Die Montessori-Pädagogik unter dem Aspekt der Freien Arbeit: Ein Impuls für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
15 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Biographie

3.0 Grundlagen der Montessori-Pädagogik
3.1 Die Psychologie des Kindes
3.1.1 Der geistige Embryo
3.1.2 Die sensiblen Phasen
3.1.3 Der absorbierende Geist
3.2 Die Erziehung des Kindes
3.2.1 Förderung der Eigenaktivität
3.2.2 Die vorbereitete Umgebung
3.2.3 Die Freie Arbeit
3.2.4 Die Rolle des Pädagogen
3.2.5 Die didaktischen Materialien
3.3 Montessoris Verständnis des kindlichen Lernens
3.3.1 Die Polarisation der Aufmerksamkeit

4.0 Prinzipien der Freien Arbeit und ihre Relevanz für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen
4. 1 Die Altermischung
4.2 Die Freie Wahl
4.3 Die Einmaligkeit des Materials
4.4 Die Isolierung der Schwierigkeiten
4.5 Bewegung während des Unterrichts
4.6 Motivierung und Ästhetik
4.7 Die Selbstkontrolle
4.8 Die Wiederholbarkeit

5. Schluss

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Die Geschichte der Reformpädagogik kann sicherlich zahlreiche Persönlichkeiten ausweisen, jedoch ist in diesem Zusammenhang die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870-1952) besonders hervorzuheben. So haben ihre Werke auch noch heute große Bedeutung.

Die von ihr vorgestellte Erziehungskonzeption zu pädagogischen und didaktischen Themen polarisiert jedoch stark. So stehen einer Anzahl von Kritikern auch viele Pädagogen, Eltern und Kindern gegenüber, die für die Umsetzung der Ideen nach Montessori große Begeisterung zeigen.

Ziel dieser Arbeit ist es nun herauszufinden, inwieweit Maria Montessoris Konzeption, vor allem in Hinblick auf die Freie Arbeit für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen, in diesem Bereich umgesetzt werden kann.

Dazu wird zunächst einmal Maria Montessoris Leben und ihre Stationen beschrieben.

Danach erfolgt eine Darstellung ihrer Pädagogik und im Anschluss werden die Prinzipien der Freien Arbeit nach Montessori genauer erläutert.

Schließlich erfolgt eine kontroverse Diskussion über die erarbeiteten Aspekte der Freien Arbeit nach Montessori für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Dabei soll der Unterricht in der Schule zur Lernförderung, sowie der gemeinsame Unterricht in integrativen Einrichtungen betrachtet werden.

2.0 Biographie

Maria Montessori wurde am 31.08.1870 in Chiaravalle bei Ancona geboren. Wenige Jahre später siedelte sie mit ihrer Familie nach Rom über. Ihr großes Interesse galt bereits sehr früh der Mathematik. Der Wunsch, Ingenieurin zu werden, veranlasste sie, eine technische Schule zu besuchen. Dieser, in der damaligen Zeit sehr unübliche Wunsch, wurde von ihrer Mutter unterstützt. (vgl. Eichelberger, 1997, S. 10)

Im Jugendalter entschied sie sich allerdings für ein Medizinstudium, womit sie nochmals die damaligen gesellschaftlichen Normen durchbrach.

Nach Beendigung ihres Medizinstudiums trat sie eine Stelle als Assistenzärztin in der Psychiatrischen Uniklinik in Rom an. Dort betreute und erzog sie Kinder mit geistiger Behinderung. Damit begann ihre Laufbahn als Pädagogin. Nebenbei studierte sie die Schriften von J.M.G. Itard und E. Séguin. Die beiden Ärzte stellten darin ihre zu diesem Zeitpunkt bahnbrechenden Arbeiten über die Erziehung von Kindern mit geistiger Behinderung dar. (vgl. Hedderich, 2005, S. 13)

Sie teilte mit den beiden Ärzten die Auffassung, dass Kinder mit geistiger Behinderung nicht medizinisch, sondern pädagogisch behandelt werden müssen. Deshalb entwickelte Maria Montessori E. Séguins Sinnesmaterial weiter.

Zusätzlich promovierte sie, so dass Maria Montessori die erste weibliche Ärztin in Italien wurde und eine eigene Arztpraxis eröffnen konnte.

1898 trat sie der Liga für die Erziehung behinderter Kinder bei. Diese gründete ein medizinisch-pädagogisches Institut zur Ausbildung von Lehrern für Menschen mit Behinderung, welches von Maria Montessori geleitet wurde. Dabei entwickelte sie auch eine spezifische Methode zur Erziehung und Unterrichtung von Kindern mit geistiger Behinderung. (vgl. Kramer, 1977, S. 85f)

Durch den erzieherischen Erfolg entwickelte sich ihr Interesse für Pädagogik und sie beschäftigte sich ausgiebig mit den damaligen Hauptwerken der Erziehungstheorie.

1907 wurde im armen Arbeiterviertel San Lorenzo in Rom Maria Montessoris erstes Kinderhaus „Casa die bambini“ gegründet. Durch diese Arbeit mit nichtbehinderten Kindern entwickelte Maria Montessori ihre eigene Methode und legte den Grundstein für ihre Erziehungslehre. „Der Erfolg der Pädagogik Maria Montessoris kann zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass dieses pädagogische Konzept gemeinsam mit und während der Arbeit mit Kindern entwickelt worden ist und dass es auch die Kinder waren, die Maria Montessori diese Methode gelehrt hatten“. (Eichelberger, 1997, S. 10)

So sprach Maria Montessori: „die unmittelbare Beobachtung an den Kindern, denen Freiheit gewährt wurde, hat mir bestimmte Gesetze ihres inneren Lebens offenbart. […] Die Kinder waren es, die aus eigenem Antrieb den Weg, der zur Kraft führt, gesucht und mit sicherem Instinkt herausgefunden haben.“ (Eichelberger, 1997, S. 10)Kurz darauf veröffentlichte Maria Montessori ihr erstes Buch „Il methodo della pedagogica“. Daraufhin schlug Maria Montessori eine neue Richtung in ihrem Lebenswerk ein, indem sie sich ausschließlich der Verbreitung ihrer Methode widmete. Sie gab in verschiedenen Ländern Kurse zur Einführung in ihre pädagogische Lehre und Praxis und veröffentliche in der Folgezeit eine Vielzahl wissenschaftlicher Werke. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Weiterführung ihrer Pädagogik in Europa zwar für gewisse Zeit unterbrochen, sie stieß aber in Indien mit ihrer Lehre auf große Resonanz.Maria Montessori starb im Mai 1952 in Holland in Noordwijk aan Zee. (vgl. Hedderich, 2005, S.16)

3.0 Grundlagen der Montessori-Pädagogik

Die Montessori-Pädagogik lässt sich der Reformpädagogik zuordnen. Während sich die Regelschule stark an den staatlichen Lehrplan und den darin formulierten Bildungs- und Erziehungszielen orientiert, stehen bei Maria Montessori vor allem die körperlich-geistig-psychische Entwicklung und die individuellen Lernbedürfnisse der Schüler im Vordergrund.

3.1 Die Psychologie des Kindes

3.1.1 Der geistige Embryo

Maria Montessori bezeichnet den Menschen, nach A. Portman, als physiologische Frühgeburt. Damit ist gemeint, dass der Mensch, anders als Tiere, viel zu früh geboren wird und deshalb eine lange Kindheit hat. Zum Zeitpunkt seiner Geburt ist er zwar vollständig entwickelt, er ist aber trotzdem völlig hilflos und auf Versorgung angewiesen.

Durch diese frühe Geburt finden viele Entwicklungsprozesse beim Menschen nicht isoliert, sondern eingebettet in eine soziokulturelle Umgebung statt. Deshalb ist der Mensch, im Gegensatz zu Tieren, offen für Umwelteinflüsse. Diese Offenheit ist die Voraussetzung für kulturelles und geistiges Lernen. (vgl. Oswald P./Schulz-Benesch G., 2002, S. 56ff)

Konkret kann man sagen: „Die im Kinde angelegten Potentialitäten müssen durch die Umgebung angeregt werden; wobei mit Umgebung immer eine kulturell gestaltete Umgebung gemeint ist und die liebende Zuwendung des Erwachsenen gleichsam die Atmosphäre dieser Umwelt bildet. Emotionale Wärme, leibliche und geistige Nahrung sind demnach die Lebens- und Wachstumsbedingungen dieses psychischen oder geistigen Embryos.“ (Reiß/Eberle, 1992, S. 217)

So passt sich das Kind während seiner langen Kindheit optimal an seine Umwelt an.

3.1.2 Die sensiblen Phasen

Hugo de Vries entdeckte, dass die Entwicklung eines Kindes von sensiblen Phasen abhängig ist, in denen das Kind besonders leicht bestimmte Lernerfahrungen macht und Fertigkeiten erwirbt. Auch Maria Montessori beobachtete dieses Phasen und beschrieb sie wie folgt: Sie sind „von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. So entwickelt sich jeder Charakterzug aufgrund eines Impulses und während einer eng begrenzten Zeitspanne.“ (Oswald P./Schulz-Benesch G., 2002, S. 67)

[...]

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Details

Titel
Die Montessori-Pädagogik unter dem Aspekt der Freien Arbeit: Ein Impuls für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V69444
ISBN (eBook)
9783638619158
ISBN (Buch)
9783638860819
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori-Pädagogik, Aspekt, Freien, Arbeit, Impuls, Schüler, Förderschwerpunkt, Lernen
Arbeit zitieren
Melanie Schöner (Autor), 2006, Die Montessori-Pädagogik unter dem Aspekt der Freien Arbeit: Ein Impuls für Schüler im Förderschwerpunkt Lernen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69444

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