1. Einleitung und Überblick
Die Budgetierung und Planung sind neben dem Berichtswesen die Controllingaktivitäten, die am meisten Ressourcen binden. In einer Studie nannten fast 60 Prozent der Controller die Budgetierung als ihre Hauptaufgabe. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen gerät sie zunehmend in die Kritik. Die anhaltende Kritik an und die Unzufriedenheit mit der klassischen Unternehmensplanung und Budgetierung haben dazu geführt, dass in Theorie und Praxis verschiedene Ansätze für neue Wege in diesem bedeutenden betriebswirtschaftlichen Bereich entwickelt wurden. Die einen sehen in der Budgetierung ein wichtiges und unverzichtbares Führungsinstrument, wohingegen auf der anderen Seite ein provokanter Artikel die klassische Budgetierung gar als „Figures of Hate“ bezeichnet. Jack Welsh, der ehemalige CEO von General Electric, sprach sogar davon, dass „the Budget is the bane of corporate America“. Mitauslöser waren vor allem die Veröffentlichungen von Hope, Fraser und Bunce, die „Beyond Budgeting“, die vollständige Abkehr von der Budgetierung, als besseren Alternativansatz propagierten.
Im Zentrum der folgenden Arbeit steht die Erläuterung des Beyond-Budgeting-Konzeptes, um die im Titel aufgeworfene Frage: „Geht es auch ohne Budgetierung?“ beantworten zu können. Dabei werde ich zunächst auf den Begriff und die Funktionen der klassischen Budgetierung eingehen und anschließend die Problemfelder dieser aufzeigen. In Kapitel 3 wird das Beyond-Budgeting-Konzept dargestellt, an einem Fallbeispiel aus der Praxis („Svenska Handelsbanken“) verdeutlicht und abschließend kritisch hinterfragt.
Letztlich folgt eine Zusammenfassung sowie ein kurzer Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Überblick
2. Die klassische Budgetierung
2.1 Begriff und Funktionen der klassischen Budgetierung
2.2 Problemfelder der klassischen Budgetierung
3. Das Beyond-Budgeting-Konzept
3.1 Beyond-Budgeting-Managementmodell
3.1.1 Beyond-Budgeting-Steuerungssystem
3.1.2 Beyond-Budgeting-Führungssystem
3.2 Fallbeispiel Svenska Handelsbanken
3.3 Kritische Würdigung des Beyond-Budgeting-Konzeptes
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und zentrale Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das Beyond-Budgeting-Konzept als alternative Steuerungsform zur klassischen Budgetierung. Ziel ist es, die wissenschaftliche und praktische Relevanz dieser budgetlosen Managementmodelle zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, ob sie als vollwertiger Ersatz für traditionelle Planungsprozesse dienen können, insbesondere im Kontext dynamisch-komplexer Marktumfelder.
- Kritische Analyse der klassischen Budgetierung und ihrer Problemfelder
- Erläuterung der Funktionsweise des Beyond-Budgeting-Managementmodells
- Untersuchung der radikalen Dezentralisierung und adaptiven Steuerung
- Praxisbeispiel: Analyse der Svenska Handelsbanken als Modell für budgetlose Führung
- Kritische Bewertung der Eignung von Beyond Budgeting für unterschiedliche Geschäftsbereiche
Auszug aus dem Buch
3.2 Fallbeispiel Svenska Handelsbanken
Dass es tatsächlich auch ohne feste Budgets geht, hat Svenska Handelsbanken, eine schwedische Bank, die seit 1970 ohne Budgets, absoluten Zielen und fixen Plänen steuert und führt, gezeigt. Trotzdem ist die Bank eine der erfolgreichsten Banken Europas und hat alle skandinavischen Mitbewerber hinsichtlich jeder wesentlichen Performancemessgröße wie z.B. Return on Equity, Cost/Income und Kundenzufriedenheit geschlagen und zwar konsistent über 30 Jahre. Svenska Handelsbanken ist ein Fallbeispiel für ein Unternehmen, das neben einem Beyond-Budgeting-Steuerungssystem, auch das Beyond-Budgeting-Führungssystem eingeführt hat. Das Controlling wird bei der Bank nicht von den Controllern gemacht, sondern von den Managern und Mitarbeitern vor Ort. Zur selbständigen Kreditvergabe sind mehr als 50% der Mitarbeiter autorisiert. Die Geschäftsverantwortung ist in hohem Maße dezentralisiert in die Filialen, welche als Profit Center geführt werden. Für die Profit Center werden die Ziele relativ zum Markt definiert. Die Performancemessung erfolgt über ein laufendes Benchmarking mit den Wettbewerbern. Zudem haben die Profit Center Leiter freien Zugriff auf Ressourcen, wenn diese benötigt werden. Es gibt keine „politische“ Preisfindung, die internen Servicebereiche müssen ihre Leistung zu Marktbedingung an die operativen Einheiten „verkaufen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Überblick: Einführung in die Thematik der budgetbasierten Unternehmenssteuerung und die aufkommende Kritik an der klassischen Planung.
2. Die klassische Budgetierung: Definition der klassischen Budgetierung sowie Analyse ihrer Funktionen und der daraus resultierenden Problemfelder in der modernen Praxis.
3. Das Beyond-Budgeting-Konzept: Umfassende Darstellung des Beyond-Budgeting-Modells, unterteilt in Steuerungssystem und Führungssystem, ergänzt durch ein Praxisbeispiel und eine kritische Würdigung.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Ergebnisse sowie Diskussion der Zukunftsfähigkeit und der notwendigen Weiterentwicklung von Steuerungssystemen.
Schlüsselwörter
Beyond Budgeting, Unternehmenssteuerung, Budgetierung, Controlling, Managementmodell, Dezentralisierung, Svenska Handelsbanken, Performance Management, Führungssystem, Budgetlose Organisation, Management by Objectives, Adaptive Steuerung, Empowerment, Planungsprozess, Effizienzsteigerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kritik an der traditionellen Budgetierung und untersucht, ob und wie Unternehmen erfolgreich ohne feste Budgets gesteuert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die klassischen Planungsdefizite, das Beyond-Budgeting-Managementmodell, die Rolle der Dezentralisierung sowie der Vergleich zwischen budgetbasierten und budgetlosen Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Frage „Geht es auch ohne Budgetierung?“ theoretisch zu erörtern und anhand von Praxisbeispielen zu evaluieren, inwieweit das Beyond-Budgeting-Konzept eine tragfähige Alternative darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse aktueller Controlling-Ansätze durch und ergänzt diese durch die Untersuchung des Fallbeispiels „Svenska Handelsbanken“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen Budgetierung, die detaillierte Vorstellung des Beyond-Budgeting-Konzepts (inkl. Steuerung und Führung) sowie eine kritische Würdigung des Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Beyond Budgeting, Dezentralisierung, adaptive Steuerung und Performance Management charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Svenska Handelsbanken in diesem Dokument?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel für eine Bank, die seit Jahrzehnten erfolgreich ohne Budgets agiert und durch Dezentralisierung sowie relative Leistungsziele überzeugt.
Wie bewertet der Autor die Kritik am Beyond-Budgeting-Konzept?
Der Autor weist darauf hin, dass die Beyond-Budgeting-Diskussion die Ausgangslage oft vereinfacht und dass eine generelle Verdammung von Budgets nicht in jedem Kontext angebracht ist.
- Quote paper
- Stephan Dürr (Author), 2006, Beyond Budgeting – Geht es auch ohne Budgetierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69579