Schriftliche Unterrichtsvorbereitung - Grundhaltungen für gelingende Partnerschaft


Unterrichtsentwurf, 2005
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thema – Themenbereich – Sequenzplanung:

2. Berücksichtigung der Schülersituation
2.1 Klassensituation
2.2 Schülerkonstellation und -konzeption
2.3 Thematik der Stunde im Kontext der Schülersituation

3. Sachanalyse
3.1 Theologische Relevanz
3.2 Humanistische Relevanz
3.3 Lebensbezug des Themas

4. Didaktische Analyse

5. Ziele
5.1 Stundenziel
5.2 Feinziele

6. Methoden- und Medienreflexion
6.1 Sozialformbegründung
6.2 Methodenwahl
6.3 Medienwahl

7. Verlaufsplan

8. Anlagen
8.1 Tafelbild
8.2 Heftchen
8.3 Stationen

9. Literatur- und Quellenverzeichnis:

1. Thema – Themenbereich – Sequenzplanung:

Ein wichtiger Themenbereich in der zehnten Jahrgangsstufe der Realschule ist „10.2 Auf dem Weg zur Partnerschaft: Ehe und Familie aus christlicher Sicht“. Die pubertierenden Schüler stellen sich die Frage nach ihrem Lebenssinn und ihrer Zukunft. Sie beginnen sich mit Gesellschaft, Erwartungen aus dem Umfeld und eigenen Zielvorstellungen auseinanderzusetzen. Der Themenbereich 10.2 eignet sich dazu, die jungen Menschen auf ihrer Suche nach gelingender Partnerschaft zu begleiten und ihnen Lebenshilfen aufzuzeigen.

Vorgaben des Lehrplans:

Die Schülerinnen sollen in diesem Themenbereich eigene und fremde Erwartungen rund um das Thema Partnerschaft erkennen und in Frage stellen. Das Thema der Stunde wird ähnlich bereits im Lehrplan genannt, wenn es dort heißt: „wünschenswerte Grundhaltungen und Regeln für partnerschaftliches Verhalten“[1] In der Prüfungsstunde werden des weiteren Einleitungsgedanken des Lehrplans aufgegriffen und in Stationen erarbeitet, z.B. „die Einmaligkeit und Andersartigkeit des Anderen zu akzeptieren.“[2]

Die Prüfungsstunde ist die dritte Stunde der Sequenz. Vorausgegangen ist die Grundsätzliche Thematisierung von Liebe, in der die Schülerinnen bereits über persönliche Vorstellungen nachdachten, sich anhand 1Kor 13 mit der idealen Liebe beschäftigten und sich mit Gottes Liebe auseinandersetzen konnten. In den folgenden Stunden wird den Mädchen die christliche Ehe aufgezeigt. Die Prüfungsstunde kann die Schülerinnen offen werden lassen, zur Basis werden und auf die persönlichen Erfahrungen und Einstellungen eingehen.

2. Berücksichtigung der Schülersituation

2.1 Klassensituation

In der Klasse 10a der X.- Mädchenrealschule sind 24 Schülerinnen. Die Mädchen stammen alle aus Deutschland und zeigen mittleres bis stärkeres Interesse am Religionsunterricht. Da wir als Studenten in dieser Klasse nur einmal in der Woche eine Stunde am Unterricht teilnehmen, kann im Folgenden der Arbeit nicht auf jede Schülerin einzeln eingegangen werden, da die Kenntnisse über die Mädchen doch sehr gering sind.

Das Klassenzimmer ist sehr klein, und die Schülerinnen sitzen eng beieinander. Aus diesem Grund wechseln wir am Tag der Prüfung ins Nachbarzimmer, das ihnen aber aus vorangegangenen Religionsstunden nicht mehr unbekannt ist. Es ist daher auch mit keinen negativen Auswirkungen zu rechnen.

Die Klasse macht einen harmonischen Eindruck, und es wurden bislang keine Spannungen deutlich. Die meisten Schülerinnen machen einen reifen und selbstbewussten Eindruck, was ihrem Alter und ihrer Entwicklungsphase entspricht.

2.2 Schülerkonstellation und -konzeption

Die Schülerinnen sind nun zunehmend als eigenständige Persönlichkeiten gefordert. Man kann von ihnen erwarten, dass sie fähig sind, auch komplexe Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und Zusammenhänge zu erschließen. Die Jugendlichen sind nach Piaget in einer Altersstufe zwischen 12 und 16 Jahren zu hypothetischem oder theoretischem Denken fähig[3]. Bislang ist in der Klasse keine Schülerin aufgefallen, auf die das nicht zutreffen würde.

Aus Unterrichtbeiträgen wurde deutlich, dass die Mädchen eigene Meinungen und Einstellungen haben, diese im Klassenverband vertreten und z.B. in Diskussionen selbstbewusst einbringen.

Die Religionsklasse macht im religiösen Bereich einen recht homogenen Eindruck, über die kirchliche Situation lassen sich allerdings keine Aussagen treffen.

Auf die meisten Jugendlichen, die sich selbst als religiös beschreiben, trifft nach Fowler wohl der synthetisch- konventionell geprägte Glaube zu. Das ist noch kein persönlicher Glaube, sondern ein von Familie und Sozialkreis übernommener. Einige in der Klasse werden aber sicherlich an der Schwelle stehen zum Individuierend-reflektierenden Glauben. Sie beginnen mit der kritischen Überprüfung übernommener Werte, Normen und Symbolen. Einige tendieren vielleicht dazu den Glauben aufzugeben.

Das Gottesbild der Schüler in einer zehnten Jahrgangsstufe lässt sich nach Oser unterscheiden, in ein Do-ut-des- Denken und Deismus. Beim ersteren dominiert die Vorstellung, dass der Mensch auf Gott einwirken kann, durch gute Taten können mögliche Sanktionen abgewehrt werden. Deistisches Gedankengut drückt sich aus, dass Gott nicht in das Weltgeschehen eingreift. Oft geht dieses Denken mit einer Ablehnung der Existenz Gottes einher. In dieser Glaubensstufe stehen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Menschen im Mittelpunkt. Dieses Denken erwächst oft aus einer Enttäuschung aus der vorherigen Stufe.

Die Schülerinnen könnten sich gerade auch im Übergang von Stufe 2 auf 3 befinden, die meist dann folgt, wenn Jugendliche spüren, dass Dinge geschehen, auf die kein Mensch Einfluss haben kann. Sie halten für sich fest, dass der Mensch Gott nicht beeinflussen kann. Diese Gedanken spiegeln sich oft in einer Ablehnung religiöser Praktiken aber dem Annehmen einer religiösen Wirklichkeit wieder.[4]

Die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe befinden sich in der Pubertät und nach Erikson somit in einer Phase, die von Identität gegenüber Identitätsdiffusion geprägt ist. In dieser Zeit der Adoleszenz wird gezweifelt, ausprobiert, überlegt und verworfen, wie in keinem anderen Lebensabschnitt. Die Jugendlichen erleben tiefe Krisen und suchen neue Bezugspersonen. Die Schüler sehen sich mit kognitiver und körperlicher Reifung konfrontiert, bewegen sich in der Spanne zischen Kind- und Erwachsensein. Oft sind sie von ihren eigenen Stimmungsschwankungen und denen ihrer Freunde überrascht und fühlen sich überfordert. Wichtig ist in dieser Alterstufe die Anerkennung durch Gleichaltrige. Es bilden sich Gruppen und Cliquen, und die Jugendlichen suchen nach zuverlässigen Werten. Sie fühlen sich oft missverstanden und zweifeln am Sinn ihrer Existenz. Gerade in der zehnten Klasse sehen sie sich aber auch gefordert in der zunehmenden Verantwortungsübernahme im Schulalltag. Sie erkennen immer mehr, dass sie an der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft mitwirken können. Es soll auch ein Beitrag des Religionsunterrichts sein, ihnen die Notwendigkeit und die Chance aufzuzeigen, die darin liegt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

2.3 Thematik der Stunde im Kontext der Schülersituation

Entsprechend dem Entwicklungsstand der Schüler ist diese Zeit geprägt von der Suche nach sich selbst. Sie brauchen Hilfen, ihren Lebensentwurf zu finden und zu festigen. Sie machen ihre Ziele fest an Idolen und Stars aber auch an traditionellen Werten. Sie sollen begreifen, dass in ihnen positive Kräfte stecken, dass Schwächen dazugehören. Die Mädchen werden immer mehr dazu hingeführt, die eigene Zukunft selbst zu gestalten. Sie erkennen, dass sie selbst zum eigenen Glück und einer gelingenden Partnerschaft ihren Beitrag leisten müssen. Die Schülerinnen haben ein Bedürfnis nach Geborgenheit, Liebe und Sicherheit aber auch nach dem Ausprobieren von neuem. Aus diesem Grund sind viele auf der Suche nach einer verlässlichen Beziehung. In aktuellen Umfragen wird immer wieder deutlich, dass Partnerschaft und Familie hoch im Kurs stehen. Und das obwohl oder vielleicht aufgrund der vielen Scheidungen in unserer Gesellschaft. Wenn jede dritte Ehe geschieden wird, und es immer mehr Patchworkfamilien oder allein erziehende Elternteile gibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Mädchen dieser Klasse davon betroffen sind. Diese Erfahrung könnte sich in einer realistisch-pessimistischen Einstellung gegenüber Beziehung und Ehe oder in einer verstärkten Sehnsucht nach glückender Beziehung äußern.

3. Sachanalyse

3.1 Theologische Relevanz

Die jungen Menschen werden unterschiedlich von dem Thema Beziehung berührt sein, die einen sehnen sich danach, die anderen haben schon konkrete Erfahrungen, aber betreffen wird es sie alle. Nirgends sonst zeigt sich der kulturelle Umbruch so deutlich wie im Beziehungsverhalten. Unsere Gesellschaft ist auf der Suche. Freiheit, Lust und Spaß, aber auch Verbindlichkeit, Treue und Verantwortung werden als Werte neu entdeckt.

Der Themenbereich 10.2 umfasst das Thema Ehe. Im Folgenden werden theologische Überlegungen zu Rate gezogen, die in der Regel Partnerschaft in Form der Ehe im Blick haben. Allerdings können viele Gesichtspunkte auch für eine Beziehung (vorerst noch) ohne Trauschein gelten.

Liebe und Partnerschaft in der Bibel

Das Thema Liebe und Partnerschaft ist kein Tabuthema in der Bibel, auch wenn das oft vermutet wird. Das Hohe Lied erzählt nur von Liebe und Zärtlichkeit, und in vielen weiteren Erzählungen wird dieses Thema aufgegriffen bspw. im Buch Rut.

Die Freundschaft zwischen Menschen ist ein Angebot Gottes, er selbst ist also mit im Spiel und bereichert diese Beziehung. Die Kirche, die ihren Beitrag zum gelingenden Leben leisten will, sieht sich herausgefordert, gerade jungen Menschen die Werte, die eine Beziehung bereichern, neu herauszustellen. Diese sollen helfen, „die Schönheit und Größe [der] Berufung zur Liebe […] zu entdecken“[5].

Das christliche Verständnis von heterogener Partnerschaft ist in der Schöpfungsordnung grundgelegt. Gott, der selbst die Liebe ist, hat den Menschen aus Liebe erschaffen und zur Liebe befähigt und berufen. Kein Mensch kann also ohne Liebe leben. In der Liebe zwischen Mann und Frau spiegelt sich also zugleich die Gottesliebe wieder, und sie zeigt die Gottebenbildlichkeit auf.[6]

Obgleich der Sünde ist die Ehe von Gott mit in das Erlösungsgeschehen miteinbezogen. Der Bund von Mann und Frau wird bereits im Alten Testament, z.B. bei Hos 1-3 oder Jes 54, transzendiert auf den Bund Gottes mit den Menschen.[7]

Jesus äußert in Mk 10,2-9 par seine Einstellung gegenüber Ehe, wenn er die Frage über die Scheidung beantwortet. Es geht ihm nicht um einen Streit um die Auslegung der Gesetze, sondern er verweist auf Gottes Schöpfung. Daher sind seine Aussagen über Ehescheidung nicht als Gesetz sondern als „Ausdruck des Neuen Bundes“[8] zu verstehen.

Paulus nimmt ebenfalls Stellung zu Fragen der Ehe und Liebe. In seinem Hohen Lied der Liebe (1 Kor 13) beschreibt er die ideale Liebe, die zur Orientierung für alle Menschen werden soll. Des Weiteren regt er an, dass sich ein Paar orientieren soll an Jesu Liebe, Treue, Hingabe und Gehorsam (z.B. Kol 3-18, 1 Petr. 3,1-7). Der Bund von Mann und Frau wird zum Abbild des Bundes zwischen Jesus und der Kirche (Eph 5,21-31).

Von Partnerschaft und Ehe

Die christliche Theologie versteht den Menschen in seiner Sexualität als Geschöpf Gottes und begreift dies zugleich als Gabe und Aufgabe. Allerdings beschäftigt sie sich mit der Frage, wie ein Ausleben der Sexualität gelingen kann, die der Würde der Person gerecht wird und in der sich die Liebe Gottes widerspiegelt. Die Kirche sieht die einzige Möglichkeit dieser Gestaltung von Sexualität in der Ehe.[9] Diese feste und auf Dauer angelegte Verbindung von Menschen ermöglicht einen Schutzraum für die Liebe. Die Partnerschaft von Mann und Frau ist auf Zeugung menschlichen Lebens ausgerichtet. Ein Kind ist somit „Frucht der gemeinsamen Liebe“[10]. Die Kirche weiß allerdings um die Schwierigkeiten, die viele mit der Umsetzung ihrer Handlungsempfehlungen haben. Und doch hält sie an ihren Einsichten fest, will weiter Wegweiser sein und versteht sich als Ratgeber zum Gelingen einer Partnerschaft.

[...]


[1] Lehrplan 10. Klasse Realschule; S. 496

[2] Lehrplan 10. Klasse Realschule; S. 496

[3] vgl. Handreichungen 7(1); Arbeitshilfen zum Lehrplan Katholische Religionslehre an der Hauptschule; S. 62

[4] vgl. Oser/Gmünder: Der Mensch. Stufen seiner religiösen Entwicklung; S. 94

[5] Katholischer Erwachsenen Katechismus; S. 386

[6] vgl. Katholischer Erwachsenen Katechismus; S. 387

[7] vgl. Katholischer Erwachsenen Katechismus; S. 387

[8] Katholischer Erwachsenen Katechismus; S. 388

[9] vgl. FC 11

[10] Katholischer Erwachsenen Katechismus; S. 392

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Schriftliche Unterrichtsvorbereitung - Grundhaltungen für gelingende Partnerschaft
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V69850
ISBN (eBook)
9783638607810
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema der Stunde: Grundhaltungen für gelingende Partnerschaft, Ziel der Stunde: Die Schülerinnen werden aufmerksam auf die Grundhaltungen, die für eine gelingende Partnerschaft wichtig sind 10. Klasse Realschule
Schlagworte
Schriftliche, Unterrichtsvorbereitung, Grundhaltungen, Partnerschaft
Arbeit zitieren
Steffi Hoffmann (Autor), 2005, Schriftliche Unterrichtsvorbereitung - Grundhaltungen für gelingende Partnerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69850

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