André Breton: Leben und Werk


Seminararbeit, 2003
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

i.) Einleitung

Der Surrealismus - eine Strömung, die gegen die politische Situation, gegen die Gesellschaft der Zwischenkriegszeit, gegen Einschränkungen des Geistes in jeder Hinsicht eingetreten ist.

Der Surrealismus- ein Befreiungsschlag gegen die Zwänge in der Kunst wie auch in der Literatur, ein Symbol des freien Schaffens und der Integration aller Wahrnehmungsformen.

Der Surrealismus: ein reiner, psychischer Automatismus, durch welchen man, sei es mündlich, sei es schriftlich, sei es auf jede andere Weise, den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk- Diktat ohne jede Vernunft- Kontrolle und außerhalb aller ästhetischen oder ethischen Fragestellungen.

Und André Breton? Seine Rolle dem Surrealismus gegenüber fasst Navarri[1] eindrucksvoll zusammen:

Il n`est guère constatable que le surréalisme n`existait pas sans Breton, sans son activité théorique et son aptitude de jouer un rôle de leader; aptitude reconnue par tous, qu`elle les ait irrités ou fascinés.

In dieser Arbeit soll also André Breton thematisiert werden, der ruhelose Motor und Herz des Surrealismus.

Mein Ziel, was dies betrifft, ist, eine flüchtige Obduktion seines Geistes, seines Denkens, seines Schaffens vorzunehmen, um hiernach das Wesen Bretons skizzieren zu können. Es liegt nicht in meiner Absicht, eine detaillierte Beschreibung seines Werkes oder seiner Biographie wiederzugeben, was ganz sicher den Rahmen dieser Proseminararbeit sprengen und sie in eine andere, als die von mir gewünschte Richtung, lenken würde.

Indes ist meine Absicht, Breton aus meiner eigenen Perpektive, mit meinen eigenen Akzenten und aus meinem persönlichen Blickwinkel darzustellen, und nicht das verändert darzulegen, was so viele vor mir und wohl auch nach mir über Breton sagen und schreiben werden.

Lit.wiss. PSII SS 04 André Breton: Leben und Werk Petre Puskasu

ii.) Breton: sein Werdegang und seine Einflüsse

Bekannt ist, dass Breton in Tinchebray 1896 geboren wurde und dass er wohl bretonische Wurzeln gehabt haben dürfte. Außerdem weiß man, dass er in St- Brieuc bei seinem Großvater mütterlicherseits aufwächst.

Viel mehr ist über seine Kindheit nicht bekannt; anders als bei Aragon, wo jedes Lebensjahr ziemlich ereignisvoll beschrieben ist und selbst die Menschen, die ihn in seiner frühen Jugend getroffen haben und später einen Einfluss auf ihn ausgeübt hatten, ganz genau beschrieben und charakterisiert werden, weiß man über Bretons Kindheit und frühe Jugend ungemein wenig.

Marie- Ann Caws meint dazu, dass es bei Breton nicht wichtig sei, wo er sich befindet und auch nicht einmal, ob er in seinem Atelier oder auf Abenteuereisen ist, sondern alleine sein Geisteszustand sei von Bedeutung.[2]

Weiters glaubt sie, dass Breton selbst die Absicht gehabt haben könnte, die Geschichte seiner Kindheit und frühen Jugend zu verhüllen, um den Nimbus um seine Person zu vergrößern[3].

Breton beschäftigt sich mit Medizin, wird im Ersten Weltkrieg als Sanitäter in Nantes eingesetzt, um später (1917) nach St- Dizier versetzt, wo er anfängt, sich mit der Psychoanalyse zu beschäftigen.

Die Traumanalyse von Freud wird in seinem ersten Manifest des Surrealismus 1924 als ein Pfeiler für die surrealistische Forschung dargestellt:

Unter dem Vorwand der Zivilisation, des Fortschritts, gelang es schließlich, alles aus dem Geist zu verbannen, was mit Recht oder Unrecht als Aberglaube, als Hirngespinst gilt, jede Art der Wahrheitssuche zu verurteilen, die nicht der herkömmlichen entspricht. Vor kurzem ist- scheinbar durch den größten aller Zufälle- ein Teil der geistigen Welt wieder ans Licht gehoben worden,(…). Freuds Entdeckungen gebührt unser Dank. Aufgrund dieser Entdeckungen (sc. Psychoanalyse) bildet sich eine neue geistige Richtung heraus (…).

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Nach dem Ersten Weltkrieg begegnet Breton wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit wie Jacques Vaché, Louis Aragon, Eluard, Appolinaire und Paul Valéry, mit denen er in einen mehr oder weniger engen Kontakt treten wird; letzterer (Valéry) bewegt Breton dazu, die Zeitschrift Littérature herauszugeben, die Breton ab 1920 publiziert. Herausgeber sind André Breton, Louis Aragon und Philippe Soupault

Mit Aragon verbindet Breton ein enges Verhältnis.

Aragon und Breton entwerfen für sich ein gemeinsames Aktionsprogramm. Nach Aragons späten Enthüllungen schmieden sie ein "Komplott" im Hinblick auf die Liquidierung der Literatur in ihrer traditionellen Ausprägung und die Durchsetzung eines neuen Literaturbegriffs.

(Vgl. Aragon: "Lautréamont et nous", Les Lettres françaises, 1er et 8 juin 1967)

Breton tritt zunächst der Dada- Bewegung von Tristan Tzara bei, von wo er auch das Konzept der écriture automatique[4] für seine eigenen Werke übernimmt.

Diese gesellschaftskritische Bewegung um den rumänischen Immigranten Tristan Tzara, die zunächst in der Schweiz ihren Ursprung hatte (v.a. Café Voltaire in Zürich) und die durch ihren

Aktionismus vor allem die Unsinnigkeit und Verwerflichkeit sowie ihre Ablehnung der modernen Gesellschaft der frühen XX. Jhs gegenüber, die trotz des geistigen und technischen Fortschritts zu solchen Gräueltaten wie den Ersten Weltkrieg imstande war, aufzeigen wollte, findet Breton jedoch zu destruktiv in ihrer Kunst (vgl. A.-M. Caws: 1996 bzw. J. Gracq: 1948).

In Abwesenheit Aragons beginnen André Breton und Philippe Soupault mit der Abfassung des ersten surrealistischen, d.h. nach der Methode der écriture automatique konstruierten Buches: Les Champs magnétiques.(1919).

[...]


[1] R. Navarri, André Breton: S257 aus Manuel d`histoire littéraire de la France, Paris 1998

[2] A.- M. Caws , André Breton, NY 1996, S. 1

[3] ibidem

[4] Im ersten surrealistischen Manisfest von 1924 charakterisiert Breton die „ écriture automatique“ ziemlich genau, der er vorschreibt, dass sie einerseits kein gesteuerter innerer Monolog sein sollte, andererseits aber auch einen Sinn erkennen lassen sollte.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
André Breton: Leben und Werk
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V70301
ISBN (eBook)
9783638623162
ISBN (Buch)
9783638769075
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
André, Breton, Leben, Werk
Arbeit zitieren
Mag. Petre Puskasu (Autor), 2003, André Breton: Leben und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70301

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