen bzw. dies mit zu hohen Kosten verbunden wäre, und andererseits jedes Unternehmen, welches in der Branche tätig sein möchte, auf die Nutzung der Engpass-Struktur angewiesen ist. Man spricht in diesem Fall von einer „Essential facility“.

Der Zugang Dritter zum monopolistischen Bottleneck wird in der Regulierungstheorie als „Third Party Access“ (TPA) bezeichnet. Bei Stromhändlern, die Zugang zu den Übertragungs- und Verteilungsnetzen brauchen, liegt dieser Fall vor. Stromerzeugung und -lieferung hingegen werden in der Regel als wettbewerbsfähige Bereiche angesehen. Monopolistische Bottlenecks rufen einen Regulierungsbedarf hervor, der zum Ziel hat, den Wettbewerb auf den vor- bzw. nachgelagerten Märkten zu ermöglichen. Dafür müssen einerseits Unternehmen auf diesen Märkten diskriminierungsfreien Zugang zur Infrastruktur bekommen, und andererseits die Zugangsgebühren reguliert werden, um Monopolpreise und allokative Ineffizienz zu vermeiden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problematik: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Regulierung von Netzindustrien und gibt einen historischen Abriss über die Liberalisierung des deutschen Strommarktes.

2. Anreizregulierung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Anreizregulierung, verschiedene Methoden wie Price-Cap und Yardstick-Regulierung sowie die Bestimmung des X-Faktors und Benchmarking-Verfahren detailliert analysiert.

3. Anreizregulierungskonzept der Bundesnetzagentur: Dieses Kapitel stellt das spezifische Konzept der Bundesnetzagentur zur Einführung der Anreizregulierung vor, bewertet es kritisch und diskutiert die Herausforderungen für die Netzbetreiber.

4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Anreizregulierung als geeignetes Mittel zur Effizienzsteigerung und Förderung des Wettbewerbs auf dem deutschen Strommarkt.

Schlüsselwörter

Anreizregulierung, Elektrizitätsmarkt, Bundesnetzagentur, X-Faktor, Netznutzungsentgelte, Benchmarking, Data Envelopment Analysis, Stochastic Frontier Analysis, Preisobergrenzen, Erlösobergrenzen, Qualitätsregulierung, natürliches Monopol, Netzbetreiber, Wettbewerb, Liberalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung der Anreizregulierung durch die Bundesnetzagentur für deutsche Stromnetzbetreiber.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die ökonomische Theorie der Regulierung, Methoden des Benchmarking zur Effizienzbestimmung, sowie die konkreten rechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Anreizregulierung in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Analyse des Konzepts der Bundesnetzagentur, insbesondere im Hinblick darauf, ob es die Ineffizienzen der kostenbasierten Regulierung überwinden kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse von Regulierungsmodellen, eine Auseinandersetzung mit regulatorischen Benchmarking-Methoden (DEA, SFA) und die Evaluierung nationaler und internationaler Regulierungsansätze.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Herleitung der verschiedenen Anreizmechanismen sowie eine detaillierte Prüfung des Konzepts der Bundesnetzagentur, einschließlich der Kritik der Marktakteure.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Anreizregulierung, X-Faktor, Netznutzungsentgelte, Benchmarking, Effizienzvorgaben und regulatorische Herausforderungen.

Warum wird eine Qualitätsregulierung als notwendig erachtet?

Da Netzbetreiber unter Anreizregulierung Anreize zur Kostensenkung haben, besteht die Gefahr, dass sie notwendige Investitionen in die Versorgungsqualität vernachlässigen, weshalb diese durch Standards und Anreizsysteme gesichert werden muss.

Welches Problem addressiert die Kritik am "generellen X-Faktor"?

Die Kritik entzündet sich an der Methodik und den Annahmen der Bundesnetzagentur bei der Berechnung, da verschiedene Gutachten zu drastisch unterschiedlichen Werten kommen, was die Ergebnisorientierung der Behörde in Frage stellt.

Warum ist das Beispiel der skandinavischen Länder so wichtig für die Arbeit?

Norwegen und Schweden dienen als positive Beispiele für den erfolgreichen Übergang von einer kostenbasierten Regulierung hin zu einer wettbewerbsorientierten Anreizregulierung unter Einbeziehung von Qualitätsvorgaben.

Excerpt out of 80 pages  - scroll top

Details

Title
Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Öffentliche Finanzen)
Grade
1,3
Author
Niklas Hoyer (Author)
Publication Year
2006
Pages
80
Catalog Number
V69347
ISBN (eBook)
9783638601320
ISBN (Book)
9783638688840
Language
German
Tags
Anreizregulierung Elektrizitätsmarkt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Niklas Hoyer (Author), 2006, Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69347
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