Beratung in der Weiterbildung. Beratungsansätze im Vergleich


Seminararbeit, 2002

35 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Der Begriff der Beratung

3 Beratung in der Weiterbildung
3.1 Formen der Beratung
3.1.1 Trägergebundene Beratung
3.1.2 Trägerübergreifende Beratung
3.2 Ziele der Weiterbildungsberatung
3.3 Funktionen
3.4 Realität und Probleme der Weiterbildungsberatung

4 Darstellung der verschiedenen Beratungsansätze
4.1 Der Beratungsansatz nach Rogers
4.1.1 Kennzeichen
4.1.2 Grundhaltungen des Therapeuten
4.1.2.1 Empathie
4.1.2.2 Akzeptanz
4.1.2.3 Kongruenz
4.1.3 Inadäquate Verhaltensweisen
4.1.4 Abschluss einer erfolglosen Beratung
4.1.5 Fähigkeiten eines Beraters
4.2 Der Beratungsansatz nach Mutzeck: Die kooperative Beratung
4.2.1 Grundlagen und Ziel der kooperativen Beratung
4.2.2 Menschenbildkonzeption
4.2.3 Bestandteile und Ablauf des Beratungsprozesses
4.3 Der Beratungsansatz nach Hermann Gieseck: Beraten als Grundform pädagogischen Handelns
4.4 Der Beratungsansatz nach Schlee: Beratung und Supervision in kollegialen Unterstützungsgruppen
4.5 Der Beratungsansatz nach Schley: Das Konzept der Systemberatung und Organisationsentwicklung

5 Vergleich der dargestellten Beratungsformen
5.1 Vergleich der Ziele
5.2 Vergleich der theoretischen Hintergründe
5.3 Vergleich der Beratungsmerkmale

6 Fazit: Beratungsansätze in der Weiterbildungsberatung

7 Resümee

8 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Beratung gilt zwar als „pädagogische Handlungsform“ (Hornstein, 1976) doch stellt sich die Frage, welchen Platz sie innerhalb der Weiterbildung einnimmt. Aussagen wie

„Beratung wird als Strukturelement des Gesamtbildungssystems gesehen. Beratung und WB stehen in einem funktionalen Zusammenhang im Gesamtbildungssystem“ (ebd., 104) betonen die Notwendigkeit einer Beratung innerhalb der Weiterbildung. Tippelt (1997) erwähnt, dass

„Bildungsberatung und auch Weiterbildungsberatung (...) seit dem Strukturplan für das Bildungswesen des Deutschen Bildungsrates als flankierender Bereich der Bildungsreform [gelten]. Weiterbildungsberatung soll insbesondere helfen, pädagogische und bildungspolitische Ziele der Weiterbildung zur erriechen“ (ebd., 1). Doch worin besteht die Notwendigkeit der Beratung für ein Bildungswerk?

Wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus? Worin unterscheiden sich die vielen verschiedenen Beratungsansätze und welcher entspricht am optimalsten der speziellen Weiterbildungssituation? Vorliegende Hausarbeit soll helfen, diese Fragen zu klären und die Bedeutung der Beratung im Rahmen der Weiterbildung aufzuzeigen. Dabei wird zunächst eine begriffliche Bestimmung von Beratung versucht. Anschließend wird die Beratung im Kontext der Weiterbildung skizziert. Bei der Darstellung der verschiedenen Beratungsansätze, wurde eine besondere Gewichtung auf den Rogerschen Ansatz als klassischer Ansatz der Beratung gelegt, da er auch in die Weiterbildungsberatung Einzug gehalten hat.

Die weiteren Ansätze von Mutzeck, Giesecke, Schlee und Schley werden nur grob skizziert und anschließend miteinander verglichen. In einem Fazit wird die Umsetzungsmöglichkeit der dargestellten Beratungsansätze untersucht.

2 Der Begriff der Beratung

Nach Schaub & Zenke (1995) ist der Bedarf an Beratung durch zunehmende Handlungs- und Entscheidungsspielräume in Erziehung, Ausbildung, Beruf und allgemeine Lebenspraxis sowie der wachsenden Komplexität in vielen gesellschaftlichen Bereichen stark angewachsen. Ziel ist es, durch Information, klärende Gespräche, Ermutigung und die gemeinsame Erarbeitung von Entscheidungshilfen den Ratsuchenden zur Selbsthilfe zu befähigen. Nach Mutzeck (1996) bewegt sich Beratung als Form erzieherischen Handelns zwischen den Polen gezielter Beeinflussung (dann Manipulation) und direkter Lenkung einerseits sowie Selbststeuerung und Hilfe zur Selbsthilfe andererseits. Mutzeck definiert damit Beratung als „besondere zwischenmenschliche Interaktion, die im Gegensatz zum Alltagsgespräch planvoll, fachkundig und methodisch geschult durchgeführt wird und die auf einem arbeitsfördernden Vertrauensverhältnis beruht“ (ebd., 1996). Ganz anders definiert dahingegen Thiersch (1991) den Beratungskontext: „Soziale Beratung ist ein methodisch ausgewiesenes, zielorientiertes Arbeits- Arrangement. Als Konzept zielt sie auf Hilfe zur Selbsthilfe im Lebensfeld. In ihrer methodischen Struktur zielt sie auf den prozeßhaften Zusammenhang der Erkenntnis (Wahrnehmung / Diagnose) der Schwierigkeiten, der Klärung und dem Entwurf der Hilfsmöglichkeiten und der Unterstützung und Hilfe in der Erschließung der Ressourcen“ (Thiersch, 1991, 24, zit. n.: Rauschenbach et al., 19969, 138)

Der Beratungsprozess gliedert sich in Anlehnung an Schaub und Zenke (1995) in folgende Schritte:

- Klärung des Beratungsanliegens
- Entwicklung von verschiedenen Lösungsansätzen
- Sammlung entscheidungsrelevanter Informationen
- Gemeinsame Auswertung der Informationen
- Erarbeitung von Entscheidungskriterien
- Hilfen beim Entscheidungsprozess
- Angebote der Realisierungshilfen

Beratungsprozess, Strukturelemente und Kernthesen unterscheiden sich gemäß ihrer Definition von Beratung und ihrer Funktion im jeweiligen Berufsfeld.

Köllner (1996) stellt als herausragend die Strukturelemente der Beratungssituation gegenüber:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die „ soziale Einzelfallhilfe“ als Vertreter Perlman (1969), Maas (1974) u.a. stellen vor allem ihr Sieben Grundsätze der helfenden Beziehung, d.h. der Beratung, heraus:

1. „Individualisierung (...)
2. Sensitiv um Verständnis bemüht sein und zum bewußten Ausdruck von Gefühlen anregen.
3. Kontrollierte gefühlsmäßige Anteilnahme, d.h. Selbstdisziplin beim Berater bezüglich seiner eigenen Bedürfnisse und Gefühle.
4. Die Annahme des Klienten als Person von eigenem Wert.
5. Die nichtrichtende Haltung.
6. Die Selbstbestimmung des Klienten.
7. Die Verschwiegenheit gegenüber Dritten“ (Köllner, 1996, 9).

Auch die Aufgabenfelder der Beratung sind unterschiedlich. Nach Schaub und Zenke (1995) sind Formen der Beratung sind:

- Erziehungsberatung
- Berufsberatung
- Eheberatung
- Schullaufbahnberatung

Mutzeck nimmt dahingehende folgende Einteilung vor:

1. Aufgabenfelder und Ziele von Beratung im Bereich Schule

- Schullaufbahnberatung
- Unterrichtsberatung
- Beratung der Schule als Organisationssystem (Systemberatung)

2. Aufgabenfelder der pädagogischen Beratung

- Pädagogisch - psychologische Beratung

3. Außerschulische Beratungsdienste

- Erziehungs- und Familienberatung
- Berufsberatung
- Suchtberatung

4. Sonderpädagogische Beratung

- pädagogisch- psychologische Beratung
- Schullaufbahn-, Unterrichts- und Systemberatung
- Integrationsberatung

Bei der Pädagogisch- psychologische Beratung muss des weiteren der zugrundeliegende Ansatz beachtet werden (Psychoanalytischer Ansatz, Individualpsy­chologischer Ansatz, Gesprächstherapeutischer Ansatz, Verhaltensthera­peutischer Ansatz, Transaktionsanalytischer Ansatz, Psycho­dra­matischer Ansatz, Ansatz der Themenzentrierten Interaktion, Systemischer Ansatz, Organisationspsychologischer Ansatz, Ansatz der Psychologie des reflexiven Selbst, Didaktischer Ansatz, Elektisches Vorgehen).

3 Beratung in der Weiterbildung

Da Beratung in der Weiterbildung eine spezielle Form der `Beratung´ darstellt, möchte ich an dieser Stelle Beratung im Rahmen der Weiterbildung kurz darstellen.

Bei der Beschäftigung mit der Thematik der Weiterbildungsberatung stellt sich zunächst die Frage nach seiner Notwendigkeit. Besonders Krüger (1978) betont die Notwendigkeit der Beratung im Kontext der Weiterbildung in Hinblick auf Transparenz von Weiterbildungsangeboten : „Der Trend zu längerfristigen, systematisierten Weiterbildungsangeboten und zunehmend differenzierte Kurse im Baukastensystem erfordert nicht nur eine umfassende Informationsver­mittlung, sondern auch Beratung“ (ebd.60ff). Krüger (1978) betont weiter dass „für eine Beratung im Zusammenhang mit organisierten Formen „lebenslangen Lernens“ ist die Bereitstellung vielfältiger Informationen über Lernangebote, Anforderungen, Verwendungsmöglichkeiten etc. unverzichtbar [sind], wenn die Orientierungs- und Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen verbessert werden soll.“ (ebd., 59).

Auch Tippelt (1994) bestätigt die scheinbar veraltete Aussage Krügers mit der These, dass die Institutionalisierung von Weiterbildungsberatungsstellen als kommunale und somit trägerübergreifenden Aufgaben in der zunehmenden Pluralität von Weiterbildung notwendig und effektiv wird. Diese Beratungsstellen haben vor allem drei Aufgaben: 1. Individuelle Personenberatung, 2. Institutionenberatung und 3. Koordinierte Bildungswerbung (vgl. 1994, 274). Eckert et al. (1997) erwähnen als weitere Aufgabenfelder Weiterbildungsberatung die folgenden:

- Bildungslaufbahnberatung
- Motivierende Beratung
- Teilnehmerberatung
- Lernberatung
- Fachberatung
- Systemberatung
- Schullaufbahnberatung
- Berufsbildungsberatung
- Individualpsychologische Beratung und Beratung der Eltern
- Beratung und Lehrerbildung
- Öffentlichkeitsarbeit und Ansprache von Zielgruppen
- Information, Beratung, Motivierung von einzelnen, Einzelberatung und Gruppenarbeit
- Informationssammlung und Informationsaufbereitung, Ermittlung von Weiterbildungsbedarf
- Trägerberatung, Zusammenarbeit mit Weiterbildungseinrichtungen und Mitarbeit an der kommunalen Bildungs- und Weiterbildungsplanung

3.1 Formen der Beratung

Neben der Unterscheidung nach Aufgabenfelder wird auch in trägergebundene und trägerübergreifende Beratung unterteilt.

3.1.1 Trägergebundene Beratung

Der Weiterbildner, der im Rahmen seines Trägers Beratung durchführt ist in die

Probleme des Lernenden und den Lernprozess unmittelbar eingebunden: „Der Weiterbildner, der Beratung so in sein alltägliches Handeln einbezieht, wäre damit anders als der institutionell etablierte und etikettierte Berater unmittelbar in die Widersprüche des Lernenden und des Lernprozesses selbst eingebunden bzw. ihnen ausgeliefert“ (Tippelt, 1994, 273). Trägergebundene Beratung umfasst unterschiedliche Aufgaben:

- Kurswahlberatung,
- Einstufungsberatung,
- Beratung bei Zertifikatskursen,
- Zielgruppenberatung,
- Sozialpädagogische Beratung,
- Individualberatung,
- Beratung von Multiplikatoren,
- Beratung der Kursleiter.

3.1.2 Trägerübergreifende Beratung

Aufgabenschwerpunkte der trägerübergreifenden Beratung nach Braun & Fischer (1981):

„(1) Information, Beratung und Motivierung der Ratsuchenden durch Einzelbe­ratung und Gruppenarbeit;
(2) Zielgruppenansprache und Öffentlichkeitsarbeit;
(3) Informationssammlung und -aufbereitung; Ermittlung von Weiterbildungs­bedarf und Angebotsdefiziten;
(4) Trägerberatung, Zusammenarbeit mit Weiterbildungseinrichtungen, Mitarbeit an der kommunalen Bildungs- und Weiterbildungsplanung“ (Eckert et al. 1997, 20).

Basis einer kompetenten trägerübergreifenden Beratung sind vor allem aktuelle Informationen über Weiterbildungsangebote, um die Transparenz des Marktes potentiellen Teilnehmern zu vermitteln. Es gibt hier vor allem drei Grundformen:

- Qualifizierungsberatung,
- Förderungsberatung,
- Weiterbildungsberatung.

3.2 Ziele der Weiterbildungsberatung

Der Deutsche Bildungsrat definiert das Ziel der Weiterbildungsberatung wie folgt: „Bildungsberatung hat im gegenwärtigen System vordringlich zur Milderung der Mängel beizutragen, die durch geringe Durchlässigkeit verursacht sind. Sie muß dazu beitragen, daß das Angebot bestmöglich genutzt und die Chancen zunehmender Durchlässigkeit wahrgenommen werden. (...) Bildungsberatung läßt sich nur als Einheit denken, die vom Elementarbereich bis in die Weiterbildung reicht.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Beratung in der Weiterbildung. Beratungsansätze im Vergleich
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Andragogik)
Veranstaltung
Seminar: Beratung in der Weiterbildung
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
35
Katalognummer
V6983
ISBN (eBook)
9783638144087
ISBN (Buch)
9783638697194
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beratung, Weiterbildung, Beratungsansätze, Vergleich, Seminar
Arbeit zitieren
Dipl. Päd., Andragogin Cornelia Leistner (Autor), 2002, Beratung in der Weiterbildung. Beratungsansätze im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6983

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