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Von der Schwierigkeit der Selbstwahl - Kierkegaard in Max Frischs "Stiller"

Title: Von der Schwierigkeit der Selbstwahl - Kierkegaard in Max Frischs "Stiller"

Term Paper , 1998 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dirk Bessell (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Wer oder was sind wir? Diese Frage könnte als Leitsatz für Max Frischs Roman »Stiller« gelten, wie im Übrigen für viele seiner Werke. Man bezeichnet diesen Roman auch als »Identitätsroman des Zwanzigsten Jahrhunderts«. Doch was genau bedeutet das? Seit seinem Erscheinen im Jahre 1954 hat man den »Stiller« unter zahlreichen Aspekten interpretiert, dabei ist die Forschung zu recht unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Der Grund hierfür liegt wohl in der Komplexität des Romans, er lässt sich kaum mit einer Gesamtinterpretation erfassen. Verständlich also, dass es zum »Stiller« ausschließlich Schwerpunktinterpretationen gibt; auf die wichtigsten sei hier kurz verwiesen.
Soziologisch betrachtet handelt dieser Roman von der Problematik des in der Gesellschaft durch Rollenmuster determinierten Individuums und dessen vergeblicher Versuche, diesen Klischees zu entfliehen – verstanden als Revolte gegen die Umwelt samt ihrer vorgefertigten Denkmuster.
Des Weiteren ließe eine Interpretation unter psychologischen, genauer: psychoanalytischen, Gesichtspunkten den Schluss zu, es handele sich bei Frischs Roman um eine Art Studie über eine geradezu neurotisch veranlagte Persönlichkeit, den Protagonisten Ludwig Anatol Stiller, welcher stets bemüht ist, seinen Minderwertigkeitskomplexen und der damit verbundenen Angst vor dem Versagen als Mann, Künstler und schließlich als Mensch zu entfliehen.
Eine dritte Methode wäre die Interpretation aus dem philosophisch-theologischen Blickwinkel. Zwar ist auch dies nur ein Teilaspekt einer Interpretation, doch erst mit diesem Ansatz erhalten wir eine umfassendere Möglichkeit der Erklärung des »Stiller«. Viele seiner Werke zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung Max Frischs mit den philosophischen Schriften Sören Kierkegaards. So beispielsweise das 1964 erschienene Prosastück »Mein Name sei Gantenbein« oder die Komödie »Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie«. Trotz der besonderen Bedeutung kierkegaardschen Denkens vor allem für die Entstehung des »Stiller« haben sich nur wenige Literaturwissenschaftler mit dieser Thematik beschäftigt – und dies zumeist nur in kurzen Abhandlungen. Sehr lange beschränkte sich die Forschung auf eine soziologische oder psychologische Deutung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Existenzphilosophie Søren Kierkegaards

3. Kierkegaard-Rezeption im Stiller

3.1. Resignation und Verzweiflung

3.2. Wiederholung

3.3. Wahl

3.4. Sprung

4. Resümee

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Max Frischs Roman "Stiller" unter dem spezifischen Fokus der Existenzphilosophie von Søren Kierkegaard. Ziel ist es, nachzuweisen, inwieweit der Protagonist Ludwig Anatol Stiller im Verlauf des Romans eine Entwicklung durchläuft, die sich anhand der kierkegaardschen Kategorien von Resignation, Wiederholung, Wahl und Sprung in den Glauben nachvollziehen lässt.

  • Existenzphilosophische Fundierung von Max Frischs Werk
  • Analyse der Identitätsproblematik im Roman "Stiller"
  • Anwendung kierkegaardschen Denkens auf die Romanhandlung
  • Die Bedeutung von Selbstwahl und existenzieller Freiheit
  • Verhältnis zwischen dem Individuum und gesellschaftlichen Erwartungen

Auszug aus dem Buch

3.1. Resignation und Verzweiflung

»Ich bin nicht Stiller!« Der Roman beginnt mit der Verzweiflung Stillers, er leugnet seinen eigenen Namen und damit seine wahre, seine innere Identität. Stiller weiß hier aber schon, dass er nur durch Selbstwahl frei werden kann. Denn solange er versucht, gegen sich und damit gegen die Wirklichkeit anzukämpfen, bleibt er durch eben diese verhasste Wirklichkeit bestimmt. Für den Leser bleibt dies allerdings bis zur Schilderung Stillers Selbstmordversuches verborgen.

Kierkegaard differenziert zwischen passiver, endlicher Resignation und positiver, unendlicher Resignation. Rolf kennt diesen Unterschied, er fordert von Stiller eine aktive Resignation, damit dieser sein Selbst annehmen kann:

»[...] Man ergibt sich, man kehrt zurück, um sich zu ergeben, aber man ergibt sich nie ein für allemal. Dann, wer weiß, wäre es auch nur ein schlappe Resignation, nichts weiter, ein Sichabfinden, das Ergebnis davon irgendeine Art von Spießigkeit... Du zitterst, hast du gesagt. Zittere! Du weißt schon, wie ich das meine. [...]«

Stiller ist sich bewusst, dass seine Verzweiflung nicht tief genug ist, wenn er sagt:

»Ich bin nicht hoffnungslos genug, oder wie die Gläubigen sagen würden, nicht ergeben genug.« (690)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Roman-Komplexität dar und führt die Methode ein, den "Stiller" ergänzend zum soziologischen und psychologischen Ansatz durch die philosophisch-theologische Brille Kierkegaards zu betrachten.

2. Die Existenzphilosophie Søren Kierkegaards: Hier werden die Grundzüge der Philosophie Kierkegaards erläutert, insbesondere die drei Stadien der Existenz und die notwendige Selbstwahl vor dem Hintergrund des Glaubens.

3. Kierkegaard-Rezeption im Stiller: Dieses Hauptkapitel wendet die Kategorien von Kierkegaard direkt auf die Romanfiguren und Handlungsstränge an.

3.1. Resignation und Verzweiflung: Analyse der anfänglichen Identitätsverweigerung Stillers und seiner Versuche, durch Flucht der Wirklichkeit zu entkommen.

3.2. Wiederholung: Untersuchung der Bedeutung der echten, geschichtlichen Wiederholung im Vergleich zu Stillers fluchtartigen Versuchen eines Neubeginns ohne Vergangenheit.

3.3. Wahl: Betrachtung der existenziellen Notwendigkeit des Mutes zur Selbstwahl als Voraussetzung für wahre Freiheit.

3.4. Sprung: Erörterung der letzten Konsequenz des Glaubens als ein Wagnis, das Stiller durch seine Wandlung und sein Verstummen schließlich vollzieht.

4. Resümee: Zusammenführung der Ergebnisse und Vergleich zwischen der literarischen Konstellation bei Frisch und Kierkegaards "Entweder - Oder".

5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Max Frisch, Stiller, Søren Kierkegaard, Existenzphilosophie, Identität, Selbstwahl, Resignation, Verzweiflung, Wiederholung, Sprung in den Glauben, Freiheit, Individuum, Rollenmuster, Literaturwissenschaft, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Roman "Stiller" von Max Frisch unter dem Blickwinkel der Existenzphilosophie Søren Kierkegaards, um das Verhalten und die Entwicklung des Protagonisten besser zu verstehen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind Identitätsfindung, der Umgang mit der eigenen Vergangenheit, gesellschaftliche Rollenzwänge sowie die philosophischen Konzepte der Selbstwahl und des Glaubens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Hauptfigur Ludwig Anatol Stiller einen Entwicklungsprozess durchläuft, der exakt den Phasen der Existenz nach Kierkegaard entspricht.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, bei der kierkegaardsche Kategorien als Interpretationswerkzeug angewendet werden, um den Roman in einen philosophischen Kontext zu setzen.

Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Resignation, Wiederholung, Wahl und dem abschließenden Sprung, wobei jede dieser Kategorien auf den Handlungsverlauf von "Stiller" bezogen wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Identitätsroman, Selbstwahl, existenzielle Freiheit, christliche Existenzphilosophie und die Abgrenzung zum ästhetischen Menschen.

Warum wird Stillers Flucht nach Amerika im Kontext von Kierkegaard analysiert?

Die Flucht dient als Beispiel für den Versuch, sich der geschichtlichen Bedingtheit zu entziehen, was Kierkegaard als ein Ausweichen vor der wahren Selbstwahl betrachtet.

Inwiefern spielt die Figur Rolf eine Rolle für das Verständnis des Romans?

Rolf agiert als Mentor und nimmt eine ähnliche Funktion wie der Ethiker in Kierkegaards Werken ein, indem er Stiller mit seiner Verantwortung und der Notwendigkeit der Selbstakzeptanz konfrontiert.

Wie deutet der Autor das "Verstummen" Stillers am Ende?

Das Verstummen wird als Zeichen einer inneren Befreiung interpretiert, da Stiller den Zwang verliert, sich und seine Identität vor anderen ständig rechtfertigen oder beweisen zu müssen.

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Details

Title
Von der Schwierigkeit der Selbstwahl - Kierkegaard in Max Frischs "Stiller"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Course
Thematisches Proseminar "Max Frisch: Der 'Stiller'-Roman"
Grade
1,0
Author
Dirk Bessell (Author)
Publication Year
1998
Pages
25
Catalog Number
V69747
ISBN (eBook)
9783638622363
ISBN (Book)
9783638673723
Language
German
Tags
Schwierigkeit Selbstwahl Kierkegaard Frischs Stiller Thematisches Proseminar Frisch Stiller
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dirk Bessell (Author), 1998, Von der Schwierigkeit der Selbstwahl - Kierkegaard in Max Frischs "Stiller", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69747
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