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Die Stellung des Tieres in prähistorischen und neueren Jägerkulturen in Europa, Asien, Australien und Amerika

Title: Die Stellung des Tieres in prähistorischen und neueren Jägerkulturen in Europa, Asien, Australien und Amerika

Seminar Paper , 2002 , 31 Pages , Grade: Laut Dozent sehr gut

Autor:in: Uwe Janatzek (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Summary Excerpt Details

Ruhig, beinahe wie erstarrt lag der Saum des Waldes vor ihm, darüber der klare, in seiner Grenzenlosigkeit teilnahmslose Himmel. Schneewehen türmten sich an den Stämmen der alten Tannen empor und erreichten zum Teil schon die untersten Äste.
Vorsichtig, mit angehaltenem Atem und jedes verräterische Geräusch vermeidend, lugte der Jäger über den schnee- und eisverkrusteten Rand der Grube hinweg, die ihm als Versteck diente. In weiter Ferne heulte ein Wolf, der Kontakt zu seinem Rudel suchte.
Bitte, Bruder Wolf, hör auf damit, dachte der Jäger eindringlich, obwohl er gut verstehen konnte, daß der andere Jäger, der nicht so unzulänglich wie er selbst war und auf seine natürlichen Waffen und seine Schnelligkeit vertrauen konnte, in der weiten, schneebedeckten Einsamkeit nach seinesgleichen suchte. Trotzdem bestand die Gefahr, daß allein das Heulen des Wolfes die schon sicher geglaubte Beute dazu veranlassen könnte, die Richtung zu wechseln und außer Reichweite zu gelangen. Dann wären all die Beschwörungen des Schamanen an den Tiervater, die vielen kunstvoll angebrachten Zeichnungen an den Höhlenwänden und die ekstatischen Rituale und Zeremonien, in denen der Schamane Zwiesprache mit den Geistern und den Tierahnen gehalten hatte, umsonst gewesen. Auch das letzte, schon ranzige Fett, mit dem die Farben angerührt worden waren, wäre umsonst verwendet worden, und Fett war eine echte Kostbarkeit in diesen kalten und dunklen Jahren, in denen es dem Schamanen immer seltener gelang, den Zauber zu weben, der das Jagdwild in die Nähe der Horde führte. Die anderen, weit entfernt lebenden Stammessippen waren dem Jagdwild schon lange hinterhergezogen auf dem Weg nach Süden, der wärmenden Sonne entgegen; doch seine eigene Sippe bestand aus nur wenigen jungen Jägern, aber vielen Alten und Kindern. Dies machte eine Reise beschwerlich, obwohl jeder weitere Aufschub eigentlich sinnlos war, doch es war sicher, daß einige der Alten und auch der allzu Jungen die Reise nicht überstehen würden, und so warteten sie, bis ein Aufbruch unumgänglich wurde.
Ein knackendes Geräusch aus der Dunkelheit des Waldes ließ die trüben Gedanken des Jägers augenblicklich verblassen, und er spähte erneut hinüber zum Walrand. Doch was immer das Geräusch auch ausgelöst hatte, es trat nicht aus dem dichten Unterholz hervor.
In einiger Entfernung zog einer jener Greifvögel seine geschwungenen Bahnen über den Himmel, eine Fähigkeit, um die die Menschen den Vogel schon immer beneidet hatten.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zu einer Zeit, als man bald Tier, bald Mensch war ...

1.1 Höhlenmalereien und "Home Art"

2. Schamanismus

3. Totemismus

4. Das Tier als Schöpfer und Ahne

5. Schlußbemerkungen

6. Quellenangaben

6.1 Bildnachweise

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und kulturelle Stellung des Tieres in Jägerkulturen verschiedener Kontinente. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier durch animistische, schamanistische und totemistische Weltbilder geprägt war und welche Rolle diese Vorstellungen für das Überleben und die spirituelle Identität dieser Gesellschaften spielten.

  • Die Bedeutung von Höhlenmalereien als Ausdruck ritueller Praktiken
  • Die Rolle des Schamanismus als Bindeglied zwischen Natur, Geistern und Menschen
  • Totemismus als System zur Identifikation und spirituellen Verbindung mit Tierarten
  • Die Darstellung des Tieres als schöpferischer Ahne in Mythen weltweit
  • Die kritische Reflexion des Verlusts dieser harmonischen Verbindung in modernen Gesellschaften

Auszug aus dem Buch

1. Zu einer Zeit, als man bald Tier, bald Mensch war ...*

Ruhig, beinahe wie erstarrt lag der Saum des Waldes vor ihm, darüber der klare, in seiner Grenzenlosigkeit teilnahmslose Himmel. Schneewehen türmten sich an den Stämmen der alten Tannen empor und erreichten zum Teil schon die untersten Äste. Vorsichtig, mit angehaltenem Atem und jedes verräterische Geräusch vermeidend, lugte der Jäger über den schnee- und eisverkrusteten Rand der Grube hinweg, die ihm als Versteck diente. In weiter Ferne heulte ein Wolf, der Kontakt zu seinem Rudel suchte.

Bitte, Bruder Wolf, hör auf damit, dachte der Jäger eindringlich, obwohl er gut verstehen konnte, daß der andere Jäger, der nicht so unzulänglich wie er selbst war und auf seine natürlichen Waffen und seine Schnelligkeit vertrauen konnte, in der weiten, schneebedeckten Einsamkeit nach seinesgleichen suchte. Trotzdem bestand die Gefahr, daß allein das Heulen des Wolfes die schon sicher geglaubte Beute dazu veranlassen könnte, die Richtung zu wechseln und außer Reichweite zu gelangen. Dann wären all die Beschwörungen des Schamanen an den Tiervater, die vielen kunstvoll angebrachten Zeichnungen an den Höhlenwänden und die ekstatischen Rituale und Zeremonien, in denen der Schamane Zwiesprache mit den Geistern und den Tierahnen gehalten hatte, umsonst gewesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zu einer Zeit, als man bald Tier, bald Mensch war ...: Einleitende Betrachtung der Lebensweise früher Jägerkulturen anhand einer narrativen Szene und Diskussion der Höhlenmalerei als Ausdruck spiritueller Jagdvorbereitung.

1.1 Höhlenmalereien und "Home Art": Analyse der steinzeitlichen Kunstwerke und deren Bedeutung als Heiligtümer, differenziert nach Malereien in Höhlen und mobilen Objekten der "Home Art".

2. Schamanismus: Erläuterung des Schamanismus als animistische Weltanschauung, in der der Schamane als Vermittler zwischen menschlicher Gemeinschaft und einer beseelten Natur agiert.

3. Totemismus: Darstellung des Totemismus als System der geistigen Verbundenheit, bei dem ein Tier als Begleiter oder "Alter Ego" die Identität eines Clans prägt.

4. Das Tier als Schöpfer und Ahne: Dokumentation von Schöpfungsmythen aus verschiedenen Kulturen, die das Tier als gleichberechtigten Vorfahren oder Schöpfer der Welt definieren.

5. Schlußbemerkungen: Fazit zur künstlichen Trennung zwischen Mensch und Tier sowie ein Appell zur Wiederbesinnung auf das ursprüngliche Verständnis von Mitgeschöpflichkeit.

6. Quellenangaben: Auflistung der verwendeten Literatur und Bildnachweise.

6.1 Bildnachweise: Detaillierte Referenzierung der Abbildungen innerhalb der Publikation.

Schlüsselwörter

Jägerkulturen, Schamanismus, Totemismus, Animismus, Höhlenmalerei, Jagdzauber, Anthropologie, Schöpfungsmythos, Geisterglaube, Naturverbundenheit, Tierahnen, Prähistorie, Ethnologie, Schutzgeist, Kulturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die spirituelle und kulturelle Rolle des Tieres in prähistorischen sowie in neueren Jägerkulturen in Europa, Asien, Australien und Amerika.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Animismus, des Schamanismus und des Totemismus sowie deren Ausdrucksformen in Kunst und Mythen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jägerkulturen das Tier nicht nur als Nahrungsquelle, sondern als beseeltes Wesen und gleichberechtigten Partner betrachteten und wie sich dieser Glaube in ihrer Lebensweise manifestierte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine interdisziplinäre Analyse prähistorischer Funde, völkerkundliche Vergleiche existierender Jägergesellschaften sowie die Auswertung mythologischer Überlieferungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Höhlenkunst, die Funktion des Schamanen, das soziale System des Totemismus und die mythologische Rolle des Tieres als Weltschöpfer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Schamanismus, Totemismus, Jägerkulturen, Jagdzauber und Animismus.

Welche Bedeutung haben die angeführten "Hüterfiguren"?

Hüterfiguren wie Korupira oder Dawaik dienen als spirituelle Instanzen, die den Jägern Regeln für den Umgang mit Wildbeständen auferlegen und somit ein nachhaltiges ökologisches Gleichgewicht sichern sollten.

Wie wird das Konzept des "Analogzaubers" in der Arbeit definiert?

Analogzauber bezeichnet Riten, bei denen eine symbolische Handlung – wie das Durchbohren einer Zeichnung – dazu dienen soll, den gewünschten Erfolg (hier: die erfolgreiche Jagd) in der Realität herbeizuführen.

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Details

Title
Die Stellung des Tieres in prähistorischen und neueren Jägerkulturen in Europa, Asien, Australien und Amerika
College
Protestant University of Applied Sciences Rheinland-Westfalen-Lippe  (FB II Sozialpädagogik)
Course
Tiere als Erziehungshelfer ? - Seminarnummer 2.110, Prof. J.-K. Spangenberg
Grade
Laut Dozent sehr gut
Author
Uwe Janatzek (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V6977
ISBN (eBook)
9783638144032
Language
German
Tags
Animismus Schamanismus Prähistorik Totemismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Uwe Janatzek (Author), 2002, Die Stellung des Tieres in prähistorischen und neueren Jägerkulturen in Europa, Asien, Australien und Amerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6977
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