Laut der darwinistischen Evolutionslehre hat alles Leben auf dieser Erde einen einzigen gemeinsamen Ursprung. Mittels Mutationen und „natürlicher Auslese“ entwickelte sich so eine Vielzahl von Lebensformen, die sich den spezifischen Anforderungen ihrer Umwelt immer wieder von Neuem anpassten.
Auch die Genese des Menschen lässt sich nach dieser Theorie bis zur prähistorischen „Ursuppe“ zurückverfolgen. Trotz aller Gemeinsamkeiten - homo sapiens „hat eine eigenartige Stellung im Tierreich“4: Als hoch entwickeltes Säugetier verfügt er über einen vergleichsweise unterentwickelten Instinktapparat. Instinkte sowie deren Weiterentwicklung sichern jedoch die Anpassung an die jeweilige Umwelt und somit letztlich das Überleben einer Spezies. Seine Instinktarmut hinderte den Menschen aber nicht daran, sich auf der gesamten Erde erfolgreich einzurichten. Folglich ist er nicht an eine „artspezifische Umwelt“ gebunden - er hat offenbar andere Techniken gefunden, um auf der Erde nicht nur zu überleben, sondern sie mehr oder minder als sein eigen zu reklamieren. Eine weiteres Unikum findet sich in der menschlichen Physiologie: Eine S-förmige Wirbelsäule sorgt u. a. dafür, dass der Körperschwerpunkt oberhalb der Füße liegt. Das befähigt den Menschen zur bipeden Fortbewegung und er muss seine Hände nicht mehr dazu benutzen, sein Körpergewicht abzustützen. Die nunmehr „freigewordenen“ Gliedmaßen können anderweitig eingesetzt werden. Darüber hinaus versetzt die funktionell weiterentwickelte Hand mit einem opponierbaren Daumen den Menschen in die Lage, Gegenstände zu greifen, Werkzeuge zu benutzen, Hausarbeiten zu tippen - kurzum: sich die Welt Untertan zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Menschen
2. Meads geistesgeschichtliche Stellung
3. Das Konzept symbolvermittelter Interaktion
4. Die Genesis der Identität
5. Das Markenimage volkswirtschaftlicher Güter – Prestige als intersubjektiv konstituiertes Symbol
6. Fazit: Die Pragmatik symbolischer Interaktion
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziologische Theorie von George Herbert Mead, insbesondere sein Konzept der symbolischen Interaktion und Identitätsbildung, und überträgt diese Erkenntnisse auf das Konsumverhalten in der modernen Gesellschaft. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Prestige als intersubjektiv konstituiertes Symbol das Handeln von Individuen innerhalb ökonomischer Strukturen beeinflusst und inwieweit dies den Begriff der Konsumentensouveränität infrage stellt.
- Grundlagen der sozialpsychologischen Identitätsbildung nach George Herbert Mead
- Die Bedeutung von symbolvermittelter Interaktion für menschliches Sozialverhalten
- Analyse der Rolle von Konsumgütern als Statussymbole und Distinktionsmerkmale
- Verbindung zwischen individueller Identität und gesellschaftlicher Erwartungshaltung
- Kritische Reflexion der Konsumentensouveränität unter dem Einfluss externer Symbole
Auszug aus dem Buch
5. Das Markenimage volkswirtschaftlicher Güter – Prestige als intersubjektiv konstituiertes Symbol
Bisher stand die Interaktion zwischen Menschen im Zentrum der Betrachtung. Es konnte gezeigt werden, wie über die Kommunikation mittels Symbolen gemeinsame Handlungsziele erreicht werden und wie darüber hinaus in diesem intersubjektiven Prozess eine sozial bedingte, flexible und dadurch gegenüber weiteren Interaktionspartnern offene Identität entsteht. Der Mensch sieht sich allerdings ebenso häufig mit „leblosen“ Objekten konfrontiert. Prinzipiell begreift Mead auch die Natur als intersubjektiv konstituiert: „Soziale Lebewesen sind genauso entschieden Dinge, wie physische Dinge sozial sind“. So dient die symbolische Interaktion nicht nur zur Kooperation zwischen Menschen sondern auch zur Verständigung über Objekte oder physische Dinge.
Ein volkswirtschaftliches Produkt erhält demnach erst dadurch eine symbolische Bedeutung, dass die Gesellschaft in einer für das Gut relevanten Art interagiert. Der Symbolgehalt entscheidet darüber, ob ein Produkt gekauft wird oder nicht, von wem es gekauft wird und wer es im Regal stehen lässt. Dies impliziert, dass Individuen in ihrer Rolle als Marktteilnehmer, die sie im Regelfall aufgrund einer „hinreichenden Befriedigung vitaler Bedürfnisse“ einnehmen müssen, über „physische Dinge“ bzw. Güter kommunizieren. Zum einen soll in diesem Kapitel die somit aufgestellte These überprüft werden. Zum anderen gilt es, die theoretischen Darlegungen Meads, die das Fundament des Symbolischen Interaktionismus bilden, auf ihre praktische Anwendbarkeit hin zu untersuchen. Sie sollen als ein Werkzeug eingesetzt werden, um einen Teil der „sozialen Lebenswelt der Menschen“ zu beschreiben sowie den hier darzustellenden Mechanismus zu operationalisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Menschen: Das Kapitel führt in die evolutionäre und soziologische Sonderstellung des Menschen ein und umreißt das Ziel der Arbeit, Meads Theorie der Identitätsbildung auf die Praxis des Konsumverhaltens anzuwenden.
2. Meads geistesgeschichtliche Stellung: Es erfolgt eine Einordnung Meads in den Kontext von Evolutionstheorie, Pragmatismus und Idealismus sowie eine Abgrenzung zum Behaviorismus durch den Begriff des „Sozialbehaviorismus“.
3. Das Konzept symbolvermittelter Interaktion: Dieses Kapitel erläutert, wie soziale Handlungen durch signifikante Symbole und die Antizipation des Interaktionspartners zu einem spezifisch menschlichen Sozialverhalten werden.
4. Die Genesis der Identität: Hier wird der Prozess der Identitätsentwicklung anhand von Meads Konzepten des „Play“ und „Game“ sowie der Herausbildung von „I“ und „Me“ als Bestandteile des „Self“ beschrieben.
5. Das Markenimage volkswirtschaftlicher Güter – Prestige als intersubjektiv konstituiertes Symbol: Die theoretischen Grundlagen werden auf den Konsum angewandt, wobei Prestige als symbolisch aufgeladenes Statussymbol zur Distinktion innerhalb einer Konsumgesellschaft analysiert wird.
6. Fazit: Die Pragmatik symbolischer Interaktion: Die Arbeit fasst zusammen, dass menschliches Handeln und Konsumentscheidungen maßgeblich von intersubjektiv konstituierten Symbolen und der Antizipation sozialer Reaktionen geprägt sind, was die Souveränität des Individuums hinterfragt.
7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Literatur und Quellen für die vorliegende Arbeit.
Schlüsselwörter
George Herbert Mead, Symbolischer Interaktionismus, Identitätsbildung, Sozialpsychologie, Konsumgesellschaft, Prestige, Status, Symbol, Sozialbehaviorismus, Verhaltensantizipation, Identität, Konsumverhalten, Intersubjektivität, Rolle, Distinktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sozialpsychologische Theorie von George Herbert Mead und überträgt diese auf Phänomene des modernen Konsumverhaltens, um den Einfluss gesellschaftlicher Symbole auf das Individuum aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die symbolische Interaktion, die Genese der menschlichen Identität („Self“, „I“ und „Me“) sowie die soziologische Analyse von Konsumgütern als Statussymbole.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Meads theoretische Überlegungen zu erläutern und durch die Anwendung auf das Beispiel des prestigebasierten Konsums zu validieren, ob und wie menschliches Handeln gesellschaftlich geprägt bzw. „fremdbestimmt“ ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse der Werke von George Herbert Mead und ergänzt diese durch eine soziologische Auseinandersetzung mit Konsumtheorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der symbolvermittelten Interaktion und Identitätsbildung sowie deren anschließende Anwendung auf das Marketing und die Markenwirkung von Gütern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Identitätsbildung, symbolische Interaktion, Prestige, Sozialbehaviorismus, Konsumsoziologie und Intersubjektivität.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Play“ und „Game“ bei Mead eine solche Rolle?
Diese beiden Phasen sind entscheidend, da das Kind im „Play“ zunächst Rollen probt und im „Game“ lernt, sich an generalisierten sozialen Erwartungen und Regeln zu orientieren, was für die Identitätsbildung essenziell ist.
Warum wird der Begriff der „Konsumentensouveränität“ kritisch hinterfragt?
Weil Konsumentscheidungen laut Meads Theorie stark von der antizipierten Reaktion der sozialen Umwelt abhängen und durch Prestige-Symbole beeinflusst sind, was dem Ideal einer völlig freien, individuellen Kaufentscheidung widerspricht.
- Arbeit zitieren
- Fabian Fries (Autor:in), 2005, Mein Haus, mein Auto, mein Pool - George Herbert Mead und die Konsumgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69894