Im Herbst 2000 nahm ich im Klinikum Karlsruhe an einer Veranstaltung teil, die sich mit der Einführung eines pauschalisierten Entgeltsystems, den DRGs, beschäftigte.
Ich konnte mir anfangs nicht richtig vorstellen, was in den veranschlagten 3-4 Stunden auf mich zukommen würde, aber bereits nach der ersten Hälfte wurde mir klar, dass hier ein sehr komplexes System in den Krankenhäusern Einzug halten wird, das zudem einen enormen Handlungsbedarf seitens der verantwortlichen Führungskräfte nach sich zieht, weil völlig neue Regeln zur Vergütung stationärer Leistungen zu entwickeln sind und der Zeitrahmen bis zur Einführung knapp bemessen ist.
Die Veranstaltung hat mein Interesse an dem Thema geweckt und im Laufe der nächsten Wochen habe ich sowohl in Fachzeitschriften und im Internet, als auch in persönlichen Gesprächen mein Wissen über dieses Patientenklassifikationssystem vergrößert. Je mehr ich mich informierte, desto bewusster wurde mir, dass sich hier auch für die Pflege einiges verändern wird. Darauf muss die Pflege vorbereitet sein.
Antworten auf die Fragen zu finden "was wird sich für die Pflege an Veränderungen ergeben?" und "wie sehen die nötigen Vorbereitungen dafür aus?", waren für mich ausschlaggebend, mich noch detaillierter mit dem geplanten Entgeltsystem auf Basis der DRGs auseinander zu setzen, mit dem Ziel, mir eine eigene Mei-nung zu bilden, um mitreden und mithandeln zu können.
Mit der vorliegenden Hausarbeit möchte ich meine Gedanken und Antworten hierzu erläutern.
Im ersten Teil erkläre ich, worum es sich bei den DRGs handelt und erörtere deren Systematik.
Darauf aufbauend erläutere ich die sich ergebenden nötigen Vorbereitungen der Pflege, in bezug auf Pflegekosten, Pflegedokumentation, sowie Maßnahmen zur Beteiligung der Pflege an der Codierung.
Im letzten Abschnitt zeige ich mögliche Veränderungen von klinischen Strukturen und Abläufen auf und erläutere, welche Chancen sich hieraus ergeben könnten.
In den jetzigen Zeiten der Systementwicklung des Deutschen DRG-Systems unterliegt alles einer Dynamik, die mitunter zu monatlichen Veränderungen wichtiger Rahmenbedingungen führt. Trotzdem werde ich mich bemühen, die Inhalte der Hausarbeit immer auf dem aktuellen Sachstand zu halten.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik der Diagnosis Related Groups
1.1. Die Systematik des AR-DRG-System
1.2. Die Kostenkalkulation
1.2.1. Kostenfaktor Pflege
2. Notwendige Vorbereitungen der Pflege
2.1. Bedeutung der (Pflege)Dokumentation in DRG-Systemen
2.1.1. Verbesserung der Pflegedokumentation
2.2. Beteiligung der Pflege an der Codierung
2.2.1. Massnahmen zur Beteiligung der Pflege an der Codierung
3. Aussichten
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Einführung des pauschalisierten DRG-Entgeltsystems auf die Pflege in deutschen Krankenhäusern auswirkt und welche notwendigen Vorbereitungen seitens der Pflegenden zu treffen sind, um in diesem neuen System handlungsfähig zu bleiben.
- Grundlagen des AR-DRG-Systems und deren Auswirkungen auf die Krankenhausfinanzierung.
- Die zentrale Rolle der qualifizierten (Pflege)Dokumentation als Basis für die Leistungserfassung.
- Notwendigkeit und praktische Umsetzung der Beteiligung der Pflege an der medizinischen Codierung.
- Optimierung von klinischen Abläufen durch Prozesssteuerung und Patientenpfade.
Auszug aus dem Buch
2.2. Beteiligung der Pflege an der Codierung ( ICD 10 und OPS 301 )
Wie ich bereits mehrfach erwähnt habe, hat die gesamte berufsgruppenübergreifende klinische Dokumentation in DRG-Systemen eine bedeutende Rolle inne. Sie besteht aus zwei Schwerpunkten: der medizinischen Dokumentation in der Patientenakte und der Codierung von Diagnosen und medizinischen Prozeduren.
Nachdem ich im vorhergehenden Kapitel den Einfluss der Pflegedokumentation erläutert habe, möchte ich im Folgenden die Bedeutung der Codierung erklären:
Der verschlüsselte klinische Datensatz eines Patienten wird im Gruppierungsprozess verwendet und ist schlussendlich maßgebend für die Zuordnung in eine Fallgruppe und somit auch für die Zuteilung des fixen Entgeltes. Ausser der Hauptdiagnosenverschlüsselung trägt auch die Codierung der Therapien und Prozeduren massgeblich zur Entgeltermittlung bei. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, in der Vorbereitungsphase zur Einführung der DRGs das Ziel einer hohen Codierqualität zu verfolgen. Die aufgeführten, codierten Leistungen belegen durchgeführte Diagnostik und Therapien und zeigen verbrauchte Ressourcen auf. Dies ist auch im Hinblick auf die Ermittlung der Baserate und der Vereinbarung der Relativgewichte (s. Kapitel 1.3.) von entscheidender Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik der Diagnosis Related Groups: Dieses Kapitel erläutert das neue Fallpauschalensystem und dessen Zielsetzung sowie die methodischen Grundlagen der Fallgruppenbildung.
1.1. Die Systematik des AR-DRG-System: Hier wird der Gruppierungsalgorithmus erklärt, der Patienten anhand von Diagnosen und Prozeduren in homogene Fallgruppen einteilt.
1.2. Die Kostenkalkulation: Dieses Kapitel beschreibt, wie aus den Behandlungskosten eines Jahres die Relativgewichte und der Basisfallpreis für die zukünftige Vergütung ermittelt werden.
1.2.1. Kostenfaktor Pflege: Hier wird die Relevanz der Pflegekosten als wesentlicher Bestandteil der Gesamtkosten und die Notwendigkeit ihrer Erfassbarkeit unterstrichen.
2. Notwendige Vorbereitungen der Pflege: Dieser Teil befasst sich mit den organisatorischen und prozessualen Anforderungen, die durch das DRG-System an die Pflege gestellt werden.
2.1. Bedeutung der (Pflege)Dokumentation in DRG-Systemen: Dieses Unterkapitel beleuchtet den Bedeutungszuwachs der Pflegedokumentation hinsichtlich ihrer Rolle für Qualitätssicherung und Abrechnungsnachweis.
2.1.1. Verbesserung der Pflegedokumentation: Hier werden konzeptionelle Ideen zur Optimierung der Dokumentation, unter anderem durch EDV-Unterstützung, vorgestellt.
2.2. Beteiligung der Pflege an der Codierung: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit, das Fachwissen der Pflege aktiv in den Prozess der medizinischen Codierung einzubeziehen.
2.2.1. Massnahmen zur Beteiligung der Pflege an der Codierung: Hier werden praktische Lösungsansätze wie die Gründung eines DRG-Kompetenzzentrums und kontinuierliche Prozesskontrollen beschrieben.
3. Aussichten: Dieses Kapitel diskutiert die zukünftigen Entwicklungen im Krankenhauswesen, insbesondere den Wandel hin zu einer prozessorientierten Organisation durch Patientenpfade.
4. Zusammenfassung: Hier werden die zentralen Ergebnisse der Hausarbeit resümiert und die Bedeutung einer aktiven Mitgestaltung durch die Pflegedienstleitungen betont.
Schlüsselwörter
DRG, Krankenhausfinanzierung, Pflegedokumentation, Codierung, Fallpauschalen, Leistungserfassung, PPR, Patientenpfade, Prozessorientierung, Klinikmanagement, ICD-10, OPS-301, Pflegeaufwand, Erlösrelevanz, Krankenhausmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umstellung der Krankenhausfinanzierung in Deutschland auf das DRG-System und untersucht dabei, wie sich die Rolle der Pflege verändert und welche Vorbereitungen für ein erfolgreiches Arbeiten unter neuen ökonomischen Rahmenbedingungen notwendig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Systematik der AR-DRGs, der Relevanz einer präzisen (Pflege)Dokumentation, der aktiven Beteiligung der Pflege an der medizinischen Codierung sowie der Optimierung von Behandlungsprozessen durch Patientenpfade.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Antworten auf die Fragen zu finden, welche Veränderungen sich für die Pflege durch das DRG-System ergeben und wie notwendige Vorbereitungen konkret aussehen müssen, um eine hohe Qualität der Leistungserfassung und Codierung sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des geplanten Vergütungssystems, verknüpft mit praktischen Erfahrungen aus dem Klinikum Karlsruhe und der Evaluierung von Instrumenten wie der Pflegepersonalregelung (PPR) und internationalen Erfahrungen mit Patientenpfaden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einführung in die DRG-Systematik inklusive Kostenkalkulation und die detaillierte Erläuterung der notwendigen Vorbereitungen der Pflege, unterteilt in die Optimierung der Dokumentation und die Beteiligung an der Codierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie DRG, Pflegedokumentation, Codierung, Fallpauschalen, Prozessorientierung und Patientenpfade charakterisiert.
Warum ist die Pflege für die Codierung im DRG-System so entscheidend?
Die Autorin argumentiert, dass viele pflegerelevante Nebendiagnosen (z.B. Inkontinenz oder Dekubitus) entscheidend für die Eingruppierung in eine höher bewertete Fallgruppe sein können; ohne die Beteiligung der Pflege würden diese Informationen oft nicht erfasst, was zu erheblichen Erlöseinbußen führt.
Wie kann eine qualitativ hochwertige Codierung praktisch umgesetzt werden?
Die Autorin schlägt die Gründung eines internen DRG-Kompetenzzentrums vor, das durch berufsgruppenübergreifende Schulungen, den Einsatz von EDV-Unterstützung und eine regelmäßige stichprobenartige Qualitätskontrolle die Codierqualität systematisch optimiert.
- Quote paper
- Carmen Dollinger (Author), 2001, DRGs - Die Pflege bereitet sich vor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6985