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Militärkultur in Bundeswehr und Nationaler Volksarmee

Title: Militärkultur in Bundeswehr und Nationaler Volksarmee

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 33 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Matthias Schönfeld (Author)

Sociology - War and Peace, Military
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Nur selten ergibt sich die Gelegenheit, das Entstehen zweier Armeen mit denselben historischen Belastungen zu untersuchen. Und noch seltener stellt sich die Frage, ob die beiden Armeen wieder zu einer Streitkraft zusammengeführt werden können. Die Entstehung der beiden deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg hatte auch die Gründung zweier deutscher Streitkräfte zur Folge. Die Ausgangssituationen in den beiden deutschen Staaten waren zwar weit davon entfernt, große Ähnlichkeiten aufzuweisen, aber dennoch finden sich trotz der großen, systemimmanenten Unterschiede auch Gemeinsamkeiten.
Nachdem der Ostblock nach und nach in sich zusammenbrach und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten sich abzeichnete, wurde damit auch die Frage aufgeworfen, inwiefern die beiden Streitkräfte sich in eine einzige überführen ließen. Damit rückten die Unterschiede in den Hintergrund und es wurde vermehrt nach Gemeinsamkeiten gesucht. Eine mögliche Herangehensweise an dieses Problem ist die Suche nach Schnittpunkten zwischen den jeweiligen Organisationskulturen. An dieser Stelle setzt die Arbeit an. Allerdings soll es hier nicht um die empirische Auseinandersetzung mit dem Vereinigungsprozess der beiden Streitkräfte gehen, vielmehr stellt es den Versuch dar, aus den historischen und soziologischen Bedingungen heraus theoretisch zu erarbeiten, welche Probleme zu erwarten waren.
Es wird davon ausgegangen, dass sich durch die Entstehungsbedingungen verschiedene Typen von Streitkräften entwickelt haben und dass gerade diese Unterschiede Auswirkungen auf eine Zusammenlegung der beiden Armeen haben müssten. Deshalb wird nach ein paar Vorbemerkungen zur Organisationskultur im Allgemeinen zuerst die Entstehung der Streitkräfte untersucht. Im Anschluss werden zwei Bereiche exemplarisch untersucht. Dabei wurden aus nahe liegenden Gründen die Vergangenheitsbewältigung und das Selbstverständnis in Verbindung mit der Lebensrealität gewählt. Beide Punkte sollten die Ausgestaltung der Organisationskultur entscheidend beeinflussen, da sowohl das Leben mit oder ohne eine eigene Geschichte als auch ein Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine entscheidende Variable bei der Entwicklung einer Organisationskultur spielen muss.

Excerpt


Gliederung

Einleitung

Inhaltlich – methodische Vorüberlegung

1. Zum Begriff der Organisationskultur

a. Allgemeine Vorbemerkung zur Organisationskultur

b. Militärische Organisationskultur

2. Aufbau der Streitkraft

a. Von der Kasernierten Volkspolizei zur NVA

b. Die Bundeswehr und das Ringen um die Souveränität

3. Vergangenheit und neue Tradition

a. Der sozialistische Soldat neuen Typs

b. Selektive Tradition und Innere Führung

4. Selbstverständnis und Realität

a. ... in der Nationalen Volksarmee

b. ... in der Bundeswehr

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die organisationskulturellen Bedingungen in der Entstehungsphase von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee (NVA), um deren potenziellen Einfluss auf einen späteren Zusammenschluss der Streitkräfte theoretisch zu beleuchten. Dabei steht der Zusammenhang zwischen den Rahmenbedingungen der Gründung, der Aufarbeitung der Vergangenheit und der jeweiligen Organisationskultur im Mittelpunkt der Analyse.

  • Vergleich der Entstehungsgeschichte von Bundeswehr und NVA zwischen 1949 und 1990.
  • Analyse der organisationskulturellen Besonderheiten von Militärorganisationen.
  • Untersuchung der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Traditionspflege in beiden Armeen.
  • Gegenüberstellung von offiziellem Selbstverständnis und militärischer Realität.
  • Diskussion der Auswirkungen politischer Führung auf die militärische Professionalität.

Auszug aus dem Buch

b. Militärische Organisationskultur

Bei der Betrachtung des Militärs kann schnell dem Glauben verfallen werden, es handele sich um eine gewöhnliche Organisation, welche in den meisten Fällen mit Organisationen anderen Typs verglichen werden könnte. Tatsächlich finden sich auch bei einer genaueren Suche viele Punkte, in denen das Militär wie eine andere große Organisation behandelt werden kann. Allerdings ergeben sich auch Ausprägungen, die das Leben und Wirken in einer Armee von einem normalen Beruf unterscheiden. Neben den oben bereits aufgeführten Variablen für die Organisationskultur, scheinen die folgenden Punkte interessant zu sein, da sie in einer normalen Organisation nicht anzutreffen sind.

Pierre Bourdieu gefolgt, ergeben sich im Wesentlichen drei Unterschiede, welche Militärorganisationen von normalen Organisationen trennen. Zuerst ist hier die mögliche Verletzungs- und Todesgefahr während der Ausübung des Dienstes zu nennen. Gerade dieser Punkt weicht von einem gewöhnlichen Beruf ab. Sicherlich gibt es auch in anderen Organisationen gefährliche Arbeiten, aber unterscheiden diese sich durch die Form der Gefahr. Der zweite Punkt ist die organisierte Gewaltanwendung, welche einen integralen Bestandteil der Organisation darstellt. Der dritte Aspekt beschreibt die mögliche Totalinklusion. Dies beschreibt den Zustand einer Organisation, in welcher es den Mitgliedern nicht mehr möglich ist, zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden. Dies betrifft auch den Kontakt mit Menschen, die nicht Teil der Organisation sind. Im Zweifelsfall hat dies auch Geltung für die Familien der Mitglieder. In diesem Fall kann die Organisation auch als „Totale Institution“ bezeichnet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, indem sie das Ziel beschreibt, die unterschiedlichen organisationskulturellen Hintergründe von Bundeswehr und NVA vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte zu vergleichen.

Inhaltlich – methodische Vorüberlegung: Dieser Abschnitt definiert den zeitlichen Rahmen von 1949 bis 1990 und legt die methodische Vorgehensweise fest, die Streitkräfte in vier Schritten vergleichend zu betrachten.

1. Zum Begriff der Organisationskultur: Das Kapitel erläutert den theoretischen Begriff der Organisationskultur und arbeitet die spezifischen Merkmale des Militärs, wie Gewaltanwendung und Totalinklusion, heraus.

2. Aufbau der Streitkraft: Hier werden die historischen Entstehungsbedingungen der NVA und der Bundeswehr im Kontext der Besatzungszeit und der Systemkonkurrenz untersucht.

3. Vergangenheit und neue Tradition: Dieses Kapitel analysiert den Umgang der beiden Armeen mit der NS-Vergangenheit und zeigt die unterschiedlichen Ansätze der Traditionspflege auf.

4. Selbstverständnis und Realität: Die Analyse vergleicht das offizielle politische Selbstverständnis mit dem gelebten Alltag der Soldaten in der NVA und der Bundeswehr.

Resümee: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zusammen und bewertet den Einfluss der unterschiedlichen Historien auf die Organisationskultur beider Armeen.

Schlüsselwörter

Bundeswehr, Nationale Volksarmee, NVA, Organisationskultur, Streitkräfte, Kalter Krieg, Wiederbewaffnung, Innere Führung, Traditionspflege, Militärsoziologie, Politoffiziere, Totale Institution, SED, Parteiarmee, Souveränität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsvergleichenden und organisationssoziologischen Blick auf die zwei deutschen Armeen – Bundeswehr und Nationale Volksarmee (NVA) – während des Kalten Krieges.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte, der Umgang mit der NS-Vergangenheit, die Traditionspflege sowie das Spannungsfeld zwischen militärischem Selbstverständnis und politischer Realität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, welche organisationskulturellen Bedingungen aus der Entstehungsphase der Streitkräfte einen Zusammenschluss der beiden Armeen theoretisch beeinflusst haben könnten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen vergleichenden, historisch-soziologischen Ansatz, um die Strukturen und Organisationskulturen der NVA und der Bundeswehr auf Basis vorhandener Literatur und Untersuchungsberichte gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Blöcke: Theoretische Grundlagen der Organisationskultur, Entstehungsgeschichte, Umgang mit der Vergangenheit sowie die Analyse von Selbstverständnis und gelebter Realität in den Armeen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Organisationskultur, Totale Institution, Innere Führung, Parteiarmee, Wiederbewaffnung und die systembedingte Abhängigkeit der Streitkräfte von den jeweiligen politischen Führungen.

Welche Rolle spielt der Begriff „Totale Institution“ in dieser Untersuchung?

Dieser soziologische Begriff wird insbesondere verwendet, um die starke Inanspruchnahme der Soldaten und die Einengung ihrer Individualität in der NVA zu beschreiben, was sich in der „EK-Bewegung“ manifestierte.

Wie unterscheidet sich die Traditionspflege zwischen Bundeswehr und NVA?

Während die NVA die NS-Vergangenheit offiziell komplett negierte und sich auf kommunistische Widerstandstraditionen fokussierte, wählte die Bundeswehr einen reflexiveren, wenngleich schwierigen Umgang mit der Vergangenheit unter Einbeziehung des preußischen Erbes.

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Details

Title
Militärkultur in Bundeswehr und Nationaler Volksarmee
College
University of Potsdam
Grade
1,3
Author
Matthias Schönfeld (Author)
Publication Year
2006
Pages
33
Catalog Number
V69706
ISBN (eBook)
9783638621465
ISBN (Book)
9783638685177
Language
German
Tags
Militärkultur Bundeswehr Nationaler Volksarmee Soziologie Militärsoziologie Ländervergleich Unternehmenskultur Geschichte Zeitgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Schönfeld (Author), 2006, Militärkultur in Bundeswehr und Nationaler Volksarmee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69706
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