Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der psychosozialen Versorgung krebskranker Patienten im Akutkrankenhaus. Diese hat sich unter den, 2004 endgültig eingeführten, DRG-Bedingungen erneut verkompliziert. Deshalb soll der Einfluss, den das DRG-Abrechnungssystem auf die Umsetzung psychosozialer Betreuung hat, in dieser Arbeit mit berücksichtigt werden.
Krebs ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Das statistische Bundesamt veröffentlichte für das Jahr 2004 eine Zahl von 214 863 Menschen, die an bösartigen Neubildungen verstorben sind. (Statistisches Bundesamt 2006) Gleichzeitig spricht man von über 340 000 Menschen, die in Deutschland jährlich an Krebs erkranken. (vgl. Weis 2006, S.242) Demnach müssen für die Behandlung dieser Erkrankungen beachtliche Summen ausgegeben werden, die sich laut statistischem Bundesamt im Jahr 2004 auf 210 Euro pro Einwohner im Jahr belaufen haben. Obwohl sich von diesen Tatsachen die Vermutung ableiten ließe, dass der Wissens-stand in der Bevölkerung bezüglich der Krebserkrankung hoch sein, und der Umgang mit der Krankheit gewissermaßen routiniert ablaufen müsse, scheint dies bis heute nicht der Fall. Krebs wird auch heute häufig als Metapher für Tod und Siechtum ver-standen. Gleichsam fühlt sich beinahe jeder in der Bevölkerung von dieser Krankheit angesprochen, weil sie wenig abstrakt scheint und der Großteil einen persönlichen Bezug, über sich selbst, Verwandte oder Bekannte, herstellen kann. Die medizinische Wissenschaft macht kontinuierliche Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankung, was die Überlebensrate für einige Tumoren in den letzten Jahren stetig verbessert hat. Gerade mit der längeren Lebenszeit, geht ein Paradigmenwechsel in der Onkologie von statten. Der Erfolg einer Krebsbehandlung wird heute nicht mehr nur an der körperlichen Genesung eines Patienten, sondern vielmehr auch am Zusammenhang mit der gewonnenen oder erhaltenen Lebensqualität gemessen. (vgl. Weis 2006, S.242) Krebsüberlebende müssen mit einer Vielzahl psychosozialer Belastungen als Folge der Erkrankung oder ihrer Behandlung umgehen können, was die Notwendigkeit einer psychosozialen Betreuung impliziert. In diesem Zusammenhang ist man geneigt, davon auszugehen, dass die psychosoziale Begleitung krebskranker Menschen in den Krankenhäusern Deutschlands gewährleistet ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1. Psychosoziale Aspekte der Krebserkrankung
1.1. Psychosoziale Einflüsse auf die Entstehung von Krebs
1.2. Psychosoziale Belastungen der Patienten in Folge einer Krebserkrankung
1.2.1. Psychosoziale Belastungsfaktoren
1.2.2. Depression als psychiatrische Nebendiagnose in Folge einer Krebserkrankung
1.2.3. Belastungen im Verlauf einer Chemotherapie
2. Psychoonkologische Intervention als Aufgabengebiet Sozialer Arbeit
2.1. Definition und Zielsetzung des Aufgabenbereichs
2.2. Beratungsbedarf
2.2.1.Informationsvermittlung
2.2.2. Sozialrechtliche Beratung und Rehabilitation
2.2.2.1 Sozialrechtliche Beratung
2.2.2.2. Rehabilitation
2.3. Betreuungsbedarf
2.3.1.Emotionale Unterstützung
2.3.2. Copingstrategien
2.4. Behandlungsbedarf
2.5. Angehörigenarbeit im Rahmen der psychosozialen Intervention
2.6. Psychoonkologische Basisleistungen
2.7. Methodische Ansätze des Handlungsfeldes
2.7.1. Entspannungsverfahren
2.7.2. Gruppentherapie
2.7.3. Einzeltherapie
2.7.4. Soziale Beratung
2.7.5. Case Management
2.7.6. Krisenintervention
2.7.7. Kreative Therapien
2.8. Nachsorge als Faktor für verbesserte Lebensqualität
2.9. Lebensqualität als Beurteilungskriterium für Behandlungserfolg
3. Das DRG-Fallpauschalensystem zur Finanzierung von Krankenhausleistungen
3.1. Einleitung
3.2. Begriffliche und inhaltliche Bestimmung der Diagnosis Related Groups (DRG)
3.3. Geschichtliche Entwicklung des DRG-Systems
3.3.1. HCFA – DRGs
3.3.2. AP-DRGs
3.3.3. APR-DRGs
3.3.4. AR-DRG
3.4. Das Deutsche DRG-System: G-DRG
3.4.1. Einleitende Begriffs- und Inhaltsbestimmung der G-DRGs
3.4.2. Gesetzliche Grundlagen des G-DRG-Systems
3.4.3. Grundlagen des G-DRG 2006
3.4.4. ICD-10-GM als Grundlage für die Kodierung von Diagnosen
3.4.5. Der OPS als Instrument der Kodierung von Leistungen am Patienten
3.4.6. Die Deutschen Kodierrichtlinien: DKR
3.4.7. Verschlüsselung von Diagnosen und Prozeduren
3.4.8. Finanzierung von Krankenhausleistungen durch die G-DRGs
3.4.8.1.Kalkulation
3.4.8.2. Preisbildung
3.4.9. Kritik am G-DRG
4. Psychosoziale Betreuung im Rahmen des DRG – Abrechnungssystems
4.1. Auswirkung der DRG-Vergütung auf die psychosoziale Versorgung der Patienten
4.2. DRG-Relevanz von psychosozialer Versorgung
4.3. Psychosoziale Betreuung im OPS-Katalog
4.3.1. Psychosoziale Intervention (9-401)
4.3.2. Sozialrechtliche Beratung (9-401.0)
4.3.3. Familien-, Paar- und Erziehungsberatung (9-401.1)
4.3.4. Nachsorgeorganisation (9-401.2)
4.3.5. Supportive Therapie (9-401.3)
4.3.6. Künstlerische Therapie (9-401.4)
4.3.7. Integrierte psychosoziale Komplexbehandlung (9-401.5)
4.4. Leitlinien zur Kodierung und Dokumentation psychosozialer Leistungen im OPS
4.4.1. Kodierung als Vorraussetzung zur Erlangung von DRG-Relevanz
4.4.2. Dokumentation psychosozialer Leistungen
4.4.3. Kodierung psychosozialer Leistungen
4.5. Psychosoziale Versorgung als Wettbewerbsfaktor im Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus
5. Die praktische Umsetzung psychosozialer Betreuung in der aktuellen Krankenhausstruktur
5.1. Grundlagen für die Umsetzung psychosozialer Leistungen
5.1.1. Gesetzliche Grundlagen
5.1.2. Sozialpolitische Rahmenbedingungen für die Umsetzung
5.1.3. Qualitätssicherung als Grundlage für Effizienz
5.1.4. Integration psychosozialer Leistungen in den medizinischen Behandlungsprozess
5.2. Berufspolitische Aktivitäten zur Erfassung psychosozialer Leistungen im DRG-System
5.3. Bedarfs-Screening als Vorraussetzung für praktische Psychoonkologie
5.3.1.Notwendigkeit der Anwendung von Screeningverfahren
5.3.2. Patientenzugang zu psychosozialer Betreuung
5.3.3. Anforderungen an Screeninginstrumente
5.4. Einsatz von Screeninginstrumenten in der Praxis
5.4.1.Hornheider Screeninginstrumente zur Erfassung der Betreuungsbedürftigkeit
5.4.2. Psychoonkologische Basisdokumentation
5.5. Integrierte psychosoziale Betreuung am Beispiel von Brustzentren
5.6. Stellenwert professioneller SA im Rahmen der praktischen Umsetzung
5.6.1. Historische Entwicklung des Aufgabenfeldes
5.6.2. Zuständigkeit der SA im psychosozialen Betreuungsprozess
5.6.3. Aktuelle Finanzierungsgrundlage der Sozialen Arbeit im Krankenhaus
5.6.4. Bedeutung SA im psychosozialen Betreuungsprozess
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen des DRG-Fallpauschalensystems auf die psychosoziale Versorgung krebskranker Patienten im Akutkrankenhaus. Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie die Soziale Arbeit trotz der ökonomischen Restriktionen durch das DRG-System ihre professionelle Bedeutung wahren und ihre Leistungen wirksam in den Behandlungsprozess integrieren kann.
- Psychosoziale Belastungen von Krebspatienten
- Psychoonkologische Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
- Funktionsweise und Auswirkungen des DRG-Abrechnungssystems
- Kodierung und Dokumentation psychosozialer Leistungen im OPS-Katalog
- Praktische Strategien zur Qualitätssicherung und Bedarfsermittlung (Screening)
Auszug aus dem Buch
1.2.1. Psychosoziale Belastungsfaktoren
In der Literatur finden sich keine eindeutigen Aussagen bezüglich bestimmter Persönlichkeitsmerkmale und deren gesicherten Auswirkung auf die Entwicklung oder Heilung von Krebserkrankungen. Der Nachweiß existierender Folgen einer Krebserkrankung hingegen kann ungleich einfach erbracht werden.
Zahlreiche Belastungen körperlicher und seelischer Art, die infolge einer Krebserkrankung beim Betroffenen auftreten können, beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten gravierend. (vgl. Mehnert 2006 S. 229f) Gerade die Vielzahl von körperlichen, psychischen und sozialen Folgen, mit denen Krebspatienten im Verlauf ihrer Erkrankung und Behandlung konfrontiert sind, macht die Krankheit, neben ihrer Prognose und Therapie, zu einer starken Belastung. (vgl. Muthny 1993 S. 60ff) Die Angst an Krebs zu erkranken ist in der Bevölkerung nach wie vor hoch. Krebs, dass bedeutet Leid und stark verringerte Lebensqualität. Noch in den siebziger Jahren herrschte medizinische Unwissenheit im Umgang mit der Krankheit, was zur Folge hatte, dass in der Bevölkerung kaum Aufklärung betrieben wurde und somit wenig über Entstehung, Behandlung und Verlauf bekannt war. Dies führte dazu, dass erkrankte Menschen sich von der Öffentlichkeit zurückzogen und von ihrem Umfeld gleichwohl gemieden wurden. (vgl. Hartmann 1991 S.16) Die Angst, wie ein Aussätziger behandelt zu werden, lies erst in den letzten Jahren, dank der Entwicklung Öffentlichkeitsoffensiver Onkologischer Beratungsstellen und verbesserten Methoden der Früherkennung und der medizinischen Behandlung, nach. (Hartmann 1991 S.46; Mehnert 2006 S.229) Dennoch ist die Krankheit für die Mehrheit der Patienten auch heute noch mit lang anhaltenden Folgen physischer, psychischer und sozialer Natur verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Psychosoziale Aspekte der Krebserkrankung: Dieses Kapitel thematisiert die Entstehung von Krebs im psychosozialen Kontext und analysiert die vielfältigen Belastungen, denen Tumorpatienten während ihrer Erkrankung ausgesetzt sind.
2. Psychoonkologische Intervention als Aufgabengebiet Sozialer Arbeit: Hier werden Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit sowie methodische Ansätze wie Beratung, Therapie und Krisenintervention detailliert vorgestellt.
3. Das DRG-Fallpauschalensystem zur Finanzierung von Krankenhausleistungen: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption, historische Entwicklung und die Funktionsweise des deutschen DRG-Abrechnungssystems.
4. Psychosoziale Betreuung im Rahmen des DRG – Abrechnungssystems: Es wird die problematische Integration psychosozialer Leistungen in die DRG-Vergütung analysiert und die Möglichkeiten einer Kodierung nach OPS-Katalog aufgezeigt.
5. Die praktische Umsetzung psychosozialer Betreuung in der aktuellen Krankenhausstruktur: Dieser Teil beschreibt die praktische Arbeit, insbesondere durch Screeninginstrumente und die Netzwerkarbeit am Beispiel von Brustzentren.
6. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, psychosoziale Leistungen als festen Bestandteil in die klinische Versorgung zu integrieren.
Schlüsselwörter
Psychoonkologie, Soziale Arbeit, DRG-Fallpauschalensystem, Krebs, psychosoziale Belastung, Krankenhaus, OPS-Katalog, Kodierung, Krankheitsverarbeitung, Lebensqualität, Entlassungsmanagement, Qualitätssicherung, screening, Case Management, Brustzentren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der psychosozialen Versorgung krebskranker Patienten unter den Bedingungen des DRG-Fallpauschalensystems in deutschen Krankenhäusern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die psychosozialen Folgen einer Krebserkrankung, die Möglichkeiten der Unterstützung durch die Soziale Arbeit und die ökonomische Einordnung dieser Leistungen in das Abrechnungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie psychosoziale Betreuung trotz des hohen ökonomischen Drucks im DRG-System als notwendiger und qualitätssichernder Teil der Krankenhausbehandlung erhalten und durch korrekte Kodierung sichtbar gemacht werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturanalyse sowie Erkenntnisse aus Evaluationsstudien und praxisbezogenen Leitfäden zur Dokumentation psychosozialer Leistungen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Krankheitsbelastungen, die Darstellung psychosozialer Interventionsmethoden sowie die detaillierte Analyse der DRG-Finanzierung und der praktischen Kodier- und Dokumentationspraxis.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Psychoonkologie, Soziale Arbeit, DRG, psychosoziale Versorgung, Kodierung und Lebensqualität.
Warum ist das Screening von Patienten so wichtig?
Screeninginstrumente helfen dabei, Patienten mit besonderem psychosozialem Betreuungsbedarf objektiv und frühzeitig zu identifizieren, um Ressourcen zielgerichtet einzusetzen und eine Chronifizierung von Beschwerden zu verhindern.
Welche Rolle spielt das Case Management?
Das Case Management dient als integrative Methode zur Koordination komplexer Hilfeprozesse über die Grenzen der eigenen Profession hinaus, was insbesondere für die Entlassungsplanung und Nachsorge entscheidend ist.
Warum ist die Kodierung psychosozialer Leistungen bisher so schwierig?
Da psychosoziale Leistungen im aktuellen DRG-System oft nicht direkt vergütungsrelevant sind, besteht wenig ökonomischer Anreiz zur Dokumentation; dennoch ist sie für die Transparenz und künftige Anerkennung der Profession unerlässlich.
- Quote paper
- Susanne Niederhammer (Author), 2007, Psychosoziale Betreuung onkologischer Patienten im Rahmen des DRG-Fallpauschalensystems und die praktische Umsetzung durch die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70013