Der Roman Sofies Welt als Lektüre im Deutschunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

35 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Roman „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder
2.1 Sachanalyse
2.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Aspekte
2.1.2 Untersuchung von Aufbau und Sprache
2.2 Didaktische Analyse
2.2.1 Das Buch „Sofies Welt“
2.2.2 „Sofies Lexikon“ von Otto Böhmer
2.2.3 Die CD-ROM
2.2.4 Das Arbeitsbuch zu „Sofies Welt“
2.3 Einordnung der Lektüre in Schulart und Jahrgangsstufe
2.4 Pädagogisch – psychologische Einschätzung
2.5 Methodische Überlegungen zu „Sofies Welt“
2.5.1 Gesamtkonzeption
2.5.2 Die Lektüre des Buches – begleitet durch ein Lesetagebuch
2.5.2.1 Theoretischer Ansatz zum Lesetagebuch
2.5.2.2 Unterrichtskonzeption für das Lesetagebuch
2.5.3 Einführende Unterrichtsstunde in die Thematik „Philosophie“
2.5.3.1 Unterrichtsskizze
2.5.3.2 Didaktisch – methodische Begründung
2.5.4 Entwurf eines abschließenden Unterrichtsprojekts zur Lektüre
2.5.4.1 Didaktische Vorüberlegungen
2.5.4.2 Methodische Planung

3. Schlussbemerkung

4. Anhang
4.1 Ideenblatt
4.2 Philosophische Karteikarte
4.3 Kapitelübersicht
4.4 Titelblatt
4.5 Entwurf des Tafelbildes „Philosophie“

5. Literatur-/Quellenverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
5.3 Internet
5.4 Moderne Medien

1. Einführung

„Sofies Welt“ – ein literarischer Überraschungserfolg für alle, der wochenlang die Bestsellerlisten anführte und bis heute zu den erfolgreichsten modernen Jugendbüchern zählt. Selbst sein Verfasser, der Norweger Jostein Gaarder, hätte nicht mit dem immensen Erfolg seiner Philosophiegeschichte für Kinder gerechnet. Worin liegt nun das Geheimnis dieses Romans, der nicht nur bei Jugendlichen sondern vor allem bei den Erwachsenen einen derartigen Siegeszug antrat? Eine mögliche Antwort ist im Klappentext des Buches formuliert, der es folgendermaßen zu erklären versucht:

Ein Roman über zwei ungleiche Mädchen und einen geheimnisvollen Briefeschreiber, ein Kriminal- und Abenteuerroman des Denkens, ein gescheites, geistreiches, witziges Buch, ein großes Lesevergnügen – und zu allem eine Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart.[1]

Damit werden der Inhalt des Buches, seine Besonderheiten und seine Faszination auf eine herausragende Weise charakterisiert. Jostein Gaarder trifft mit seinem Werk in eine Marktlücke, nämlich die der philosophischen Kinderbücher. Er erklärt diese komplexe Materie nicht nur, sondern er verbindet sie mit einer spannenden Erzählung.

Somit liegt der Gedanke, dieses besondere Buch im Unterricht einzusetzen, nicht fern. Doch es stellt sich die Frage, ob dies überhaupt möglich ist und falls ja, in welcher Form dies geschehen könnte. Die vorliegende Arbeit versucht eine Antwort darauf zu finden und einige Lösungsvorschläge zu präsentieren.

Dabei soll das Buch im ersten Teil der Arbeit mit Hilfe einer sachlichen Analyse auf seine literarischen und strukturellen Eigenarten untersucht werden. Anschließend sollen der Roman und einige Begleitmaterialien von einem didaktischen Blickwinkel aus betrachtet werden. Der Schwerpunkt der zweiten Hälfte der Arbeit soll auf die Erstellung eines Unterrichtskonzepts für eine neunte Klasse Gymnasium gelegt werden, wobei ein Vorschlag für die Texterschließung gemacht und anschließend exemplarische Unterrichtsideen entworfen werden sollen.

2. Der Roman „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder

2.1 Sachanalyse

2.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Aspekte

Das Buch „Sofies Welt“ wird von Jostein Gaarder selbst im Untertitel als „ein Roman über die Geschichte der Philosophie“[2] bezeichnet. Dies gibt dem Leser einen ersten Anhaltspunkt in Bezug auf Thema und Gattung des Buches. Dennoch gibt es in der Sekundärliteratur widersprüchliche Meinungen über das Genre des Buches. Es wurde sogar eine neue Bezeichnung für diese Art der Gattungsmischung erfunden: „Querbuch“[3] Der überwiegende Teil der Fachwelt stimmt allerdings darin überein, dass „Sofies Welt“ ein Roman ist, der mit den Elementen eines Sachbuchs verbunden wurde. So wird in romanhafter Form die Geschichte von Sofie und Hilde erzählt, deren Leben auf überraschende Weise miteinander verwoben ist. Dadurch erzeugt Gaarder immer wieder Spannung und es entstehen häufig Fragen nach dem Täter oder Motiv. Dies löst das Buch von einer reinen Kategorisierung als Roman, denn es hat durchaus Bestandteile einer Abenteuer – oder Kriminalgeschichte. Auf der anderen Seite wird die europäische Philosophiegeschichte in die Romanhandlung eingebettet, sodass „Sofies Welt“ auch als Sachbuch bezeichnet werden kann. Astrid Wolf erwägt in ihrer Arbeit über „Sofies Welt“[4] sogar die Möglichkeit eines Entwicklungsromans, denn „die Veränderung, die Sofie erfährt, spiegelt ein Stück der Entwicklung [...] vom Kind zum Erwachsenen wieder“[5]. Diese Einordnung sollte jedoch kritisch gesehen werden, denn es ist fraglich, ob die Darstellung der Entwicklung Sofies das Hauptziel Gaarders war und sie letztendlich als erwachsene Person zu sehen ist.

Thematisch steht die Darstellung der Hauptströmungen der europäischen Philosophiegeschichte im Mittelpunkt. Diese erfolgt durch die exemplarische Beschäftigung mit einzelnen Philosophen, wobei die Vorgehensweise chronologisch ist. Begonnen wird mit dem Übergang vom mythischen Zeitalter zur Antike. Darauf folgen Mittelalter, Renaissance, Barock, Aufklärung, Romantik und abschließend das 19. und 20. Jahrhundert. Neben dem zentralem Thema ‚Philosophiegeschichte’ werden Fragen nach der eigenen Identität und Existenz aufgeworfen und nach dem Verhältnis von Wirklichkeit und Fantasie geforscht[6]. Zusätzlich werden im Roman die Lebensweisen zweier junger Mädchen angesprochen und aktuelle Themen wie die Rolle der UNO oder der Konflikt zwischen den verschiedenen Weltreligionen angeschnitten.

Im Gegensatz zu den sehr komplexen Themen der Philosophie sind die Figuren bzw. Personen im Roman sehr natürlich gestaltet. Gaarder versucht eine normale Familie nachzuzeichnen, in der der Vater durch seinen Beruf nur sehr selten zu Hause ist und die Mutter tagsüber arbeitet, sodass das Mädchen sehr oft sich selbst überlassen ist. Sofie, eine der Hauptpersonen, ist ein 14-jähriges Mädchen, das bereits sehr reif und intellektuell aufgeschlossen ist. Sie lässt sich auf den Philosophiekurs bereitwillig ein und ist für Gaarder eine ideale Schülerin. Sie macht auch eine Entwicklung im Laufe der Handlung mit, sodass der oben erwähnte Ansatz von Astrid Wolf doch auch Sinn machen kann. Die Parallelfigur zu Sofie ist Hilde, an die der Philosophiekurs eigentlich gerichtet ist. Sie scheint Sofie in ihrem Charakter sehr ähnlich, ist jedoch äußerlich verschieden. Die Freundin Sofies, Jorunn, wird dagegen wie ein typisches junges Mädchen dargestellt, deren Interessen nicht unbedingt im intellektuellen Bereich liegen. Insgesamt entwirft Gaarder ein positives Bild der Jugendlichen, doch es erscheint manchmal sehr realitätsfern. „Sofies Welt“ ist dennoch kein typisches Jugendbuch, das sich mit den Problemen der Jugendlichen auseinander setzt.

Die Erwachsenen im Buch sind sehr gegensätzlich. Der Vater von Hilde schreibt den Philosophiekurs für sie, um sie für die Welt zu interessieren. Er übernimmt damit eine Art Lehrrolle. Die Mütter erscheinen als Typen, das bedeutet, sie leben ein alltägliches Leben und interessieren sich nicht für tiefer gehende Probleme. Als Charaktere sind eigentlich nur Sofie und Hilde zu bezeichnen, während die anderen Figuren lediglich auf ihre Rolle beschränkte Eigenschaften aufweisen.

Es gibt keine geschlechterspezifischen Unterschiede im Buch, Männer und Frauen erscheinen in Bezug auf Intellekt und Möglichkeiten gleichberechtigt im Roman. Die Familie ist als Wert durchaus hoch angesetzt, denn für die Mädchen ist es selbstverständlich, Vater und Mutter zu haben. Dennoch ist es wichtig zu sehen, dass Geschlechter- und Familienrollen im Roman nicht explizit thematisiert werden. Interessant ausgestaltet ist dagegen die Rollenverteilung im Philosophiekurs. Bernhard Rank bezeichnet es als „idealisiertes Lehrer-Schüler-Verhältnis, das [...] etwas von der Bewunderung jugendlich-weiblicher Schülerinnen für die Intelligenz und Väterlichkeit ihrer männlichen Lehrer an sich hat“[7]. Für Sofie wird Alberto, bedingt durch das Fehlen ihres Vaters, zu einer Ersatzfigur, die durch den Kurs und einige verrückte Aktionen ihr Leben bestimmt. Er übernimmt zudem die Aufgabe des Philosophielehrers, der mit Hilfe von Fragen und Briefen durch die europäische Geistes– und Kulturgeschichte führt. Es gibt es keine negativen Personen im Buch, einzig der Vater von Hilde wird manchmal als zu dominant charakterisiert, da er das Leben von Alberto und Sofie bestimmt.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang die Frage sein, welche Intention der Autor damit verfolgt. Die Antwort darauf hat er selbst folgendermaßen gegeben: „Mein Buch „Sofies Welt“ ist kein Lehrbuch der Philosophie [...]. Doch ist es durchaus eine Einführung in die Philosophie [...].“[8] Dies gibt den Lesern einen Hinweis auf seine Absichten. „Sofies Welt“ soll den Rezipienten zwar Einblicke in die europäische Philosophiegeschichte geben, aber nicht in Form eines belehrenden Sachbuchs sondern vielmehr als unterhaltsamer Roman, der zusätzlich die wichtigsten sachlichen Informationen über Philosophie liefert. Ob dies Gaarder ganz gelungen ist, bleibt der Einschätzung eines jeden Lesers selbst überlassen. Dennoch kann man feststellen, dass der Autor sein Ziel erreicht hat und den Rezipienten auf einem indirekten Weg viel Wissen mitgibt. Dies geschieht auf geschickte Weise, indem er die Sachinformationen in das spannende Geschehen um Sofie und Hilde einbettet. So entwickelt sich die Geschichte oft nur dann weiter, wenn der Leser und Sofie bzw. Hilde sich mit der nächsten philosophischen Strömung beschäftigt haben. Auch die Lösungen auf die immer wieder auftretenden Rätsel und seltsamen Vorkommnisse erhält man nur durch die Philosophie. Daher wird nie der Eindruck vermittelt, dass Gaarder seinen Leser über die Philosophie belehren will. Aus diesem Grund ist die folgende Aussage einer Lehrerhandreichung[9] über die Intention Gaarders sehr kritisch zu sehen. So stellt die Autorin fest, dass „[...] Gaarder in seinen Romanen nicht nur zu unterhalten, sondern unterhaltsam zu belehren [versteht].“[10]

Gaarder hat gar nicht die Absicht so offenkundig zu belehren, sondern er will den Lesern ein Lesevergnügen auf hohem Niveau bereiten, bei dem es letztendlich jedem selbst überlassen bleibt, wie viel ‚Belehrung’ man sich aneignet. Um beim Leser diese Intention durchzusetzen, stellt er nur die Grundzüge der Philosophie dar und arbeitet mit humoristischen Elementen und dem spannendem Aufbau eines Abenteuerromans. So erklärt sich auch die bereits erwähnte Mischung von Gattungen in diesem Buch, da Gaarder darin einen Weg sah, seine Absichten zu verwirklichen.

Es sollte auf keinem Fall der Eindruck entstehen, „Sofies Welt“ wäre eine anspruchslose Lektüre, die rein der Unterhaltung dienen soll. Der Autor setzt ein großes Weltwissen voraus und hat ein sehr hohes Anspruchsdenken an seine Leser. Deshalb richtet er das Buch an „Erwachsene ab 14 Jahre“[11]. Durch seine Themenauswahl fordert er von seinen Rezipienten großes Interesse an Philosophie, Politik und Kulturgeschichte. Er bemüht sich zwar die wichtigsten Sachverhalte ausführlich zu erklären und auf das Wesentliche zu reduzieren, andererseits schneidet er immer wieder weiterführende Themen an. Es stellt sich die Frage, ob Gaarder nicht zuviel Wissen bei den Jugendlichen voraussetzt. Diese kann vielleicht durch die Untersuchung des Aufbaus von „Sofies Welt“ beantwortet werden.

2.1.2 Untersuchung von Aufbau und Sprache

Jostein Gaarder hat nicht nur inhaltlich durch das Mischen von sachlichen mit erzählenden Elementen ein sehr komplexes Buch geschaffen, sondern er unterstützt diese Vielschichtigkeit auch auf interessante Weise durch die Struktur seines Buches.

„Sofies Welt“ ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt, die ineinander verschachtelt sind. Es gibt zum einen die romanhafte Rahmenhandlung, die sich in zwei fiktionale Ebenen aufteilen und zum anderen die Binnenhandlung.

Die fiktionale Rahmenhandlung besteht aus zwei Erzählsträngen, die die Lebenswelten der Protagonistinnen enthalten. So handelt die erste Ebene von Sofie und ihrem Philosophielehrer Alberto Knox. Gaarder beschreibt darin die Lebenswelt und die Erlebnisse Sofies. Später stellt sich jedoch heraus, dass diese Welt nur fantastisch ist und lediglich in der Vorstellung von Hilde und ihrem Vater existiert. Die reale Welt im Buch wird auf einer zweiten, aber gleichberechtigten, Ebene vorgestellt und zwar durch die Ereignisse in Hildes Leben, die ihr Vater in Form seines Philosophiekurses maßgeblich beeinflusst. Beide Ebenen funktionieren als Parallelwelten, d.h. Albert Knag kreiert das Leben Sofies sehr ähnlich zu Hildes wirklichem Leben. Der einzige Unterschied besteht im Aussehen der Mädchen. Diese beiden fiktionalen Erzählstränge werden aus der jeweils subjektiven Sicht der beiden Hauptdarstellerinnen erzählt, wodurch eine so genannte multiperspektivische personale Erzählsituation entsteht. Diese ermöglicht dem Leser an den Gefühlen und Gedanken Sofies und Hildes teilzunehmen und sich selbst mit deren Problemen zu beschäftigen.

Die Binnenhandlung dient der Darstellung der europäischen Philosophiegeschichte. Gaarders Vorgehensweise beschreibt Peer Olsen in seinem „Arbeitsbuch zu ‚Sofies Welt’ “ folgendermaßen:

Aus der Vogelperspektive werden die Epochen [...] jeweils kulturgeschichtlich eingeordnet und skizziert, wonach die wichtigsten Projekte herausragender Philosophen geschildert werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung von Zusammenhängen: Wie geht eine Epoche in die andere über und wie stellen sich die zentralen philosophischen Projekte der Geistesgeschichte zueinander.[12]

Die Binnenhandlung funktioniert auf verschiedene Weise. Zuerst als eine Art Frage– und Antwortspiel, wobei Sofie die Fragen von ihrem Philosophielehrer Alberto Knox vorab gestellt bekommt. Die Antworten folgen dann in Briefen, in denen namhafte Philosophen und ihre Schulen bzw. Projekte chronologisch vorgestellt werden. Die Erzählperspektive dieser Briefe ist die von Alberto bzw. die Albert Knags, genauer gesagt eine Art „Wir“– Erzählsituation. Die Philosophiegeschichte wird nicht in Briefform fortgesetzt, sondern mit Hilfe dialogischer Lektionen eines Philosophie – Fernkurses, wobei dieser mit Beispielen aus der Alltagswelt der Hauptpersonen Sofie und Hilde verbunden wird. So ist die Binnenhandlung mit ihren sachlichen Informationen auf interessante Art und Weise mit der Rahmenhandlung verbunden.

Im Kapitel über den Empiriker Berkeley[13] verwendet Gaarder das Moment einer überraschenden Wendung und verbindet die beiden Ebenen der Rahmenhandlung miteinander. Von diesem Punkt an vermischen sich die beiden Erzählstränge Sofie und Hilde miteinander. Am Ende des Romans scheint aus dieser Mischung eine einzige Welt geworden zu sein. Dies ist der Fall, als Hilde meint ein Zeichen von Sofie vernommen zu haben[14]. Ebenfalls auffällig ist bei einer genaueren Betrachtung die Verlagerung des Schwerpunkts am Ende des Buches weg von der Philosophiegeschichte hin zur Rahmenhandlung und die daraus resultierende Vermischung.

Neben dieser komplexen Struktur des Romans arbeitet der Autor mit modernen Erzähltechniken. So vollziehen sich im Buch immer wieder Wechsel zwischen den unterschiedlichen Ebenen der Fiktionalität, was für Bettina Kümmerling-Meibauer den „philosophischen Charakter des Erzählkonzepts“[15] ausmacht: „Hiermit wird eine Metafiktion erzeugt, in der die Kluft zwischen der Realität des Lesers und der literarischen Realität aufgehoben werden soll.“[16] Durch diese Vorgehensweisen entstehen zudem Perspektivenwechsel, die den Leser tiefer in das Geschehen einbinden sollen.

Gaarder benützt außerdem das literarische Prinzip der ‚Fiktion in der Fiktion’ auf zweierlei Weise: „als spannendes Rätsel auf der Ebene der Handlung und als Anlass für philosophische Spekulation“.[17] So erfährt der Leser erst im Kapitel über Berkeley[18], dass die Geschichte von Sofie und ihrem Philosophielehrer Alberto gar nicht in der realen Welt spielt, sondern von Hilde in einem Philosophiebuch gelesen wird. Aber Gaarder reicht dies noch nicht und er zeigt dem Leser einige Male deutlich, dass auch Hilde und ihr Vater nur fiktiven Charakter haben. Diese Erzähltechniken machen das ohnehin schon anspruchsvolle Buch noch komplexer.

Um das Buch dennoch verständlich zu machen, bedient sich der Verfasser verschiedener narrativer Mittel. Er reduziert den sehr umfangreichen Stoff der einzelnen philosophischen Ansätze auf deren Grundelemente und trifft eine Auswahl an Philosophen, die sicherlich nicht objektivierbar ist, jedoch Gaarders Ziel entspricht. Mit diesem Mittel der Reduktion ermöglicht er seinen Lesern eine Ganzheitsperspektive auf die geistesgeschichtliche Entwicklung der europäischen Philosophie.

[...]


[1] Gaarder, Jostein: Sofies Welt – Ein Roman über die Geschichte der Philosophie. München, Wien: Carl Hanser Verlag 1993, vordere Umschlagsklappe

[2] Ebd., S. 3

[3] Rank, Bernhard: Philosophie als Thema von Kinder – und Jugendliteratur. In: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 2. Hrsg. von Günter Lange. 2., korrigierte Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2000, S. 800

[4] Wolf, Astrid: Kann man Philosophie Kindern nahe bringen? – Eine Untersuchung am Beispiel von „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder. Köln: Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Bd. 18) 1999

[5] Ebd., S. 31

[6] Vgl. Wolf: Kann man Philosophie Kindern nahe bringen? – Eine Untersuchung am Beispiel von „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder, S. 33f

[7] Rank: Philosophie als Thema von Kinder – und Jugendliteratur, S. 815

[8] Olsen, Peer: Ein Arbeitsbuch zu „Sofies Welt“. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr 1995, S. 4

[9] Urban, Cerstin: Erläuterungen zu Jostein Gaarder – Sofies Welt. Hollfeld: C. Bange Verlag 2001

[10] Ebd., S. 10

[11] Gaarder, Jostein: Sofies Welt – Ein Roman über die Geschichte der Philosophie. München, Wien: Carl Hanser Verlag 1993, Rückseite

[12] Olsen: Ein Arbeitsbuch zu „Sofies Welt“, S. 9

[13] Gaarder: Sofies Welt, S. 316ff

[14] Ebd., S. 567f

[15] Rank: Philosophie als Thema von Kinder – und Jugendliteratur, S. 815

[16] Kümmerling - Meibauer, Bettina: Philosophie in „Sofies Welt“. Der Welterfolg von Jostein Gaarder. In: JuLit 3/1995, S. 27

[17] Rank: Philosophie als Thema von Kinder – und Jugendliteratur, S. 814

[18] Gaarder: Sofies Welt, S. 316ff

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Der Roman Sofies Welt als Lektüre im Deutschunterricht
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Jahr
2006
Seiten
35
Katalognummer
V69864
ISBN (eBook)
9783638621724
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Roman, Sofies, Welt, Lektüre, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Der Roman Sofies Welt als Lektüre im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69864

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