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Die Entwicklung und Bedeutung der Melusine-Figur in Theodor Fontanes Romanwerk

Title: Die Entwicklung und Bedeutung der Melusine-Figur in Theodor Fontanes Romanwerk

Thesis (M.A.) , 2001 , 86 Pages , Grade: gut

Autor:in: Katrin Feller (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Es gibt Unglückliche, die statt des Gefühls nur die Sehnsucht nach dem Gefühl haben und diese Sehnsucht macht sie reizend und tragisch. Die Elementargeister sind als solche uns unsympathisch, die Nixe bleibt uns gleichgültig, von dem Augenblick an aber wo die Durchschnitts-Nixe zur exzeptionellen Melusine wird, wo sie sich einreihen möchte ins Schön-Menschliche und doch nicht kann, von diesem Augenblick an rührt sie uns.
Schon in der gesamten Literaturgeschichte haben Elementargeister und insbesondere Frauen aus dem Wasser die Schriftsteller fasziniert. Angefangen bei Homers Sirenen über die mittelalterliche Sagenwelt und Märchen der Romantik bis hin zur Literatur des 20. Jahrhunderts ließ die Vorstellung von den Elementarmächten die Schriftsteller nicht los.

Die Figur der Melusine tritt immer wieder in der Literatur auf und streift dabei unterschiedliche Epochen. Im Hinblick auf Theodor Fontanes Werk ist die Frage nach dem Motiv der Wasserfrauen sehr wichtig und interessant, weil Fontane einen eigenen Akzent auf die Definition dieses Frauentyps setzt, wie er in der Literaturgeschichte eher unüblich ist, nämlich konstituiert er über das Motiv der Melusine ein bestimmtes Frauenbild. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einfluss der Motivgeschichte auf Fontanes Melusinen zu untersuchen, aber auch, welche zeitgenössischen Einflüsse auf das Motiv eingewirkt haben. Auf diese Weise möchte ich zu einem Ergebnis kommen, das die Frage nach der Bedeutung und Entwicklung der Melusinen in Fontanes Romanwerk beantwortet.

Der Begriff der Melusine ist kein unmissverständlicher Begriff. Im Folgenden soll mit dem Terminus Melusine die Frauengestalt gemeint sein, die in Anlehnung an die Histoire de Lusignan von Jean d′Arras entstanden ist: die tragische Frauenfigur, die ihrer Herkunft aus der geisterhaften Natur auch durch Heirat mit einem Menschenmann nicht entfliehen kann und in ihr Element zurückkehren muss. Der Begriff der Melusine deckt sich hierbei oft mit dem der Undine, da auch in der Erzählung Friedrich de la Motte Fouqués ein ähnliches Thema behandelt wird. Wenn von einer Melusine die Rede ist, kann diese Figur durchaus auch undinische Züge tragen. In der Arbeit soll aber hauptsächlich der Begriff der Melusine gebraucht werden, weil Fontane selbst diesen Namen und seine Genealogie nutzt. Dabei lege ich nicht den Schwerpunkt darauf, dass die Melusine-Figuren in seinem Werk den Mythos der legendären Melusine in allen Punkten befolgen sollen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen

2.1 mythische Vorbilder

2.1.1 Ursprung der Elementarfrauen

2.1.2 Die Verbundenheit der Wasserfrauen zu ihrem Element

2.2 Die wichtigsten Bearbeitungen des Wasserfrauen-Mythos

2.2.1 Die Rolle des Mythischen

2.2.2 Das Elementare und weibliche Sexualität

3. Fontanes melusinische Frauenfiguren

3.1 Die Namensschwestern der Melusine und ihre Symbolik

3.1.1 Die Symbolträgerin

3.1.2 Die emanzipierte Melusine

3.1.3 Die mythische Frau in der Gesellschaftswelt

3.2 Kindfrau und Naturkind

3.2.1 Die Kindfrau zwischen Natur- und Zivilisationswelt

3.2.2 Die Passivität der Person und die Übermacht des Elements

3.2.3 Der Bruch zwischen Natur und Geschichte

3.3 Die Hysterikerin

3.3.1 Hysterie als Weiblichkeitsdefinition

3.3.2 Die Krankheit als Antwort auf kranke Gesellschaftszustände

3.4 Das Melusine-Motiv in der Übertragung auf den Mann

3.4.1 Die Umkehr des Melusine-Motivs

3.4.2 Die Bedeutung des Mythischen im Hinblick auf Schach

3.5 Frigidität und Gefühlskälte

3.5.1 Frigidität als melusinische Eigenschaft

3.5.2 Das (Nicht-)Überwinden des melusinischen Makels

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Motivgeschichte auf Theodor Fontanes Romanwerk unter besonderer Berücksichtigung des Melusine-Motivs. Ziel ist es, zu analysieren, wie Fontane dieses Motiv aufarbeitet und welche zeitgenössischen Einflüsse auf die Konstruktion seiner weiblichen (und männlichen) Romanfiguren eingewirkt haben, um so ein neues Frauenbild und eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen des 19. Jahrhunderts zu beleuchten.

  • Analyse der motivgeschichtlichen Wurzeln der Wasserfrau (Melusine/Undine).
  • Untersuchung von Fontanes Melusinen als "Außenseiterinnen" in der preußischen Gesellschaft.
  • Verknüpfung von Elementarmotiven mit Themen wie Emanzipation, Hysterie und Frigidität.
  • Diskussion der Umkehrung des Melusine-Motivs auf die männliche Figur (Schach von Wuthenow).

Auszug aus dem Buch

Die Symbolträgerin

Oceane von Parceval ist wohl eine der Melusinen Fontanes, die am dichtesten an der Mythologie gehalten ist, jedoch ins Preußentum des 19. Jahrhunderts übertragen ist und somit nicht mehr der naturhafte Elementargeist der mittelalterlichen Erzählung ist. In jenem Fragment wird der konstitutive Punkt der Sagengestalt ausgeführt, nämlich die Sehnsucht nach dem Gefühl. Damit steht Oceane in der Tradition der Mangelwesen, und das in einer wesentlich prägnanteren Weise als die meisten der Fontaneschen Wasserfrauen. Die Figur der Oceane stellt einen frühen, unvollendeten Entwurf Fontanes über die Wasserfrauen seines Werkes dar. Oceane kann mit ihrem Symbolgehalt zunächst als Übertragung der Sagengestalt in Fontanes Gegenwart (und dadurch als eine Modernisierung des Stoffes) verstanden werden, der in einem weiteren Schritt den Stoff und die Symbolik bietet, der erst in den späteren Elementarfrauen ausgeführt werden soll.

Dies lässt sich daran festmachen, dass Oceane zwar als Übertragung des Melusine-Stoffes gesehen werden kann, aber nur noch „entfernteste Ähnlichkeit“ mit dem Urstoff aufweist: Thürings Melusine ist als rein naturhafter Elementargeist gezeichnet, Oceane lässt sich als eine domestizierte Melusine fassen; sie ist kosmopolitisch und lebt in Heringsdorf, was zwar Verbindung mit dem Meer aufweist, aber auf ebenfalls domestizierte Weise. Während in der Histoire de Lusignan eine mythische Gestalt im Mittelpunkt steht, ist dies in Fontanes Bearbeitung eine menschliche Gestalt, die mythisch gedeutet werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Motiv der Wasserfrau und Definition des Forschungsziels: Die Untersuchung der Bedeutung und Entwicklung der Melusinen in Fontanes Romanwerk.

2. Grundlagen: Beleuchtung der mythologischen Vorbilder (Nymphen, Sirenen) und der literarischen Entwicklung des Wasserfrauen-Mythos vom Mittelalter bis zur Romantik.

3. Fontanes melusinische Frauenfiguren: Hauptteil der Arbeit, der verschiedene Ausprägungen des Melusine-Motivs bei Fontane (Namensschwestern, Kindfrauen, Hysterikerinnen, Frigidität) detailliert analysiert.

4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse: Fontane nutzt das Melusine-Motiv, um dezent Kritik an den gesellschaftlichen Normen des 19. Jahrhunderts zu üben und neue Weiblichkeitsbilder zu entwerfen.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Melusine, Wasserfrau, Mythos, Literaturgeschichte, Romanwerk, Weiblichkeit, Emanzipation, Hysterie, Frigidität, Außenseiter, Preußische Gesellschaft, 19. Jahrhundert, Motivgeschichte, Elementargeister

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das literarische Motiv der „Melusine“ beziehungsweise der Wasserfrau im Werk von Theodor Fontane.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Transformation mythologischer Wasserfrauenfiguren in den gesellschaftlichen Kontext des deutschen Realismus sowie die kritische Reflexion des damaligen Frauenbildes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Verarbeitung des Melusine-Mythos Aspekte wie weibliche Emanzipation, Sexualität und gesellschaftliche Außenseiterrollen modern interpretiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem motivgeschichtlichen Ansatz, der literarische Texte historisch vergleichend analysiert und diese in den Kontext zeitgenössischer gesellschaftlicher Diskurse einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Namensschwestern“, „Kindfrauen“, das Krankheitsbild der Hysterie, das Phänomen der Frigidität sowie die ungewöhnliche Übertragung des Motivs auf männliche Figuren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fontane, Melusine, Wasserfrau, Weiblichkeitskonstruktion und Gesellschaftskritik charakterisiert.

Wie spielt der Stechlin-See eine Rolle für die Figur der Melusine von Barby?

Der See dient als symbolischer Spiegel der Realität und als Verbindungselement zwischen der mythischen Welt und der modernen Zivilisation, wodurch die Gräfin als Mittlerin zwischen diesen Welten fungiert.

Warum wird das Melusine-Motiv in „Schach von Wuthenow“ auf einen Mann übertragen?

Die Übertragung dient dazu, traditionelle Geschlechterrollen zu hinterfragen und zu verdeutlichen, dass die Problematik der "Außenseiterrolle" nicht auf das weibliche Geschlecht beschränkt ist, wodurch das Geschlechterverhältnis des 19. Jahrhunderts dekonstruiert wird.

Excerpt out of 86 pages  - scroll top

Details

Title
Die Entwicklung und Bedeutung der Melusine-Figur in Theodor Fontanes Romanwerk
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophische Fakultät)
Grade
gut
Author
Katrin Feller (Author)
Publication Year
2001
Pages
86
Catalog Number
V6968
ISBN (eBook)
9783638143998
Language
German
Tags
Fontane Melusine
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Feller (Author), 2001, Die Entwicklung und Bedeutung der Melusine-Figur in Theodor Fontanes Romanwerk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6968
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