Nach mehreren Jahren der Stagnation und des Umbruchs hat sich das Bankgeschäft mit privaten Kunden stabilisiert, gut erholt und zu einem hart umkämpften und boomenden Markt entwickelt. Die neuerliche Entwicklung und die damit verbundenen Herausforderungen des Marktes zwingen die Kreditinstitute dazu, ihre Wettbewerbsstrategien stringenter zu verfolgen und umzusetzen. Traditionelle Steuerungsinstrumente bieten dem Management bei dieser anspruchsvollen Aufgabe jedoch nur unzureichende Unterstützung. Nicht so die Balanced Scorecard, welche im weiteren Verlauf der Thesis als strategisches Managementsystem vorgestellt wird und als echte Managementhilfe in dem herausfordernden durch Diskontinuität geprägten Markt angesehen werden kann.
Zunächst erfolgt eine detaillierte Darstellung der Herausforderungen des Marktes:
„Retailbanking erfährt in Deutschland eine faszinierende Renaissance“
sagt Postbank Chef Wulf von Schimmelmann.
Commerzbank Vorstand Klaus Peter Müller steht zu dem Statement:
„Wir wollen das Privatkundengeschäft ausbauen“
und auch Dresdner Bank Chef Herbert Walter zielt klar auf das Klientel der privaten Kunden ab:
„Wir sind sehr optimistisch, auch dieses Jahr wieder unser Ziel von 300.000 neuen Kunden zu erreichen. – Jetzt greifen wir an!“
Den Paradigmenwechsel im Geschäftsfeld Retailbanking von einem stagnierenden, stark abgespeckten Geschäftsfeld zu einem zentralen und wesentlichen Unternehmensbereich erklären Branchenanalysten dadurch, dass die Kreditinstitute erkannt haben, dass im Retailbanking stabile Ergebnisbeiträge bei einem relativ niedrigem Risiko erzielt werden können.
Herrschte noch Ende der 90er Jahre ein geringer Konkurrenzdruck im Geschäft mit privaten Kunden, so hat sich diese Tendenz spätestens in der Mitte der ersten Dekade des neuen Jahrtausends stark gewandelt.
Professor Dr. Meyer von der Universität Zürich charakterisiert den Strukturwandel im Bankgeschäft und nennt Gründe für die rasche Marktentwicklung:
„Auslöser des Strukturwandels sind nationale und internationale Deregulierungen, nachhaltige Entwicklungen in der Kommunikations- und Informationstechnologie sowie eine rasch fortschreitende Globalisierung. Höhere und differenziertere Ansprüche der Kunden sowie die Bereitschaft, bei deren Unzufriedenheit Konsequenzen zu ziehen, charakterisieren eine emanzipierte Nachfrageseite.“
Inhaltsverzeichnis
1 Herausforderungen im Bankgeschäft mit privaten Kunden
1.1 Herausforderungen des Marktes
1.1.1 Umfeldbedingungen des Bankensektors
1.1.2 Verändertes Kundenverhalten
1.1.3 Die veränderte Wettbewerbsposition der Kreditinstitute
1.2 Herausforderungen in der heutigen Banksteuerung - Gründe für eine Balanced Scorecard
2 Die Balanced Scorecard
2.1 Das Konzept der Balanced Scoercard
2.1.1 Finanzielle Perspektive
2.1.2 Kundenperspektive
2.1.3 Interne Geschäftsprozessperspektive
2.1.4 Lern- und Entwicklungsperspektive
2.2 Bedeutung der Kennzahlen
2.2.1 Ergebnisgrößen und Treibergrößen
2.2.2 Interne und externe Kennzahlen
2.2.3 Die Balance der Kennzahlen
2.2.4 Verknüpfung der Kennzahlen mit der Unternehmensstrategie
2.3 Die Kausalität von Ursache und Wirkung der Steuerungsgrößen
3 Die Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem
3.1 Überführung der Balanced Scorecard von einem operativen zu einem strategischen Steuerungsinstrument
3.2 Klärung und Übersetzung der Vision und Strategie
3.3 Kommunikation und Verbindung von strategischen Zielen und Maßnahmen
3.4 Die Planung und Zielfestlegung – Definition strategischer Initiativen
3.5 Strategisches Feedback und Lernen
4 Die Balanced Scorecard als Instrument zur Steuerung von Retailbanken
4.1 Einordnung des Begriffs Retailbanking
4.2 Strategien im Retailbanking
4.2.1 Kostenführer: Streben nach Kostenführerschaft
4.2.2 Differenzierer/ Fokussierer: Optimierung nach Kundennähe
4.2.3 Diversifizierer: Allfinanzangebot - filialzentrierte Multikanalbank
4.3 Strategische Ziele und Kennzahlen einer Balanced Scorecard
4.3.1 Strategische Ziele für die Lern- und Entwicklungsperspektive
4.3.2 Strategische Ziele für die interne Perspektive
4.3.3 Strategische Ziele für die Kundenperspektive
4.3.4 Strategische Ziele für die Finanzperspektive
4.3.5 Kennzahlen für die verschiedenen Perspektiven
4.4 Beispielhafte Balanced Scorecard eines Kreditinstituts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der Balanced Scorecard (BSC) als strategisches Steuerungsinstrument im Retailbanking in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den Nutzen des BSC-Konzepts zur Bewältigung der aktuellen Marktherausforderungen, wie zunehmenden Wettbewerbsdruck und verändertes Kundenverhalten, theoretisch zu fundieren und empirisch zu belegen.
- Strukturelle Herausforderungen im deutschen Retailbanking
- Konzeptionelle Grundlagen und Methoden der Balanced Scorecard
- Überführung der BSC in ein strategisches Managementsystem
- Spezifische Strategien für Retailbanken (Kostenführerschaft, Differenzierung, Allfinanz)
- Empirische Analyse der BSC-Implementierung im deutschen Bankensektor
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Kausalität von Ursache und Wirkung der Steuerungsgrößen
Die Ursache-Wirkungs-Beziehung schafft die Voraussetzung für die Strategieausrichtung des Balanced Scorecards-Konzeptes. In diesem Zusammenhang wird unter dem Begriff Strategie ein System von Hypothesen über Ursache und Wirkung101 im Sinne von Zweckbeziehungen verstanden. So wird durch die Identifikation von strategischen Stellhebeln sowie die Aufnahme von Leistungstreibern über eine vergangenheitsorientierte Betrachtungsweise hinausgegangen und eine Einschätzung möglicher Wachstumspotentiale gewährt.102
Durch die Verbindung der empfohlenen Perspektiven des Balanced Scorecards-Konzeptes anhand der Ursache-Wirkungs-Beziehung, wird eine Förderung der Zielerreichung sowie der Strategieorientierung erreicht. So hängt ein vorangestelltes Ziel einer Perspektive von den Variablen der vorangegangenen Perspektiven (positiv oder negativ) ab.103
Zusammenfassung der Kapitel
1 Herausforderungen im Bankgeschäft mit privaten Kunden: Analysiert den Strukturwandel und die zunehmende Marktkomplexität, die Banken zu einer stringenteren strategischen Ausrichtung zwingen.
2 Die Balanced Scorecard: Erläutert das theoretische Konzept der BSC als mehrdimensionales Kennzahlensystem und dessen methodischen Aufbau.
3 Die Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem: Beschreibt den Prozess der Strategieimplementierung und wie die BSC von einem reinen Messinstrument zu einem System für Feedback und Lernen transformiert wird.
4 Die Balanced Scorecard als Instrument zur Steuerung von Retailbanken: Wendet die theoretischen Grundlagen auf das spezifische Geschäftsfeld des Retailbankings an und leitet strategische Ziele und Kennzahlen ab.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Retailbanking, Strategische Steuerung, Bankmanagement, Ursache-Wirkungs-Beziehung, Key Performance Indicator, Strategieimplementierung, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Prozessperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Wettbewerbsfähigkeit, Benchmarking, Performance Measurement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung der Balanced Scorecard zur strategischen Steuerung im deutschen Retailbanking-Sektor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten zählen die theoretische Einbettung der BSC in das Bankmanagement, die Anpassung der Strategie an ein dynamisches Marktumfeld sowie die empirische Untersuchung von Praxisbeispielen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob und wie die Balanced Scorecard Retailbanken dabei unterstützt, ihre Strategie operativ umzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse zur Theorie der BSC führt der Autor eine empirische Marktstudie unter den 500 größten deutschen Retailbanken durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der methodischen Herleitung der BSC bis hin zur praktischen Anwendung und Strategieableitung für unterschiedliche Retailbanking-Geschäftsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Strategische Steuerung, Retailbanking, BSC-Konzept, Kennzahlensystem und Ursache-Wirkungsketten definiert.
Wie unterscheidet sich die BSC von klassischen Steuerungsinstrumenten?
Klassische Systeme konzentrieren sich primär auf rückwärtsgewandte Finanzkennzahlen, während die BSC durch den Einbezug nicht-finanzieller Perspektiven auch zukünftige Leistungstreiber und strategische Ziele berücksichtigt.
Welche Rolle spielen Ursache-Wirkungsketten im Retailbanking?
Sie dienen dazu, den logischen Zusammenhang zwischen operativen Handlungen (z.B. Qualifizierung der Mitarbeiter) und strategischen Zielen (z.B. Ertragswachstum) transparent und messbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Master of Science Markus Glabach (Autor:in), 2006, Die Balanced Scorecard zur strategischen Steuerung von Retailbanken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69374