Einsatz von "bandes dessinées" im Französischunterricht zur Berücksichtung der Theorie ganzheitlichen Lernens


Hausarbeit, 2006
8 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2.1 Was ist eine bande dessinée aus lernpsychologischer Sicht?
2.2 Weswegen ich Tintin en Amérique gewählt habe

3. Didaktische Überlegungen zur Vokabel- und Grammatikarbeit mit Tintin en
Amérique als Vorlage

4. Angewandtes Fazit: Chancen eines Multimedia-Lernprogramms mit „Comic-Übungen“

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: bandes dessinées im Französischunterricht – wahre Chamälia

Das multimediale Zeitalter stellt angehende Lehrer vor die Frage, wie das Postulat der Multimedialität, das auf die Aktivierung nicht nur eines, sondern einer Vielzahl von Wahrnehmungskanälen im Gehirn[1] abzielt, im Unterricht eingelöst werden kann. Für den angehenden Französischlehrer gilt es also, eine mise en pratique des mit dieser Forderung korrelierenden Lehrsatzes des Oldenburger Didaktikprofessors Hilbert Meyer, für den Lernen im Allgemeinen und Methodisches Handeln im Besonderen „aus einer mit Witz und Phantasie, mit Kopf, Herz und Hand vorzunehmenden „Inszenierung“ des Unterrichts besteht[2]. Es geht also um die Versöhnung von bipolaren Lern- und Verhaltensmustern, nämlich von rationalem (Kopf) und emotionalem (Herz) Denken und Handeln.

In meiner Seminararbeit möchte ich anhand des Primärtextes Tintin en Amérique vorschlagen, wie dieser methodenpluralistische Ansatz im Französischunterricht einer 8. Klasse bei 2-3 Jahren Schulfranzösisch (das Klett-Lehrbuch série jaune ermöglicht den Einstieg ins Französische als 1. Fremdsprache) umgesetzt werden könnte. Da mich zudem das Wissen, das uns über das menschliche Gehirn bekannt ist, begeistert, soll die Fragestellung, weswegen der Comic eine besondere Chance ist, eine Vielzahl von Gehirnarealen zu aktivieren[3] und durch seinen „Chamäleon-Charakter“ (das Auge schaut mit, der Geist denkt mit, und auch Tast- und Geruchssinn fühlen sich in die im Comic illustrierte Umgebung ein) einem Maximum von Lerntypen gerecht zu werden.

Schließlich möchte ich auch erörtern, in wie weit ich ein multimediales PC-Lern-

programm, das Übungen im Comic-Format in seinem Aufgabenpool birgt, sehr befürworten würde.

Diese Intentionen zeigen, dass ich die Primärquelle Tintin en Amérique nur als Ausgangspunkt benutze und über sie hinausgehe, um die grundsätzlichen Chancen, die im Einsatz vom bande dessinées im Französischunterricht liegen, anzudeuten zu versuchen.

2.1 Was ist eine bande dessinée aus lernpsychologischer Sicht?

Die Gattung Comic weist eine deutliche Parzellierung in einzelne vignettes auf, die aus images und bulles bestehen. Durch diese Synthese aus Bild und in den Sprechblasen enthaltenen Textpassagen ergibt sich eine logoikonische Einheit. Diese Parallelität von Text und Bild führt mit sich, dass bei der Lektüre sowohl die linke Gehirnhälfte aktiviert wird (diese ist für die logisch-kausal-analytische Informationsverarbeitung[4] zuständig, somit also für die Verarbeitung des Worttextes, welcher aus Sicht der Linguisten eine lineare chaîne parlée darstellt, deren Verständnis durch logische Kohärenzmittel wie adverbiale Sinnrichtungen, Subjunktionen und Deiktika sichergestellt wird), als auch die rechte Gehirnhälfte, in der Bilder, Musik, Rhythmus, Phantasievorstellungen und das Intuitive beheimatet sind.

Die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften wird durch den sogenannten Balken, oder auch corpus callosum sichergestellt. Durch die Interaktion beider Gehirnhälften kommt das Prinzip der „dualen Kodierung“ zum Tragen, das Jörg Roche[5] als die „Verarbeitung sprachlicher und bildlicher Information in unterschiedlichen Zentren definiert, die allerdings (durch das Bindeglied des Balkens, K.H.) miteinander verbunden sind“. Folglich werden zwei unterschiedliche mentale Bilder konstruiert: die ikonische Information gelangt über den visuellen Kortex in das ikonographische Gedächtnis, die rein sachliche Proposition des Comictextes hingegen als Sachinformation ins semantische Gedächtnis, das Teil des prozeduralen Gedächtnisses ist. Lösen Text und Bilder zugleich Gefühle bei den Schülern aus, wird zudem das Limbische System aktiviert, das für die Gefühlsverarbeitung von zentraler Bedeutung ist. Sind diese positiv konnotiert, induziert dieses gar die Ausschüttung von Glückshormonen, Endorphinen also.[6]

[...]


[1] Folglich soll beispielsweise während des Unterrichts nicht nur der bei einem Lehrervortrag aktivierte akustische Wahrnehmungskanal, sondern ebenso der visuelle, der taktile (Dinge in die Hand nehmen; Fragestellung: „Wie fühlt sich die Unterrichtsmaterie eigentlich an?“, unter Umständen gar der olfaktorische (in die Atmosphäre, in die der Unterrichtsgegenstand eingebettet werden kann, z.B. eine narrative Rahmenhandlung, „im Geiste“ hineinschnuppern). Die Redewendung „mehrere Wahrnehmungskanäle aktivieren“ ist mir aus den Anleitungen der Pädagogen bekannt, die die Lehrbuchsoftwarereihen Franciel und English Coach (beide Cornelsen) erstellt haben.

[2] Meyer, Hilbert. Unterrichtsmethoden I (Theorieband).

[3] Die Lernforscherin Vera Birkenbihl würde, wie dies auf ihrer Homepage www.birkenbihl.de geschieht, dieses ganzheitlich-integrative Verfahren, das das Kaprizieren auf nur einen Wahrnungskanal ablehnt, als „brain-friendly“ bezeichnen; dieses helfe dem Lernenden, „Stroh im Kopf“ (dies ist Birkenbihl-Jargon!) vorzubeugen.

[4] Prof. Dr. Michael Rückert (FH Köln) erläutert die Funktionen der Hemisphären in seinem Skript zur Veranstaltung „Ganzheitliches Lernen“ (Quellenangabe im Literaturverzeichnis). Ähnlich erläutert es auch der Ganzheitsmediziner Dr. Rüdiger Dahlke in seinem Buch „Krankheit als Weg“, der betont, dass in der polaren Welt der Gegensätze scheinbar disparate Gegensätze zu Monismen vereint werden müssen, „damit wir uns der Einheit nähern können“ – rationales (linke Hemisphäre) und emotionales Lernen (linke Gehirnhälfte) sind ebenso untrennbar miteinander verbunden wie der Lauf der Jahreszeiten, wie Ein- und Ausatmen und Leben und Sterben.

[5] Roche, Jörg, Fremdsprachenerwerb und Fremdsprachendidaktik. Heidelberg: UTB, 2005.

[6] Dieses Wissen habe ich mir aus dem Kapitel über die Informationsverarbeitung im Gehirn im Lehrbuch „Psychologie“ von Zimbardo/Gerrig angeeignet. Die erfreuliche Information, dass das limbische System auf positive Gefühle mit der Ausschüttung von Endorphinen reagiert, stammt aus de.wikipedia.org/wiki/Limbisches_System.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Einsatz von "bandes dessinées" im Französischunterricht zur Berücksichtung der Theorie ganzheitlichen Lernens
Hochschule
Universität Regensburg
Veranstaltung
Oberkurs "Didaktik des Französischen"
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
8
Katalognummer
V69963
ISBN (eBook)
9783638614207
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einsatz, Französischunterricht, Berücksichtung, Theorie, Lernens, Interaktion, Hemisphären, Involvierung, Gehirnareale, Oberkurs, Didaktik, Französischen
Arbeit zitieren
Kai Hühne (Autor), 2006, Einsatz von "bandes dessinées" im Französischunterricht zur Berücksichtung der Theorie ganzheitlichen Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69963

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