Die vorliegende Arbeit thematisiert die Symbolik in Storms Novelle "Immensee" an ausgewählten Textstellen. Der Beginn der literarischen Epoche des Realismus in Deutschland kann mit der Entstehungszeit des Texts (1849) gekennzeichnet werden. Zu markanten Charakteristika dieser Epoche zählen u.a. die vielfältigen Symbole, die im Text eine breite Varianz der Offensichtlichkeit bieten; einige entsprechen alltäglichen bzw. leicht verständlichen Bildern, andere sind verblasst und erst bei einer sehr detaillierten Textanalyse zu entdecken und nachzuvollziehen. Diese Arbeit fokussiert auf drei zentrale Situationen in Immensee, die symbolische Bedeutungen enthalten: Die Erdbeersuche, die Vögel der Elisabeth und das Bad Reinhards.
Vorerst wird verständlich gemacht, was Symbole allgemein kennzeichnet. Es folgt ein kurzer Abriss über den Realismus, in dem auch hervorgehoben wird, inwiefern sich die Epoche typischer Weise der Symbole bedient. Diese Ausführungen werden anschließend am Beispiel der o.g. Symbole in "Immensee" expliziert, indem die Textstellen analysiert und interpretiert werden. Im Fazit werden sie in den Kontext der Novelle gesetzt und in den Gesamtkontext der Epoche und ihrer zuvor beschriebenen Merkmale eingebettet.
Somit wird schlüssig, inwiefern die Novelle zurecht den Beginn des deutschen Realismus markiert.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Zum Begriff der Symbolik
2. Zur Theorie des Realismus
2.1 Allgemeines
2.2 Novelle im Realismus
3. Storms Novelle Immensee (1849)
3.1 Zum Inhalt
3.2 Zur Symbolik
3.2.1 Die Erdbeersuche
3.2.2 Der Hänfling und der Kanarienvogel
3.2.3 Reinhards Bad
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Ausgestaltung zentraler Szenen in Theodor Storms Novelle Immensee, um aufzuzeigen, wie diese Symbole die literarische Epoche des deutschen Realismus widerspiegeln und den Verlauf der Handlung vorausdeuten.
- Grundlagen der literarischen Symbolik
- Theoretische Einordnung des bürgerlichen Realismus
- Symbolische Analyse der Erdbeersuche
- Bedeutung der Vogel-Symbolik (Hänfling und Kanarienvogel)
- Die Wasserlilie als Symbol in Reinhards Bad
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Erdbeersuche
Bevor Reinhard zur Ausbildung in die andere Stadt reist, nehmen er und Elisabeth an einer Landpartie teil, bei der im Wald ein Picknick stattfinden soll (S.6-12). Die jungen Leute werden zum Erdbeersuchen bestimmt, während die alten die Tafel herrichten. Diese Aufgabenverteilung entspricht dem bürgerlichen Wirtschafts- und Leistungsprinzip, denn an einem Ort, der eigentlich der Erholung und dem Ausspannen vom Alltag dient, wird spielerisch Wert auf das bürgerliche Leistungsprinzip gelegt, was von Reinhard und den anderen Jungen als selbstverständlich hingenommen wird. Reinhard und Elisabeth machen sich gemeinsam auf die Suche, er nimmt vorerst beschützend die Versorgerrolle für Elisabeth ein, indem er sagt: „‚Komm, Elisabeth. [...] Ich weiß einen Erdbeeranschlag; du sollst kein trockenes Brot essen.’“(S.9) Der Wald kann als „ein Ort der Bewährung seiner Tüchtigkeit [und] auch Prüfstein für den Umgang mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der es gilt, Überblick und Orientierung zu behalten“ verstanden werden. Die Suche nach Erdbeeren verläuft erfolglos, was zweierlei Bedeutung enthält: Zum einen versagt Reinhard in seiner Beschützer- und Fürsorgerrolle gegenüber Elisabeth. Das wird auch daran deutlich, dass sie sich in Pflanzen verfängt (S. 9) und er den Weg nicht zurück findet. Zum anderen funktioniert diese Szene bereits als Vorausdeutung auf das weitere Geschehen der Handlung, nämlich das Nichtzueinanderfinden der beiden.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Vorstellung des Themas, der zentralen Symbole sowie der Einbettung der Novelle in den Kontext des frühen deutschen Realismus.
1. Zum Begriff der Symbolik: Theoretische Definition des Symbols als nicht-willkürliches Sinnbild in der Dichtung und Abgrenzung zur Allegorie.
2. Zur Theorie des Realismus: Erläuterung der Merkmale realistischen Erzählens, der Poetisierung der Wirklichkeit sowie der Bedeutung der Gattung Novelle im 19. Jahrhundert.
3. Storms Novelle Immensee (1849): Inhaltsangabe der Novelle und detaillierte Analyse der drei ausgewählten Schlüsselszenen Erdbeersuche, Vögel und Reinhards Bad.
4. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass die Symbole den Verlauf der Binnengeschichte vorwegnehmen und die Novelle als realistisches Werk charakterisieren.
Schlüsselwörter
Immensee, Theodor Storm, Realismus, Symbolik, Literaturanalyse, Novelle, Erdbeersuche, Wasserlilie, Poetisierung, Bürgerlicher Realismus, Naturlyrik, Motivik, Erzählstruktur, Reinhard, Elisabeth.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die symbolische Bedeutung ausgewählter Schlüsselszenen in der Novelle "Immensee" von Theodor Storm.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen den Begriff der Symbolik, die Theorie des Realismus, die Gattung Novelle sowie die spezifische Interpretation von Natur- und Tiersymbolen im Werk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Storm durch symbolgeladene Sprache den Handlungsverlauf vorausdeutet und die Novelle als charakteristisches Werk des deutschen Realismus verankert.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf einer theoretischen Fundierung der Realismus-Epoche und der Symboltheorie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Zusammenfassung der Novelle und eine tiefgehende Interpretation der Szenen "Die Erdbeersuche", "Der Hänfling und der Kanarienvogel" und "Reinhards Bad".
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Realismus, Symbolik, Poetisierung, gesellschaftliche Anforderungen, Individuum, Natur als Spiegel der Seele und Entfremdung.
Inwiefern spielt die Mutter eine Rolle für die Symbolik?
Die Mutter wird in der Arbeit als Störfaktor identifiziert, der besonders durch das Symbol der Kröte bei der Erdbeersuche und den Eingriffen bei der Vogelhaltung als Kontrahentin der Verbindung zwischen Reinhard und Elisabeth fungiert.
Welche Bedeutung hat die Wasserlilie am Ende der Arbeit?
Die Wasserlilie wird nicht nur als Symbol für die unerreichbare Geliebte Elisabeth und das vergangene Glück gedeutet, sondern auch als Spiegelbild für die gesamte Struktur der Binnengeschichte.
- Arbeit zitieren
- Anne Kathrin Rachor (Autor:in), 2007, Zur Symbolik in Storms Novelle "Immensee", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69598