Die bayerische Cluster-Offensive - Eine kritische Reflexion


Seminararbeit, 2007

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung, Definition und Zielsetzung der Arbeit

2. Kritische Reflexion des Cluster-Ansatzes

3. Deskriptive Analyse der bayerischen Cluster-Offensive

4. Fazit und Schlussfolgerungen

Exkurs: Implikationen für die Theorie und Regionalpolitik

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der Portersche Diamant

Abb. 2: Grundtypen der Cluster-Offensive

Abb. 3: Verortung regionaler Cluster in Bayern

Abb. 4: Erweiterung des Cluster-Ansatzes

Abb. 5: Empirische Überprüfungsmöglichkeit

Abb.A1: Regionalwirtschaftliche Effekte der Wirtschaftsförderung

Abb.A2: BIP-Wachstum zwischen 1995 und 2005 im westdeutschen Ländervergleich

Abb.A3: Nominales BIP im Jahre 1995 und 2005 im westdeutschen Ländervergleich (in Mrd. EUR)

Abb.A4: FuE-Aufwendungen im Jahre 2003 im westdeutschen Ländervergleich (in Mrd. EUR)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Mit der High-Tech-Offensive wollen wir Bayern weiterhin an der Spitze des

gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Fortschritts halten.“[1]

(Dr. Edmund Stoiber, Bayerischer Ministerpräsident)

1. Einleitung, Definition und Zielsetzung der Arbeit

Durch die voranschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft und der Kapital-, Güter-, Arbeits- sowie Informationsmärkte, die Auflösung von Branchengrenzen und die Substituierbarkeit von Unternehmensleistungen spielt das Management von Wissensressourcen als ein Wettbewerbsfaktor für die Regionalpolitik eine immer bedeutendere Rolle.[2] Im Rahmen der bayerischen High-Tech-Offensive (HTO) wurden daher seit Ende 1999 über 1,35 Mrd. EUR in zukunftsweisende Schlüsseltechnologien wie Umwelttechnik, Mechatronik, Neue Materialien, Life Sciences oder in die Informations- und Kommunikationstechnologie investiert. Durch die konzentrierte Wirtschaftsförderung und verstärkte Vernetzung von Forschung, Produktion und Finanzierung verfolgt die Landesregierung eine moderne clusterorientierte Wirtschafts- und Technologiepolitik.[3]

Mit dem branchenbezogenen Ansatz der Cluster-Offensive (CO) und einem branchenübergreifenden Regionalmanagementansatz aus der Landesplanung stehen der Initiative „Allianz Bayern Innovativ“ des bayerischen Ministeriums für Wirtschaft seit 2005 zwei zukunftsorientierte Instrumente zur nachhaltigen Entwicklung der 18 Planungsregionen[4] in Bayern zur Verfügung.[5] Insgesamt lassen sich 19 landesweite Cluster der drei Grundtypen High-Tech-Cluster, produktionsorientierte Cluster und Querschnittstechnologien unterscheiden.[6]

In der politischen Diskussion steht der Cluster-Begriff oftmals synonym für eine erfolgreiche Regionalpolitik.[7] Dabei wird auf theoretische Grundlagen über die Wettbewerbsfähigkeit von Nationen von Michael Porter (1990, 1999, 2000)[8] Bezug genommen, der folgende Definition in die wissenschaftliche Literatur eingeführt hat:

„A Cluster is a geographically proximate group of interconnected companies and associated institutions in a particular field, linked by commonalities and complementarities. The geographic scope of a cluster can range from a single city or state to a country or even a group of countries.”[9]

Mit Hilfe der Wirtschaftsförderung, die nach Eckey (1995) eine Schnittmenge zwischen der Raumordnung und der Wirtschaftspolitik darstellt, versucht die Landespolitik der im Grundgesetz (GG) verankerten Verpflichtung zur „Verbes-serung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ nachzukommen.[10] Die Erreichung dieses Zieles kann durch unmittelbare Maßnahmen, wie die Gewährung von Finanzhilfen und Steuererleichterungen, sowie mittelbare Maßnahmen bei der Infrastrukturpolitik, Flächen- und Informationsversorgung oder im Standort-marketing erfolgen.[11]

Sowohl die vorbehaltlose Adaption des theoretischen Konstruktes Cluster für regionalpolitische Entscheidungen als auch der partielle Eingriff in die Wirt-schaftsstrukturen durch eine konzentrierte Förderpolitik machen eine nähere Untersuchung des Cluster-Ansatzes in Theorie und Praxis notwendig.[12] Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es daher, die theoretische Bedeutung des Cluster-Ansatzes kritisch zu reflektieren und anhand einer deskriptiven Analyse in den Kontext der bayerischen Wirtschafts- und Technologieförderung zu stellen. Implikationen für die Wissenschaft und Regionalpolitik schließen die Analyse ab.

2. Kritische Reflexion des Cluster-Ansatzes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Entstehung von nationalen und regionalen Wettbewerbsvorteilen erklärt Porter (1990) durch das interdependente Zusammenspiel von Faktorbündeln, die den Ausgangspunkt industrieller Cluster darstellen.[13] Zu den Kerneinfluss-faktoren der branchenspezifischen Wettbewerbsfähigkeit zählen die Faktorbe-dingungen, Nachfragebedingungen, verwandte und unterstützende Branchen, Unternehmensstrategie und Wettbewerbsstruktur sowie die Rolle des Staates und der Zufall (siehe Abb.1).[14]

Die Faktorbedingungen umfassen sowohl die quantitative Ausstattung einer Region mit Produktionsfaktoren als auch die qualitative Fähigkeit zur effizienten Kombination von Ressourcen und Förderung von Innovationsprozessen. Zu den Nachfragebedingungen zählen die Größe des Heimatmarktes sowie die Art und Qualität der Inlandsnachfrage. Verwandte und unterstützende Branchen dienen der fokalen Industrie als Zulieferer oder Handelsmittler zur Generierung von Kosten-, Koordinations- und Verflechtungsvorteilen. Die Wahl einer regional angepassten Unternehmensstrategie und die Stärkung der Innovationsfähigkeit durch intensiven Wettbewerb im Inland sollen die Dauer- haftigkeit der Wettbewerbsvorteile sichern.[15]

Dabei profitieren Branchen insbesondere von der räumlichen Nähe zu komple-mentären und konkurrierenden Unternehmen, staatlichen Behörden oder For-schungseinrichtungen und Universitäten.[16] Ein Cluster bildet ein komplexes und dynamisches Netzwerk von interagierenden Akteuren, die nicht zwingend an administrative Grenzen gebunden sind.[17] Als Voraussetzungen für einen posi-tiven Beitrag eines Clusters zur Regionalentwicklung systematisieren Sternberg et al. (2004) sowie Haas/Neumair (2005) folgende Punkte:[18]

- Cluster müssen, gemessen am Gesamtpotential einer Region, eine kritische Größe an Unternehmen, Steueraufkommen, etc. erreichen.
- Es ist auf eine regionale Balance zwischen Lerneffekten mit Hilfe einer heterogenen Branchenstruktur und Spezialisierungsvorteilen in homogenen Branchen zu achten.
- Die Innovationsnetzwerke sollen durch extraregionale Partner einen „lock-in“ Effekt vermeiden und dauerhaft innovativ bleiben.
- Unterschiedliche Betriebsgrößenklassen können langfristige Be-schäftigungseffekte sichern helfen (z.B. Spin-offs, Start-ups).

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erkannte Marshall (1920) die Vorteile der Lokalisation bzw. Urbanisation gleichartiger ökonomischer Aktivitäten durch die räumliche Verflechtung mit Zulieferern und Kunden, einem breiten Angebot von spezialisierten Arbeitskräften und wechselseitigen Lerneffekten.[19] Auch Hoover (1937) oder Krugman (1991) betonen die Vorteile von Agglomerationen durch die Erzielung von Economies of Scale, Transportkostenersparnisse sowie Wis-sensspillovers zwischen den regional eingebetteten Unternehmen.[20]

Gerade die inhaltliche Verwandtschaft zu theoretisch und empirisch fundierten Konzepten der Wirtschaftsgeographie macht den Cluster-Ansatz anfällig für die wissenschaftliche Kritik.[21] Martin und Sunley (2003) äußern sich skeptisch zur eklektischen Ansammlung unterschiedlicher Konzepte sowie der definitorischen Unbestimmtheit eines Clusters und konstatieren:

[...]


[1] Bayerische Staatskanzlei (High-Tech-Offensive 2006), S.3.

[2] Vgl. Schamp/Lo (Regional Development 2003), S.1f; Picot/Reichwald/Wigand (Unter- nehmung 2003), S.2f; Neumann (Ordnung des Wissens 2000), S.1f.

[3] Vgl. Bayerische Staatskanzlei (High-Tech-Offensive 2006), S.4f; Bayerisches Staats- ministerium für Wirtschaft (Bayerische Clusterpolitik 2006), S.6f.

[4] Für einen Überblick theoretischer Grundlagen und ihrer praktischen Umsetzung, vgl. Christaller, W. (Zentrale Orte 1933); Lösch, A. (Räumliche Ordnung 1944); Bundes- Ministerium für Verkehr (Raumentwicklung 2006), S.12ff; Bayerische Staatsregierung (Landesentwicklungsprogramm 2006), S.16ff.

[5] Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft (Bayerische Clusterpolitik 2006), S.7; SPD Fraktion (Cluster-Chronologie 2006).

[6] Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft (Bayerische Clusterpolitik 2006), S.9.

[7] Vgl. Schamp, E. (Vernetzte Produktion 2000), S.150; Haas/Neumair (Internationale Wirtschaft 2006), S.418.

[8] Vgl. Porter, M. (Advantage of Nations 1990); Porter, M. (Regionale Vernetzung 1999); Porter, M. (Clusters 2000).

[9] Porter, M. (Clusters 2000), S.254; Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.150; Alecke/Untiedt (Förderung von Clustern 2005), S.3; Für eine Übersicht weiterer Definitionen, vgl. Martin/Sunley (Deconstructing clusters 2003), S.12.

[10] Vgl. Eckey, H.-F. (Regionale Strukturpolitik 1995), S.815; Lammers/Niebuhr (Erfolgskontrolle Regionalpolitik 2002), S.6; Conzelmann, T. (Regionale Wirtschaftsförderung 2005), S.99; Schlotböller, Dirk (Raumordnung 2001), S.3ff; Stober, R. (Wirtschaftsverwaltungsgesetze 2004), Art.91a Abs.1 GG, S.187.

[11] Vgl. Beckmann, C.-C. (Beziehungsorientiertes Standortmanagement 2005), S.42.

[12] Vgl. Martin/Sunley (Deconstructing clusters 2003), S.5f; Alecke/Untiedt (Förderung von Clustern 2005), S.2; Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.148f; Kronawitter, H. (Clusterpolitik 2006); Runge, M. (Clusterpolitik 2006).

[13] Vgl. Porter, M. (Advantage of Nations 1990), S.127ff; Porter, M. (Nationale Wettbewerbs- vorteile 1991), S.151ff; Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.148f.

[14] Vgl. Porter, M. (Nationale Wettbewerbsvorteile 1991), S.151ff.

[15] Vgl. Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.149f; Kutschker/Schmid (Inter- nationales Management 2005), S.440ff.

[16] Vgl. Porter, M. (Regionale Vernetzung 1999), S.51f; Haas/Neumair (Internationale Wirtschaft 2006), S.418; Nach Bathelt/Glückler (2002) lassen sich eine horizontale Clusterdimension mit konkurrierenden Unternehmen, eine vertikale Dimension mit komplementären Unternehmen, eine institutionelle Dimension von spezifischen Normen und Regeln sowie eine externe Dimension an clusterübergreifenden Netzwerkbeziehungen unterscheiden. Vgl. Bathelt/ Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.212f.

[17] Vgl. Porter, M. (Clusters 2000), S.254f; Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003), S.150f; Stein/Stuchtey (Entwicklung von Regionen 2003), S.564.

[18] Vgl. Sternberg/Kiese/Schätzl (Clusteransätze 2004), S.169f; Haas/Neumair (Internationale Wirtschaft 2006), S.422.

[19] Vgl. Marshall, A. (Principles of Economics 1920); Alecke/Untiedt (Förderung von Clustern 2005), S.5f.

[20] Vgl. Hoover, E. M. (Location Theory 1937); Krugman, P. (Geography and Trade 1991), S.36ff; Fujita/Krugman/Venables (The Spatial Economy 1999), S.18f; Bathelt/Glückler (Wirt- schaftsgeographie 2003), S.127ff.

[21] Vgl. Martin/Sunley (Deconstructing clusters 2003); Alecke/Untiedt (Förderung von Clustern 2005); Bathelt/Glückler (Wirtschaftsgeographie 2003).

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Die bayerische Cluster-Offensive - Eine kritische Reflexion
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Wirtschaftsgeographie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
59
Katalognummer
V69534
ISBN (eBook)
9783638620116
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
zusätzlich: 34 Präsentationsfolien im pdf-Format
Schlagworte
Cluster-Offensive, Eine, Reflexion
Arbeit zitieren
cand. rer. oec. Manuel Rimkus (Autor), 2007, Die bayerische Cluster-Offensive - Eine kritische Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69534

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