„Der völkische Staat hat […] seine gesamte Erziehungsarbeit […] nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wiederum an der Spitze die Entwicklung des Charakters, […] und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung“. (Adolf Hitler)1
Bereits während seiner neunmonatigen Festungshaft im Jahr 1924 nach dem misslungenen Putschversuch in Bayern, hatte sich Adolf Hitler beim Verfassen seines politischen Programmbuches „Mein Kampf“ ausgiebig mit dem Thema (Schul)Erziehung auseinandergesetzt2. Bei der Lektüre seiner Veröffentlichung wird – wie an dem eingangs dargelegten Zitat Hitlers – schnell deutlich, dass sich die Bildungsideale im Nationalsozialismus diametral von den bislang praktizierten Grundsätzen zur Zeit der Weimarer Republik unterscheiden sollten. Ebenso wenig wie irgendein anderer noch so persönlicher Lebensbereich konnte die schulische Bildung von Hitlers Programm einer totalen Erziehungsarbeit des völkischen Staates ausgenommen bleiben3.
Gegenstand der vorliegenden Ausarbeitung ist eine Analyse der im Reader zum Hauptseminar „Der Deutschunterricht zwischen 1901 und 1933“ zum Oberthema „Die nationalsozialistische Politisierung des Deutschunterricht“ vorliegenden Textauszüge von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ sowie dem themenverwandten Aufsatz von Ulrich Peters („Deutsche Bildung gestern und heute“) aus der 1933 erschienen „Zeitschrift für deutsche Bildung“4. Im Rahmen der Untersuchung soll anhand von ausgewählten Zitaten der beiden Niederschriften gezeigt werden, wie die Erziehungsideale an die Bedürfnisse des Nationalsozialismus angepasst werden sollten und welche theoretische Zielsetzung der völkische Staat damit verfolgte. Zum Abschluss werden die Ergebnisse der Analyse noch einmal in einem kurzen Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse
3. Fazit
4. Bibliographie
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis
4.3 Internetquellen
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die nationalsozialistische Politisierung des Deutschunterrichts, indem sie die Bildungsideale des NS-Regimes durch eine Untersuchung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und dem Aufsatz „Deutsche Bildung gestern und heute“ von Ulrich Peters kritisch beleuchtet.
- Nationalsozialistische Erziehungsideale und ihre theoretischen Grundlagen
- Die Abwertung humanistischer Bildung zugunsten militärischer Zweckmäßigkeit
- Rollenbilder in der nationalsozialistischen Gesellschaft
- Indoktrination durch selektive Lehrinhalte und Geschichtsvermittlung
- Die Funktion der Schule als Vorinstanz des Militärdienstes
Auszug aus dem Buch
2. Analyse
Bereits vor der eigentlichen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 hatte der Führer der NSDAP in seinem politischen Programmbuch „Mein Kampf“ aus dem Jahr 1925 eindeutig Stellung zu den ideologischen und programmatischen Erziehungsgrundlagen des völkischen Staates bezogen. Insbesondere für die treuen Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie avancierte die Publikation Hitlers in der Folgezeit zu einer Art ‚Standartwerk’. Diese Tatsache zeigt sich auch in dem für diese Arbeit berücksichtigten Aufsatz von Ulrich Peters, wo der Verfasser seine Argumentationsgrundlagen immer wieder auf Hitlers Aussagen bezieht bzw. diese mit ihnen untermauert. Auffällig ist in diesem Kontext auch die häufig identische Wort- und Begriffswahl.
In seiner Argumentation leitet Hitler die völkischen Erziehungsgrundlagen von der „Erhaltung, Pflege und Entwicklung der besten rassischen Elemente“ ab. Diese, wie er sie bezeichnet, „erste(n) Aufgabe des Staates im Dienste und zum Wohle seines Volkes“, muss zum Ziel haben, die „Sprösslinge“ zu einem „wertvollen Glied“ für die spätere Weiterentwicklung zu erziehen. Im Gegensatz zu den Erziehungsidealen in der Weimarer Republik bedeutete dies für Hitler nicht die Vermittlung von „bloßem Wissen“, sondern das „Heranzüchten kerngesunder Körper“. Bereits seine martialische Wortwahl in „Mein Kampf“ mit Vokabeln á la „Heranzüchten“, „hineinhämmern“, „Menschenmaterial“, „Brauchbarkeit“, „praktische Verwendbarkeit“ und „Verwertbarkeit“ zeigt in diesem Kontext, dass in völkischen Staat der Nationalsozialisten nicht das Wohl des Individuums und damit dessen Ausbildung im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Der Einzelne hat vielmehr seine bzw. ihre persönlichen Neigungen und Interessen dem Wohl des Großdeutschen Reiches unterzuordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage und erläutert die Auswahl der analysierten Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus.
2. Analyse: Das Hauptkapitel untersucht die nationalsozialistische Ideologie im Bildungssektor, kritisiert das obrigkeitsorientierte Menschenbild und zeigt die Instrumentalisierung des Unterrichts zur Soldatenerziehung auf.
3. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, wie das Schulsystem der Weimarer Republik durch den NS-Staat in eine Vorinstanz für militärische Vorbereitung und ideologische Indoktrination umgewandelt wurde.
4. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primärquellen, die weiterführende Literatur sowie die Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehung, Schulsystem, Mein Kampf, Ulrich Peters, Politisierung, völkischer Staat, Ideologie, Indoktrination, Soldatenerziehung, Weimarer Republik, Menschenbild, Geschichtsunterricht, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Veränderungen im Bildungswesen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und wie diese Ideologie den Deutschunterricht politisierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Abkehr von humanistischer Bildung, der Einführung einer zweckorientierten Erziehung und der Ausrichtung der Schule auf militärische Bedürfnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Erziehungsideale an die Bedürfnisse des Nationalsozialismus angepasst wurden und welche theoretischen Zielsetzungen der völkische Staat verfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, indem sie zentrale Zitate aus Hitlers „Mein Kampf“ und Ulrich Peters’ Aufsatz vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ideologisierung von Lehrinhalten, die Rolle der Geschlechterbilder und die Umgestaltung der Lehrpläne hin zu einer „Erziehungseinrichtung“ für das Regime.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Ideologie, Soldatenerziehung, völkischer Staat und Indoktrination definiert.
Warum wird das humanistische Gymnasium so stark kritisiert?
Aus nationalsozialistischer Sicht galt es als „geistig“ überladen und wehrlos, da es keine „kämpferischen“ Eigenschaften förderte und nicht auf den Krieg vorbereitete.
Welche Rolle spielten Frauen in diesem Bildungskonzept?
Frauen wurden primär auf ihre Funktion als „Soldatenmütter“ reduziert, wobei ihnen eine vergleichbare schulische Bildung wie Männern zugunsten ihrer häuslichen Rolle abgesprochen wurde.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Marco Hadem (Author), 2006, Erziehung im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69911