Diese Worte, die Geoffrey Chaucer seiner Frau von Bath in den Canterbury Talesin den Mund legte, machen gleich auf zwei Probleme aufmerksam, die aufkommen, wenn man sich mit der Thematik der Frau im Mittelalter beschäftigt. Zum einen war das Bild der Frau im Mittelalter vornehmlich negativ geprägt, während das Männerbild überaus positiv konnotiert war. Zum anderen waren die meisten Historienschreiber dieser Zeit männliche Geistliche, die das Leben der Frau entweder gänzlich ignorierten oder die von Berufs wegen eine Abneigung gegen die Frau hegten. Wenn sich die mittelalterlichen Autoren schließlich doch mit Frauen beschäftigten, dann betrachteten sie sie meist als gesonderten Stand und liefern damit eine Berechtigung dafür, sich mit der Geschichte der Frauen gesondert auseinanderzusetzen. Der Mangel an weiblichen Stellungnahmen erschwert eine objektive Darstellung des Lebens der Frau im Mittelalter maßgeblich. Denn die Mehrzahl der Frauen widmete ihr Leben der Familie, dem Haushalt und der Handarbeit anstatt zu schreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Frauenbild des Mittelalters
2.1 Das kirchliche Frauenbild
2.2 Das säkulare Frauenbild
2.3 Die höfische Liebe
3. Die Stellung der Frau im englischen Rechtssystem
4. Ehe und Familienleben der Frau im Mittelalter
4.1 Das Ehebild der Kirche
4.2 Das Arrangieren der Ehe
4.3 Die mittelalterliche Hochzeitszeremonie
4.4 Das Eheleben – Rechte und Pflichten der Ehefrau
4.5 Die Frau als Mutter – Sexualität und Geburt
4.6 Verstöße gegen das Eherecht und Ehescheidung
4.7 Die Witwe
4.8 Das Bild der Ehe in der Literatur – Die Marriage Group der Canterbury Tales
5. Die Königin
5.1 Die Auswahl der Königin
5.2 Die Stellung und Aufgaben der Königin
5.3 Die Königin als Förderin der mittelalterlichen Literatur
5.4 Die Königin als Witwe – die Königinmutter
5.5 Eleonore von Aquitanien
6. Die Edelfrau
6.1 Die Bedeutung der Edelfrau
6.2 Die Bildung und Freizeitbeschäftigung der Edelfrau
6.3 Die Hochzeit der Edelfrau
6.4 Die Aufgaben der adligen Ehefrau
7. Die Städterin
7.1 Die Ausbildung der Städterin
7.2 Das Ehe- und Familienleben in der Stadt
7.3 Arbeitende Frauen in der Stadt
7.4 Prostitution
7.5 Stadtbürgerrechte der Frauen
8. Die Bäuerin
8.1 Ehe- und Familienleben auf dem Land
8.2 Frauenarbeit im Dorf
8.3 Bäuerinnen in der Dorfgemeinschaft
9. Die Frau in der religiösen Welt des Mittelalters
9.1 Das Kloster
9.1.1 Die Entstehung der englischen Frauenklöster
9.1.2 Der Eintritt ins Kloster
9.1.3 Das Klosterleben
9.1.4 Die Bildung und Disziplin der Nonnen
9.1.5 Äbtisinnen und Priorinnen
9.2 Frauen als Verfasser religiöser Literatur
9.2.1 Hildegard von Bingen
9.2.2 Die Mystikerinnen Julian of Norwich und Margery Kempe
9.3 Andere Formen religiösen Lebens
9.4 Die Anfänge der Hexenverfolgungen
10. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensrealität und Stellung der Frau im rechtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext des englischen Mittelalters. Das Hauptziel ist es, die Diskrepanz zwischen der überwiegend durch männliche Geistliche geprägten, oft negativen Wahrnehmung des Frauenbildes und der tatsächlichen Lebenspraxis von Frauen in verschiedenen sozialen Ständen aufzuzeigen.
- Die verschiedenen mittelalterlichen Frauenbilder (kirchlich, säkular, höfisch)
- Die rechtliche Stellung der Frau im englischen Mittelalter
- Das Ehe- und Familienleben sowie die Rolle der Witwe
- Die spezifischen Lebensbedingungen von Königinnen, Edelfrauen, Städterinnen und Bäuerinnen
- Frauen in der religiösen Welt des Mittelalters
Auszug aus dem Buch
2.1 Das kirchliche Frauenbild
Das mittelalterliche Frauenbild wurde im Wesentlichen durch die Kirche bestimmt. Die Informationsquellen über die Frauen des Mittelalters stammen zum größten Teil von Vertretern der Kirche. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, das Frauenbild der Kirche im Mittelalter zu untersuchen, da diese Quellen durch die kirchliche Tätigkeit ihrer Verfasser mit Sicherheit beeinflusst wurden. Da seit Beginn des 11. Jahrhunderts die Geistlichen dem Zölibat unterworfen waren, hatten sie keine Erfahrungen mit und also kein Wissen über die Frauen. Sie machten sich ein Bild von ihnen, oder vielmehr von ihr. Diese Distanz erzeugte Fremdheit und Angst vor der Frau, als wäre sie ein Furcht einflößendes Monstrum. Die Tatsache, dass in dieser Zeit vorwiegend Misogynie das Denken der Geistlichen bestimmte, ist daher nicht überraschend.
In der mittelalterlichen Bibelauslegung existierten zwei gegensätzliche Haltungen gegenüber Frauen. Auf der einen Seite war die Frau das Symbol und die Quelle für die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies, repräsentiert durch die Verführerin Eva. Auf der anderen Seite war sie das Symbol für die Errettung der Menschheit, repräsentiert durch die Jungfrau Maria. Frauen wurden folglich entweder als sündig angesehen oder sie wurden auf ein kaum erreichbares Podest gehoben. “Die negative und positive Vorstellung der Frau wurden durch Eva als Mutter der Sünde und der Jungfrau Maria als Mutter Gottes verkörpert.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten der Quellenlage und skizziert den Fokus auf die rechtliche, gesellschaftliche und kulturelle Stellung der Frau im englischen Mittelalter.
2. Das Frauenbild des Mittelalters: Dieses Kapitel analysiert die zwiespältige kirchliche und säkulare Wahrnehmung der Frau, geprägt von den Gegensätzen Eva und Maria sowie den Konzepten der höfischen Liebe.
3. Die Stellung der Frau im englischen Rechtssystem: Hier wird die rechtliche Abhängigkeit und die eingeschränkte Rechtsfähigkeit von Frauen im Kontext der normannischen Eroberung und des Feudalismus untersucht.
4. Ehe und Familienleben der Frau im Mittelalter: Das Kapitel behandelt die komplexen kirchlichen und weltlichen Vorstellungen von Ehe, die Hochzeitszeremonie sowie die Rechte, Pflichten und die Situation von Ehefrauen und Witwen.
5. Die Königin: Der Fokus liegt auf der politischen und repräsentativen Rolle der Königin, ihrer Funktion als Förderin der Literatur und dem Leben als Königinwitwe am Beispiel Eleonore von Aquitaniens.
6. Die Edelfrau: Die Untersuchung beleuchtet die Bedeutung, Bildung, Freizeitgestaltung und die vielfältigen Aufgaben der Adligen im familiären und höfischen Umfeld.
7. Die Städterin: Dieses Kapitel thematisiert die Ausbildung, Arbeit und sozialen Rechte städtischer Frauen, einschließlich der Rolle der Prostitution und der Bürgerrechte.
8. Die Bäuerin: Hier werden das bäuerliche Familienleben, die harte Arbeit auf dem Land und die Rolle der Bäuerin innerhalb der Dorfgemeinschaft betrachtet.
9. Die Frau in der religiösen Welt des Mittelalters: Das letzte Kapitel widmet sich dem Klosterleben, dem Wirken religiöser Mystikerinnen sowie den Anfängen der Hexenverfolgungen.
10. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass trotz gesellschaftlicher und rechtlicher Restriktionen ein gewisses Maß an Handlungsspielraum existierte.
Schlüsselwörter
Mittelalter, englisches Mittelalter, Frauenbild, rechtliche Stellung, Ehe, Familienleben, Königin, Edelfrau, Städterin, Bäuerin, Kloster, Mystik, Hexenverfolgung, soziale Rolle, Geschlechterrollen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation und der gesellschaftlichen, rechtlichen sowie kulturellen Rolle der Frau im England des Mittelalters unter Berücksichtigung verschiedener sozialer Stände.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen Frauenbilder der Kirche und Literatur, die rechtliche Stellung, das Eheleben, die Rolle der Frau in verschiedenen Schichten (von der Königin bis zur Bäuerin) und das religiöse Leben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem oft einseitigen, negativen Frauenbild der damaligen Zeit und der tatsächlichen, vielfältigen Lebensrealität der Frauen in England objektiv darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung mittelalterlicher Quellen (Gerichtsbücher, Hausbücher, Literatur) sowie moderner Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Frauenbilder, eine Untersuchung der rechtlichen Situation, eine detaillierte Darstellung des Ehe- und Familienlebens sowie eine standesspezifische Betrachtung (Königin, Edelfrau, Städterin, Bäuerin) und einen Teil über Frauen in der religiösen Welt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Frauenbild", "Rechtssystem", "Ehe", "sozialer Stand", "Kloster" und "englisches Mittelalter" definiert.
Wie unterscheidet sich die rechtliche Lage einer Ehefrau von der einer Witwe?
Während eine Ehefrau unter der rechtlichen Vormundschaft ihres Mannes stand und kaum eigenständig handeln konnte, erlangte die Witwe in der Regel finanzielle Unabhängigkeit und rechtliche Autonomie.
Welche Rolle spielte das Kloster für Frauen des Mittelalters?
Das Kloster war nicht nur ein Ort der religiösen Hingabe, sondern auch ein Bildungszentrum und eine Versorgungsanstalt für unverheiratete adlige Frauen, bot jedoch auch das einzige gesellschaftlich akzeptierte alternative Lebensmodell zur Ehe.
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- MA Simone Petry (Author), 2006, Die Frau im rechtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext des englischen Mittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69622