Südkorea und China - Determinanten gescheiterter bzw. gelungener Entwicklungspolitik


Hausarbeit, 2007
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Das (ost-)asiatische Wirtschaftswunder

1. Südkorea - Von der Entwicklungsdiktatur zur Wohlstandsdemokratie
1.1 Ökonomisch induzierte Demokratisierung
1.1.1 Industrialisierung per Doktrin
1.1.2 Liberalisierung unter Druck
1.1.3 Neue soziale Bewegungen: Frauen- und Bürgerrechte ab 1980
1.2 Modernisierung „von oben“ und „von unten“
1.2.1 Seamaul Undong: Subsidiarität als Entwicklungsmotor
1.2.2 eDemocracy: Modernisierung durch Modernität

2. China - „Good Governance“ trotz Kommunismus?
2.1 Der Weg zum Global Player
2.1.1 Kommunistische Entwicklungspolitik unter Mao
2.1.2 Von der Arbeiter- zur Businesskultur
2.1.3 Integration des ostasiatischen Wirtschaftsraums: China als „Ankerland“.
2.2 Defizite der Entwicklung: BIP vs. HDI
2.2.1 Stadt-Land-Entwicklungsgefälle
2.2.2 Ökologische Folgen der Industrialisierung

3. Chinas und Südkoreas Entwicklungsstand im Vergleich
3.1 Wirtschaft
3.1.1 Südkorea
3.1.2 China
3.2 Gesellschaft
3.2.1 Südkorea
3.2.2 China

Literaturverzeichnis

Anlagen

Das (ost-)asiatische Wirtschaftswunder

Am 1. Januar 2007 tritt mit Ban Ki-Moon ein Mann an die Spitze der Vereinten Nationen, dessen Herkunft ihn bereits prädestiniert erscheinen lässt für eine Institution, die heute mehr denn je die Zusammenarbeit zwischen den Staaten fördern muss um Frieden und Wohlstand für die Zukunft herzustellen, bzw. zu sichern. Zwar ist der UN-Generalsekretär von Amts wegen unabhängig in Bezug auf Nationalität, Religion oder Ethnie, und vertritt als höchster Diplomat der internationalen Gemeinschaft eben deren Interessen anstatt jene seines Heimatlandes, der Republik Korea. Trotzdem sehen viele in Ban Ki-Moon vor allem das Sinnbild eines Staates, der aus den Wirren von Unterentwicklung, Kolonialisation und Kaltem Krieg zu einer der modernsten Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen ist.

Der Übergang von der Militärdiktatur zu echter Demokratie im Zuge der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes, macht Südkorea nicht nur für seine Nachbarn zu einem Vorbild für gelungene Entwicklung. Dass Südkoreas sich verhältnismäßig schnell in den Kreis der Industriestaaten einordnen konnte, liegt sicherlich auch an seiner besonderen geostrategischen Lage als Grenzstaat zum real existierenden Sozialismus/Kommunismus, wegen der es über lange Zeit von großzügiger internationaler Entwicklungshilfe und militärischem Schutz durch die „antikommunistische“ Schutzmacht USA profitieren konnte.

Finanzielle Unterstützung ist auch China zuteil geworden, wenngleich dessen politisches System stets auf Autarkie hingearbeitet und in seiner Starre eine echte Modernisierung verhindert hat. Chinas Bedeutung für die Weltwirtschaft hat sich in den letzten Jahren jedoch so rasant entwickelt, dass die Volksrepublik -sicherheitspolitisch längst ein wichtiger Akteur - mittlerweile auch wirtschaftlich als Großmacht gehandelt wird.

Ganz anders als Südkorea diente China aufgrund seiner geo- und demografischen Rahmenbedingungen nie als Spielball internationaler Konfliktparteien, sondern agierte ging politisch und wirtschaftlich meist eigene Wege. So hat man die kommunistische Wirtschaft zwar zugunsten des Wachstums ‚kapitalisiert’ und seine ökonomische Isolation beendet - Reformen des politischen Systems zugunsten demokratischer Rechte sind jedoch nicht in Sicht.

In Anbetracht des generellen Bedeutungsanstiegs vieler ostasiatischer Länder in den Internationalen Beziehungen soll die Entwicklung Südkoreas und Chinas in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht in dieser Arbeit skizziert werden. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen historischen Ausgangslagen werden eigene Leistungen der jeweiligen Staaten ebenso dargestellt wie der Einfluss von internationalen Organisationen auf den Entwicklungsprozess, um schließlich in einem Vergleich die Errungenschaften und Defizite der Modernisierung aufzuzeigen.

1. Südkorea - Von der Entwicklungsdiktatur zur Wohlstandsdemokratie

2.1 Ökonomisch induzierte Demokratisierung

1.1.1 Industrialisierung per Doktrin

Seine erste wirtschaftliche Blütezeit erlebte Korea während der Kolonialherrschaft des japanischen Kaiserreichs. Zwischen 1910 und dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs, bzw. der Einbeziehung Japans in selbigen, hatten die Besatzer mittels gezielter Infrastrukturmaßnahmen ein verhältnismäßig modernes funktionierendes Wirtschaftssystem auf der Halbinsel errichtet, welches auch nach der Befreiung 1945 erhalten blieb

„Japanese colonial rule laid some of the key foundations for Korea’s later entrance into modern economic growth.“1

Problematisch war jedoch, dass jene modernen Industriebetriebe bis dahin ausschließlich auf die Versorgung der japanischen Schutzmacht, vor allem ihrer Kriegsindustrie, ausgerichtet gewesen waren. Außerdem entstand nach dem Abzug ein Führungsvakuum in den größeren Anlagen, da Koreaner vormals häufig von Führungspositionen ausgeschlossen gewesen waren und nur bedingt Zugang zu höherer Bildung erhalten hatten.2Die wirtschaftliche Misere der postkolonialen Jahre verschlimmerte sich vor allem im Süden, nachdem der Koreakrieg diesen vom ressourcenträchtigeren und industriell weiter entwickelten Norden abgetrennt hatte. Die bereits vorher durchgeführte Landreform hatte zwar die Eigenproduktion gefördert und somit die Lebensmittelversorgung einigermaßen sichergestellt3. Andere Güter des täglichen Bedarfs waren bislang jedoch größtenteils aus dem Ausland eingeführt worden, also versuchte man die Abhängigkeit von externen Handelspartnern und den Devisenschwund durch einen Umbau des Wirtschaftssystems nach dem Prinzip der Importsubstitution zu verringern. Die Massenproduktion arbeitsintensiver Konsumartikel sollte allmählich den Binnenmarkt versorgen und Südkorea in Richtung zu mehr ökonomischer Autarkie verhelfen.4

Die protektionistische Wirtschaftspolitik der ersten Regierungen Südkoreas erreichte zwar tatsächlich eine Stabilisierung des ökonomischen Systems, doch von Wachstum war das Land bis zur Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Park Chung-Hee weit entfernt. Erst dessen 1961 an die Macht gekommene Militärjunta ging dazu über, anstatt des Imports nun den Export und das Wachstum als Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg zu definieren. Die weitgehende Abschaffung von Ausfuhrbeschränkungen und ein pragmatisches Subventions-system für außenhandelsorientierte Unternehmen (sog. Fünf-Jahres-Pläne5) trug von nun an maßgeblich dazu bei, dass die südkoreanische Wirtschaft sich rasant entwickeln konnte: In den ersten zehn Regierungsjahren Parks wuchs die Ökonomie um 7-9% jährlich; industriell gefertigte Exportgüter machten 1973 bereits 86% des südkoreanischen Bruttoinlandsprodukt aus6.

Trotzdem führte man in vielen Bereichen Importsubstitution fort: „Stability before growth“1war vor allem die Devise der USA, deren Entwicklungshilfe-Kredite insbesondere dem Aufbau von Infrastruktur, der Förderung von Kleinbetrieben und einer optimierten Ressourcennutzung zu Gute kamen. Der Binnenmarkt funktionierte immer verlässlicher - nichtsdestotrotz ging die anhaltende Ineffizienz der stark subventionierten Chemie- und Schwerindustrie massiv zu Lasten des südkoreanischen Staatshaushalts, obwohl man sich von ihnen eigentlich rasche Exportgewinne versprochen hatte2.

Auch für den massiven Ausbau des Bildungswesens nahm man überbordende Staatsschulden in Kauf, so dass Südkorea immer näher an die Zahlungsunfähigkeit rückte, obwohl die Wirtschaft boomte und der sparsamere Umgang mit Staatseinnahmen eine Haushaltskonsolidierung durchaus zugelassen hätte. Dafür ist Südkorea heute das Land mit der höchsten Quote bei den sekundären Schulabschlüssen weltweit (25- bis 34-Jährige)3

2.1.2 Liberalisierung unter Druck

Mit dem Tod Präsident Parks 1979 rutschte Südkorea in eine Phase politischer Instabilität. Gleichzeitig drohten den Preisverschiebungen auf dem Rohölmarkt und eine weitreichende Missernte im Jahr 1980 eine ökonomische Krise zu verursachen. Somit war es die oberste Priorität der neuen Militärregierung unter General Chun Doo-Hwan, das erstmals seit 1957 mit einem negativen Wert gekennzeichnete BIP und die erhöhte Inflationslage wieder in den Griff zu bekommen zu bekommen.

Die Lage entschärfte sich dank eines Aufschwungs der internationalen Märkte früher als erwartet. Ohne finanzielle Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank hätte Südkorea sich jedoch nicht so schnell von der Rezession erholen können, wodurch die beteiligten IGOs sich legitimiert sahen, ihre Zahlungen nun mit der Forderung nach essenziellen Strukturreformen des Wirtschaftssystems und einer konsequenteren Tilgungsbereitschaft gegenüber den internationalen Gläubigern zu verbinden4. Die Regierung Chun Doo-Hwans war gezwungen, den Binnenmarkt entsprechend den Wünschen ihrer Geldgeber zu liberalisieren und sich von der protektionistischen Wirtschaftspolitik ihres Vorgängerregimes abzuwenden. Mit Erfolg: Schon 1983 wies Südkoreas Wirtschaft wieder zweistellige Wachstumsraten auf und die Geldentwertung verlangsamte sich dementsprechend. Auch das Tilgungsverhalten gewann wieder an Verlässlichkeit5, wobei Südkorea bis heute zu den am höchsten verschuldeten Staaten der Welt zählt.

2.1.3 Neue soziale Bewegungen

Der wirtschaftliche Aufschwung Südkoreas und die mit ihm einher gehende Wohlstandserhöhung brachte nach kurzer Zeit auch Veränderungen im Gesellschaftssystem mit sich. Die über lange Zeit ausgenutzte Arbeiterschaft begann in den 70er Jahren zu organisieren und um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen einzufordern. Diese Auflehnung gegen Obrigkeiten stellte nicht nur einen Bruch mit konfuzianischen Traditionen dar, vielmehr bedeutete sie eine ernsthafte Bedrohung des unter Park und Doo-Hwan errichteten Machtgefüges. Die Militärregime waren sich der Bedeutung ihrer durch ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis gekennzeichneten Exportwirtschaft bewusst, denn Südkorea hatte sich im globalen Markt vornehmlich als Billig-Lohn-Land mit hoher Arbeitsmoral etabliert. Forderungen nach angemessener Bezahlung und humanen Arbeitsbedingungen für Arbeiter widersprachen dem ökonomischen Konzept der Herrschenden. Außerdem wurde Entwicklungspolitik wurde von Seiten des südkoreanischen Militärs immer auch als verlängerter Arm der Verteidigungspolitik für den Kriegsfall verstanden und war vornehmlich wirtschaftsorientiert1

“It is a success story based on Korea’s special situation as an exposed military salient in the Cold War, and turning this liability into an asset. It was done primarily by making sure that the inflow of resources required to maintain Korea’s capability to fulfill ist military role was sifficient to provide the required economic underpinning as well, and by making the military program itself contribute as moch to the economy as possible“2

Die Notstandsgesetzgebung, mit der man bis 1987 herrschte, ließ sich außerdem nicht mit den Forderungen der Arbeiter nach mehr demokratischen Freiheiten vereinbaren. Auf öffentliche Versammlungen, deren oftmals „linke“ Intentionen die Demonstranten in den Augen der Regierung zu Staatsfeinden machten, reagierte man mit übertriebener Härte und Arbeiteraufstände in Großbetrieben sowie Studentendemonstrationen wurden häufig mit Hilfe bewaffneter Spezialtruppen niedergeschlagen. Heftigstes Beispiel dieser rigorosen Unterdrückung von Bürgerrechten ist Gwangju-Massaker vom 18. Mai 1980, bei dem über 200 Menschen getötet wurden. Die Aktivisten des 18. Mai konnten ihre Ziele jedoch erst nach der Demokratisierung 1987 erreichen - bis dahin blieb die Menschenrechtssituation in Südkorea angespannt.3

Erst seit der Abschaffung des Kriegsrechts 1987 und der Demokratisierung Südkoreas ist die Menschenrechtssituation mit großen Schritten vorangegangen. Mitverantwortlich dafür ist neben Studenten- und Arbeitergruppierungen vor allem auch die Frauenbewegung: In ihr vereinigen sich auf besondere Weise die materialistischen Forderungen europäischer Arbeiterbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts mit postmaterialistischen Bedürfnissen, die typisch für Gesellschaften sind, deren Entwicklungsstand bereits fortgeschritten ist. Da die Modernisierung Südkoreas aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und des stark selektiven Einflusses der Politik sehr ungleich verlaufen ist, leuchtet es ein, dass in diesem Fall eine an sich neue soziale Bewegung4auch jene Anliegen vertritt, die gemäß ihrem ersten Aufkommen während der europäischen Industrialisierung eigentlich zu den Zielen „alter“ sozialen Bewegungen wie der Arbeiterbewegung gezählt werden. Heute setzt sich die Frauenbewegung - wie ihre Äquivalente im nordatlantischen Raum - innerhalb des institutionellen Gefüges wieder mehr „für einen grundlegenden Wandel der Geschlechterverhältnisse und damit verbundener gesellschaftlicher Ungleichheit und Abwertung [ein]“.1

Dieser Wandel in Bezug auf die thematische Profilierung und den Organisationsgrad der Frauenbewegung indiziert gleichzeitig die Modernisierung der südkoreanischen Gesellschaft hin zum Pluralismus. Sie legten den Grundstein für die Expansion der Bürgerorganisationen in den 90er Jahren.2

1.2 Modernisierung „von oben“ und „von unten“

1.2.1 Saemaul Undong: Subsidiarität als Entwicklungsmotor

Das die Regierungen Park und Doo-Hwan trotz vieler Mängel im Hinblick auf Menschen- und Bürgerrechte auch die soziale Modernisierung Südkoreas vorangetrieben haben, zeigt das Projekt Saemaul Undong3. Das große Problem nach Abtrennung des Nordens und dem Wegfall wichtiger Agrarflächen war die Versorgung der Bürger mit Nahrungsmitteln und Alltagsgütern. Einfuhrgüter und industriell hergestellte Lebensmittel waren für einen Großteil der Landbevölkerung nicht zugänglich, woraus eine hohe Landfluchtsrate entstand, welche wiederum in einer mangelhaften Bewirtschaftung der agrarischen Nutzflächen resultierte4.

Das Saemaul-Projekt ermöglichte den Landbewohnern ab 1970, sich auf kommunaler Ebene zivil zu organisieren, mit finanzieller und administrativer Unterstützung des Staates. Je nach Einteilung in eine der Bedürfnisgruppen Umwelt/Umfeld, Infrastruktur und Einkommenssteigerung, erhielten die Dörfer spezifische Leistungen, bis das jeweilige Problemfeld beseitigt war und wurden dann im „nächsthöheren“ Bereich gefördert. In der ersten Gruppe werden vor allem Verbesserungen am Wohnumfeld unternommen: Die Dorfbewohner sanieren beispielsweise ihre Gebäude gemeinsam, so lange bis jedes Haus einem angemessenen Standard entspricht. Nach dem Aufstieg in die nächste Gruppe haben nun zum Beispiel Straßen- und Brückenbau Priorität, bis das Dorf schließlich von der berufsfördernden Kreditvergabe und der Installation gemeinschaftlicher Landwirtschaftsprojekte profitieren darf, um das gemeinsame Einkommen zu erhöhen5.

Die Ziele der Regierung bei der Einführung von Saemaul Undong waren sicherlich insofern auch außen- und sicherheitspolitisch gelegt, als dass die Neues-Dorf-Bewegung ihr Legitimation bei jenen Bevölkerungsgruppen verschaffen sollten, die bei der vorangegangenen, schnellen Industrialisierung der urbanen Gebiete ausgeklammert worden waren. Da Saemaul von Anfang an auch als Profilierungswerkzeug der Regierung gedacht war, wurde das Programm, nachdem sich erste Erfolge eingestellt hatten, auch auf die Städte ausgeweitet um breitere Bevölkerungsschichten einzubeziehen.

„Soon the program was extended to university professors, businessmen, journalists, leaders of religious groups, judges, congressmen, T.V. producers, actors and so forth. The training of government officials and members of the social elite was an important milestone in the extension of Saemaul programs into nonfarm sectors.”1

Trotz des sicherlich stark propagandistischen Hintergrunds hat das staatlich geförderte Entwicklungsprojekt maßgeblich zur Verbesserung des Lebensstandards breiter Bevölkerungsschichten und der Entstehung einer soliden koreanischen Zivilgesellschaft beigetragen. Dank des beeindruckenden Outputs und der geringen Kosten der Durchführung, ist Saemaul mittlerweile zu einem anerkannten Modernisierungsmodell für Asien avanciert.2

1.2.2 eDemocracy: Modernisierung durch Modernität

Wenngleich Südkoreas ökonomische Modernisierung bereits sehr fortgeschritten ist, so kann die Modernisierung des sozialen Gefüges und des politischen Systems im Vergleich mit stabilen Demokratien noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Wenngleich formelle Institutionen gesichert funktionieren, haben sich informelle Akteure in der Vergangenheit immer wieder als hinderlich für die politische Pluralisierung erwiesen. Viele traditionelle Medien vertreten noch immer ein konservatives, antikommunistisches Staats- und Gesellschaftsverständnis, was - trotz Wegfalls staatlicher Zensur - den Meinungsbildungsprozess noch immer erschwert. „Auch wenn damals die Infrastruktur für die E-Kommunikation möglichst effektiv nutzen. Die Internet-Zeitungen übten sich daher von Anfang an in Gegen-Diskursen zu den dominierenden Druckmedien.“3

Der technologische Fortschritt Südkoreas und seine Vorreiterrolle in der Nutzung des Internet4 hat das Meinungsmonopol der großen Tageszeitungen und Fernsehsender mittlerweile jedoch gesprengt. Besonders deutlich wurde die Mobilisierungsfunktion der neuen Medien während des Präsidentschaftswahlkampfs von Roh Moo-Yun und dem Versuch konservativer Oppositionsparteien, ihn seines Amtes entheben zu lassen. Beide Male deckten die so genannten „Netizen“5Manipulationsversuche seitens der Medien-Oligarchen auf und verhalfen dem liberalen Politiker zu einem Sieg6. Offensichtlich erfüllt Südkoreas hoher technologischer Entwicklungsstand eine Antriebsfunktion bei der Fortentwicklung der Gesellschaft hin zum modernen Meinungspluralismus.

[...]


1Mason, S. 75

2vgl. Amsden, S. 33f

3vgl. ebd., S. 37

4vgl. Chang, S. 52f

5vgl. Piazolo, S. 73

6vgl. Pohl, S. 43

1Amsden, S. 43

2vgl. Piazolo, S. 75f

3vgl. Abb. 1

4vgl. Cassen, S. 493

5vgl. Chang, S. 87f

1vgl. Benoit, S. 239 - 251

2ebd., S. 250

3vgl. Scott-Stokes, S. 63

4vgl. Rucht

1Lenz, S. 189

2vgl. Abb. 2

3dt.: „Neues Dorf“-Bewegung, vgl.

4vgl. Imhof-Rudolph, S. 215

5vgl. http://saemaul.com/english/saemaulundong.asp

1vgl. Park, S. 220

2vgl. http://www.unescap.org/pdd/PRS/ProjectActivities/Ongoing/SaemaulUndong/undong.asp

3Lee, S. 61

4vgl. Abb. 3

5Neologismus aus „Internet“ und „Citizen“ zu „Netizen“, dt. etwa: „Netzbürger“

6vgl. http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/edemocracy_in_skorea101.shtml

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Südkorea und China - Determinanten gescheiterter bzw. gelungener Entwicklungspolitik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Übungsseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V69885
ISBN (eBook)
9783638628839
ISBN (Buch)
9783638888547
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Südkorea, China, Determinanten, Entwicklungspolitik
Arbeit zitieren
Marco De Martino (Autor), 2007, Südkorea und China - Determinanten gescheiterter bzw. gelungener Entwicklungspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69885

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