Gegenstand dieser Arbeit ist Henry Fieldings Erzählung Jonathan Wild. Die Erzählung erschien erstmalig 1743 in Fieldings Sammlung Miscellanies und basiert zum einen auf dem Leben des berüchtigten Diebes und thief-takers Jonathan Wild und zum anderen auf fiktiven Elementen. Die Anzahl von Fielding hinzu gedichteter Begebenheiten und Charaktere ist so groß, dass man nicht mehr von einer Biographie von Jonathan Wild sprechen kann. Sein Leben und der schlechte Ruf, der ihm vorauseilte, dienen lediglich als Grundgerüst für eine bissige Erzählung, die sich die Verbrecher seiner Zeit vornimmt. Viele Kritiker sind der Meinung, dass Jonathan Wild in erster Linie eine politische Satire auf den damaligen Premierminister Englands Robert Walpole ist. Dies ist auch nicht von der Hand zu weisen. Die Moralvorstellungen die Fielding zu vermitteln versucht sind außerdem durchaus aktuell und können auch für „große Männer“ unserer Zeit gelten. Des Weiteren ist Fieldings Version von Jonathan Wilds Lebensgeschichte eine satirisch-ironische Darstellung der damaligen Londoner Gesellschaft. Vom kleinen Dieb über die untreue Ehefrau bis zum großen Politiker bekommt jeder sein Fett weg. Fielding rechnet geschickt und mit unnachahmlicher Ironie mit jedem Lügner und Betrüger ab. Trotz aller Übertreibungen zeichnet er dabei ein Bild der Gesellschaft, das der damaligen Realität recht nahe kommt. Diese Arbeit gliedert sich in vier Teile. Zunächst wird das Leben des wahren Jonathan Wild beschrieben, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, auf welcher Grundlage Fieldings Werk entstand. Danach folgt ein Kapitel über Henry Fielding, seine Vorstellungen von Moral und welche Bedeutung diese für sein Werk haben. Danach wird die Geschichte des fiktiven Jonathan Wild umrissen und verglichen, inwieweit sich Fielding an das Original hielt, bzw. seiner Fantasie freien Lauf ließ. Anschließend wird auf den wichtigsten Schauplatz in Jonathan Wild, das Newgate Gefängnis, eingegangen. Im Laufe der Arbeit soll außerdem dargestellt werden, wie sich Fieldings Roman in das Bild der Londoner Gesellschaft des 18. Jahrhunderts einfügt. [...]
Inhaltsverzeichnis
Fieldings Jonathan Wild – Eine Abrechnung
Jonathan Wild – historische Hintergründe
Henry Fielding – Autor und Jurist
Jonathan Wild – the Great
Schauplatz Newgate
Jedem, was er verdient
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Henry Fieldings Erzählung "Jonathan Wild" im Kontext der historischen Realität und der satirischen Absicht des Autors. Ziel ist es zu untersuchen, wie Fielding das Leben des Diebes Jonathan Wild als Grundgerüst nutzt, um eine politische Satire auf Korruption, Moral und die Londoner Gesellschaft des 18. Jahrhunderts zu entwerfen.
- Historische Hintergründe und das Leben des wahren Jonathan Wild
- Henry Fieldings Doppelrolle als Autor und Richter
- Die satirische Funktion des Begriffs "great" und "great men"
- Newgate als zentraler Schauplatz und Metapher für die Gesellschaft
- Moralvorstellungen und die Rolle der Frau im 18. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
Jonathan Wild – historische Hintergründe
Es sind nur wenige Fakten aus dem frühen Leben des Jonathan Wild bekannt. Einige erfasst W. Irwin in seinem Buch The Making of Jonathan Wild, a Study in the literary method of H. Fielding. Er beginnt mit einem kurzen Kapitel über das Leben des wahren Jonathan Wild.
Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich laut Irwin sagen, dass Wild 1683 in Wolverhampton, Staffordshire geboren wurde. Über seine Eltern ist lediglich bekannt, dass sie sehr arm waren. Nach kurzer Zeit an der Dorfschule in Wolverhampton begann Jonathan Wild eine Ausbildung zum Schlosser. Diese dauerte allerdings nicht lange. Schon nach kurzer Zeit musste Wild, um der Strafe für eines seiner ersten Verbrechen zu entgehen, Meister und erste Ehefrau verlassen. Man geht davon aus, dass er sich direkt nach London begab, wo er kurz nach seinem Eintreffen verhaftet wurde. Vermutlich wegen nicht beglichener Schulden oder Landstreicherei.
Wild verbrachte die nächsten fünf Jahre im Wood Street Compter. In dieser Zeit traf er auch seine zukünftige Frau und Komplizin Mary Milliner, die selbst über ein großes Maß an krimineller Energie verfügte. Unter ihrer Anweisung lernte und verübte Wild diverse Bagatellverbrechen und verdingte sich durch Erpressung seiner Mitgefangenen und Aufseher. Wild kam schnell wieder frei.
Zusammenfassung der Kapitel
Fieldings Jonathan Wild – Eine Abrechnung: Einleitung in das Werk, die Bedeutung als politische Satire auf Robert Walpole und eine erste Skizzierung des methodischen Vorgehens.
Jonathan Wild – historische Hintergründe: Darstellung der verbrieften Lebensdaten des historischen Jonathan Wild und seiner kriminellen Machenschaften als "Thief-Catcher".
Henry Fielding – Autor und Jurist: Beleuchtung von Fieldings beruflicher Laufbahn als Jurist und Autor sowie dessen Einfluss auf die Gründung der Bow Street Runners.
Jonathan Wild – the Great: Untersuchung der fiktionalen Elemente, die Fielding in die Biografie Wilds einbaut, um den Begriff "große Männer" satirisch zu dekonstruieren.
Schauplatz Newgate: Analyse des Gefängnisses Newgate als Ort des Verbrechens und dessen Verwendung als Metapher für die politischen Zustände in England.
Jedem, was er verdient: Schlussbetrachtung zur Moral der Erzählung, zu den gegensätzlichen Frauenfiguren und der satirischen Abrechnung mit der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Henry Fielding, Jonathan Wild, Satire, Robert Walpole, Newgate, Kriminalität, Moral, 18. Jahrhundert, Literaturwissenschaft, historische Hintergründe, Gesellschaftskritik, Greatness, Goodness, Justiz, Romananalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Henry Fieldings satirischen Roman "Jonathan Wild" im Vergleich zur historischen Biografie des berüchtigten Diebes Jonathan Wild.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Verknüpfung von krimineller Realität und literarischer Fiktion, die politische Satire auf den Premierminister Robert Walpole sowie moralphilosophische Fragen der Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Fielding mittels Ironie und Satire ein kritisches Gesellschaftsbild entwirft, das Ehrlichkeit und Güte gegen Korruption und Machtstreben stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman mit zeitgenössischen historischen Quellen und Biografien des 18. Jahrhunderts kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Hintergründe Wilds, die Biografie Henry Fieldings, eine Untersuchung der satirischen Stilmittel sowie eine Analyse des Schauplatzes Newgate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Satire, Jonathan Wild, Henry Fielding, 18. Jahrhundert, Moral, Korruption, Newgate und Literaturwissenschaft.
Wie unterscheidet sich Fieldings Wild vom historischen Wild?
Fielding erfindet für seinen Protagonisten eine komplexe, teils absurde Ahnenreihe und fiktive Charaktere, um Wilds Leben in den Rahmen einer satirisch-moralistischen Erzählung zu zwängen, was weit über eine bloße Biografie hinausgeht.
Welche Rolle spielt Newgate als Metapher in der Erzählung?
Newgate fungiert bei Fielding als Abbild der englischen Gesellschaft, in dem sich Politiker und Verbrecher in ihrer heuchlerischen Machtstruktur ähneln.
Warum wird Fielding im Zusammenhang mit Walpole erwähnt?
Die Figur Jonathan Wild wird in der Forschung als Satire auf Robert Walpole gelesen, da Fielding dessen politische Methoden und die moralische Doppelmoral der damaligen Eliten verachtete.
- Quote paper
- Janna Falkenstein (Author), 2006, Fieldings Jonathan Wild, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69921