Die folgende schriftliche Ausarbeitung des mündlichen Vortrags vom 08. Juli 2004 soll noch einmal die Untersuchungsergebnisse von Robin Leidner darstellen. Robin Leidner arbeitet aktuell an der University of Pennsylvania als Associate Professor of Sociology. Ihre Forschungsgebiete sind Gender, Arbeit (darunter insbesondere: Arbeit und Identität, Arbeit und Familie), Frauenbewegungen. Ihre nächste Veröffentlichung erscheint dieses Jahr: "Identity and Work." In Social Theory at Work, Oxford University Press.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geschlecht und Identität am Arbeitsplatz
1.1. „Interactive service work“
1.2. Auswirkungen auf die Identität
1.3. Zum Gender Aspekt
2. McDonald’s
2.1. Allgemeine Informationen zu McDonald’s
2.2. Die Studie
2.3. Routinisierte Arbeit
2.4. Doing Gender bei McDonald’s
3. Combined Insurance Corporance
3.1. Allgemeine Informationen
3.2. Doing Gender at Combined Insurance
3.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu McDonald’s
4. Resümee
4.1. Now hiring smiling faces
4.2. Auswirkungen
4.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziale Konstruktion von Geschlecht in hochgradig standardisierten Dienstleistungsberufen (Interactive Service Jobs). Ziel ist es aufzuzeigen, wie Arbeitnehmer ihre berufliche Identität durch geschlechtsspezifische Interpretationen anpassen, um die Anforderungen einer routinierten Tätigkeit mit ihrem Selbstbild in Einklang zu bringen.
- Soziale Konstruktion von Geschlecht am Arbeitsplatz
- Methodik der Standardisierung und Routinisierung bei McDonald’s und Combined Insurance
- Auswirkungen von „Interactive Service Work“ auf die Arbeitnehmeridentität
- Strategien zur Uminterpretation von Arbeitsrollen zur Wahrung des Geschlechterbildes
- Vergleich der Geschlechtersegregation in verschiedenen Service-Branchen
Auszug aus dem Buch
1.3. Zum Gender-Aspekt
Einer der wichtigsten Aspekte, der entscheidet wie eine Arbeit angesehen und bewertet wird, ist ihre Assoziation mit einem bestimmten Geschlecht. Dabei verstärkt geschlechtsspezifische Arbeitsteilung den Anschein von der Natürlichkeit der Geschlechterunterschiede. Wenn alle Stelleninhaber einer bestimmten Arbeit dasselbe biologische Geschlecht haben, scheint es für die Öffentlichkeit, dass Menschen mit diesem Geschlecht besonders gut dafür geeignet sind. Selbst wenn zu anderen Zeiten oder an anderen Orten das „andere“ Geschlecht dieselbe Arbeit ausführt.
Die folgenden Studien zeigen, dass Arbeitnehmer solche Interpretationen von der geschlechtlichen Eignung ihres eigenen Berufes auch unter ungünstigsten Bedingungen durch führen, also auch dann, wenn der Beruf eigentlich viel eher als passend für das andere Geschlecht gelten würde oder wenn viele Aspekte nicht Ausdruck des Charakters einer Person sondern per Skript festgelegt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchungsergebnisse von Robin Leidner ein, die sich mit der Identitätsbildung von Arbeitnehmern in Dienstleistungsberufen beschäftigt.
1. Geschlecht und Identität am Arbeitsplatz: Es wird erörtert, wie Standardisierungen in „interactive service jobs“ die Arbeitnehmeridentität beeinflussen und warum die geschlechtsspezifische Zuweisung von Rollen zur Akzeptanz der Tätigkeit beiträgt.
2. McDonald’s: Dieses Kapitel analysiert die extreme Standardisierung und Routinisierung bei McDonald’s sowie die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Grill und Kasse.
3. Combined Insurance Corporance: Es wird die Verkaufsarbeit bei Combined Insurance betrachtet, bei der durch ein „männliches“ Framing der Arbeit trotz interaktiver Anforderungen die männliche Identität der Verkäufer geschützt wird.
4. Resümee: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und zeigen, dass die Geschlechterkonstruktion bei Servicejobs maßgeblich von der individuellen Interpretation der Beteiligten abhängt.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Doing Gender, Interactive Service Work, Identität, Geschlechterkonstruktion, Standardisierung, McDonald’s, Combined Insurance, Routinisierung, Arbeitsteilung, Servicedienstleister, Geschlechterrollen, Emotion Work, Berufsidentität, Sozialisation, Geschlechtersegregation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verflechtung von Arbeitsbedingungen, Geschlechterkonstruktionen und Identitätsbildung im Dienstleistungssektor anhand der Theorien und Fallstudien von Robin Leidner.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Standardisierung von Arbeitsabläufen, die Rolle des Geschlechts bei der Berufsinterpretation und die Art und Weise, wie Arbeitnehmer ihre Identität an fremdbestimmte Rollen anpassen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich damit, wie Arbeitnehmer in stark standardisierten Dienstleistungsberufen ihr Geschlecht interpretieren, um die ihnen auferlegte Berufsrolle als stimmig zu akzeptieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung empirischer Studien, insbesondere teilnehmender Beobachtungen und Experteninterviews, die von Robin Leidner durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die zwei Extrembeispiele McDonald’s und Combined Insurance, bei denen gezeigt wird, wie trotz unterschiedlicher Anforderungen „Geschlecht“ gezielt zur Rechtfertigung und Strukturierung der Arbeit eingesetzt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den Kernbegriffen zählen „Doing Gender“, „Interactive Service Work“, Standardisierung und die Transformation von Berufsattributen.
Wie unterscheiden sich McDonald’s und Combined Insurance in der Geschlechterinterpretation?
Während bei McDonald’s die Kassenarbeit als weiblich assoziiert wird, definieren die Verkäufer bei Combined Insurance ihre Tätigkeit durchgehend als männlichen „Willenskampf“, um ihre Männlichkeit trotz der Notwendigkeit interaktiver Fähigkeiten zu bewahren.
Welche Rolle spielt die „natürliche“ Geschlechtertrennung für die Unternehmen?
Die Unternehmen nutzen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, um Annahmen über natürliche Eignungen zu verstärken, was wiederum die Akzeptanz der hochgradig standardisierten und oft als unattraktiv empfundenen Arbeit bei den Angestellten erhöht.
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- Marco Librera (Author), 2004, Doing Gender im Beruf - Soziale Konstruktion von Geschlecht am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69541