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Integumentum - Der Versuch einer Konzeptualisierung

Titel: Integumentum - Der Versuch einer Konzeptualisierung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 23 Seiten , Note: 1

Autor:in: Christian Wadephul (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Diese Arbeit ist der Versuch einer konstruktiven Kritik der jüngsten Forschungsergebnisse zum Integumentum-Konzept. Der lateinische Begriff „Integumentum“ läßt sich im Deutschen mit „Verhüllung“ wiedergeben. Da er in literaturwissenschaftlichem Kontext benutzt wird, ist hiermit also - grob gesagt - eine Verhüllung des Gemeinten durch das Gesagte/Geschriebene bezeichnet. Begreift man somit die „uneigentliche Rede“ als genus proximum des Integumentums, bleibt zu klären, ob überhaupt, und wenn ja, wie die differentia specifica bestimmbar ist. Bezüglich der Konzeptualisierung des Begriffs Integumentum kommt selbst das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft nur zu folgender, höchst unbefriedigenden Feststellung: „Er [der Begriff Integumentum, C.W.] überschneidet sich [...] teils mit Allegorese und Allegorie 2, teils mit der christlichen Bibelhermeneutik“. Bevor man jedoch mit einem solch unpräzisen literaturwissenschaftlichen Begriff arbeitet oder sich über Entdifferenzierungen beklagt, sollte man versuchen, bereits erarbeitete Distinktionsmerkmale der diversen Typen von uneigentlicher Rede zu bestimmen. Dies soll im folgenden geschehen. Dabei ist auffallend, daß sich die Forschungsfront alles andere als einig ist, was die Konzeptualisierung des Integumentums betrifft; überdies sind die angebotenen Definitionsversuche, die das Integumentum vor allem von der Allegorie, bzw. der Allegorese abgrenzen sollen, nicht überzeugend. Desweiteren herrscht in der Forschungsliteratur bereits eine Diffusion hinsichtlich der Bedeutung des Allegoriebegriffs.
Deshalb liefert diese Arbeit zuerst eine Skizze der jüngsten Ergebnisse zur Allegorieforschung, die wohl am vollständigsten in Christel Meiers Überlegungen zum gegenwärtigen Stand der Allegorie-Forschung zusammengefaßt sind. Abschließend wird eine weitere mögliche Konzeptualisierung des Integumentums vorgestellt, die Überschneidungen mit anderen Konzepten vermeiden möchte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung:

II. Allgemeines zur Allegorie:

III. Allgemeines zum Integumentum:

IV. Differenzierung des Allegoriekonzepts:

V. Abgrenzung des Integumentumkonzepts von der Allegorie:

VI. Exkurs – Hartmanns von Aue „Iwein“:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine konstruktive Kritik an der aktuellen Forschung zum Konzept des Integumentums zu üben, um dessen begriffliche Unschärfe und die problematische Abgrenzung zur Allegorie zu überwinden. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern eine qualitative Differenzierung zwischen integumentalem und allegorischem Erzählen möglich ist, ohne dabei auf willkürliche oder dogmatische Unterscheidungsmerkmale angewiesen zu sein.

  • Kritische Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Allegorie- und Integumentumforschung.
  • Untersuchung der Begriffsgeschichte und der problematischen Unterscheidung zwischen Allegorie und Integumentum.
  • Hinterfragung der Oppositionspaare wie "historia – fabula" und "weltlich – religiös".
  • Konzeptualisierung einer formalen statt inhaltlichen Verhüllung im Rahmen des Integumentums.
  • Fallstudie zu Hartmanns von Aue "Iwein" als paradigmatisches Beispiel für integumentales Erzählen.

Auszug aus dem Buch

VI. Exkurs – Hartmanns von Aue „Iwein“:

Als paradigmatisches Beispiel für die formale Struktur integumentalen Erzählens, ist Hartmanns von Aue höfischer Roman Iwein bezeichnend. Prima facie scheint es sich hier um eine aventiure-Erzählung zu handeln – genauer: um eine „Brunnen-aventiure“. Der Text selbst liefert sogar explizit eine Definition dessen, was unter einer aventiure zu verstehen ist. Das folgende Zitat ist ein Ausschnitt aus dem Gespräch zwischen Kalogrenant und dem ungehiure:

‚âventiure? waz ist daz?’ ‚daz will ich dir bescheiden baz. nû sich wie ich gewâfent bin: 530 ich heize ein riter und hân den sin daz ich suochende rîte einen man der mit mir strîte, der gewâfent sî als ich. daz prîset in, und sleht er mich: 535 gesige aber ich im an, sô hât man mich vür einen man, und wirde werder danne ich sî.

Die Definition beschreibt also, daß sich innerhalb einer aventiure zwei Ritter gegenüberstehen, die sich zwar als „Gleiche“/„Gleichwertige“ anerkennen, evidenterweise allerdings als „Feinde“ miteinander um (eine Erhöhung ihrer) „Ehre“ strîten. Dennoch muß auch der Ausgang eines aventiure-Kampfes von gegenseitiger Anerkennung geprägt sein, was sich unter anderem darin zeigt, daß keiner den anderen töten darf. Zudem bedarf es eines (höfischen) Publikums, welches als „Zeuge“ des Kampfes fungiert, die „Ehrzuweisung“ somit offiziellen Charakter erlangen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der Begriffsbildung "Integumentum" ein und konstatiert ein unbefriedigendes Begriffschaos in der Forschung.

II. Allgemeines zur Allegorie: Das Kapitel skizziert die Grundlagen der Allegorieforschung und problematisiert die gängige "aliud-aliud-Formel" sowie den etymologischen Ursprung.

III. Allgemeines zum Integumentum: Hier werden Definitionsversuche anhand der Opposition "historia – fabula" erörtert und deren Eignung als Distinktionsmerkmal kritisch hinterfragt.

IV. Differenzierung des Allegoriekonzepts: Dieses Kapitel untersucht Brinkmanns Unterscheidung zwischen rhetorischer und hermeneutischer Allegorie und zeigt deren Schwachstellen auf.

V. Abgrenzung des Integumentumkonzepts von der Allegorie: Die Untersuchung hinterfragt die Möglichkeit einer inhaltlichen Abgrenzung und schlägt eine Verlagerung auf die formale Ebene vor.

VI. Exkurs – Hartmanns von Aue „Iwein“: Anhand des Romans "Iwein" wird das Konzept des integumentalen Erzählens als formale Intransparenz und "Katalysator des Verstehens" illustriert.

Schlüsselwörter

Integumentum, Allegorie, Allegorese, Mittelalter, Hartmann von Aue, Iwein, Literaturwissenschaft, Verhüllung, Rhetorik, Hermeneutik, Fiktivität, Aventiure, Historia, Fabula, Intransparenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Konzeptualisierung des mittelalterlichen Begriffs "Integumentum" und dessen Abgrenzung gegenüber dem Allegoriebegriff.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die literaturtheoretische Bestimmung uneigentlicher Rede, die Differenzierung zwischen rhetorischer und hermeneutischer Allegorie sowie die Bedeutung von Inhalten gegenüber formalen Strukturen.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Arbeit fragt, worin ein qualitativer Unterschied zwischen integumentalem und allegorischem Erzählen liegt und ob dieser ohne dogmatische Annahmen wissenschaftlich belegbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Der Autor verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse und kritische Sichtung der Forschungsliteratur, ergänzt durch eine exemplarische Analyse am Beispiel von Hartmanns von Aue "Iwein".

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Begriffe Allegorie und Integumentum, deren historische Definitionsversuche sowie die Unzulänglichkeiten bisheriger Abgrenzungsversuche (wie weltlich vs. religiös) eingehend analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?

Die zentralen Begriffe sind Integumentum, Allegorie, Allegorese, literarische Verhüllung, Intransparenz, Hartmann von Aue und literaturtheoretische Differenzierung.

Warum wird im Exkurs Hartmanns "Iwein" als Beispiel herangezogen?

Der Roman dient als paradigmatisches Beispiel für eine "non-aventiure"-Erzählung, die die formale Struktur des Integumentums verdeutlicht, anstatt lediglich einen verhüllten Inhalt zu transportieren.

Was ist die zentrale These zur Funktion des Integumentums?

Die Arbeit vertritt die provokante These, dass das Integumentum keinen Inhalt verhüllt, sondern dass das Erzählen selbst als formale Verhüllung fungiert, die als Katalysator des Verstehens dient.

Inwiefern beeinflusst das Publikum die Interpretation?

Das höfische Publikum fungiert als entscheidende Instanz; die literarische Form des Integumentums ermöglicht es, Distinktionen zwischen den "Verstehenden" und "Nichtverstehenden" zu setzen.

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Details

Titel
Integumentum - Der Versuch einer Konzeptualisierung
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Hartmann von Aue
Note
1
Autor
Christian Wadephul (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V70074
ISBN (eBook)
9783638624176
ISBN (Buch)
9783638673990
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integumentum Versuch Konzeptualisierung Hauptseminar Hartmann
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Wadephul (Autor:in), 2007, Integumentum - Der Versuch einer Konzeptualisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70074
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