Vergleich von geistlichen Ermittlern in Kriminalromanen des 20. Jahrhunderts

Dargestellt an den Beispielen von G. K. Chestertons Pater Brown, Harry Kemelmans Rabbi Small und Annette Döbrichs Pfarrer Reichert


Referat (Ausarbeitung), 2003
27 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise und Intention
1.2 Forschungsstand, vorhandene Literatur zum Thema
1.3 Probleme der Abgrenzung

2. Hintergrund
2.1 Der katholische Pater als Ausgangspunkt zu Beginn des Jahrhunderts
2.2 Der jüdische Rabbi als detektivischer Nachfolger in den sechziger Jahren
2.3 Der evangelische Pfarrer im Ruhestand zum Ende des Jahrhunderts
2.4 Zusammenfassung und Besonderheiten dieses neuen Ermittlertyps

3. Die Protagonisten
3.1 Charaktereigenschaften der Geistlichen
3.2 Akzeptanz in der Gemeinde

4. Zufällige Situationen der Verbrechensermittlung
4.1 Das Hineingeraten in den Fall
4.2 Verdachtsmomente gegen die Geistlichen
4.3 Zusammenfassung

5. Die Ermittlung
5.1 Parallelen in den Ermittlungsmethoden
5.2 Verfolgte Güter und Ziele der Verbrechensaufklärung
5.3 Unterstützung von offizieller Seite durch die Polizei

6. Das dargestellte Weltbild gemessen an der Realität
6.1 Die Moral
6.2 Brutalität und Tabubrüche
6.3 Frauenfiguren unter erotischen Gesichtspunkten

7. Fazit
7.1 Ergebnis
7.2 Ausblick und These

Literatur
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internet

Anhang: Kurze Inhaltsangabe der drei Werke
„Das blaue Kreuz“ von G. K. Chesterton
„Am Freitag schlief der Rabbi lang“ von Harry Kemelman
„Abendfrieden“ von Annette Döbrich

1. Einleitung

Wenn in Kriminalromanen Geistliche zu Detektiven werden, drängt sich die Frage auf, ob diese Tatsache einen Verbrecher automatisch zum Sünder macht oder es sich trotz der widersprüchlichen Mischung dennoch um einen Kriminalfall im herkömmlichen Sinne handelt, in dem es schlicht einen Täter und den Ermittler gibt. Ohne den Kriminalroman moralisch in Frage stellen zu wollen, muss man sich doch mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass die Kriminalliteratur hauptsächlich unterhalten will und ihren Erfolg den unzählig beschriebenen Verbrechen verdankt. Zweifelsohne finden sich unter ihnen solche, die harmloseren Naturen sind wie Diebstahl oder Betrug, doch handelt es sich auch in unblutigen Fällen ohne Leiche um begangene Tabubrüche. Es wird zu untersuchen sein, inwiefern sich spätere Kriminalromane an den Bedingungen der Zeit orientieren, Provokationen gesucht werden, Tabubrüche immer extremer ausfallen und sich die Kriminalliteratur in Bezug auf die Brutalität der Realität angepasst hat.

1.1 Vorgehensweise und Intention

Bei der Literaturauswahl war zunächst entscheidend, dass es sich bei dem Ausgangsroman „Am Freitag schlief der Rabbi lang“ von Harry Kemelman um eine Reihe handelt, in der ein immer wiederkehrender Ermittler die einzelnen Fälle löst. Zudem war von Bedeutung, dass sich in dem Buch Aspekte eines Gesellschaftsromans wiederfinden lassen und dem Leser innerhalb einer Kriminalgeschichte religiöse Inhalte vermittelt werden, hier durch die Hauptfigur des Rabbiners David Small. Der erste und bis heute bekannteste gläubige Detektiv in der Literatur ist Pater Brown von G. K. Chesterton. Er soll aus diesem Grunde den Ansatzpunkt im Vergleich bilden. Um die Entwicklung bis heute darzustellen, wird Annette Döbrichs Roman „Abendfrieden“ zur abschließenden Gegenüberstellung herangezogen, weil ihr Pfarrer Reichert erst in den 90er Jahren entstanden ist.

In der vorliegenden Referatsausarbeitung wird der Geistliche als neuer Ermittlertyp mit seinen Eigenheiten in der Verbrechensaufklärung skizziert. Anhand der ausgewählten Detektivgeschichte „Das blaue Kreuz“ von G. K. Chesterton und der oben genannten Kriminalromane von Kemelman und Döbrich, soll die Entwicklung des geistlichen Ermittlers im 20. Jahrhundert dargelegt werden.

Dabei handelt es sich nicht um einen historischen Abriss der Kriminalliteratur im Allgemeinen. Der Schwerpunkt gilt vielmehr den Fragen, welche Rolle die Religiosität, also die eigentlich andere Berufung der klerikalen Detektive, in den Romanen hat und wie sich ihr Glaube mit der Begegnung von Verbrechen vereinigen lässt. Darüber hinaus beschäftigt sich die Arbeit mit der Untersuchung, was ein mögliches Bestreben der Autoren sein könnte und wie sie mittels dieser Kombination von Frömmigkeit und weltlichen Lastern den Leser zu unterhalten versuchen. Daran angeknüpft wird dem Moralverständnis innerhalb der ausgewählten Geschichten nachgegangen.

Ziel der Arbeit ist es, Übereinstimmungen und Unterschiede der theologischen Fahnder aufzuzeigen sowie einen tendenziellen Ausblick auf die veränderten Bedingungen zu wagen, denen die moderneren Ermittler in Zukunft ausgesetzt sein könnten.

1.2 Forschungsstand, vorhandene Literatur zum Thema

Die Literatur hat sich viel mit dem Kriminalroman als solchem befasst. Als ein Genre, das mit der Zeit bei der Leserschaft immer beliebter gewordener ist und sich selber dabei weiter entwickelt hat, ist der „Krimi“ oder die klassische Detektivgeschichte oft kategorisiert und aufgeschlüsselt worden. In den Darstellungen finden sich Auflistungen berühmter Detektive und Gauner oder internationale Vergleiche unterschiedlichster Kriminalgeschichten wieder. Den geistlichen Kriminalisten unter ihnen kommt dabei wohl besondere Beachtung durch ihr Dasein als Amateur-Detektive zu. Allerdings fehlt ein ausführlicher Vergleich dieser zweigleisigen Ermittler in der Literatur. Das Medium Internet weiß an dieser Stelle die Lücke minimal zu füllen und kann mit drei Artikeln zu diesem Thema dienen.[1] Dabei finden hauptsächlich Chestertons Pater Brown und Kemelmans Rabbi Small Erwähnung. Sie haben in der Literaturgeschichte einen festen Platz eingenommen und werden deshalb auch über das Internet hinaus in literaturwissenschaftlichen Sekundärliteraturen publiziert. Döbrichs Pfarrer Reichert ist dagegen nur im Internet aufgeführt. Allerdings handelt es sich bei diesen Quellen um Artikel oder Rezensionen, nicht um wissenschaftliche Veröffentlichungen. Ein umfassendes Werk aller Ermittler, deren eigentliches Hauptinteresse dem Glauben gilt, fehlt bislang.

1.3 Probleme der Abgrenzung

Zu nennen wären in oben genannter Kategorie neben diversen berühmteren Geistlichen auch diejenigen Religiösen, deren Gottesfurcht nur am Rande der Fallermittlung eine Rolle spielt und deren Gläubigkeit dabei nicht zwingend ihren Beruf darstellt. Eine weiter gefasste Einordnung müsste dementsprechend auch Romanfiguren wie Lieutenant Joe Leaphorn und Officer Jim Chee von der Navajo Tribal Police, erdacht von Tony Hillerman, enthalten. Diese sind zwar keine Gottesmänner, doch bringt deren Verwurzelung mit ihren indianischen Vorfahren eine Gläubigkeit mit sich, die schließlich auch den Fall beeinflussen kann und die Lösung nach vorne zu treiben vermag. Neben diesem ethnologisch geprägten Beispiel aus der Navajo-Kultur, gibt es in der Literatur zahlreiche andere Gottesfürchtige, die in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen Verbrechen aufgeklärt haben.

Wenn Ellis Peters’ Bruder Cadfael an die Detektivarbeit geht, überschneiden sich sogar zwei unterschiedliche Gattungen: zum einen wird hier ein historischer, zum anderen ein Kriminalroman präsentiert. Dessen Protagonist bewegt sich in den kollidierenden Handlungsräumen Isolation, in Form des Klosterlebens, bzw. Weltlichkeit, geschaffen durch die Fehltritte seiner Mitmenschen. Neben dem Klosterbruder mit detektivischem Gespür haben in der Literatur auch schlichte aber bibelfeste und fromme Bürger Verbrechen aufgeklärt, wie zum Beispiel der Meisterdetektiv Onkel Abner von Melville Davisson Post. Und nicht zuletzt gilt es zu bedenken, ob nicht die Figur des Gelehrten Richter Di - gleichwohl Konfuzianer - von Robert van Gulik, in die Gruppe geistlicher Ermittler gehört.

Bereits anhand dieser wenigen Darstellungen von vielen kann deutlich werden, dass die Herausgabe eines zusammenfassenden Werkes für diesen besonderen Zweig der Kriminalliteratur längst überfällig ist.

2. Hintergrund

2.1 Der katholische Pater als Ausgangspunkt zu Beginn des Jahrhunderts

G. K. Chesterton selbst hat Aufsätze herausgegeben, in denen er sich mit der Detektiv-Geschichte an sich befasst, ihr eine Daseinsberechtigung einräumt, sie regelrecht „verteidigt“.[2] Diese Sammlung von Essays ist bereits 1901 und damit vor der Veröffentlichung der ersten Pater Brown-Geschichte erschienen. Sie umfasst des weiteren Essays über die ideale Detektiv-Geschichte, das Schreiben der selbigen und Grenzen, an die sie stößt und ist die positive Auseinandersetzung mit einem Genre, das über lange Zeit in Chestertons Interesse lag.

Ausgestattet mit der Fähigkeit, sich in das Denken der Gesetzesbrecher hineinzuversetzen, ließ Chesterton schließlich seinen Pater Brown 1911 den ersten Fall lösen, dem bis in die dreißiger Jahre 50 weitere Erzählungen folgten. Pater Brown – der auch im Deutschen eigentlich Father (Pfarrer) Brown genannt werden müsste, weil er kein Ordenspriester sondern ein Weltgeistlicher ist – gilt gemeinhin als der erste geistliche Ermittler seiner Art, der bis heute zahlreiche Nachfolger bekommen hat. Chestertons lebendes Vorbild für seinen literarischen Pfarrer war der reale, irische Priester Father John O’Connor, der Beichtvater in einem Londoner Armenviertel gewesen sein soll. Das Bestreben des katholischen Autors bestand darin, den Katholizismus als etwas freudvoll Praktikables zu präsentieren und damit dem vorurteilsbehafteten Ruf einer düsteren, weltfremden Religion entgegen zu wirken. In Aufsätzen über den christlichen Glauben[3] und den Katholizismus[4], hat Chesterton Stellung bezogen, warum er dieser Kirche angehört und welchen Sinn er in ihr sieht.

[...]


[1] 1) DS - Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 13. August 1999 Nr. 33/1999: http://www.sonntagsblatt.de/artikel/1999/33/33-s3.htm. 04.09.03.
2) Evangelisches Frankfurt, Ausgabe April 2000 24. Jahrgang Nr. 3: http://www.evangelischesfrankfurt.de/archiv/archiv_04_02.htm. 21.10.03.
3) Lemhöfer, Lutz: Crime Time. Unfrieden im "Haus Abendfrieden":
http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/1997/imp970208.html. 21.10.03.

[2] Chesterton, G. K.: “A Defence of Detective Stories”. From: The Defendant.

The American Chesterton Society: http://www.chesterton.org/gkc/murderer/defence_d_stories.htm. 03.09.03.

[3] Vgl.: Chesterton, G. K.: Why I Believe in Christianity. Reprinted in The Religious Doubts of Democracy (1904). And "The Blatchford Controversies" (in The Collected Works of G.K. Chesterton, Vol. 1) The American Chesterton Society: http://www.chesterton.org/gkc/theologian/whychristian.htm. 03.09.03.

[4] Chesterton, G. K.: Why I Am A Catholic. From: Twelve Modern Apostles and Their Creeds (1926) Reprinted in The Collected Works of G.K. Chesterton, Vol. 3 Ignatius Press 1990. The American Chesterton Society: http://www.chesterton.org/gkc/theologian/whycatholic.htm. 03.09.03.

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Details

Titel
Vergleich von geistlichen Ermittlern in Kriminalromanen des 20. Jahrhunderts
Untertitel
Dargestellt an den Beispielen von G. K. Chestertons Pater Brown, Harry Kemelmans Rabbi Small und Annette Döbrichs Pfarrer Reichert
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Geschichte und Theorie des Kriminalromans
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V69478
ISBN (eBook)
9783638619912
ISBN (Buch)
9783638718431
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Geschichte, Theorie, Kriminalroman, Jahrhundert, Chesterton, Harry, Kemelman, Rabbi, Small, Annette, Döbrich, Pfarrer, Reichert, Pater, Brown, katholisch, jüdisch, evangelisch, Moral, Tabuchbruch, Brutalität, Ermittler, Leiche, Mord, Detektiv, geistlich, Genre, Kriminalliteratur, Krimi, Kirche, Gemeinde, Ermittlung, Opfer, Tod, Sünder, blaue, Kreuz, Freitag, schlief, Abendfrieden
Arbeit zitieren
Therese Hochhuth (Autor), 2003, Vergleich von geistlichen Ermittlern in Kriminalromanen des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69478

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