Die Fallstudienmethode in der Ausbildung von diplomierten Bankbetriebswirten. Qualitätsmanagement aktiv lernen


Diplomarbeit, 2007

110 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Themenabgrenzung

2. Die Fallstudienmethode
2.1 Arten von Fallstudien
2.1.1 Allgemeines
2.1.2 Problemfindungsfall
2.1.3 Entscheidungsfall
2.1.4 Informationsfall
2.1.5 Untersuchungsfall
2.1.6 Postkorbfall
2.1.7 Vergleich der Arten
2.2 Der Aufbau von Fallstudien
2.2.1 Aufbau des Fallstudientextes
2.2.2 Phasenmodell nach Kaiser
2.2.2.1 Allgemeines
2.2.2.2 Konfrontation
2.2.2.3 Information
2.2.2.4 Exploration
2.2.2.5 Resolution
2.2.2.6 Disputation
2.2.2.7 Kollation
2.2.2.8 Reflexion
2.2.3 Alternatives Phasenmodell
2.3 Die Ziele von Fallstudien
2.4 Beurteilung der Qualität von Fallstudien
2.5 Probleme und Grenzen von Fallstudien

3. Qualitätsmanagement aktiv lernen
3.1 Allgemeines
3.1.1 Definition
3.1.2 Nutzen und Voraussetzungen des QM
3.1.3 QM durch Fallstudien
3.2 Kundenmanagement
3.2.1 Notwendigkeit der Kundenbindung
3.2.1.1 Der Wert der Kundenbeziehung
3.2.1.2 Der Weg zur Kundenbindung
3.2.1.3 Kundenbindung als Teil der Kundenorientierung
3.2.2 Elemente des Kundenbindungsmanagements
3.2.3 Messung der Kundenzufriedenheit
3.2.3.1 Direkte und indirekte Messung
3.2.3.2 Kundenbindungsindex TRI:M
3.3 Prozessmanagement
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Prozessoptimierung
3.4 Methoden des QM
3.4.1 TQM und EFQM
3.4.1.1 TQM als Grundgedanke
3.4.1.2 EFQM als Ausprägung
3.4.1.3 Kritik am EFQM-Modell
3.4.2 Six Sigma
3.4.2.1 Mathematischer Hintergrund
3.4.2.2 Anforderungen an 6s-Prozessoptimierung
3.4.2.3 Kritik an 6s
3.5 Supplier Management und Outsourcing
3.5.1 Allgemeines
3.5.2 Funktionen und Aufgaben
3.5.3 Nutzen und Kritik

4. Fallstudien in der Ausbildung
4.1 Die Fallstudienmethode – von der Idee zum Alltag
4.2 Aktives Lernen
4.2.1 Fallstudien als aktives Lernmedium
4.2.2 Alternative aktive Lernmethoden
4.3 Aktueller Stellenwert
4.3.1 Lernziele für Dipl.-Bankbetriebswirte
4.3.2 Einsatz der Fallstudienmethode
4.3.3 Verbesserungsmöglichkeiten

5. Fallstudien zum Qualitätsmanagement
5.1 Fallstudie Kundenbindung
5.1.1 Die RuhrBank AG – individuelle Kundenbetreuung
5.1.2 Lösungsskizze zur Fallstudie
5.2 Fallstudie Beschwerdemanagement
5.2.1 BAFF AG – Bank für allgemeine Finanzdienstleistungen Friedrichshafen AG
5.2.2 Lösungsskizze zur Fallstudie
5.3 Fallstudie Prozessmanagement
5.3.1 Kreditbank Mittelstadt eG – Kredit in 21 Tagen
5.3.2 Lösungsskizze zur Fallstudie
5.4 Fallstudie QM-Methodik und Stellung im QM
5.4.1 Gerätebau Hahn GmbH – Warum versagt das QM?
5.4.2 Lösungsskizze zur Fallstudie
5.5 Fallstudie Outsourcing
5.5.1 Beratung GmbH
5.5.2 Lösungsskizze zur Fallstudie

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis
Bücher
Zeitschriften, Monographien
Internet

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vergleich der Fallstudienarten

Abbildung 2: Ablauf der Fallkonstruktion

Abbildung 3: Erträge durch überlegene Qualität

Abbildung 4: Erträge der Kundenbeziehung

Abbildung 5: Kundenmanagement als Teil der Kundenorientierung

Abbildung 6: Wirkungskette Kundenbindung

Abbildung 7: Wirkung von Image

Abbildung 8: Kundengruppen im TRI:M-Index

Abbildung 9: RADAR-Logik des EFQM-Modells

Abbildung 10: Prozessablauf Kreditvergabe

Abbildung 11: Research-Prozess der Gut GmbH

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fallstudienmethode (FSM) und ihren Anwendungsmöglichkeiten in der Ausbildung von diplomierten Bankbetriebswirten, speziell bezogen auf das Ausbildungsmodul Qualitätsmanagement.

Als zentrale Fragestellung der Arbeit lässt sich formulieren:

Welchen Beitrag leisten Fallstudien zur Ausbildung von Dipl.-Bankbetriebswirten und wie müssen die Fallstudien konzipiert sein, um den Lerneffekt zu maximieren, und welche Alternativen bieten sich?

Hierzu wird zunächst dargestellt, was die Fallstudienmethode ist, welche unterschiedlichen Fallstudienarten es gibt und welche Charakteristika diese besitzen. Kapitel 2.1 gliedert dabei die Fallstudien zunächst nach Problemfindungsfällen, Entscheidungsfällen, Informationsfällen, Untersuchungsfällen und Postkorbfällen. Anschließend werden diese Fallarten vergleichend gegenüber gestellt. Die folgenden Kapitel sollen sowohl den Aufbau einer Fallstudie im Allgemeinen als auch die Ziele der Fallstudien in der Didaktik zeigen. Um dem Leser zu verdeutlichen, welche Hindernisse in der Verwendung von Fallstudien liegen können, erarbeitet das Kapitel 2.5 die Grenzen und Probleme der Fallstudienmethode.

Da diese Arbeit besonders das Lernmodul Qualitätsmanagement bearbeitet, führt das Kapitel 3 in die Bereiche Kundenmanagement, Prozessmanagement, Methoden des QM sowie das Supplier Management ein. Auch der Bereich Outsourcing wird dabei behandelt.

Um die praktische Bedeutung der FSM zu verdeutlichen, behandelt das Kapitel 4 sowohl die historische Entwicklung der Fallstudienmethode als auch den aktuellen Stellenwert von Fallstudien in der Ausbildung am Beispiel von Diplombankbetriebswirten an der Bankakademie Frankfurt. Zur Bewertung des praktischen Stellenwertes wird u.a. ein Gespräch mit Dr. Achenbach herangezogen. Kapitel 4 verdeutlicht hierbei auch den aktiven Charakter der Fallstudienmethode.

Im fünften Kapitel werden verschiedene Fallstudien vorgestellt, gegliedert nach ihrer methodischen Ausrichtung und den einzelnen Modulen des Lernbereiches QM. Zu Beginn einer jeden Fallstudie findet sich eine kurze Einordnung in die Fallstudienarten. Die Fallstudien schließen jeweils mit einer Lösungsskizze ab, welche einen möglichen Ansatz zur Bearbeitung geben soll. Die Fallstudien beziehen sich jeweils auf die in dieser Arbeit in Kapitel 3 behandelten Themen und beinhalten relevante Informationen, welche zum Lösen der Aufgabenstellungen erforderlich sind.

Im letzten Kapitel fasst die Arbeit die erzielten Ergebnisse zusammen und nimmt Stellung zur behandelten Ausgangsfrage. Außerdem werden ein Ausblick sowie eine Handlungsempfehlung für die zukünftige Ausbildung basierend auf den Erkenntnissen der Arbeit gegeben. Die geübte Kritik basiert auf den innerhalb der Kapitel aufgezeigten Schwächen der Fallstudienmethode.

1.2 Themenabgrenzung

Die Arbeit befasst sich zunächst allgemein mit der FSM. Im Verlauf der Arbeit wird die Überleitung zur Praxis jedoch ausschließlich am Ausbildungsmodul QM orientiert, so dass der Aussagegehalt der Arbeit nicht ohne weiteres auf andere Module übertragbar sein muss. Der praktische Nutzen der Fallstudienmethode kann zwischen den einzelnen Lernmodulen und Themengebieten variieren, in der Tendenz kann die Aussage der Arbeit jedoch auch für andere Themengebiete übernommen werden.

Die vorgestellten Fallstudien decken nicht den vollen Umfang der Lerneinheit QM ab, sondern zeigen Möglichkeiten, wie bestimmte Inhalte anhand der vorgestellten Methodik vermittelt werden können.

Die entwickelten Fallstudien beziehen sich jeweils auf die Ausbildungsinhalte im Managementlehrgang der Diplom-Bankbetriebswirte der Bankakademie mit Sitz in Frankfurt, so dass auch die Umweltbedingungen, welche für die Fallstudien gelten sollen, stets hieran angepasst sind. Wie die Arbeit zeigen wird, spielen die angenommenen Umweltbedingungen eine große Rolle bei der Lösung und Umsetzung der Fallstudien. Eine Übertragbarkeit auf andere Länder wie die USA oder andere Bildungsgebiete ist somit aufgrund der geänderten Umweltbedingungen und theoretischen Backgrounds nur bedingt möglich.

2. Die Fallstudienmethode

2.1 Arten von Fallstudien

2.1.1 Allgemeines

Es lassen sich mit Sicherheit viele verschiedene Unterscheidungssysteme zur Einteilung der Fallstudien finden. Die nachfolgend gewählte Unterteilung orientiert sich an den unterschiedlichen Schwerpunkten bei der Bearbeitung der Fallstudien. Dies wird auch im Vergleich der Fallarten verdeutlicht.

Um die Methodik und Didaktik von Fallstudien zu verstehen und selbige sinnvoll in der Ausbildung nutzen zu können, soll zunächst klar definiert werden, was eine Fallstudie ist:

Eine Fallstudie ist eine an der Realität orientierte Situationsbeschreibung zur methodischen Entscheidungsübung in eigenständiger Gruppenarbeit.[1]

Hieraus wird ersichtlich, dass eine Fallstudie stets an der Realität orientiert sein sollte, um einen Lerneffekt erzielen zu können. Die Beschreibung der Situation kann unterschiedlich geordnete Informationen enthalten, auch die Menge und Komplexität der gegebenen Informationen kann stark variieren, wie die einzelnen Fallarten zeigen werden. Durch die Variation des Informationsangebotes wird die Ausrichtung und Zielsetzung der Fallstudie dabei maßgeblich beeinflusst.

Eine rein wirtschaftswissenschaftliche Konzeption der Fallstudiendidaktik liegt nur selten vor, da realitätsorientierte Problemstellungen meist komplex und daher interdisziplinär aufgebaut sind.[2]

Die Gruppierung ist in der Literatur sehr unterschiedlich, wobei Grundtypen stets wieder zu finden sind. Systematisch gliedern lassen sich Fallstudien entweder nach Guilford oder in Anlehnung an die ursprünglichen Fallstudien der Harvard Business School. Dabei werden die Fallstudien nach Guilford in Entdeckungs- und Entscheidungsfälle unterschieden, was auf der Trennung zwischen konvergentem und divergentem Denken beruht. Als konvergent werden dabei Fälle angesehen, welche auf bestimmte Lösungen hin ausgerichtet sind, während bei divergenten Fällen eine gewisse Freiheit zum Finden von Lösungen besteht.[3]

In den nachfolgenden Unterkapiteln werden die einzelnen Arten von Fallstudien in ihrem Aufbau und Schwerpunkt näher vorgestellt und anschließend verglichen. Die Klassifizierung erfolgt dabei in Anlehnung an die klassischen Harvard-Fälle. Dabei werden die Arten von Fallstudien um die Postkorb-Fälle erweitert, da diese die komplexeste Form darstellen und als Mischform der 4 Grundarten angesehen werden können.

2.1.2 Problemfindungsfall

Die im Englischen als Case Method oder auch Case Study Method bezeichneten Problemfindungsfälle sind die ursprünglich von der Havard Business School für die wissenschaftliche Ausbildung entwickelten Fallstudien und stellen damit die „klassische“ Form dar.

Sie haben als besonderes Charakteristikum, dass das eigentliche Problem, welches durch die FS gelöst werden soll, nicht explizit in ihnen genannt wird. Hierin ist der Schwerpunkt der Bearbeitung zu sehen. So gehört es zur Aufgabe der Bearbeiter, zunächst die gegebene Situation zu analysieren, das Problem zu identifizieren und entsprechende Fakten zu sammeln.[4] Dabei sind relevante Informationen zunächst aus einer Fülle nicht genau strukturierter Informationen zu filtern, da in der klassischen Fallbeschreibung neben betriebswirtschaftlichen Fakten auch Informationen zur Geschichte der Unternehmung, zu handelnden Personen, zu früheren Problemen und zur politischen und unternehmerischen Umwelt zu finden sein können. Zwar werden die zur Bearbeitung des Falls notwendigen Informationen von Anfang an gegeben, sind jedoch nicht unbedingt als solche erkennbar[5]. Nach dem Filtern der Informationen ergibt sich die zu lösende Problemstellung.

Zum Bearbeiten der Problemstellung werden von den Bearbeitenden mögliche Lösungsansätze auf der gegebenen Informationsbasis entwickelt und untereinander verglichen. Es gibt i.d.R. nicht eine einzige, richtige Lösung, welche es zu finden gilt.[6] Vielmehr soll ein Spektrum unterschiedlicher Ansätze erarbeitet werden, um die Kreativität im Umgang mit Situationen zu fördern und Probleme in vorhandenen Situationen mit gegebenen Informationen zu erkennen. Da konkrete Lösungsskizzen erarbeitet werden, können diese gut mit bereits getroffenen Entscheidungen aus der Realität in vergleichbaren Situationen verglichen und beurteilt werden.

Aufgrund der Vielzahl der gegebenen Informationen und der Beschreibung einer konkreten, oft sehr komplexen Situation ist der Umfang der Case Study Method nicht zu unterschätzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3 Entscheidungsfall

Beim Entscheidungsfall, im Englischen als Case Problem Method bezeichnet, wird die Problemstellung meistens explizit innerhalb der Fallbeschreibung formuliert. Durch die Vorgabe des Ausgangsproblems wird die Nutzung der Bearbeitungszeit eher in Richtung Lösungsfindung und Entscheidung über die Verfahrensweise im Umgang mit dem Ausgangsproblem verschoben, so dass diese Methode unter dem zeitökonomischen Gesichtspunkt der Case Study Method gegenüber im Vorteil ist[7].

Da das Problem bereits feststeht, wird die Case Problem Method eher durch wirtschaftswissenschaftliche und verhaltendwissenschaftliche Entscheidungstheorien bestimmt. So werden wirtschaftswissenschaftliche Entscheidungen tendenziell an Wahrscheinlichkeiten orientiert, verhaltenswissenschaftliche Entscheidungen hingegen sind auch durch irrationales Verhalten geprägt. So fließen hier nicht nur Wahrscheinlichkeiten für Erfolg oder Misserfolg einer Entscheidung ein, sondern u.a. auch persönliche Vorlieben, Abneigungen sowie selektive Wahrnehmung und Unkenntnis der Zukunft. Dies basiert auf dem von Simon entwickelten Konzept der begrenzten Rationalität.[8]

Eine getroffene Entscheidung kann nicht von vorne herein als richtig oder falsch beurteilt werden, da eine 100%ige Übertragbarkeit der Fallstudiensituation auf die Realität nur selten möglich sein wird. Lediglich adäquate Fälle der Realität können als Orientierung herangezogen werden. Hierbei spielen jedoch evtl. verschiedene Umweltbedingungen eine entscheidende Rolle.

Ziel der Case Problem Method ist also, die Bearbeiter in der rationalen Entscheidungsfindung zu schulen und ihnen den Einfluss von begrenzter Rationalität aufzuzeigen sowie Zusammenhänge zwischen Problem und Lösung darzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.4 Informationsfall

Der Informationsfall, auch Case Incident Method genannt, legt seinen Schwerpunkt auf die Beschaffung von Informationen. Zwar wird eine Ausgangssituation beschrieben, jedoch wird das Problem zunächst nicht genauer spezifiziert und die Informationslage ist äußert knapp gehalten. Es existiert lediglich eine Art Torso des Falles. Erst durch die Informationsbeschaffung in der Informations- und Explorationsphase wird deutlich, auf welcher Problemstellung der Fall aufbaut[9].

Hierdurch lernen die Bearbeiter, wie Informationen beschafft werden und welche Informationen relevant sind. Die Informationen werden i.d.R. vom Dozenten bereitgehalten, so dass in der Gruppenarbeitsphase keinerlei größere Unterbrechungen notwendig sind. Bereitgestellt werden die Informationen jedoch nur auf Nachfrage, so dass die Bearbeiter sich über benötigte Informationen zunächst klar werden müssen[10]. Als Lernziel ist also die Formulierung des Informationsbedarfes sowie die Entscheidungsfindung auf Basis noch zu gewinnender Informationen zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.5 Untersuchungsfall

Der auch als Stated Problem Method bezeichnete Untersuchungsfall stellt als Ausgangssituation eine weitgehend gelöste Fallstudie vor: Sowohl die Problemstellung als auch die notwendigen Informationen und Lösungsalternativen sind gegeben. Trotz der weit fortgeschrittenen Lösung dieser Fallstudienart hat sie ihren Sinn. So sollen die Bearbeiter ihren Fokus auf das Nachvollziehen der Falllösung, die Analyse der Ergebnisse und die Kritik der vorgegebenen Lösungen legen[11]. Als Resultat der Analyse und Kritik der Lösungswege kann das Finden einer bestmöglichen Lösungsalternative stehen.

Diese Art der Fallstudie kann als Einstieg genutzt werden, um den Bearbeitern den Ablauf einer Falllösung zu demonstrieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.6 Postkorbfall

Die In-Basket Exercise Method ist eine Methode, die häufig auch als Übung in einem Assessment Center eingesetzt wird. Hier sollen die Bearbeiter aus zunächst unstrukturierten Informationen erst den Fall bilden.

Die sonst übliche Fallbeschreibung wird durch Unterlagen ersetzt, welche von unterschiedlicher Relevanz sein können und aus unterschiedlichsten Quellen stammen können: Aktennotizen, Anweisungen, Statistiken, Internetrecherchen etc.

Diese Informationen werden von den Bearbeitern zunächst strukturiert und auf Relevanz hin überprüft. Aus den Informationen ergibt sich die Problemstellung, welche es zu lösen gilt. Im Anschluss werden die Informationen, ausgerichtet auf die erarbeitete Problemstellung, ausgewertet. Hieraus werden Lösungsalternativen entwickelt, welche abschließend beurteilt werden, so dass eine Entscheidung getroffen werden kann.

Aus diesem Ablauf wird ersichtlich, dass die Postkorbmethode eine Mischung der anderen, bereits beschriebenen Methoden darstellt und somit als Königsdisziplin bezeichnet werden kann. Sie vereint die verschiedenen Fokussierungen der anderen Methoden und stellt zudem noch die Aufgabe, zunächst die Situation erkennen zu müssen.

Daraus resultiert allerdings auch die Schwierigkeit, einen komplexeren Fall in sinnvoller Zeit bearbeiten zu können. Daher werden mit der In-Basket Exercise Method eher kleinere Fälle bearbeitet, um weniger den eigentlichen Lernstoff als eher die Methode der Fallbearbeitung in realitätsnaher Weise zu vermitteln. Häufig geht es auch darum, Situationen zu gliedern und Aufgaben zu delegieren, so dass das Stärken von Entscheidungskraft und Verantwortungsbereitschaft in den Mittelpunkt rückt.[12]

Durch diese Methode lernt der Bearbeiter, Situationen zu erfassen, Informationen zu strukturieren und Probleme zu erkennen. Anschließend wird eine realitätsnahe Lösungsskizze erarbeitet, so dass der Bearbeiter den gesamten Prozess der Problemfindung und -lösung anhand eines einzigen Falles innerhalb kurzer Zeit durchläuft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.7 Vergleich der Arten

Nachdem zunächst die unterschiedlichen Arten von Fallstudien vorgestellt wurden, lassen sich diese nun anhand bestimmter Kriterien vergleichen. Als erste Unterscheidungskriterien dienen hierbei sowohl die Informationslage als auch die Problemstellung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich der Fallstudienarten

[Quelle: Voigt, Nürnberg 2006[13]]

Hieraus ergeben sich die vier Grundtypen von Fallstudien, welche möglich sind. Die Informationslage kann sowohl vollständig sein, so dass keine weiteren Informationen zu beschaffen sind, oder unvollständig, so dass zunächst noch Recherchen zur Bearbeitung der Fallstudie notwendig sind. Die Problemstellung kann in einer Fallstudie sowohl explizit genannt werden als auch zunächst unklar sein. Aus den sich ergebenden 4 Grundtypen von Fallstudien ergibt sich auch der Schwerpunkt der Fallbearbeitung. Dieser kann sowohl in der Informationsbeschaffung, der Problemidentifizierung und -formulierung als auch in der Formulierung von Lösungsalternativen liegen. Einen Spezialfall bildet dabei die Postkorbmethode, da Sie die Eigenschaften der anderen Fallstudienarten kombiniert und daher eher auf die Methodik der Bearbeitung als auf die anderen o.g. genannten Eigenschaften abzielt.

Aus diesem Vergleich ergibt sich die Anwendungsmöglichkeit der jeweiligen Fallstudienart. So gilt es beim Entscheidungsfall bzw. Untersuchungsfall, Lösungen zu formulieren bzw. zu vergleichen, so dass diese Form der Fallstudie am besten dann eingesetzt wird, wenn es um die Lösung von konkreten Problemen geht. Soll dagegen die Situationsanalyse und das aufdecken von Problemen gefördert werden, so sind Problemfindungsfälle am besten geeignet. Dies ist vor allem bei Unternehmenssituationen der Fall, in denen zwar viele Informationen über das Unternehmen und die aktuelle Situation sowie Symptome des Problems bekannt sind, eine Ursache für die aktuelle Situation aber noch nicht gefunden wurde. Informationsfälle hingegen beruhen auf der Anforderung, einen Informationsbedarf zu formulieren und relevante Informationen gezielt zu beschaffen. Hierfür ist die Kenntnis von Quellen und Informationswegen unabdingbar. Postkorbfälle sind geeignet, um komplexe Alltagssituationen zu simulieren, in denen zwar viele Informationen zur Verfügung stehen, diese jedoch noch kein konkretes Problem erkennen lassen und evtl. auch lückenhaft sind. Somit wird der komplexe Ablauf einer Situationsanalyse und -bearbeitung realitätsnah anhand eines Falles dargestellt.

Keine der Arten ist als besonders vorteilhaft oder besonders ungeeignet anzusehen, da sie inhaltlich und strukturell auf verschiedene Arbeitsweisen abgestimmt sind. So wird Kapitel 2.2 u.a zeigen, dass anhand des gewünschten Schwerpunktes eine geschaffene Situation in jede der Fallstudienarten eingeordnet werden kann und lediglich der Aufbau der Situationsbeschreibung über den Schwerpunkt entscheidet.

Es liegt im Ermessen des Autors, die Situationsbeschreibung an ein Lernziel anzupassen und eine dem Lernziel entsprechende Situationsbeschreibung und Aufgabenstellung zu erstellen.

2.2 Der Aufbau von Fallstudien

2.2.1 Aufbau des Fallstudientextes

Fallstudien sollen, wie bereits dargestellt wurde, eine reale oder realitätsnahe Situation beschreiben, die eine Problemstellung beinhaltet. Somit gilt es, bei der Erstellung eigener Fallstudien darauf zu achten, nicht allzu hypothetische Texte zu entwerfen. Ein weiterer Anspruch ist die Lösbarkeit der Problemstellung in einer vorgegebenen Zeit. Normalerweise wird die Bearbeitungszeit einer Fallstudie auf einen Zeitraum einer Unterrichtseinheit, z.B. 5 Stunden, begrenzt sein, da dies mit Vor- und Nachbereitungszeit sowie Pausen einen Arbeitstag bzw. Unterrichtstag füllt. Daher soll die einleitende Situationsbeschreibung mit benötigten Materialien nicht zu umfangreich sein. Ein genaues Maß lässt sich zwar nicht bestimmen, allerdings wird sich beim probeweisen Bearbeiten der Fallstudie zeigen, ob der Umfang den Anforderungen gerecht wird.

Die Erstellung einer Fallstudie besteht aus verschiedenen Phasen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ablauf der Fallkonstruktion

[Quelle: Eigene Darstellung]

Nachdem sich der Autor zunächst auf ein Thema und somit ein Lernmodul festgelegt hat, sollte er in diesem Schritt auch entscheiden, ob er gerne das Thema in der Breite behandeln oder lieber einzelne Aspekte hervorheben möchte.

Zu diesem ausgewählten Thema werden nun Informationen recherchiert. Diese können aus dem Arbeitsalltag stammen, aus der Literatur oder auch einem Modell entlehnt sein. Diese Informationen müssen dabei dem Anspruch genügen, auch Dritten, eventuell mit der in der Fallstudie beschriebenen Materie nicht sonderlich vertrauten Personen, ein Lösen der Problemstellung zu ermöglichen. So darf in einer Fallbeschreibung, welche die Bearbeitung von Krediten innerhalb eines Kreditinstitutes zum Inhalt hat, auf keinen Fall eine Beschreibung der Kreditabteilung und der Struktur der Kreditbearbeitung (z.B. Organigramm, Hierarchiebeschreibung) fehlen. Ohne diese Information wären Dritte, welche das beschriebene Unternehmen nicht kennen, kaum in der Lage, Lösungsansätze realitätsnah und situationsbezogen zu erarbeiten; organisatorische Abläufe und Strukturen haben oft entscheidenden Einfluss auf Geschäftsprozesse.

Nachdem der Autor alle Informationen gesammelt hat, muss die Art der Fallstudie bestimmt werden, welche sich aus dem Lernziel bzw. dem gesetzten Schwerpunkt ergibt. Soll der Schwerpunkt in der Situationsanalyse und Problemformulierung an sich liegen, so bietet sich die Case Study Method an, welche auch als klassische Methode bezeichnet wird. Hierzu und zu den anderen Arten der Fallstudie gibt Kapitel 2.1 nähere Informationen. Für das Erreichen des gesetzten Zieles bezüglich der Methodenkompetenz ist die Art der Fallstudie entscheidend, für den Lernerfolg bezüglich der Wissensvermittlung von fachlichen Inhalten ist die Art der Fallstudie hingegen nachrangig. Auch Mischformen bzw. Formen, welche nicht 100%ig zu einer Art zurechenbar sind, können durchaus gute Erfolge im Hinblick auf Fachinhalte erzielen. Um jedoch gezielt Kompetenzen wie Informationsstrukturierung, Informationsbeschaffung oder Problemanalyse zu trainieren, sollten der Aufbau der Fallstudie an den genannten Arten orientiert werden.

Aufgrund der Festlegung der Fallstudienart werden die Situationsbeschreibung erstellt, die benötigten Informationen aufbereitet und zusammengestellt und die Aufgabenstellung formuliert. Dabei ist auf eine möglichst gute Recherche der Informationen zu achten, damit die Fallstudie den Qualitätsansprüchen genügt (vgl. hierzu Kapitel 2.4: Qualität von Fallstudien).

Nachdem die Fallstudie erstellt ist, sollte der Autor sie einem Test unterziehen. Lässt sich die Fallstudie anhand der Situationsbeschreibung und der gegebenen Informationen mit dem vorher angeeigneten theoretischen Wissen sinnvoll und vollständig bearbeiten? Nur wenn dies möglich ist, kann die erstellte Fallstudie auch Verwendung in der Lehre finden. Auch eine zeitliche Überprüfung kann sinnvoll sein. Wenn z.B. vorgegeben ist, eine Fallstudie solle innerhalb einer Unterrichtseinheit, also innerhalb von 5 bis 6 Zeitstunden bearbeitet werden, ist weder eine Situationsbeschreibung von 100 Seiten sinnvoll, noch eine Fallstudie, welche einen maximalen Zeitaufwand von 2 Stunden erfordert. Zwar lässt sich der Ablauf der Bearbeitung einer Fallstudie zeitlich auch steuern, jedoch sind ein unnötiges Ausdehnen der Bearbeitungszeit oder Zeitmangel kontraproduktiv im Hinblick auf das Lernziel.

2.2.2 Phasenmodell nach Kaiser

2.2.2.1 Allgemeines

Grundsätzlich kann man die Arbeit an Fallstudien in drei größere Abläufe unterteilen:

- Information & Recherche
- Analyse der Problemstellung
- Lösung

Dabei werden in einem ersten Schritt sämtliche Informationen ermittelt und zusammengestellt, welche für die Bearbeitung der Fallstudie relevant sind oder werden können. Dies gilt sowohl für Informationen zur eigentlichen Problemstellung als auch für Informationen, die zur Lösung der Problemstellung beitragen sollen. Anschließend wird die Problemstellung anhand der vorliegenden Informationen analysiert, so dass in einem weiteren Schritt die Lösungsansätze entwickelt werden können. Diese werden dann untereinander verglichen und nach möglichst rationalen Entscheidungsmodellen bewertet. Falls möglich, wird die erarbeitete Lösung mit der Realität verglichen. Die Art der Fallstudie bestimmt dabei den Schwerpunkt der Fallstudienarbeit, z.B. Informationsbeschaffung, Problemanalyse, Lösungskritik oder Methodenkompetenz.

Das Grundmodell zeigt jedoch auch die Schwäche der Wirtschaftswissenschaften: „Exakte“ und unter gleichen Bedingungen stets gleiche Ergebnisse gibt es nicht. Einzelne Zwischenergebnisse wie betriebswirtschaftliche Berechnungen mögen zwar noch gleiche Ergebnisse liefern, Entscheidungen über Strategien, Abläufe und Wertungen sind dagegen oft unterschiedlich. Denn Entscheidungen werden sowohl aufgrund harter Fakten getroffen als auch auf Basis psychologischer Entscheidungstheorien. Ziel von Fallstudien ist es damit auch, dem Bearbeiter eine möglichst rationale Beurteilung von Situationen beizubringen und Emotionen möglichst zu reduzieren. Irrationale Entscheidungen sind unerwünscht, da sie nicht reproduzierbare und nicht nachvollziehbare Ergebnisse liefern. Um hohe Rationalität zu erreichen gliedert Kaiser[14] die Fallstudienbearbeitung in sechs Phasen, welche in den folgenden Kapiteln näher beschrieben werden. Ergänzt wird das Phasenmodell nach Kaiser hier um eine weitere Phase, die Reflexion. Die Phasen müssen nicht unbedingt in der hier beschriebenen Reihenfolge durchlaufen werden, was sich schon alleine aus den verschiedenen Situationsbeschreibungen und Schwerpunkten der Fallstudien ergibt (vgl. hierzu: Kapitel 2.1 Arten von Fallstudien). Sofern es die Situation erfordert, kann der Arbeitsablauf verändert werden bzw. zu einer bereits durchlaufenen Phase zurückgekehrt werden, da dies in keinerlei Gegensatz zur Arbeitsweise in der Wirtschaftswelt steht.

2.2.2.2 Konfrontation

In dieser Phase wird die gegebene Situation auf das zentrale Problem/die zentralen Probleme hin analysiert. Dabei werden nicht nur offene Probleme identifiziert, sondern auch verdeckte Probleme zu Tage gefördert. Helfen können in dieser Phase die Leitfragen oder die Aufgabenstellung. Bei der Situationsanalyse wird bereits versucht, das Relevante herauszufiltern. Dabei wird jedoch noch der Fall in seiner Gesamtheit betrachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Traditionell dominiert bei der Situationsbeschreibung die Textform, ergänzt durch Tabellen, Schaubilder, Organigramme und andere hilfreiche Darstellungen.[15] Andererseits bietet sich aufgrund neuer Medien und fortschreitender Technik immer häufiger die Möglichkeit, auf Web Based Case Studies zurück zu greifen. Diese Form der Fallstudie wird durch moderne IT unterstützt und kombiniert klassische Formen von Situationsbeschreibungen mit der Möglichkeit, diese direkt am PC in Lösungen einzuarbeiten und erleichtert damit die Verarbeitung komplexer Sachverhalte. In der Konfrontationsphase herrscht zunächst noch die Passivität des Bearbeiters vor. Er bekommt sowohl Sachinformationen zum Fall an sich als auch evtl. zusätzliches Hintergrundwissen

2.2.2.3 Information

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Informationsphase besteht zunächst aus dem Sammeln und Strukturieren der Informationen sowie der Gewinnung von zusätzlichen, benötigten Informationen. Diese Informationen werden dann auf Relevanz und Informationswert hin untersucht und bewertet, um sie in der Folge sinnvoll als Basis für die Entwicklung von Lösungsalternativen verwenden zu können. Diese Phase erfordert neben Wissen über Beschaffungswege für Informationen zum Teil auch Networking-Qualitäten, da sich manche Informationen besonders gut über ein ausgeprägtes Netzwerk von Personen aus verschiedensten Bereichen effizient beschaffen lassen. Das Networking wird allerdings innerhalb eines Seminarraumes schwer zu realisieren sein.

2.2.2.4 Exploration

In der Phase der Exploration werden die Lösungsalternativen entwickelt, diskutiert und bewertet. Dazu muss das Problem evtl. aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden und der Betrachter muss sich von einer bisher eingeschlagenen Denkweise lösen. Ziel ist also das Denken in Alternativen. Vor allem im Fall einer bereits in der Situationsbeschreibung vorweg genommenen Lösung ist es notwendig, sich vom vorgezeichneten Lösungsweg zu lösen und eigene Denkansätze zu entwickeln, um diese im Verlauf der Bearbeitung mit der „Musterlösung“ vergleichen zu können. In dieser Phase wird erlerntes Wissen abgerufen, ergänzt, angepasst und auf die aktuelle Situation angewendet, so dass aktive Beschäftigung mit dem Wissensgebiet erforderlich ist. Im Gegensatz zu rein passiv angelegten Lernmethoden wird das Wissen in der Explorationsphase der Fallstudienmethode mit Erfahrungen mehrfach verknüpft und ist somit für den Bearbeiter anschließend besser abrufbar. Durch die Beschäftigung mit dem Thema erhält der Bearbeiter mit jeder neuen Fallstudie eine Art Plan zur Bewältigung eines derartigen Problems. Tritt ein solches oder ein sehr ähnliches Problem erneut auf, ist nur noch eine deutlich geringere Anpassung des Erlernten notwendig als bei komplett neuen Praxisproblemen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2.5 Resolution

Die Resolutionsphase stellt die Entscheidung für eine Lösungsvariante dar. Hierbei werden die in der Explorationsphase gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet, so dass eine Entscheidung zugunsten der besten, realisierbaren Lösungsvariante fällt. Diese Entscheidung wird grundsätzlich in einer Gruppe getroffen, um mögliche irrationale Entscheidungseinflüsse zu minimieren. Die Entscheidung soll möglichst ein hohes Maß an Rationalität aufweisen und muss begründet werden, damit die Entscheidung nachvollziehbar ist. Damit fördert diese Phase das rationale Denken und Entscheiden sowie das Arbeiten in Gruppen, da die eigene Entscheidung evtl. der Gruppenentscheidung entgegensteht.

2.2.2.6 Disputation

In der Disputationsphase wird die zuvor getroffene Wahl einer Lösungsvariante vor den anderen Bearbeitern, welche ebenfalls in kleinen Gruppen gearbeitet haben, verteidigt und erläutert. Hierbei wird von anderen Bearbeitern auf evtl. nicht beachtete Aspekte in der Entscheidungsfindung hingewiesen, so dass Entscheidungen auch kritisch hinterfragt werden. Als Ergebnis wird sich meistens zeigen, dass es nicht eine einzige Lösung gibt, sondern nur unter den gegebenen Aspekten, welche berücksichtigt wurden, eine „First Best“-Lösung existiert. Argumentationsfähigkeit ist in dieser Phase besonders wichtig. Lösungen müssen überzeugend und Lösungswege nachvollziehbar vorgestellt werden.

2.2.2.7 Kollation

In dieser Phase wird die erarbeitete Lösung mit der Realität verglichen, sofern dies möglich ist. Daher kann die Kollationsphase auch als Anwendungsphase bezeichnet werden. Für eine Fallstudie, welche zwar realitätsnah aber dennoch fiktiv ist, kann naturgemäß kein Vergleich mit der Realität stattfinden. Hier sollte man sich darauf beschränken, einen Vergleich mit ähnlichen Situationen anzustellen. Alternativ kann darauf abgestellt werden, die Art der Lösungsfindung zu beurteilen und evtl. zu kritisieren, ähnlich der folgenden Reflexionsphase. Die Kollationsphase ist dabei entscheidend für den späteren Erfolg der Umsetzung von Wissen. Werden Lösungen nicht mit realen Lösungen verglichen bzw. die Lösungsfindung an sich kritisch begutachtet, entstehen evtl. falsche Lösungsmuster, welche dann später in der Realität zu Fehlentscheidungen führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2.8 Reflexion

Die Reflexionsphase ist in der ursprünglichen Ausarbeitung von Kaiser nicht enthalten. Sie sollte jedoch eine sinnvolle Ergänzung sein, da in dieser Phase vornehmlich die Art der Bearbeitung und die Methodik der Bearbeitenden betrachtet wird[16]. Hierbei sollen sich die Bearbeitenden auch darüber klar werden, wo eigene Schwächen und Stärken liegen, wo Fehler in der Bearbeitung gemacht werden und was für die Bearbeitung zukünftiger Fallstudien verbessert werden kann. Diese Phase sollte vor allem beim Einstieg in die Fallstudienarbeit stattfinden, so dass künftige Fallstudien besser und vor allem systematischer bearbeitet werden.

2.2.3 Alternatives Phasenmodell

Die o.g. Einteilung der Bearbeitungsphasen nach Kaiser, erweitert um die Reflexionsphase, ist bereits eine relativ feine Einteilung. Häufig lässt sich daher eine andere Einteilung der Phasen finden, welche in der Hauptsache aber eine abweichende Aufteilung des Prozesses darstellt und weniger eine andere Arbeitsweise beschreibt. So wird besonders im sozialwissenschaftlichen Bereich gerne auf die Einteilung in Vorbereitungsphase, Rezeptionsphase, Interaktionsphase, Bewertungsphase und Anwendungsphase zurückgegriffen. Dabei entspricht die Vorbereitungsphase weitestgehend der o.g. Konfrontationsphase. Die Rezeptionsphase stellt die Phase der Informationsbeschaffung und -strukturierung dar. In der Interaktionsphase werden einheitliche Problemstellungen, Maßstäbe und Definitionen festgelegt und Entscheidungen über Lösungsalternativen sowie die First-Best-Lösung getroffen. Diese werden dann in der Bewertungsphase, welche bei Kaiser der Disputationsphase entspricht, diskutiert, begründet und bewertet. In der Anwendungsphase werden schließlich die Lösungen mit der Wirklichkeit verglichen.[17]

[...]


[1] Vgl. Weitz, Bernd O.: Hochschuldidaktische Schriften des Instituts für Betriebswirtschaftslehre der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Beitrag Nr. 4/2000, Halle (Saale) 2000; zit. Kosiol, Erich: Die Behandlung praktischer Fälle im betriebswirtschaftlichen Unterricht (Case Method). Ein Berliner Versuch. Berlin 1957

[2] Vgl. Gruber, Christine: Zum Einsatz von Fallstudien in der Sozialarbeitsausbildung; o.O. Stand 25.10.2006; S. 2; zu finden unter http://www.telesozial.net/cms/uploads/media/Zum_Einsatz_von_Fallstudien_in_der_Sozialarbeitsausbildung.pdf

[3] Vgl. Reetz, Lothar: Wirtschaftsdidaktik; Bad Heilbrunn 1994; S. 225

[4] Vgl. http://www.tu-dresden.de/wwbwllog/Download/Fallstudienseminar/fsdidaktik-folien.pdf, S. 1, o.V, o.O, 2006, Stand 22.10.2006

[5] Vgl. Saßmannshausen, Sean Patrick: Fallstudien zum Gründungsmanagement (Skript zur Veranstaltung); Wuppertal 2004; S. 5

[6] Vgl. Ullrich, Christian: Erwerb von Problemlösefähigkeit mit Hilfe von Lernumgebungen. Konzeption und Implementierung eines Frameworks; 1. Auflage 2005; o.O.; S. 138

[7] Vgl. Stähli, Albert: Management-Andragogik 1; 2. Auflage Berlin 2001; S. 34

[8] Vgl. http://www2.psychologie.hu-berlin.de/orgpsy/studium/hauptstudium/folien/vl_einf04/08.pdf, o.V., Berlin, S. 13; Stand 22.10.2006; zit.: Simon, Herbert A.: Models of Man, o.O., 1957

[9] Vgl. Stähli, Albert: Management Andragogics 2: Zurich Living Case: v. 2; 1. Auflage; Berlin 2005; S. 4

[10] Vgl. Wolfgang, Dorow/Groenewald, Horst: Personalwirtschaftlicher Wandel in Japan; 1, Auflage 2003, o.O.; S. 576

[11] Vgl. Lasch, Rainer/Schulte, Gregor: Quantitative Logistik-Fallstudien m. CD-ROM; 1. Auflage 2006; o.O; S. 7

[12] Vgl. Brunner, Wolfgang L. (Hrsg.): Erfolgsfaktoren im Bankmarketing; o.V. o.O. 2004; S. 6

[13] Vgl. Voigt, Kai-Ingo: Skript zum Fallstudienseminar SS 2006; Nürnberg/Erlangen 2006; S.39

[14] Vgl. Kaiser, Franz-Josef (Hrsg.): Die Fallstudie: Theorie und Praxis der Fallstudiendidaktik; Bad Heilbrunn 1983; S. 21ff

[15] Vgl. Liening, Andreas/Paprotny, Carsten: Fallstudienarbeit in der ökonomischen Bildung; in: Dortmunder Beiträge zur Ökonomischen Bildung, Diskussionsbeitrag Nr. 8; Dortmund 2005; S. 7

[16] Vgl. Saßmannshausen, Sean Patrick: Fallstudien zum Gründungsmanagement (Skript zur Veranstaltung); Wuppertal 2004; S. 7

[17] Vgl. Fried/Wetzel/Baitsch/Preß: Leitfaden zur Konzipierung und Umsetzung von postgradualen Studiengängen im sozialwissenschaftlichen Bereich; in: QUEM-report Schriften zur beruflichen Weiterbildung, Heft 61; Berlin 1999; S. 86

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Die Fallstudienmethode in der Ausbildung von diplomierten Bankbetriebswirten. Qualitätsmanagement aktiv lernen
Hochschule
Hochschule Bochum
Veranstaltung
Personal- und Ausbildungswesen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
110
Katalognummer
V69498
ISBN (eBook)
9783638607315
ISBN (Buch)
9783638673532
Dateigröße
1014 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt die Fallstudienmethode und ihre Unterarten, ihre Ziele sowie die Grenzen der Fallstudien. Dabei bezieht sich die Arbeit auf das Thema Qualitätsmanagement, so dass auch dieser Bereich genauer beschrieben wird. Hierbei wird auf das Prozessmanagement, das Kundenmanagement, den TRI:M-Index und Six Sigma eingegangen. Die Arbeit beinhaltet auch 5 selbst entwickelte Fallstudien zum Thema Qualitätsmanagement.
Schlagworte
Fallstudienmethode, Ausbildung, Bankbetriebswirten, Qualitätsmanagement, Personal-, Ausbildungswesen
Arbeit zitieren
Sebastian Hahn (Autor), 2007, Die Fallstudienmethode in der Ausbildung von diplomierten Bankbetriebswirten. Qualitätsmanagement aktiv lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69498

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Fallstudienmethode in der Ausbildung von diplomierten Bankbetriebswirten. Qualitätsmanagement aktiv lernen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden