Gewerkschaftsmacht und Direktinvestitionen


Seminararbeit, 2003

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nash-Verhandlungen und Nash-Gleichgewicht

3. Annahmen der Modelle

4. Modellbetrachtungen
4.1 Modell ohne Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten
4.2 Modell mit wechselseitigen Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten
4.3 Modell mit asymmetrischen Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten

5. Untersuchung der Gleichgewichte Seite

6. Kritik

7. Schlussfolgerungen

8. Mathematischer Anhang

9. Literaturverzeichnis

Variablenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Iso-Gewinnlinien und Arbeitsnachfragekurve der Unternehmung

Abbildung 2: Indifferenzkurven der Gewerkschaften und Arbeitsnachfragekurve

Abbildung 3: Effiziente Verhandlungslösung um Löhne und Beschäftigung mit Kontraktkurve

Abbildung 4: Verhandlungslösung bei lohnorientierten Gewerkschaften ohne Direktinvestitionen

Abbildung 5: Verhandlungslösung bei beschäftigungsorientierten Gewerkschaften ohne Direktinvestitionen .

Abbildung 6: Verhandlungslösung bei lohnorientierten Gewerkschaften mit wechselseitigen Direktinvestitionen

Abbildung 7: Verhandlungslösung bei beschäftigungsorientierten Gewerkschaften mit wechselseitigen Direktinvestitionen

1. Einleitung:

Ob General Motors, Daimler-Chrysler oder Volkswagen – eines haben die führenden Autobauer gemeinsam: Sie stecken in der Krise. Überkapazitäten, die aufgrund der geringen Nachfrage entstehen und ein extremer Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2004 sind der Grund für die drastisch gekürzten Gewinnprognosen von VW. Aufgrund der steigenden Arbeitsproduktivität in der Branche wirkt diese Entwicklung paradox, aber bei genauerer Analyse der Situation scheinen die Schuldigen für die Entwicklung schnell gefunden: Die Gewerkschaften sorgen im Rahmen der Tarifverhandlungen für Löhne über dem Wettbewerbslohn, zu hohe Beschäftigung und sind es außerdem, die den international tätigen Unternehmen im Weg stehen, wenn es darum geht, die Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit zu senken und überflüssige Arbeitskräfte zu entlassen.

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch erklärte erst kürzlich, dass die anstehenden Tarifverhandlungen zwischen VW und der IG-Metall eine extrem negative Auswirkung auf die Arbeitsplatzsituation in Deutschland haben könnten. Nachdem der Verhandlungsführer der IG-Metall Hartmut Meine seinerseits eine „knallharte Tarifrunde“ ankündigte, wurde Pötschs Drohung dann konkreter: Er erklärte, dass bei Nicht-Akzeptanz der 2-jährigen Lohnnullrunde mehr als 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen.[1]

Um diese Aussagen zu verstehen, muss zuerst der Ablauf von Tarifverhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften genauer betrachtet werden. Eine Unterscheidung zwischen Märkten ohne Direktinvestitionen (Kapitel 4.1), mit wechselseitigen Direktinvestitionen (Kapitel 4.2) und einseitigen (asymmetrischen) Direktinvestitionen (Kapitel 4.3) ist dabei zweckmäßig, da multinationale Unternehmen eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften haben als nationale Unternehmen und somit unterschiedliche Verhandlungsergebnisse entstehen.

Die mathematische Beweisführung erfolgt im mathematischen Anhang anhand der Berechnungen zum Modell aus Kapitel 4.2.

1 „VW baut Drohkulisse auf“, titelte der Stern zu diesem Thema am 09.09.2004 auf seiner Homepage.

2. Nash-Verhandlungen und Nash-Gleichgewicht

Der Verhandlungsprozess zwischen Unternehmen und Gewerkschaften um Löhne und Beschäftigung ist ein Spieltheoretischer Ansatz, in dem das Verhandlungsergebnis durch ein Nash-Gleichgewicht erreicht wird. Die Spieltheorie „versucht das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten, in denen der Erfolg des einzelnen nicht nur vom eigenen Handeln, sondern auch den Aktionen mehrerer abhängt“.[2] Im Rahmen von Nash-Verhandlungen haben die Akteure die Möglichkeit zusammenzuarbeiten und so ihren Nutzen zu steigern. Dabei sind einige wichtige Annahmen zu berücksichtigen, die der Vereinfachung dienen. Es wird vorausgesetzt, dass die Verhandlungspartner intelligent sind, hoch rational handeln und die gleichen Verhandlungsfähigkeiten haben. Außerdem sind die Verhandlungspartner laut Annahme über die Präferenzen und die Nutzenfunktion des jeweils Anderen informiert und ihnen ist die Struktur des Verhandlungsspiels bekannt.

Haben die Individuen gegensätzliche Zielsetzungen, versuchen sie diese durch Kooperation auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Verhalten sich die Verhandlungsparteien nicht kooperativ, scheitern die Verhandlungen. Formal lassen sich Nash-Verhandlungen folgendermaßen darstellen: Jedem Spieler steht ein Raum Si von möglichen Verhandlungsstrategien (s1 , s2) zur Verfügung. Für jedes Paar an möglichen Strategien , erreichen die Spieler einen Nutzen in Höhe von U1, U2. Das Hauptziel eines einzelnen Spielers ist es dabei, seinen eigenen Nutzen zu maximieren.

Bei der Suche nach einer Verhandlungslösung muss auch die Bedeutung von möglichen Drohungen der Verhandlungsparteien berücksichtigt werden. Eine Drohung in einem Verhandlungsspiel könnte folgendermaßen ablaufen: Im ersten Schritt definiert jeder Verhandlungs-partner eine Anzahl ausgewählter Strategien (ti), die er anwenden wird, wenn es innerhalb des Verhandlungsprozesses nicht zu einer Einigung kommt. Diese Strategie ti nennt man dann die Drohung der Partei i.

2 nach: Gablers Volkswirtschaftslexikon, Stichwort: Spieltheorie

Im zweiten Schritt des Spiels informieren die Verhandlungspartner einander über ihre Drohungen und in der dritten Phase agieren die Spieler unabhängig voneinander und ohne jegliche Kommunikation. In dieser Phase entscheidet jeder Spieler über seine Forderungen (di). Spieler i wird dabei nicht zu einer Kooperation bereit sein, ehe der Nutzen dieser Zusammenarbeit nicht größer als seine Forderung (di) ist. Wenn nun in der letzten Phase im Zuge der Kooperation U1>d1 und U2>d2 ist, sind die Forderungen aller Spieler erfüllt.

Ein Nash-Gleichgewicht kann als ein „Erwartungspaar über die Entscheidung jeder Person interpretiert werden, sodass nach Offenlegung der Entscheidung der anderen Person kein Individuum sein Verhalten ändern will“[3]. Im Nash-Gleichgewicht werden die Erwartungen sämtlicher Spieler erfüllt, ihre Strategiewahl ist somit optimal.

3. Annahmen der Modelle

Bei der Analyse der Auswirkungen von Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten sind einige Annahmen zu treffen: Es werden zwei Firmen in zwei Ländern betrachtet, wobei Firma A ihren Produktionsstandort in den USA hat, während Firma B in Europa ansässig ist. Beide Firmen produzieren ein homogenes Gut, die Welt-Nachfrage ist durch folgende inverse Nachfragefunktion charakterisiert:

P = P(X+Y) (1)

Dabei geben X und Y den Output in den USA beziehungsweise in Europa an. In dem betrachteten Modellrahmen gilt Arbeit als der einzige Produktionsfaktor. Es wird außerdem angenommen, dass auf dem Gütermarkt ein unvollständiger Wettbewerb vorliegt. Die Produktionsfunktion der Unternehmen ist linear im Faktor Arbeit, was zur Folge hat, dass die Beschäftigungshöhe gleichzeitig auch die Produktionsmenge bestimmt.

Den Unternehmen steht in der Folge die Entscheidung frei, ob sie Direktinvestitionen tätigen, oder nicht.

[...]


[1] „VW baut Drohkulisse auf“, titelte der Stern zu diesem Thema am 09.09.2004 auf seiner Homepage.

[2] nach: Gablers Volkswirtschaftslexikon, Stichwort: Spieltheorie

[3] nach: Varian, Grundzüge der Mikroökonomik, 5. Auflage, S. 479

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Gewerkschaftsmacht und Direktinvestitionen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftstheorie insb. Außenwirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Seminar: Ausländische Direktinvestitionen - Elemente der Globalisierung (Sauernheimer)
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V69801
ISBN (eBook)
9783638614054
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewerkschaftsmacht, Direktinvestitionen, Seminar, Ausländische, Direktinvestitionen, Elemente, Globalisierung
Arbeit zitieren
Nico Schmidt (Autor:in), 2003, Gewerkschaftsmacht und Direktinvestitionen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69801

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