Ist der Einsatz von Computersimulationen zur Erforschung ökologisch-sozialer Dilemmata sinnvoll?


Hausarbeit, 2007

35 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ökologisch-soziale Dilemmata
2.1 Soziale Dilemmata
2.2 Ökologisch-soziale Dilemmata

3. Verschiedene Forschungsmethoden zum ökologisch-sozialen Dilemma
3.1 Das Fischereikonfliktspiel
3.1.1 Validitätsprüfung des Fischereikonfliktspiels
3.2 Modellsimulationen
3.2.1 Kognitive Modellierung
3.2.2 Das kis-Modell
3.2.2.1 Validitätsprüfung des kis-Modells
3.2.3 Das Simulationsspiel SimUlme
3.2.3.1 Validitätsprüfung des Simulationsspiels SimUlme
3.3 Gegenüberstellung des Fischereikonfliktspiels und des kis-Modells

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Umweltkatastrophe an Libanons Küste

An der libanesischen Küste droht eine Umweltkatastrophe riesigen Ausmaßes. Bis zu 35.000 Tonnen Öl sind nach israelischen Bombardements ins Mittelmeer geflossen - fast so viel wie beim Untergang des Tankers "Exxon Valdez" vor Alaska.

Die libanesische Regierung spricht von der größten ökologischen Katastrophe in der Geschichte des Landes … (Spiegel Online, 2006)

Eine Ausnahme stellt dieser am 01. August 2006 veröffentlichte Artikel von "Spiegel Online" nicht dar, denn bereits seit Jahrzehnten erscheinen solche und ähnliche Artikel in der aktuellen Tagespresse. Deutlich wird dadurch jedoch, dass das Ausmaß der Katastrophen beständig ansteigt.

Unsere Städte werden durch Millionen Autos und die Industrie täglich mehr und mehr vergiftet, das Wasser der Flüsse, das Millionen Menschen trinken müssen, wird verseucht, die Nitrate beziehungsweise Nitrite des künstlichen Düngers bedrohen das Grundwasser usw. Diese unheilschwangere Liste lässt sich leicht fortsetzen. Die Menschen sind dabei sowohl die Verursacher als auch die Leidtragenden dieser Situationen beziehungsweise Zustände.

In der Umweltpsychologie (Ökologische Psychologie) steht die Interdependenz zwischen Mensch und Umwelt im Mittelpunkt. Im Rahmen dieser Beziehung kommt es immer wieder zu so genannten Dilemmasituationen.

Ein angemessenes Handeln in ökologisch-sozialen Dilemmasituationen ist komplex und schwierig. Dabei ist die soziale Konkurrenz bei der Nutzung einer natürlichen, jedoch nur begrenzt regenerierbaren Ressource, zum Beispiel des Fischbestandes in einem Meer, ein Teil dieses Dilemmas. Das Handeln der beteiligten Personen, ihre Strategien und Ziele müssen bei der Realisierung ihrer Vorhaben ebenfalls berücksichtigt werden. In einem ökologisch-sozialen Dilemma sieht sich jeder Beteiligte zwei Fallen ausgesetzt: einerseits der sozialen Falle „Ertrag für das Individuum, Schaden für alle“ und andererseits der so genannten Zeitfalle „Ertrag jetzt, Schaden später“ (Ernst, A.M., Spada, H., Nerb, J. & Scheuermann, M., 2000).

Nach einer Einführung in die Thematik der (ökologisch-) sozialen Dilemmata, werden verschiedene Forschungsmethoden zum ökologisch-sozialen Dilemma dargestellt. Hierzu zählen sowohl das Fischereikonfliktspiel, als auch das so genannte kis-Modell („knowledge and intentions in social dilemmas“), eine Computersimulation, oder das Online-Simulationsspiel SimUlme (Simulation von Umweltfolgen von Lebensmitteleinkäufen). Im Rahmen dieser auf dem Computer lauffähig implementierten Simulationen wird die Methode der kognitiven Modellierung beschrieben. Im Anschluss daran schließt sich eine Gegenüberstellung der beiden Methoden an, in der die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle verdeutlicht werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit den gewonnen Erkenntnissen sowie ein Resümee schließen die Arbeit ab.

2. Ökologisch-soziale Dilemmata

Der Duden (2006) definiert ein Dilemma als eine Zwangslage beziehungsweise eine Situation, in der sich jemand befindet, besonders wenn er zwischen zwei in gleicher Weise schwierigen oder unangenehmen Dingen wählen soll oder muss.

Da es im Rahmen der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt immer wieder zu solchen Dilemmasituationen kommt, soll im Folgenden näher auf die ökologisch-sozialen Dilemmata eingegangen werden. Um diese jedoch angemessen behandeln zu können, muss vorher das Konzept der sozialen Dilemmata näher erläutert werden.

2.1 Soziale Dilemmata

Soziale Dilemmata sind Situationen, in denen ein Individuum durch die rationale Verfolgung seiner individuellen Interessen, kollektive Konsequenzen herbeiführt. Dadurch, dass an einem sozialen Dilemma im Allgemeinen mehrere Personen beteiligt sind, wird es in der Spieltheorie als ein Mehrpersonen-(N-Personen-)Spiel dargestellt (Ernst, 1997). Robyn M. Dawes definiert soziale Dilemmata wie folgt: „Such dilemmas are defined by two simple properties: (a) each individual receives a higher payoff for socially defecting choice (e.g. having additional children, using all the energy available, polluting his or her neighbors) than for socially kooperative choice, no matter what the other individuals do, but (b) all individuals are better off if all cooperate than if all defect“ (Dawes, 1980, S. 169).

Der Begriff „soziale Dilemmata“ charakterisiert somit Situationen, in denen das Eigen- und das Kollektivinteresse auseinanderklaffen. Das klassische Beispiel einer solchen Situation ist das Gefangenendilemma (engl. prisoner’s dilemma).

Das Gefangenendilemma ist ein Zwei-Personen-Nicht-Nullsummen-Spiel, das in den 1950er Jahren formuliert wurde. Somit stellt es einen Spezialfall des sozialen Dilemmas dar. Die Situation ist folgendermaßen: Zwei Gefangene sind verdächtig, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt zehn Jahre. Jeder der Gefangenen hat zwei Möglichkeiten: schweigen oder gestehen, oder (aus Sicht des anderen Gefangenen) kooperieren (engl. cooperate) oder nicht kooperieren, auch defektieren (engl. defect) genannt. Jedoch haben die beiden Gefangenen keine Möglichkeit, sich über ihr Vorgehen abzustimmen. Demnach stellt sich die Frage, wie sie sich entscheiden werden. Die Ergebnisse für jede der vier möglichen Zugkombinationen werden üblicherweise in einer Auszahlungsmatrix (engl. payoff matrix) angegeben (Ernst, 1997; Axelrod, 2000; Ernst, 2001).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Auszahlungsmatrix eines Gefangenendilemmas

Leugnen beide Gefangenen die Straftat, werden sie etwa ein Jahr im Gefängnis verbringen müssen. Die beiderseitige Wahl kooperativer Handlungen resultiert somit in positiven Ergebnissen für beide Spieler R (engl. reward, die Belohung für wechselseitige Kooperation). Belastet aber einer der Gefangenen den anderen, kommt dieser sofort frei und der andere muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Wenn demnach ein Spieler kooperiert und der andere nicht kooperiert, erhält der defektierende Spieler die Auszahlung T (engl. temptation, die Versuchung zu defektieren), während der kooperierende Spieler die Auszahlung S (engl. sucker’s off, die Auszahlung des gutgläubigen Opfers) erhält. Sollte jedoch der Fall eintreten, dass beide Gefangenen gestehen, so bleibt jeder von ihnen acht Jahre im Gefängnis. Diese beiderseitige Wahl von nicht-kooperativen Handlungen führt folglich zu negativen Ergebnissen für beide Spieler P (engl. punishment, die Strafe für wechselseitige Defektion) (Ernst, 1997; Axelrod, 2000).

Soziale Dilemmata treten in zwei verschiedenen Formen auf. Hierbei handelt es sich zum einen um das Nutzungsdilemma (engl. take-some-games) und zum anderen um das Beitragsdilemma (engl. give-some-games).

Nutzungsdilemmata können auftreten, wenn ein Gut gemeinsam genutzt wird. Der Gewinn aus der Nutzung des Gutes wird individualisiert, das heißt dass er jedem Einzelnen individuell zugute kommt. Ein eventueller Schaden am Gut trifft hingegen alle Beteiligten; er wird somit sozialisiert (Ernst, 1997).

Ein Beispiel für ein Nutzungsdilemma veranschaulicht der Stromausfall im New Yorker Stadtteil Queens, der im August 2003 durch den starken Gebrauch von Klimageräten während einer großen Hitzewelle ausgelöst wurde (T-Online Nachrichten). Die Nutzung des Klimagerätes kommt jedem Bürger in New York individuell zugute. Benutzt jedoch (im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit des Stromnetzes) eine zu große Anzahl von Bürgern Klimageräte, so wird das Stromnetz überlastet. Die Folge ist dann ein Zusammenbruch des Netzes, welcher zum Stromausfall führt (Ernst, 1997).

Bei den Nutzungsdilemmata wird die so genannte soziale Falle (Platt, 1973) wirksam. Das Dilemma beziehungsweise die soziale Falle besteht darin, dass die rationale Verfolgung der individuellen Interessen langfristig kollektive Konsequenzen nach sich zieht (Ernst, 1997). Auf das obige Beispiel bezogen bedeutet dies, dass wenn die Menschen in New York ihre Klimageräte den ganzen Tag über eingeschaltet haben, die Stromnetze immer mehr belastet beziehungsweise überlastet werden. Das gewinnmaximierende Verhalten wird in einer sozialen Dilemmasituation als nicht-kooperativ bezeichnet (Diekmann, 2001). Ein kooperatives Verhalten würde bedeuten, dass sich zum Beispiel alle Menschen in New York freiwillig darauf einigten, ihre Klimageräte für einen kürzeren Zeitraum oder überhaupt nicht laufen zu lassen, um so die Stromnetze nicht zu überlasten. Durch dieses Verhalten würde ein Stromausfall vermieden werden.

Im Gegensatz zu den Nutzungsdilemmata ist es bei den Beitragsdilemmata erforderlich, dass ein Individuum zur Schaffung oder Erhaltung des Gutes etwas beitragen muss, indem es zum Beispiel Geld beisteuert. Platt (1973) nennt das Dilemma einen „sozialen Zaun“ (Ernst, 1997).

Die Steuerproblematik stellt ein solches Beitragsdilemma dar. Dem Einzelnen liegt daran, seine Steuerabgaben zu reduzieren, da es ihm so finanziell am besten ginge. Der Gesellschaft ist jedoch daran gelegen, dass jeder Bürger seinen Steuerbeitrag korrekt entrichtet, um so die nötigen Maßnahmen des Staates zu finanzieren. Hierzu zählt zum Beispiel der Bau einer neuen Straße. In diesem Falle führt also eine kleine negative individuelle Konsequenz (zum Beispiel der Steuerbeitrag) zu einer langfristigen positiven Konsequenz für die Gruppe, nämlich der Bereitstellung des öffentlichen Gutes, welches in dem obigen Beispiel der Bau einer neuen Straße ist (Porschke & Witte, 2001).

Beitragsdilemmata werden auch als „Freifahrer-„ oder „Trittbrettfahrerprobleme“ bezeichnet, da es häufig vorkommt, dass ein Individuum, welches nichts zu dem Gut beigetragen hat, dennoch in dessen Genuss kommt (Ernst, 1997).

2.2 Ökologisch-soziale Dilemmata

Ökologisch-soziale Dilemmata (engl. commons dilemmas), auch Ressourcendilemmata oder Allmende-Klemme genannt, sind für die psychologisch orientierte Umweltforschung von besonderem Interesse. Sie stellen eine Sonderform der sozialen Dilemmata dar, „bei der nicht nur die Menschen untereinander, sondern auch Mensch und natürliche Umwelt in charakteristischer Weise voneinander abhängen“ (Ernst, 1997, S. 26). Es handelt sich hierbei um Situationen, in denen mehrere Personen eine natürliche, sich selbst regenerierende Ressource nutzen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Ressourcen, die sich verhältnismäßig schnell regenerieren, wie zum Beispiel Gras für die Beweidung oder Flusswasser für die Stromerzeugung, Ressourcen, die sich nur langsam regenerieren, wie Fischbestände oder Bäume, die als Bauholz verwendet werden, und Ressourcen, die sich nur sehr langsam oder überhaupt nicht mehr regenerieren, wie zum Beispiel Öl oder gefährdete Tierarten. Wenn sich Ressourcen langsamer regenerieren als die Menschen sie nutzen, besteht die Gefahr einer Ressourcenerschöpfung (Gifford & Wells, 1991). Im Extremfall kann die Ressource sogar ausgelöscht werden. Dabei entsteht der Ertrag aus der Ressource individuell und fällt sofort an, ein etwaiger Verlust aus einer Schädigung der Ressource trifft jedoch alle Beteiligten und tritt verzögert ein (Ernst, 1997).

Der Biologe Garrett Hardin bezeichnete 1968 in einem Artikel für die Zeitschrift „Science“ das Problem der Übernutzung frei zugänglicher und knapper Ressourcen als „Tragedy of the Commons“ (Diekmann, 2001). Er veranschaulichte diese „Tragödie der Allmende“ (Allmende-Klemme) mit Hilfe der folgenden Parabel. Eine Gruppe von Hirten nutzt gemeinsam eine Weide (die Allmende). Jeder rational handelnde Hirte wird nun versuchen seinen Gewinn zu maximieren, indem er seine Herde vergrößert. Aus diesem Grund erweitert er seine Herde erst um ein neues Tier, dann um ein weiteres, und immer so fort. Zu der gleichen Schlussfolgerung kommen jedoch auch die anderen Hirten; und genau hierin liegt die Tragödie. Jeder Mensch ist in einem System gefangen, dass ihn dazu nötigt seine „Herde“ ohne jegliche Grenzen, in einer jedoch begrenzten Welt, zu vergrößern. In einer Gesellschaft, die an die Freiheit von Allmendegütern glaubt, steht die Verfolgung der eigenen Interessen an erster Stelle. Die daraus resultierende Konsequenz ist die Schädigung des Gemeinguts, wodurch letztlich auch der individuelle Nutzen abnimmt (Hardin, 1968; Ernst, 2001). Hardins Diktum lautet „Freedom in a commons brings ruin to all“ (Diekmann, 2001, S. 77; Hardin, 1986).

Die „Tragödie der Allmende“ ist jedoch nicht zwingend. Ernst weist darauf hin, dass eine Gruppe durchaus sinnvoll mit dem Allmende-Dilemma umgehen kann, „wenn sie überschaubar ist und soziale Mechanismen zum Schutz der Ressource besitzt“ (Ernst, 2001, S. 29).

Es lassen sich vier so genannte Fallen identifizieren, die sich auf ökologisch-soziale Dilemmata auswirken: die soziale Falle, die Zeitfalle (engl. temporal trap oder time delay trap), die räumliche Falle und die Sicherheits- beziehungsweise Vulnerabilitätsfalle (Ernst, 1997; Ernst, 2001).

Da es sich bei einem ökologisch-sozialen Dilemma immer auch um ein soziales Dilemma handelt, wird hier die so genannte soziale Falle (Platt, 1973) wirksam. Die soziale Falle besteht darin, dass der Gewinn aus einer natürlichen Ressource individuell anfällt, der Schaden an dieser Ressource jedoch alle Beteiligten gleichermaßen trifft, das heißt sozialisiert wird (Ernst, 1997; Ernst 2001).

Die Zeitfalle ergibt sich daraus, dass der Gewinn aus der Nutzung der Ressource sofort, der Schaden an der Ressource hingegen deutlich zeitverzögert anfällt, was jedoch oftmals aus dem Blickfeld gerät (Ernst, 1997).

Ein Beispiel hierfür stellt der Ausstoß von Treibhausgasen und dessen Langzeitfolgen dar. Margret Boysen (2007) vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beschäftigt sich in ihrem Artikel „Sieben Kernaussagen zum Klimawandel“ mit diesem Thema. Treibhausgase sind gasförmige Stoffe, die zum Treibhauseffekt beitragen und sowohl einen natürlichen als auch einen anthropogenen, das heißt vom Menschen verursachten, Ursprung haben können (Wahrig-Burfeind, 2006). Die Treibhausgase in der Atmosphäre sind in den letzten hundert Jahren stark angestiegen; dies gilt insbesondere für Kohlendioxid (Boysen, 2007). Der anthropogene Ausstoß von Treibhausgasen verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zur globalen Erwärmung, die ihrerseits mit zahlreichen Folgen, wie zum Beispiel dem Anstieg des Meeresspiegels oder der Versauerung der Ozeane, verbunden ist (Boysen, 2007). Lange Zeit wurde dieser Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem Anstieg der globalen Erwärmung jedoch nicht wahrgenommen. Die Begrenzung der Erwärmung ist daher zwingend erforderlich, um den Schaden so weit wie möglich zu begrenzen (Boysen, 2007).

Das ökologisch-soziale Dilemma entsteht insbesondere durch die Kombination der sozialen Falle und der Zeitfalle (Ernst, 2001). Für gewöhnlich kommen jedoch noch weitere Fallen, wie die räumliche Falle oder die Sicherheits-/Vulnerabilitätsfalle, hinzu.

Bei der räumlichen oder lokalen Falle impliziert eine an einem Ort erfolgte Handlung negative Konsequenzen an einem anderen Ort. Diese negativen Konsequenzen müssen nicht zwingenderweise die Gruppe treffen, die auch die positiven Konsequenzen aus der Nutzung der Ressource gezogen hat. Die räumliche Falle kann lokal („durch welchen Stadtteil geht die neue Ausfallstraße?“; Ernst, 1997, S. 27), regional („im Osten einer Chemiefabrik zu wohnen ist nicht dasselbe wie im Westen, wegen des häufigen Westwinds“; Ernst, 1997, S. 27) oder global („das Abschmelzen der Polkappen ist nicht durch die Bangladeshi initiiert, trifft sie jedoch voraussichtlich mit am stärksten, indem es ihren Lebensraum unter Wasser setzt“; Ernst, 1997, S. 27) auftreten (Ernst, 1997, Ernst, 2001).

Die Sicherheits-/Vulnerabilitätsfalle betrifft den entwicklungspolitischen Aspekt der Umweltproblematik. Im Allgemeinen ist es reicheren Ländern eher möglich Problemen, die sich aus dem anthropogenen Umweltwandel ergeben, zu begegnen als ärmeren Ländern. Die Sicherheitsstandards im Umgang mit Kernenergie sind zum Beispiel in Westeuropa höher als in Osteuropa (Ernst, 1997; Ernst 2001).

Experimentelle Spiele tragen entscheidend zur Untersuchung menschlichen Verhaltens in ökologisch-sozialen Dilemmasituationen bei. Bis heute wurde eine Vielzahl experimenteller Spiele, wie zum Beispiel das „Nussspiel“ von Julian Edney (1979a, 1997b; zitiert nach Diekmann, 2001, S. 84) oder das Fischereikonfliktspiel von Hans Spada und Klaus Opwis, entwickelt.

Experimentelle Spiele können jedoch auch unter zu Hilfenahme von Computern durchgeführt werden. Beispiele hierfür sind das so genannte kis-Modell oder das Online-Simulationsspiel SimUlme.

Der Vorteil experimenteller Spiele und zugleich der Grund, warum sie so gerne verwendet werden, ist, dass sie die Option bieten unterschiedlichste Bedingungen innerhalb einer Dilemmasituation einfach und schnell herzustellen. So lassen sich zum Beispiel eine ganze Reihe kooperationsfördernder oder kooperationshemmender Faktoren in ökologisch-sozialen Dilemmata in die Spiele einbauen und variieren. Hierzu zählen die Wachstumsrate der Ressource, die Gruppengröße oder der Informationsfluss unter den Spielern beziehungsweise zwischen dem Spielleiter und den Spielern (Ernst, 1997; Diekmann 2001).

Die aus den experimentellen Spielen gewonnenen Erkenntnisse sind jedoch nicht ohne weiteres auf reale Situationen übertragbar. Die verschiedenen Vor- und Nachteile eines solchen experimentellen Spiels, dem Fischereikonfliktspiel, werden unter Punkt 3.3 „Gegenüberstellung des Fischereikonfliktspiels und des kis-Modells“ diskutiert.

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Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Ist der Einsatz von Computersimulationen zur Erforschung ökologisch-sozialer Dilemmata sinnvoll?
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
bestanden
Autor
Jahr
2007
Seiten
35
Katalognummer
V69702
ISBN (eBook)
9783638621021
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einsatz, Computersimulationen, Erforschung, Dilemmata
Arbeit zitieren
Nicole Herzog (Autor), 2007, Ist der Einsatz von Computersimulationen zur Erforschung ökologisch-sozialer Dilemmata sinnvoll?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69702

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