Der Beitrag der Beschaffung zum Unternehmenserfolg wird heute auf breiter Basis anerkannt. Diente der Einkauf in der Vergangenheit oftmals als reiner Erfüllungsgehilfe der Fachabteilungen, so ist er heute sowohl in der Forschung als auch in den Unternehmen verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.
Ein wesentlicher Faktor für die stärkere Fokussierung auf die Beschaffung liegt in der gestiegenen Bedeutung der Kosten. Seit der Öffnung neuer Märkte in Osteuropa und China hat der weltweite Wettbewerb und damit der Preisdruck stetig zugenommen. Der hohe Druck, der von den auf Käufermärkten ausschlaggebenden, immer heterogeneren Konsumentenwünschen ausgeht, verschärft diese Situation weiter. Eine Möglichkeit darauf zu reagieren ist es, sinkende Preise durch sinkende Kosten auszugleichen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass in den Industrieländern ca. 60% des Umsatzes fertigender Unternehmen extern beschafft werden, so werden die Bedeutung der Beschaffungskosten und das hohe Potential einer Kostensenkung in diesem Bereich deutlich.
Weitere Wettbewerbsvorteile können realisiert werden, wenn bei der weltweiten Auswahl von Lieferanten oder Beschaffungsmärkten neben den Kosten auch die anderen strategischen Wettbewerbsfaktoren, nämlich Zeit, Flexibilität und Qualität, berücksichtigt werden. Neben den sich bietenden Chancen bergen weltweite Einkaufsaktivitäten allerdings auch Risiken.
Bei der globalen Auswahl des Lieferanten, der das bestmögliche Gut liefern kann, spielen neben den auch bei einer rein nationalen Auswahl des geeignetsten Partners angelegten Maßstäben an z.B. Qualität und Kosten, die Verhältnisse am Standort, bzw. im Produktionsland des potentiellen Partners eine wichtige Rolle. Risiken, die sich daraus ergeben, können u.U. die Kosten- oder Flexibilitätsvorteile des Outsourcings oder des Lieferantenwechsels überkompensieren und damit den Vorteil zu einem Nachteil werden lassen. Den Unternehmen stehen zur besseren Einschätzung dieser Risiken verschiedene Länderbewertungsansätze, Länderratings und -analysen zur Verfügung. Ziel dieser Arbeit ist es, ihre Eignung für die Beschaffungsmarktauswahl zu beurteilen.
Struktur der Arbeit
1 Einführung, Ziel und Aufbau der Arbeit
1.1 Strategische Bedeutung der Beschaffung
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Begriffe und Definitionen
2.1 Beschaffung
2.2 Beschaffungsmarkt
2.3 Beschaffungsprozess
2.4 Beschaffungsmarktauswahl
3 Länderrisiken und Länderrisikobewertungsansätze
3.1 Länderrisiken
3.2 Systematik
3.3 Vorstellung einiger Risikokonzepte
3.3.1 Politische Länderrisikokonzepte
3.3.2 Branchen- und firmenspezifische Länderrisikokonzepte
3.3.3 Ökonomische Länderrisikokonzepte
4 Aussagefähigkeit der vorgestellten Länderbewertungsansätze für die Beschaffungsmarktauswahl
4.1 Allgemeine Probleme
4.2 Politische Konzepte
4.3 Branchen- und firmenspezifische Konzepte
4.4 Ökonomische Risikokonzepte
5 Zusammenfassung und Handlungsempfehlung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Beurteilung der Eignung verschiedener existierender Länderbewertungsansätze für den Prozess der internationalen Beschaffungsmarktauswahl. Dabei wird untersucht, inwieweit diese Ansätze, die häufig nicht speziell für Beschaffungsentscheidungen konzipiert wurden, Unternehmen dabei unterstützen können, globale Beschaffungsrisiken zu identifizieren und zu managen.
- Strategische Bedeutung der Beschaffung in globalen Märkten
- Definition und Prozessschritte der Beschaffungsmarktauswahl
- Systematik und Klassifizierung von Länderrisiken
- Vorstellung und kritische Analyse verschiedener politischer, branchen- und ökonomischer Risikokonzepte
- Handlungsempfehlungen für ein unternehmensindividuelles Risikomanagement
Auszug aus dem Buch
3.1 Länderrisiken
Unter dem Begriff Risiko ist im wirtschaftlichen Sinne „die Gefahr, dass ein Ereignis oder eine Handlung die Fähigkeit eines am Wirtschaftsleben teilnehmenden Unternehmens, seine Geschäftsziele zu erreichen und seine Geschäftsstrategie zu verfolgen, negativ beeinflusst“ zu verstehen. Länderrisiken sind durch wirtschaftliche, ökologische, infrastrukturelle, soziokulturelle und politische Ursachen bestimmt.
Sie können in ökonomische und nicht-ökonomische Risiken unterteilt werden. Den nicht-ökonomischen Risiken werden dabei diejenigen zugeordnet, die z.B. im Handeln von Regierungen, Interessengruppen oder in kulturellen Begebenheiten begründet liegen. Ökonomische Risiken basieren auf wirtschaftlichen Gegebenheiten und eigenen Fehleinschätzungen bezüglich dieser. Im Unternehmen sollen Länderbeurteilungskonzepte dazu dienen, Risiken rechtzeitig zu erkennen, um sie entweder ganz zu vermeiden, z.B. durch Auswahl eines anderen Marktes, oder besser auf die spezifischen Risiken des ausgewählten Beschaffungsmarktes vorbereitet zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung, Ziel und Aufbau der Arbeit: Das Kapitel begründet die hohe strategische Relevanz der Beschaffung in Zeiten globalen Wettbewerbs und definiert das Ziel der Arbeit als Eignungsprüfung von Länderbewertungsmodellen.
2 Begriffe und Definitionen: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten wie Beschaffung, Beschaffungsmarkt und der Ablauf des Beschaffungsprozesses strukturell erläutert.
3 Länderrisiken und Länderrisikobewertungsansätze: Dieses Kapitel systematisiert Länderrisiken und stellt verschiedene methodische Ansätze (qualitativ, quantitativ, politisch, ökonomisch) zu deren Erfassung vor.
4 Aussagefähigkeit der vorgestellten Länderbewertungsansätze für die Beschaffungsmarktauswahl: Der Hauptteil analysiert kritisch die Anwendbarkeit der vorgestellten Konzepte auf die Beschaffungsmarktauswahl und identifiziert methodische Probleme bei der Übertragbarkeit.
5 Zusammenfassung und Handlungsempfehlung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und empfiehlt ein unternehmensindividuelles Vorgehen ("information picking") zur Risikobeurteilung.
Schlüsselwörter
Beschaffung, Beschaffungsmarktauswahl, Länderrisiko, Risikomanagement, Strategisches Beschaffungsmanagement, Outsourcing, Länderbewertung, Politische Risiken, Ökonomische Risiken, Global Sourcing, Nutzwertanalyse, Supply Chain, Risikoklassifizierung, Standortwahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Länderbewertungsansätzen für die internationale Beschaffungsmarktauswahl und untersucht, wie Unternehmen diese Ansätze nutzen können, um Risiken bei der Auswahl von Beschaffungsmärkten besser einzuschätzen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Im Zentrum stehen die strategische Rolle der Beschaffung, die Systematisierung verschiedener Arten von Länderrisiken sowie die Vorstellung und kritische Analyse einer Vielzahl von politischen und ökonomischen Bewertungsinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu beurteilen, wie geeignet bestehende Länderbewertungskonzepte für die spezifischen Anforderungen der Beschaffungsmarktauswahl sind und Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich verschiedener existierender Risikomodelle, um deren Aussagekraft für Beschaffungsentscheidungen kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung zahlreicher Risikokonzepte (z.B. WPRF, BERI-Indizes, Index of Economic Freedom) und deren anschließende kritische Diskussion hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf die internationale Beschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Global Sourcing, Länderrisiko, strategisches Beschaffungsmanagement und Risikoklassifizierung charakterisieren.
Warum sind viele der untersuchten Ansätze nur bedingt für Beschaffer geeignet?
Viele der untersuchten Instrumente wurden ursprünglich für Investoren oder Kreditgeber entwickelt. Daher fokussieren sie oft auf Aspekte wie Zahlungsfähigkeit oder Kreditrisiken, die für Beschaffer, denen es primär um die Versorgungssicherheit und Lieferantenqualität geht, nur eine indirekte Relevanz haben.
Was bedeutet "information picking" in diesem Kontext?
Da es kein universelles Risikomodell gibt, das für alle Unternehmen und Branchen perfekt passt, empfiehlt der Autor "information picking": Unternehmen sollten gezielt aus verschiedenen Modellen die für sie relevanten Daten herausfiltern und diese in einem eigenen Analyse-Kontext zusammenführen.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirt, Diplom-Kaufmann Carsten Knauer (Author), 2004, Stellung und Aussagefähigkeit von Länderbewertungsansätzen im Rahmen der internationalen Beschaffungsmarktauswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69953