Omnia in mensura et numero et pondere fecisti. Die von Gott geschaffene Welt ist nach Maß, Zahl und Gewicht bis in das kleinste Detail hinein geordnet. Eine nach Regeln erschaffene Welt muss demnach erfass- und erklärbar sein, da ihre Schöpfung in keinem Bereich dem Zufall unterlag. Da die Bibelexegese keine Verbote der Beschäftigung mit der Erde und deren Gestalt formuliert hatte, folgten zwangsläufig Versuche der Menschen, die von Gott geordnete Welt zu erklären und darzustellen. Einen besonderen Platz in der Abbildung der Welt und dem Weltbild nehmen dabei die TO-Schemakarten oder auch Radkarten ein. Besonders auch deshalb, weil sie parallel zu geografisch teilweise überraschend genauen Karten existieren. Wie erklärt sich demnach, dass die Menschen bedingte Kenntnis von geografischen Lagen und Verhältnissen hatten und sich trotzdem mit einem Typus von Karte beschäftigen, der offenbar nicht die geografische Genauigkeit seiner „wissenschaftlichen Pendants“ aufweist. Wie kommt es, dass der Symbolismus einer T-Karte parallel zum Realismus einer Welt- oder Gebietskarte existieren konnte? Handelt es sich hierbei wirklich um eine Armut des Wissens,wie sie Leithäuser formuliert? Betrachtet man verschiedene T-Karten, sind diese nach einem, augenscheinlich immer gleich bleibendem, Schema aufgebaut. Scheinbar folgt ein großer Teil der Karten Gemeinsamkeiten wie der Anzahl und Aufteilung der Kontinente, dem kreisrunden Randozean (das „O“) oder den Grenzflüssen/ -meeren (angeordnet als „T“). Auch ist ein Großteil der T-Karten mit der Himmelsrichtung Osten nach oben ausgerichtet. Einige T-Karten haben diese Schemata allerdings nicht befolgt und weisen eine Ausrichtung zu anderen Himmelsrichtungen auf. Und auch der runde Randozean wird in einigen wenigen Karten nicht dem Schema des kreisrunden, allumschließenden Okeanos entsprechend berücksichtigt. Wie lassen sich solche Tatsachen erklären, wenn die von Gott geschaffene Welt doch ganz klar den Prämissen der göttlichen Ordnung, der Ordounterlag? Trotzen diese Karten also, wissentlich oder unwissentlich, der Ordo? Denn für den Menschen des Mittelalters kann nur eine Sichtweise richtig sein, beachtet man die Annahme der göttlichen Ordnung. Und am wichtigsten scheint, zu betrachten, aus welchen Gründen eine Karte ein Schema verfolgt oder eben auch nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „T-Schemakarten“ und ihr Aufbau
2.1 Grundvoraussetzungen und Ursprünge der Kartografie des Mittelalters
2.2 Größenverhältnisse, Lage und Herkunft der drei Kontinente
2.3 Die Ausrichtung der Welt und verwendeter Symbolismus
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufbau und die Bedeutung mittelalterlicher T-Schemakarten, um zu klären, ob deren vermeintliche Unregelmäßigkeiten ein gezieltes Symbolsystem darstellen oder eine Abweichung von einer ursprünglichen Ordnung widerspiegeln.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der mittelalterlichen Kartografie im Kontext der "Ordo".
- Untersuchung der Kontinentenordnung sowie der geografischen Symbolik in T-Karten.
- Auseinandersetzung mit der Ausrichtung der Karten und ihrer religiösen Bedeutung (Ostung).
- Kritische Bewertung des Begriffs "T-Schema" angesichts zahlreicher Variationen in der Überlieferung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Omnia in mensura et numero et pondere fecisti. Die von Gott geschaffene Welt ist nach Maß, Zahl und Gewicht bis in das kleinste Detail hinein geordnet. Eine nach Regeln erschaffene Welt muss demnach erfass- und erklärbar sein, da ihre Schöpfung in keinem Bereich dem Zufall unterlag. Da die Bibelexegese keine Verbote der Beschäftigung mit der Erde und deren Gestalt formuliert hatte, folgten zwangsläufig Versuche der Menschen, die von Gott geordnete Welt zu erklären und darzustellen. Einen besonderen Platz in der Abbildung der Welt und dem Weltbild nehmen dabei die TO-Schemakarten oder auch Radkarten ein. Besonders auch deshalb, weil sie parallel zu geografisch teilweise überraschend genauen Karten existieren. Wie erklärt sich demnach, dass die Menschen bedingte Kenntnis von geografischen Lagen und Verhältnissen hatten und sich trotzdem mit einem Typus von Karte beschäftigen, der offenbar nicht die geografische Genauigkeit seiner „wissenschaftlichen Pendants“ aufweist. Wie kommt es, dass der Symbolismus einer T-Karte parallel zum Realismus einer Welt- oder Gebietskarte existieren konnte? Handelt es sich hierbei wirklich um eine Armut des Wissens, wie sie Leithäuser formuliert?
Betrachtet man verschiedene T-Karten, sind diese nach einem, augenscheinlich immer gleich bleibendem, Schema aufgebaut. Scheinbar folgt ein großer Teil der Karten Gemeinsamkeiten wie der Anzahl und Aufteilung der Kontinente, dem kreisrunden Randozean (das „O“) oder den Grenzflüssen/ -meeren (angeordnet als „T“). Auch ist ein Großteil der T-Karten mit der Himmelsrichtung Osten nach oben ausgerichtet. Einige T-Karten haben diese Schemata allerdings nicht befolgt und weisen eine Ausrichtung zu anderen Himmelsrichtungen auf. Und auch der runde Randozean wird in einigen wenigen Karten nicht dem Schema des kreisrunden, allumschließenden Okeanos entsprechend berücksichtigt. Wie lassen sich solche Tatsachen erklären, wenn die von Gott geschaffene Welt doch ganz klar den Prämissen der göttlichen Ordnung, der Ordo unterlag? Trotzen diese Karten also, wissentlich oder unwissentlich, der Ordo?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die mittelalterliche Vorstellung einer durch Gott geordneten Welt (Ordo) ein und hinterfragt das Spannungsfeld zwischen geografischer Ungenauigkeit und symbolischer Bedeutung der T-Karten.
2. „T-Schemakarten“ und ihr Aufbau: In diesem Hauptteil wird analysiert, inwieweit die mittelalterliche Kartografie auf antiken Traditionen basiert und wie christliche Symbolik die Darstellung von Weltkarten beeinflusste.
3. Schluss: Das Fazit resümiert, dass T-Karten komplexe religiöse und exegetische Ausdrucksformen sind, deren interne Variationen den starren Begriff des „Schemas“ in Frage stellen.
Schlüsselwörter
T-Schemakarten, Mittelalter, Kartografie, Ordo, Weltsicht, Symbolismus, Ostung, Mappa Mundi, göttliche Ordnung, Kontinente, Antipoden, Exegese, Geografiegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse mittelalterlicher T-Schemakarten und untersucht, wie diese das damalige Weltbild im Kontext der göttlichen Ordnung widerspiegeln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen der Aufbau dieser Karten, die Rolle der religiösen Symbolik sowie die Frage, ob die erkennbaren Abweichungen vom Grundschema als gezielte Variationen zu verstehen sind.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der geografischen Abstraktion der T-Karten und dem tatsächlichen Wissensstand des Mittelalters kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, die bekannte Kartentypen vergleicht und in den Kontext zeitgenössischer exegetischer und historischer Quellen stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Grundvoraussetzungen der Kartografie, der spezifischen Anordnung der Kontinente und der religiös motivierten Ausrichtung der Karten (Ostung).
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Typische Begriffe sind "Ordo", "T-Schema", "Mittelalterliche Kartografie", "Symbolismus" und "Mappa Mundi".
Was besagt die „Ordo“-Hypothese in Bezug auf die Karten?
Die Hypothese postuliert, dass die Karten nicht primär geografisch exakt, sondern als Abbild der perfekten göttlichen Ordnung der Welt konzipiert wurden.
Warum spielt die Ostung der Karten eine so wichtige Rolle?
Die Ausrichtung nach Osten (Ostung) wird als eschatologische Heilsrichtung und symbolischer Beginn der Menschheitsgeschichte gedeutet, was tief in der christlichen Tradition verwurzelt ist.
Wie gehen die Karten mit dem sogenannten „Antipoden-Problem“ um?
Die Existenz von Antipoden wurde im Mittelalter kontrovers diskutiert und oft vorsichtig in das christliche Weltbild integriert oder als Fabelwesen abgetan.
Ist der Begriff „T-Schema“ nach Ansicht des Autors noch zeitgemäß?
Der Autor regt an, den Begriff vorsichtiger zu verwenden, da die Vielfalt der Karten und ihrer Abweichungen vom strikten Schema sehr groß ist.
- Citar trabajo
- Bastian Hefendehl (Autor), 2003, 'T-Karten' und ihr Aufbau - Zu starke Unregelmäßigkeiten für ein Schema oder Variation gemeinsamer Ursprünge?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70169