Ist die Elitedemokratie eine Hydra aus Berufspolitikern? -Joseph A. Schumpeter: Elitendemokratie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Ursprung: Die klassische Elitedemokratie

3. Die Theorie demokratischer Elitenherrschaft – Moderne Elitedemokratie

4. Die Ansichten Joseph Schumpeters (Theorieinhalt)

5. Kritik an Schumpeters Elitedemokratie

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Elitenherrschaft wird oft als eine vielköpfige Hydra der Berufspolitiker bezeichnet, die mit ihren zahlreichen Köpfen den großen Corpus des Volkes leitet. Die Gliedmaßen des Körpers haben zwar die Voraussetzung zur Bewegung, sind aber träge und erhalten erst durch Impulse der Gehirne, die alle eingehenden Informationen verarbeiten, die Aufforderung zur Bewegung und deren Richtung. Die Köpfe sind der Hydra gewachsen. Sie können nicht ausgetauscht werden, sondern bleiben immer die bestimmende Zentrale.

Ist das Bild der Hydra als Sagengestalt auf die Form der Elitenherrschaft übertragbar?

Anhand Schumpeters demokratietheoretischen Ansatzes der Elitendemokratie soll der Frage in dieser Hausarbeit auf den Grund gegangen werden und die Vorstellungen seiner Theorie diskutiert werden.

Zunächst wird in den ersten beiden Gliederungspunkten die Entwicklung der Elitenherrschaft, beginnend mit der klassischen Elitendemokratie, dargestellt und im folgenden Gliederungspunkt mit der modernen Elitendemokratie, der auch Joseph Alois Schumpeter zuzuordnen ist, fortgesetzt. Der Darstellung des Schumpeterschen Theorieinhaltes widmet sich der Gliederungspunkt 4. Im Anschluss daran wird in der Kritik an Schumpeters Elitedemokratie sein Modell diskutiert. Als Abschluss steht die Zusammenfassung.

Um den Ursprung und die Entwicklung der Elitendemokratie darzustellen, nutzte der Verfasser das Buch von Elmar Wiesendahl[1] zur modernen Demokratietheorie, ergänzt durch die Werke von Gaetano Mosca[2], Vilfredo Pareto[3] und Max Weber[4].

Für die Betrachtung von Schumpeters Theorie wurde sein Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“[5] verwendet. Ebenso der Aufsatz von Peter Massing[6] in „Demokratie-Theorien“, der den neuesten Forschungsstand repräsentiert.

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle Manfred Schmidts „Demokratietheorien“[7], das vor allem durch seine Ausführlichkeit und kritische Betrachtung besticht.

2. Der Ursprung - Die klassische Elitentheorie

Der Ursprung der Theorie der Elitendemokratie liegt in der Kritik der klassischen Demokratie in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der Grundsatz der klassischen Demokratie beinhaltet, dass jeder Mensch eine naturgegebene Mündigkeit und Gleichheit besitzt. Sie spricht jedem von ihnen das Recht zu, sein politisches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.[8]

Die Hauptvertreter des elitetheoretischen Denkens bezeichnen die Ansicht von der Selbstherrschaft des Volkes als absolut unrealistisch. Diese könne „allenfalls der Beschwichtigung des Volkes dienen“[9]. Grundsätzlich sei, nach Ansicht der Italiener Gaetano Mosca und Vilfredo Pareto und dem Deutschen Robert Michels, nämlich jede Gesellschaft in zwei Gruppen gespalten.

Der herrschenden Elite stehen die der Herrschaft unterworfenen Massen gegenüber.

Nach Gaetano Mosca existiert diese Aufteilung in zwei Gruppen in allen Gesellschaften. Die von ihm als herrschende Klasse bezeichnete Gruppe zeichnet sich immer dadurch aus, dass sie von geringerer Zahl ist, alle politischen Funktionen innehat, die Macht monopolisiert und auch deren Vorteile genießt. Im Gegensatz dazu wird die zweite, die beherrschte, zahlreiche Klasse, von der ersten geleitet und befehligt.[10]

Für Mosca ist die Herrschaft der organisierten Minderheit, die einem einheitlichen Antrieb gehorcht, über die unorganisierte Mehrheit unvermeidlich und der Widerstand dagegen vergeblich. Wenn die Elite ihre Herrschaft als Demokratie bezeichnet, tut sie es, gemäß Mosca, aus einem ideologischen Aspekt – als Herrschaftsinstrument.

Vilfredo Paretos nahm als Untermauerung seiner Ansichten der Elitentheorie einen sehr negativen Ansatz. Unabhängig davon, ob nun allgemeine Wahlen stattfinden oder nicht, herrscht immer eine Oligarchie. Diesen Oligarchien unterstellt Paretos, dass sie als Regierungen Gewalt anwenden, obwohl sie versichern, auf Vernunft gegründet worden zu sein und dabei verstehen sie es sehr gut „dem Gedanken Ausdruck zu geben, sie erstrebe[n] allein den Vollzug des `Vollkswillens´“[11].

Im Zentrum der Überlegungen Robert Michels stehen die Begriffe Organisation und Oligarchie. Beide sind eng miteinander verbunden. Für ihn besteht in der Organisation die Tendenz zur Oligarchie. Er versucht dem Wesen der Organisation einen tief liegenden aristokratischen Zug nachzuweisen. Als Mutter der Herrschaft von Gewählten über Wähler nennt Michels die Organisation und führt als Beispiel die Parteiorganisation an, die eine mächtige, zwar auf demokratischer Basis existierende, dennoch eine Oligarchie darstellt. Die wählenden Massen unterstehen der unumschränkten Macht der gewählten Führerschaft. Michels geht aber noch einen Schritt weiter und behauptet, dass Eliten die in ihren Händen konzentrierte Macht an ihre Nachkommen vererben würden „um die Herrschaft dieser Klasse zu verewigen“[12].

Die Geschichte hat gezeigt, dass herrschende Eliten ihre Machtpositionen auch immer wieder verloren haben und durch neue, andere Eliten ersetzt wurden. Diesen Aspekt berücksichtigt die Elitentheorie unter dem Punkt ´Elitenzirkulation`. Demnach steht einer herrschenden Elite häufig eine Gegenelite gegenüber. Ein Austausch der Eliten wird ermöglicht, sobald es der Führungselite nicht geling, die Kräfte der Gegenelite an sich zu ziehen oder gar Oppositionsgruppen mit Gewalt zu unterdrücken.

Die Vereinbarkeit von Demokratie und Elitenherrschaft ist für die Begründer bzw. Vordenker der Elitentheorie gar nicht oder nur schwer vorzustellen. Das ändert sich mit der Entwicklung der Theorie der demokratischen Elitenherrschaft – der Elitendemokratie.

3. Die Theorie demokratischer Elitenherrschaft - Moderne Elitedemokratie

Im vorherigen Abschnitt wurde der Ausgangspunkt der modernen Elitedemokratie erläutert. Mosca, Pareto und Michels sahen in der Demokratie eine geschickte Propagandaformel der herrschenden Elite und einen Begriff der Täuschung.[13] Die Vertreter der modernen Theorie demokratischer Elitenherrschaft versuchen zu beweisen, dass Elitenherrschaft und Demokratie sehr wohl zu vereinbaren sind. Max Weber, Seymour Lipset, Raymond Aaron, Maurice Duverger, Giovanni Satori und Joseph Schumpeter teilen in ihren Modellen die Gesellschaft ebenfalls in eine kleine, herrschende Klasse (Elite) und die breite Masse der Beherrschten. Gerade die Massendemokratie funktioniere nur als ´Führerdemokratie` durch Berufspolitiker. Im politischen Interessentenbetrieb wirbt der Führer (Politiker) um Gefolgschaft und versucht die Massen zu gewinnen.[14]

[...]


[1] Wiesendahl, Elmar: Moderne Demokratietheorie, Frankfurt a.M./Berlin/München 1981

[2] Mosca, Gaetano: Die herrschende Klasse, in: Mills, C. Wright: Klassik der Soziologie. Eine polemische Auslese, Frankfurt a.M. 1966

[3] Pareto, Vilfredo: Eliten, Gewalt, Regierungsformen, in: Mills, C. Wright: Klassik der Soziologie. Eine polemische Auslese, Frankfurt a.M. 1966

[4] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Studienausgabe, Köln/Berlin 1964

[5] Schumpeter, Joseph Alois: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen 1987

[6] Massing, Peter: Joseph Schumpeter; in: Massing, Peter/ Breit, Gotthard (Hrsg.): Demokratie-Theorien. Von der Antike bis zur Gegenwart, Bonn 2005, S.180 - 192

[7] Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien, Opladen 2000

[8] Vgl. Wiesendahl, Elmar: Moderne Demokratietheorie, Frankfurt a.M./Berlin/München 1981, S. 40

[9] Wiesendahl, Elmar: Moderne Demokratietheorie, Frankfurt a.M./Berlin/München 1981, S. 40

[10] Vgl. Mosca, Gaetano: Die herrschende Klasse, in: Mills, C. Wright: Klassik der Soziologie. Eine polemische Auslese, Frankfurt a.M. 1966, S.191

[11] Pareto, Vilfredo: Eliten, Gewalt, Regierungsformen, in: Mills, C. Wright: Klassik der Soziologie. Eine polemische Auslese, Frankfurt a.M. 1966, S.276

[12] Wiesendahl, Elmar: Moderne Demokratietheorie, Frankfurt a.M./Berlin/München 1981, S. 42

[13] Vgl. Wiesendahl, Elmar: Moderne Demokratietheorie, Frankfurt a.M./Berlin/München 1981, S. 70

[14] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Studienausgabe, Köln/Berlin 1964, S. 1067

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ist die Elitedemokratie eine Hydra aus Berufspolitikern? -Joseph A. Schumpeter: Elitendemokratie
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft, Politische Theorie und Ideengeschichte)
Veranstaltung
HS: Moderne Demokratietheorien
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V69520
ISBN (eBook)
9783638613569
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar Dozent: "Eine sprachlich recht klare Argumentation, die Stärken und Schwächen der Elitedemokratie [wurden] angemessen diskutiert."
Schlagworte
Elitedemokratie, Hydra, Berufspolitikern, Schumpeter, Elitendemokratie, Moderne, Demokratietheorien
Arbeit zitieren
Peter Kögler (Autor), 2006, Ist die Elitedemokratie eine Hydra aus Berufspolitikern? -Joseph A. Schumpeter: Elitendemokratie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69520

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