In der vorliegenden Studie soll die Organisationsentwicklung (OE) als Veränderungsprozess in Organisationen anhand der aktuellen Literatur und auf Grund der Erfahrungen in der Kreisverwaltung Stormarn in den Jahren 1995 bis 1997 dargestellt werden.
Dabei beschränke ich mich auf die Aspekte der Kommunikationsstrategien und der Beteiligung der Mitarbeiter an den Veränderungsprozessen. Dies beruht auf der Feststellung sowohl in der Fachliteratur als auch in der Praxis, dass der Einfluss der Mitarbeiter auf moderne Organisationen immer größer wird (z. B. Graf?Götz/Glatz 1999, S. 9) und umfassende Veränderungsprozesse ohne die maßgebliche Beteiligung der betroffenen Mitarbeiter heute kaum Aussicht auf Erfolg haben können.
So betonen Heifetz/Laurie (4/1997, S. 56), dass „ ... in einer Organisation, die vor große Anpassungsaufgaben gestellt ist, das Lösen von Problemen zu einer Verpflichtung für alle Mitarbeiter (wird). Lösungen bestimmter Anpassungsprobleme kommen dann nicht länger von der Führungsetage, sondern aus dem kollektiven Verstand der Mitarbeiter auf allen betrieblichen Ebenen“.
Zunächst soll eine Definition von Organisationsentwicklung als Anpassungsprozess erfolgen und die wesentlichen Elemente beschrieben werden. In einem zweiten Teil folgt die Darstellung der Kommunikationsstrategie und der Beteiligungsformen im OE?Prozess bei der Kreisverwaltung Stormarn. Die Beratung und Begleitung des Projektes erfolgte in den Jahren 1995?1997 durch die Firma Metaplan, Quickborn. Abschließend soll dieser OE?Prozess kritisch gewürdigt werden und kurz auf die nachfolgende, veränderte Verfahrensweise im Rahmen der Verwaltungsstrukturreform eingegangen werden.
Im Anhang ist eine ausführliche Dokumentation des OE-Prozesses beigefügt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Was ist Organisationsentwicklung?
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Drei Veränderungsstrategien im Vergleich
2.3 Leitideen von systemischen OE-Prozessen
2.4 Phasen in Veränderungsprojekten
3. Transparenz, Kommunikation und Partizipation im OE-Prozess
3.1 Kommunikationsstrategien in OE-Prozessen
3.2 Beteiligung von Betroffenen
4. Die Organisationsentwicklung in der Kreisverwaltung Stormarn 1995-1997
4.1 Ausgangslage
4.2 Begründung der Organisationsentwicklung
4.3 Projektorganisation
4.4 Kommunikationsstrategien in der Praxis
4.5 Betroffenenbeteiligung in der Praxis
5. Kritische Reflexion des OE-Prozesses
5.1 Die Kommunikationsstrategie
5.2 Die Beteiligung der Mitarbeiter
6. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Organisationsentwicklungsprozess (OE) in der Kreisverwaltung Stormarn zwischen 1995 und 1997 mit dem Ziel, die Bedeutung von Kommunikationsstrategien und Mitarbeiterbeteiligung für den Erfolg von Veränderungsprojekten in öffentlichen Verwaltungen zu analysieren.
- Grundlagen der Organisationsentwicklung als systemischer Anpassungsprozess.
- Analyse der spezifischen Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen bei der Kreisverwaltung Stormarn.
- Kritische Reflexion der Projektdurchführung, Erfolgsfaktoren und Hindernisse.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Führung, Machtstrukturen und Partizipation.
- Bedeutung von Transparenz und nachhaltigem Veränderungsmanagement.
Auszug aus dem Buch
3. Transparenz, Kommunikation und Partizipation im OE-Prozess
Jede Veränderung in Organisationen kann letztlich nur über die in ihr tätigen Menschen erfolgen. Gleichzeitig ist das Verhalten aller Beteiligten immer in Verbindung mit der Gesamtorganisation und ihren Wesenselementen zu sehen. Organisationsentwicklung hat neben der bewussten Gestaltung der Beziehungen im Innenverhältnis der Organisation auch die Gestaltung der Beziehungen nach außen und an den Schnittstellen zwischen innen und außen zum Ziel.. Wertschätzung und Fairness z.B. können sich nicht nur auf das Innenverhältnis beschränken, sondern haben auch für Kunden und Konkurrenten zu gelten und umgekehrt.
OE arbeitet daher zum einen an den Denkweisen, Wahrnehmungen, Gefühlen, Einstellungen, Beziehungen, am Klima. und Verhalten; zum anderen geht es um die Veränderung von formellen und informellen Strukturen einer Organisation. Dazu gehören Aufbau- und Ablauforganisation und die vielfältigen Möglichkeiten der Mitglieder, miteinander in Kontakt zu treten, sich den Arbeitsprozess zu teilen, Entscheidungen zu treffen und einander Anweisungen zu geben.
Führungskräfte nehmen auf Grund ihrer Entscheidungskompetenz in Organisationsfragen (Macht) und aufgrund ihrer besonderen Einflussmöglichkeiten eine exponierte Stellung im OE-Prozess ein, nicht zuletzt, wenn es um Lernfähigkeit, Entwicklung, Hinterfragung ihrer Funktion, ihres Selbstverständnisses und ihrer Leistung geht.
Führungskräfte haben daher entscheidenden Einfluss auf die Organisationskultur und damit auf den Verlauf und den Erfolg von Innovationsprojekten. Denn nur wenn es ihnen gelingt, möglichst viele Mitarbeiter in die Veränderungsprozesse einzubinden, sie zur Mitgestaltung zu motivieren und sich selbst glaubwürdig beteiligen, haben OE-Projekte Erfolg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Organisationsentwicklung als Veränderungsprozess in der Kreisverwaltung Stormarn zwischen 1995 und 1997 unter Fokus auf Kommunikation und Beteiligung.
2. Was ist Organisationsentwicklung?: Definition und theoretische Einordnung der Organisationsentwicklung als systemischer Anpassungsprozess unter Vergleich verschiedener Veränderungsstrategien.
3. Transparenz, Kommunikation und Partizipation im OE-Prozess: Erörterung der zentralen Erfolgsfaktoren für Innovationsprojekte, insbesondere durch Einbindung der Mitarbeiter und Etablierung eines Vertrauensklimas.
4. Die Organisationsentwicklung in der Kreisverwaltung Stormarn 1995-1997: Dokumentation des konkreten Reformprojektes „Stormarner Modell“, dessen Projektstruktur, Kommunikationsmaßnahmen und Beteiligungsverfahren.
5. Kritische Reflexion des OE-Prozesses: Kritische Würdigung der Kommunikationsstrategie und Mitarbeiterbeteiligung unter Berücksichtigung von aufgetretenen Mängeln und Managementfehlern.
6. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung des Projekterfolgs sowie Darstellung der langfristigen Auswirkungen auf die Lernkultur und zukünftige Organisationsprozesse der Kreisverwaltung.
Schlüsselwörter
Organisationsentwicklung, Kreisverwaltung Stormarn, Mitarbeiterbeteiligung, Kommunikationsstrategie, Verwaltungsstrukturreform, Partizipation, Metaplan, Veränderungsprozess, Systemische Organisationsentwicklung, Führungskräfte, Selbstorganisation, Verwaltung, Transparenz, Change Management, Erfolgsfaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Hausarbeit?
Die Arbeit analysiert die Anwendung von Organisationsentwicklungsmethoden in der Kreisverwaltung Stormarn, wobei insbesondere die Rolle von Kommunikation und Mitarbeiterbeteiligung für den Erfolg des Reformprozesses im Fokus steht.
Welche Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Themen umfassen systemische Organisationsentwicklung, Methoden zur Mitarbeiterbeteiligung, Strategien zur internen Kommunikation und die spezifische Projektorganisation der Verwaltungsstrukturreform.
Was ist das primäre Ziel des beschriebenen OE-Prozesses?
Das Ziel war eine leistungsfähige, qualitäts- und ergebnisorientierte Verwaltung durch die Nutzung des Know-hows der Mitarbeiter („Hilfe zur Selbsthilfe“) bei gleichzeitiger Kostensenkung.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse systemischer Ansätze in der Organisationsentwicklung sowie auf die Auswertung der Praxisberichte und Erfahrungen aus dem „Stormarner Modell“.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Im Hauptteil werden das Konzept des „Stormarner Modells“, die konkrete Projektorganisation mit Suchzirkeln und Problemlösungsgruppen sowie die Kommunikationsmaßnahmen beschrieben und kritisch hinterfragt.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Organisationsentwicklung, Mitarbeiterpartizipation, Verwaltungsreform, Change Management und interne Kommunikation beschreiben.
Warum wird der Abschluss des OE-Projektes in Stormarn als unbefriedigend bewertet?
Der Autor kritisiert das Fehlen klarer Erfolgskriterien, mangelnde Rückkopplung des Managements an die Mitarbeiter sowie eine schleppende Umsetzung der Ergebnisse durch die Führungsebene.
Welche Rolle spielten die Führungskräfte bei den Reformbemühungen?
Führungskräfte fungierten als Schlüsselfiguren; ihr persönliches Engagement und ihre Bereitschaft, Macht abzugeben oder Partizipation zuzulassen, entschieden maßgeblich über das Gelingen oder Scheitern der Teilprojekte.
Welche Bedeutung hatten die externen Berater für den Prozess?
Die Firma Metaplan begleitete das Projekt und lieferte die notwendige Methodenkompetenz zur Selbstentwicklung, wobei die eigentliche inhaltliche Arbeit von den Mitarbeitern selbst geleistet werden sollte.
- Quote paper
- Dipl.-Sozialarbeiter / Master of Social Management Dietrich Jenner (Author), 2000, Kommunikationsstrategien und Mitarbeiterbeteiligung in der Organisationsentwicklung am Beispiel der Kreisverwaltung Stormarn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69825