Polen hat wie kein anderes Land den deutschen Nationalsozialismus erlitten. Deutschland überzog seinen Nachbarn nicht nur mit einem Krieg, sondern setzte dort seine menschenverachtende Rassen- und Bodenpolitik um. Der Holocaust, das schlimmste Verbrechen des Nationalsozialismus, fand hauptsächlich auf dem Territorium des besetzten Polen statt. Von den 6 Millionen getöteten Juden hatten 2,5 Millionen die polnische Staatsangehörigkeit. Zudem Deutschlands Großraumtheoretiker mit dem slawischen Volk eine in ihrem Ausmaß und ihrer Brutalität einzigartige Vertreibungs- und Deportationspolitk vor hatten. Die wissenschaftlichern Planungen waren gekoppelt an den Hitler´schen Wahn von Blut und Boden.
Dieses Buch untersucht allgemein die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf Polen während des Zweiten Weltkriegs und speziell die Planungen, die sich im Generalplan Ost manifestierten. Der Generalplan Ost spiegelt die theoretischen und methodischen Debatten zur Hierarchie der Siedlungsordnung wider. Er ist ein Beispiel für die negative Verzahnung von nationalsozialistischer Raum- und Boden-Politik mit geographischer und sozialwissenschaftlicher Forschung und Theorie. Dabei soll nicht nur der Inhalt der Planungen dargestellt werden, sondern insbesondere deren Tragweite und Auswirkungen.
Im ersten Teil des Buches werden die außen- und innenpolitischen Entwicklungen zwischen Polen und dem Deutschen Reich erläutert. Der zweite Teil stellt die kriegerische Auseinandersetzung der beiden Staaten dar. Der weitaus größte Abschnitt behandelt die Zeit der Besatzung und Einverleibung Polens. Ausgehend von der Aufteilung Polens zwischen Hitler Deutschland und der Sowjetunion unter Stalin, wird auf die Planungen und auf das Schicksal der polnischen und jüdischen Bevölkerung eingegangen, das sich daraus ergab. Als Beispiel für das Terrorregime und der ersten Umsetzungen des Generalplans Ost wurden das Warthegau und das Gebiet um Zamosc ausgewählt. Das abschließende Kapitel behandelt den Zusammenbruch und das Wiedererstehen der Volksrepublik Polen. In vielen Fällen wurde versucht durch Orginalzitate das Nicht-Faßbare deutlicher zu machen. Auf Abbildungen wurde im Textteil verzichtet, besonders wichtige Darstellungen sind im Anhang zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTWICKLUNGEN BIS ZUM BEGINN DES ZWEITEN WELTKRIEGS
2.1. DIE INNEN- UND AUßENPOLITISCHE SITUATION
2.2. DAS VERHÄLTNIS ZU POLEN
3. DER POLENFELDZUG
4. POLEN UNTER NATIONALSOZIALISTISCHER HERRSCHAFT
4.1. DIE NEUORDNUNG DES OSTDEUTSCHEN UND POLNISCHEN RAUMES
4.2. DER GENERALPLAN OST
4.2.1. DIE ENTWICKLUNG DER PLANWERKE
4.2.2. DIE INHALTE DER PLANUNGEN
4.3. DAS SCHICKSAL DER ANSÄSSIGEN BEVÖLKERUNG
4.3.1. DIE POLNISCHE BEVÖLKERUNG
4.3.2. DIE JÜDISCHE BEVÖLKERUNG
4.4. BEISPIELE FÜR DIE REALISIERUNG DER PLANUNGEN
4.4.1. DAS GEBIET WARTHEGAU UND CHRISTALLERS ZENTRALE ORTE THEORIE
4.4.2. DAS GEBIET ZAMOJSZCZYZNA
5. DER ZUSAMMENBRUCH DES DEUTSCHEN REICHES
6. SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf Polen während des Zweiten Weltkriegs, mit einem besonderen Fokus auf die geographischen und sozialwissenschaftlichen Planungen im Rahmen des sogenannten „Generalplan Ost“. Die Forschungsfrage widmet sich dabei nicht nur den Inhalten der nationalsozialistischen Raum- und Bodenpolitik, sondern analysiert vor allem deren Tragweite und die daraus resultierenden katastrophalen Auswirkungen auf die polnische und jüdische Bevölkerung.
- Politische und militärische Entwicklungen zwischen dem Deutschen Reich und Polen bis 1939
- Analyse des Generalplan Ost und seiner theoretischen Grundlagen
- Untersuchung des Terrorregimes und der Vernichtungspolitik gegenüber der Bevölkerung
- Fallstudien zur Umsetzung der Raumordnung im Warthegau und im Gebiet Zamojszczyzna
- Zusammenbruch des deutschen Besatzungsregimes und die Neuordnung Polens nach 1945
Auszug aus dem Buch
4.4.2. Das Gebiet Zamojszczyzna
Im Südosten des Generalgouvernements, im Gebiet um die Kreisstadt Zamosc im Lubliner Distrikt gelegen (Anlage 4), wurde erstmalig der Versuch unternommen, die Realisierung des Generalplan Ost in einer großangelegten Germanisierungsaktion modellhaft zu erproben. In Gebiet von Zamosc und der umgebenden Landschaft Zamojszczyzna, wurden mehr als 100.000 Menschen bei den Aussiedlungsaktionen der SS exmittiert oder vertrieben. Der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, Heinrich Himmler, sah dieses Gebiet als Sonderlaboratorium der SS an. Im Herbst 1941 begannen die ersten kleinen Versuchsaktionen, die im November 1942 verstärkt und bis in die zweite Jahreshälfte 1943 forciert betrieben wurden.
Entgegen der vertretenen Meinung im Fall VIII gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses, daß bezüglich des Generalplan Ost “...kein Versuch unternommen worden ist, die darin enthaltenen Vorschläge auszuführen“, kann festgestellt werden, daß die „Umvolkung“ in der Zamojszczyzna sehr wohl als 1. Realisierungsphase des GPO angesehen werden kann. Alleinig die Kriegsumstände haben dieses Gebiet vor der vollkommenen „Germanisierung“ bewahrt. So kann man hier m. E. von einer krassen Fehleinschätzung des Internationalen Militärgerichtshofs sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der historischen Ausgangslage und der Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Auswirkungen der NS-Politik auf Polen.
2. DIE ENTWICKLUNGEN BIS ZUM BEGINN DES ZWEITEN WELTKRIEGS: Analyse der politisch-ideologischen Hintergründe der deutschen Expansionspolitik vor Kriegsbeginn.
3. DER POLENFELDZUG: Zusammenfassung des militärischen Angriffs auf Polen und der strategischen Überlegenheit des deutschen Blitzkrieg-Konzepts.
4. POLEN UNTER NATIONALSOZIALISTISCHER HERRSCHAFT: Untersuchung der Neuordnung des besetzten Raumes, der Siedlungsplanung sowie des Terrors gegen die Zivilbevölkerung.
5. DER ZUSAMMENBRUCH DES DEUTSCHEN REICHES: Betrachtung des Endes der Besatzungsherrschaft, der Widerstandsbewegung und der geopolitischen Neuordnung nach 1945.
6. SCHLUSSBEMERKUNG: Kritische Reflexion der Rolle von Geographen bei der NS-Planung und der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Polen, Generalplan Ost, Rassenpolitik, Germanisierung, Holocaust, Zamojszczyzna, Warthegau, Zweiter Weltkrieg, Raumordnung, SS, Besatzungsherrschaft, Umvolkung, Zwangsarbeit, Ostforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf Polen während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die systematische Raumplanung und Vernichtungspolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Generalplan Ost, die Zerstörung der polnischen und jüdischen Lebensgrundlagen, die Rolle der deutschen Raumplanung sowie der Widerstand der polnischen Bevölkerung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, den engen Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Planung (wie der Geographie) und der brutalen nationalsozialistischen Rassen- und Bodenpolitik aufzudecken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine geographisch-historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von zeitgenössischen Planungsdokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Entwicklung vor 1939, die militärische Besetzung, die theoretischen Konzepte zur „Neuordnung“ des Ostens und konkrete Fallbeispiele der Umsetzung.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Generalplan Ost, Germanisierung, Umvolkung, Völkermord und deutsche Ostforschung.
Warum wird das Gebiet Zamojszczyzna als „Sonderlaboratorium“ bezeichnet?
Himmler nutzte dieses Gebiet, um den Generalplan Ost durch großangelegte Vertreibungen und Ansiedlung „volksdeutscher“ Bevölkerung modellhaft in der Praxis zu erproben.
Welche Rolle spielten Geographen bei der nationalsozialistischen Planung?
Wissenschaftler, insbesondere Geographen, lieferten durch ihre Theorien, wie beispielsweise die Zentrale-Orte-Theorie von Christaller, die wissenschaftliche Legitimation und Planungsgrundlage für das Regime.
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- Dipl. Betriebswirt / Dipl. Geograf Klaus-Dieter Färber (Author), 2000, Polen: Der Zweite Weltkrieg, die Besatzung und die Pläne der Nationalsozialisten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70014