Noch der Gott der Väter? Jüdisches Gottesverständnis und christliche Trinitätstheologie: Einheit, Ergänzung oder Widerspruch?


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Das jüdische Gottesverständnis
2.1 Monotheismus
2.2 "Jüdische Dogmatik"
2.3 Partner und Kinder Gottes
2.3.1 Thora
Exkurs: Hebräisches und Hellenistisches Denken

3. Trinität
3.1 Geschichtliche Aspekte und Gründe zur Entfaltung der Trinitätslehre
3.2 Biblische Voraussetzungen
3.3 Probleme der Trinitätslehre
3.4 Aussagen der Trinitätslehre
3.5 Symbol des Glaubens

4. Dialog

5. Verzeichnis der verwendeten Literatur

1. Vorbemerkungen

Christlicher und jüdischer Glaube haben eine gemeinsame Wurzel im atl. Judentum und ein gemeinsames Ziel: den Gott Israels, den Vater Jesu Christi. Jesus rief in seiner Predigt zur Buße und zur Umkehr zu Gott auf, "...denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen" (Mt. 4, 17). Trotz vieler Gemeinsamkeiten in ganz wesentlichen Dingen gibt es aber auch gewichtige Trennlinien zwischen Judentum und Christentum. Eine der entscheidenden dieser Trennlinien ist die christliche Lehre von der Trinität Gottes. Von jüdischer Seite wird den Christen vorgeworfen, sie hätten sich vom strikten Monotheismus abgekehrt zum Quasi-Tritheismus. Die christliche Seite meint, das Judentum würde Gottes Offenbarung leugnen bzw. ablehnen oder hätten lediglich Bezug zu einer "Person" Gottes - nämlich Gott dem Vater/Schöpfer. Trotzdem bekennen beide Seiten den biblisch bezeugten Gott. Angesichts solcher Widersprüche drängt sich die Frage auf: Glauben wir an den selben Gott?

Es kann hier nicht um einen detaillierten Vergleich jüdischen und christlichen Gottesverständnisses gehen (zumal es diese in 100%iger Reinkultur gar nicht gibt!), sondern vor allem um die Frage, ob Trinitätstheologie notwendigerweise atl. bzw. jüdischem Gottesverständnis widersprechen muß oder ob hier Anknüpfungspunkte zur Verständigung gegeben sein könnten.

2. Das jüdische Gottesverständnis

2.1 Monotheismus

"Der Satz Dtn. 6, 4:>>Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig<< kündet von ...(dem strikten, d.V.) Monotheismus des Judentums; er ist der erste Hauptpfeiler der israelitischen Religion"[1] Das Schma Jisrael ist jedem Juden geläufig und bildet die kürzeste Zusammenfassung des jüdischen Gottesverständnisses. Von da aus baut sich alles andere auf. Gott ist nicht faßbar, auch in seiner Offenbarung ist er noch verborgen. Der Gottesname Jhwh (Ex. 3,14) drückt genau das aus: "Wie immer wir hier übersetzen:>>Ich werde sein, der ich sein werde<<, oder>> Ich bin, der ich bin<<, oder mit >>Ich werde da sein, als der ich dasein werde<<, wird hier die Realpräsenz Gottes bezeugt, aber nichts über die göttliche Natur ausgesagt."[2] Das ein jüdisch Glaubender niemals den Namen Gottes ausspricht, hat damit zu tun, daß das Benennen etwas mit Besitzen zu tun hat. "Das Nichtaussprechen des göttlichen Namens erinnerte Israel stets daran, daß die größte Gefahr für die Religion von denen ausgeht, die so viel von Gott und seinem Wesen zu wissen meinen."[3] Gott ist der Heilige, d.h. der von allem Unterschiedene, der über alles Erhabene. "Dem, der der Heilige ist, entspricht das Heilige, das Gute und Sittliche."[4] Die Abgrenzung zum Polytheismus ist nicht lediglich in der Zahl (1 Gott), sondern vor allem inhaltlich; Gott ist der Heilige, die einzige Form, ihm recht zu dienen ist das Tun des Guten. Es geht also vordergründig auch um menschl. Beziehungen: zu Gott und zu den Mitmenschen. Es geht in der jüdischen Theologie nicht speziell darum, wie Gott ist, sondern wie Gott zu den Menschen, zu seinem Volk ist. Glaube ist also Dialog und Beziehung.

2.2 "Jüdische Dogmatik"

"Im Judentum konnte eine Verabsolutierung der Theologie als Dogmatik niemals stattfinden. Dafür war das Anliegen zu peripher."[5] Eine Bestimmung des Seins Gottes liegt nicht im jüdischen Denkhorizont, weil Gott nicht allein, sondern nur in Beziehung zu seinen Menschen gedacht wird. Auch die sog. "13 Eigenschaften Gottes" (Ex 34, 6f) reflektieren menschliche Erfahrungen mit Gott. Einer der wenigen Juden, die einmal eine Glaubenslehre aufgestellt haben, war im 12. Jh. Maimonides. Die ersten 5 seiner 13 Glaubensartikel befassen sich mit dem Wesen Gottes: Gott war und ist Schöpfer; Gott ist einzig; Gott ist körperlos (dieser Artikel dient auch als Abgrenzung gegenüber der "...oft anthropomorphen Redeweise der Bibel ... und läßt sie mit Recht als bildlich-symbolhaft verstehen ... (und als) Abgrenzung ... gegenüber der Inkarnation und der Hypostasierung ... im Christentum"[6] ); Gott ist Anfang und Ende; Gott ist allein der Anbetung würdig. Maimonides ist allerdings in der jüd. Theologie wegen seiner Nähe zum griechischen Denken nicht unumstritten.

2.3 Partner und Kinder Gottes

In einer Parabel der Hagada "...ist Gott dem Könige verglichen, und der Mensch ist das Königskind. Gott ist der König, aber er ist zugleich der Vater, er ist der Erhabene und doch zugleich der Nahe."[7] Diese Dialektik von Gott, dem Allerhöchsten und Gott, dem Allernächsten bestimmt den Glauben des Judentums. Glaube ist lebendiges Bewußtsein der Nähe und Distanz Gottes. Und der Glaube ist vom Leben und vom Tun des Guten im Dienste Gottes und der Menschen nicht abtrennbar.

Jüdischer Glaube beruht auf dem Glauben an das Gute, daß von Gott im Menschen und in der Welt angelegt ist. Von daher ist die jüdische Religion als optimistisch zu bezeichnen. "Das Gute ... hat in Gott seine unbedingte Gewißheit, und es findet im Menschen seine bestimmte, absolute Aufgabe"[8] Das Gute ist also nicht eine schon verwirklichte Realität, sondern ist von Gott angelegt und der Mensch hat die Aufgabe, es zu tun. Gemeint ist "...der sittliche Wille dessen, der, seines Gottes gewiß, beginnt und schafft, um Menschen zu bilden und die Welt zu erneuern"[9] Der jüdische Glaube ist also deutlich Diesseits-bezogen. Die Dialektik von Nähe und Distanz Gottes bewirkt das Verhältnis von Treue zu Gott (Tat) und Vertrauen, in ihm geborgen sein. Dieses Vertrautsein geschieht unmittelbar. ">>Israel<< bedeutet glaubensgeschichtlich zuinnerst die Unmittelbarkeit zum unwahrnehmbaren Wesen."[10] Das Wissen um das "Dazugehören" ist eine Grundlage der israelitischen Religion.

[...]


[1] Fohrer, Glauben..., S. 11

[2] Sch. B. Chorin in: Jüd. Theologie..., S. 357

[3] Levinson, Ein Rabbiner..., S. 16

[4] Baeck, Wesen..., S. 101

[5] Sch. B. Chorin, Jüd. Theologie, S. 463, in Bezug auf Karl Barths Werke

[6] Fohrer, Glauben..., S. 160

[7] Baeck, Wesen..., S. 116

[8] Baeck, "Wesen des Judentums", S.92

[9] ebd., S.89

[10] Buber, 2 Glaubensweisen, S. 137

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Noch der Gott der Väter? Jüdisches Gottesverständnis und christliche Trinitätstheologie: Einheit, Ergänzung oder Widerspruch?
Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V70244
ISBN (eBook)
9783638624985
ISBN (Buch)
9783638774123
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gott ist einzig. Dieses Bekenntnis ist charakteristisch für den jüdischen Glauben. Wie passt dazu die Trinitätstheologie und -dogmatik der christlichen Kirchen? Versuch eines Dialoges.
Schlagworte
Noch, Gott, Väter, Jüdisches, Gottesverständnis, Trinitätstheologie, Einheit, Ergänzung, Widerspruch, jüdische Theologie, Trinität
Arbeit zitieren
Peter Kühn (Autor), 2004, Noch der Gott der Väter? Jüdisches Gottesverständnis und christliche Trinitätstheologie: Einheit, Ergänzung oder Widerspruch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70244

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