Ob General Motors, Daimler-Chrysler oder Volkswagen - eines haben die führenden Autobauer gemeinsam: Sie stecken in der Krise. Überkapazitäten, die aufgrund der geringen Nachfrage entstehen und ein extremer Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2004 sind der Grund für die drastisch gekürzten Gewinnprognosen von VW. Aufgrund der steigenden Arbeitsproduktivität in der Branche wirkt diese Entwicklung paradox, aber bei genauerer Analyse der Situation scheinen die Schuldigen für die Entwicklung schnell gefunden: Die Gewerkschaften sorgen im Rahmen der Tarifverhandlungen für Löhne über dem Wettbewerbslohn, zu hohe Beschäftigung und sind es außerdem, die den international tätigen Unternehmen im Weg stehen, wenn es darum geht, die Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit zu senken und überflüssige Arbeitskräfte zu entlassen.
VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch erklärte erst kürzlich, dass die anstehenden Tarifverhandlungen zwischen VW und der IG-Metall eine extrem negative Auswirkung auf die Arbeitsplatzsituation in Deutschland haben könnten. Nachdem der Verhandlungsführer der IG-Metall Hartmut Meine seinerseits eine „knallharte Tarifrunde“ ankündigte, wurde Pötschs Drohung dann konkreter: Er erklärte, dass bei Nicht-Akzeptanz der 2-jährigen Lohnnullrunde mehr als 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen. Um diese Aussagen zu verstehen, muss zuerst der Ablauf von Tarifverhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften genauer betrachtet werden. Eine Unterscheidung zwischen Märkten ohne Direktinvestitionen (Kapitel mit wechselseitigen4.1),
Direktinvestitionen (Kapitel4.2)und einseitigen (asymmetrischen) Direktinvestitionen (Kapitel4.3)ist dabei zweckmäßig, da multinationale Unternehmen eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften haben als nationale Unternehmen und somit unterschiedliche Verhandlungsergebnisse entstehen. Die mathematische Beweisführung erfolgt im mathematischen Anhang anhand der Berechnungen zum Modell aus Kapitel 4.2.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nash-Verhandlungen und Nash-Gleichgewicht
3. Annahmen der Modelle
4. Modellbetrachtungen
4.1 Modell ohne Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten
4.2 Modell mit wechselseitigen Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten
4.3 Modell mit asymmetrischen Direktinvestitionen in gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmärkten
5. Untersuchung der Gleichgewichte
6. Kritik
7. Schlussfolgerungen
8. Mathematischer Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen auf Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften. Dabei wird analysiert, wie sich unterschiedliche Investitionsstrategien auf Löhne, Beschäftigungsniveaus und die Verhandlungsposition der beteiligten Akteure auswirken.
- Spieltheoretische Analyse von Nash-Verhandlungen
- Einfluss von Direktinvestitionen auf das Drohpotential
- Vergleich von Szenarien ohne, mit wechselseitigen und mit asymmetrischen Direktinvestitionen
- Auswirkungen auf Unternehmensgewinne und Arbeitnehmerwohlfahrt
- Kritische Würdigung der modelltheoretischen Annahmen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung:
Ob General Motors, Daimler-Chrysler oder Volkswagen – eines haben die führenden Autobauer gemeinsam: Sie stecken in der Krise. Überkapazitäten, die aufgrund der geringen Nachfrage entstehen und ein extremer Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2004 sind der Grund für die drastisch gekürzten Gewinnprognosen von VW. Aufgrund der steigenden Arbeitsproduktivität in der Branche wirkt diese Entwicklung paradox, aber bei genauerer Analyse der Situation scheinen die Schuldigen für die Entwicklung schnell gefunden: Die Gewerkschaften sorgen im Rahmen der Tarifverhandlungen für Löhne über dem Wettbewerbslohn, zu hohe Beschäftigung und sind es außerdem, die den international tätigen Unternehmen im Weg stehen, wenn es darum geht, die Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit zu senken und überflüssige Arbeitskräfte zu entlassen.
VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch erklärte erst kürzlich, dass die anstehenden Tarifverhandlungen zwischen VW und der IG-Metall eine extrem negative Auswirkung auf die Arbeitsplatzsituation in Deutschland haben könnten. Nachdem der Verhandlungsführer der IG-Metall Hartmut Meine seinerseits eine „knallharte Tarifrunde“ ankündigte, wurde Pötschs Drohung dann konkreter: Er erklärte, dass bei Nicht-Akzeptanz der 2-jährigen Lohnnullrunde mehr als 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen.
Um diese Aussagen zu verstehen, muss zuerst der Ablauf von Tarifverhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften genauer betrachtet werden. Eine Unterscheidung zwischen Märkten ohne Direktinvestitionen (Kapitel 4.1), mit wechselseitigen Direktinvestitionen (Kapitel 4.2) und einseitigen (asymmetrischen) Direktinvestitionen (Kapitel 4.3) ist dabei zweckmäßig, da multinationale Unternehmen eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften haben als nationale Unternehmen und somit unterschiedliche Verhandlungsergebnisse entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik von Tarifverhandlungen im Kontext internationaler Direktinvestitionen am Beispiel der Automobilindustrie ein.
2. Nash-Verhandlungen und Nash-Gleichgewicht: Dieser Abschnitt erläutert die spieltheoretischen Grundlagen der Nash-Verhandlungen und definiert das Nash-Gleichgewicht als optimalen Erwartungszustand.
3. Annahmen der Modelle: Hier werden die Rahmenbedingungen für die nachfolgenden Analysen festgelegt, darunter die homogene Gutproduktion und Arbeit als einziger Produktionsfaktor.
4. Modellbetrachtungen: In diesem Hauptteil werden drei Szenarien (keine, wechselseitige und asymmetrische Direktinvestitionen) mathematisch modelliert und deren Auswirkungen auf Lohn- und Beschäftigungsniveaus verglichen.
5. Untersuchung der Gleichgewichte: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Nash-Gleichgewichte und bewertet, welche Lösung pareto-effizient und dauerhaft stabil ist.
6. Kritik: Der Autor hinterfragt die getroffenen Modellannahmen, wie die Rationalität der Akteure oder die Vernachlässigung von Fixkosten und Transportkosten.
7. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Direktinvestitionen die Verhandlungsmacht der Unternehmen stärken und zu sinkenden Löhnen führen, was eine zentrale Herausforderung für Gewerkschaften darstellt.
Schlüsselwörter
Nash-Verhandlungen, Nash-Gleichgewicht, Direktinvestitionen, Lohnverhandlungen, Beschäftigungsniveau, Multinationale Unternehmen, Spieltheorie, Gewerkschaften, Arbeitnehmerwohlfahrt, Tarifrunde, Standortwettbewerb, Gewinnmaximierung, Marktmacht, Globalisierung, Arbeitsmarktmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie multinationale Unternehmen ihre Verhandlungsposition gegenüber Gewerkschaften durch die Option von Direktinvestitionen im Ausland beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Spieltheorie, internationale Wirtschaftsbeziehungen, Tarifverhandlungen und die Auswirkungen von Mobilität von Produktionsfaktoren auf Arbeitsmärkte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Analyse und der Vergleich von Lohn- und Beschäftigungsergebnissen unter verschiedenen Investitionsszenarien der Unternehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein spieltheoretischer Ansatz auf Basis von Nash-Verhandlungsmodellen verwendet, um mathematische Bedingungen für Lohn- und Beschäftigungsniveaus abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden drei Modelle analysiert: Märkte ohne Direktinvestitionen, mit wechselseitigen Direktinvestitionen und mit asymmetrischen Direktinvestitionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nash-Verhandlungen, Direktinvestitionen, Lohnverhandlungen, Gewinnmaximierung, Gewerkschaften und Verhandlungsmacht.
Was bedeutet eine "asymmetrische Direktinvestition" im Modell?
Dies beschreibt einen Fall, in dem ein Unternehmen über internationale Produktionsstandorte verfügt, während das andere nur einen heimischen Markt bedient, was zu einem Machtungleichgewicht führt.
Warum sinken laut dem Modell die Löhne bei zunehmender Internationalisierung?
Unternehmen erhalten durch internationale Produktionsmöglichkeiten ein stärkeres Drohpotential in den Verhandlungen, da sie bei einem Streik im Inland die Produktion in das Ausland verlagern können.
- Quote paper
- Nico Schmidt (Author), 2003, Gewerkschaftsmacht und Direktinvestitionen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69801