Stundenkonzeption zum Thema Gerechtigkeit (Klasse 7 Gymnasium)


Unterrichtsentwurf, 2020

17 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thema der Unterrichtsreihe und Bezug zum Lehrplan

2. Tabellarische Übersicht über die Reihe

3. Thema der Unterrichtsstunde und Verortung innerhalb der Reihe

4. Lernziele und Kompetenzen der konzipierten Unterrichtsstunde

5. Ablaufplan der Unterrichtsstunde

6. Reflexion der Unterrichtsstunde

Literaturverzeichnis

Siglenverzeichnis

Anhang
Stundenverlaufsplan
Gerechte und ungerechte Situationen
Was ist Gerechtigkeit?
Tafelbild – Gerechtigkeit
Tier-Cartoon
Kistenverteilung

1. Thema der Unterrichtsreihe und Bezug zum Lehrplan

Das übergeordnete Thema der Unterrichtsreihe lautet: „Sollen: Moralisches Handeln - Werte und Normen“1. Das Thema der Reihe lautet dabei „Gerechtigkeit und Courage - sich einmi-schen.“ Gerechtigkeit ist ein sehr alltags- und schülernahes Thema, bei dem es leichtfällt, Dis-kussionen zu führen. Die beiden zentralen Aussagen aus dem Lehrplan „Gerechtigkeit [als] eine zentrale und interkulturell verbreitete Wertvorstellung“ und „Gerechtigkeit geht alle an und darf nicht von nur wenigen bestimmt werden.“ (LPE S. 78) unterstützen den zuvor genannten As-pekt. So eignet sich das Thema zudem gut, um bestimmte Werte zu vermitteln oder die Ent-wicklung von Werten zu betrachten.2 Nachdem der Begriff der Gerechtigkeit innerhalb der Reihe abgehandelt wurde, geht es über zu Courage und Zivilcourage im speziellen. Hierbei sollen die Schüler vor allem erfahren, wie sie sich außerhalb der Schule für Gerechtigkeit und Courage einsetzen können. Damit die Behandlung dieses Themas eine nachhaltige Wirkung bei den SuS erzeugt, habe ich eine Reihe an Kompetenzen aus dem Lehrplan ausgewählt, die ich für meine Reihe als zentral erachte. Diese lauten:

- „[…] andere Perspektiven einnehmen - sich in die Befindlichkeit eines anderen hineinversetzen [… ]
- […] Handlungsmuster in Beziehung zu Handlungsgrundsätzen und Wertvorstel-lungen setzen […]
- [… ] die Relevanz sozialer Kontexte für Handlungen analysieren [… ]
- [… ] Argumente und Gegenargumente selbst sinnvoll aufeinander beziehen [… ]
- […] Begriffe über Funktionen des zu Bestimmenden definieren […]“ (LPE S. 78)

2. Tabellarische Übersicht über die Reihe

Auf dieser Grundlage habe ich3 folgende Reihenplanung erstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Thema der Unterrichtsstunde und Verortung innerhalb der Reihe

Diese Stundenkonzeption führt das Thema „Gerechtigkeit“ ein und ist damit die erste Stunde der Reihe. Damit wir in Zukunft adäquat über Gerechtigkeit sprechen können, werden zunächst verschiedene gerechte und ungerechte Alltagssituationen betrachtet. Anhand dieser sollen dann drei Kriterien von Gerechtigkeit erarbeitet werden. Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Kri-terien nicht die einzigen sind, sondern eine von mir getroffene Auswahl, mit der man in alltäg-lichen Situationen am besten umgehen kann.

4. Lernziele und Kompetenzen der konzipierten Unterrichtsstunde

Ausgehend vom Thema und der Verortung in der Reihe habe ich mich auf lediglich ein Lern-bzw. Stundenziel beschränkt. Dieses lautet „Die SuS nennen die Kriterien von Gerechtigkeit und bewerten diese.“ Diese Beschränkung erlaubt es mir, mich gezielt auf zwei Aspekte zu fokussieren und diese auch zu erreichen. Würde ich z.B. vier oder fünf Lern- bzw. Stundenziele für eine Stunde formulieren, so wäre die Gefahr groß, dass manche davon nicht erreicht werden oder einfach nur Lernschritte der Stunde abbilden. Zudem habe ich darauf geachtet, dass es operationalisiert formuliert ist, sodass man es direkt in eine Übungsaufgabe umwandeln kann.4 Angelehnt an die Kompetenzen, die ich für die gesamte Reihe formuliert habe5, be-schränke ich mich für diese Stundenkonzeption auf folgende:

- „[…] Begriffe über Funktionen des zu Bestimmenden definieren […]“
- „[…] andere Perspektiven einnehmen - sich in die Befindlichkeit eines anderen hineinversetzen […]“ (LPE S. 78)

Auch hier halte ich die Auswahl wieder klein, um für eine bessere Erreichung der Kompetenzen zu sorgen.

5. Ablaufplan der Unterrichtsstunde

In diesem Kapitel werde ich den Verlauf der Stunde ausformulieren. Der tabellarische Stun-denverlauf ist dem Anhang zu entnehmen.

Die Struktur meiner Stunde entspricht der des Bonbon-Modells nach Sistermann. Dadurch soll es gelingen, „[…] einen deutlich wahrnehmbaren Lernfortschritt zu erreichen […]“6. Es zeichnet sich zudem durch einen „Wechsel zwischen eng geführten und breit gestreu-ten Unterrichtsbeiträgen“ (SRU, ebd.) gepaart mit verschiedenen „Lernphasen“ aus, die ich im Folgenden an meine Stunde angepasst habe.

Ich habe meine Unterrichtskonzeption zunächst als Einzelstunde (45 Minuten) geplant. Nach einer Begrüßung der SuS durch die LP folgt die Hinführung, die „zu einer möglichst präzisen [und] nachvollziehbaren Problemstellung führen“ (SRU, ebd.) soll. Insgesamt dauern diese beiden Phasen ca. zehn Minuten. Der erste Teil sieht dementsprechend so aus, dass die LP zunächst im Lehrervortrag mitteilt „Wir alle haben uns doch schonmal ungerecht behandelt gefühlt.“ und danach den Arbeitsauftrag erteilt. Dieser besteht darin, dass den SuS verschiedene Situationen7 mittels einer Präsentation gezeigt werden, die sie nach ihrer Gerechtigkeit inner-halb eines „Meinungsbarometers“ bewerten sollen. Diese Methode ist eine Weiterentwicklung der „Positionslinie“ und dementsprechend etwas anspruchsvoller. Allerdings ist sie übersicht-licher und es lässt sich besser mit seinem Gegenüber diskutieren.8 Dazu platziert die LP an den Enden des Klassenraums zwei Schilder („gerecht“ und „ungerecht“) zwischen denen sich die SuS positionieren sollen. Nach jeder Situation fragt die LP nach einer Begründung. Die Ker-naspekte werden am Rand der Tafel in einem „Steinbruch“ festgehalten. Aus diesem können wir uns später bedienen und verschiedene Aspekte „abtragen“.9 Die Problemstellung besteht nun darin, dass es oftmals schwerfällt, Situationen nach ihrer Gerechtigkeit zu bewerten. Man braucht also bestimmte objektive Kriterien dafür.

Die Erarbeitung der Kriterien von Gerechtigkeit soll in der intuitiven selbstgesteuerten Problemlösung weitergeführt werden. Diese Phase dauert ebenfalls ca. zehn Minuten. Die SuS sollen sich noch weiter „in das Problem hineindenken und mögliche Lösungen antizipieren.“ (SRU, ebd.). Zur Erarbeitung im Unterrichtsgespräch werden dementsprechend die Begründun-gen der SuS und die darin enthaltenen Aspekte herangezogen. Daraus soll dann eine vorläufige Fassung entstehen, die an der Tafel festgehalten wird. Sie gehört aber noch nicht zur Sicherung – die SuS sollen später lediglich eine Möglichkeit haben, die spätere Fassung mit der vorherigen zu vergleichen.

Nach Sistermann sollen die SuS in der kontrollierten angeleiteten Problemlösung (ca. zehn Minuten) mit einem Text konfrontiert werden (vgl. SRU, ebd.). Die LP teilt dementspre-chend einen selbst zusammengestellten Text10 aus, der die vorher (von den SuS) genannten Aspekte enthält. Dieser wird dann im Think-Pair-Share-Format11 bearbeitet. Die SuS lesen zu-nächst in Einzelarbeit und markieren dabei die verschiedenen Aspekte von Gerechtigkeit. Da-nach tauschen sie sich mit ihrem Partner aus. Falls sich die beiden Schüler noch nicht kennen, ist es umso wichtiger darauf zu achten, dass die Partnerarbeit die Teambildung und Klassenge-meinschaft fördert.12 Im letzten Schritt wird sich nochmals im Plenum ausgetauscht. Anschlie-ßend werden die im Text enthaltenen Aspekte mit den vorherigen, die schon an der Tafel stehen, verglichen und es wird nach Gemeinsamkeiten geschaut.

Dieser zuvor genannte Schritt ist laut Sistermanns Bonbon-Modell eigentlich erst Teil der Festigung bzw. Sicherung (vgl. SRU, ebd.). Ich habe mich an dieser Stelle jedoch etwas von seinem Modell entfernt und für eine klassische Sicherung (ca. sechs Minuten) entschieden. So werden aus den verglichenen Aspekten nun die drei Kriterien der Gerechtigkeit in einem Tafelbild13 festgehalten.

Im letzten Schritt, dem Transfer bzw. der Stellungnahme, geht es allgemein „um An-wendung und Erprobung an Beispielen, kritische Stellungnahme und anschließende offene Fra-gen.“ (SRU, ebd.). In meiner Stunde habe ich den Fokus auf die kritische Stellungnahme gelegt. In den letzten neun Minuten sollen sich die SuS nochmals den letzten Absatz des zuvor ausge-teilten Texts durchlesen. Nachdem sie dies getan haben sollen sie sich in Partnerarbeit überle-gen, warum die erarbeiteten Kriterien vielleicht doch nicht perfekt sind und an welchen Stellen man sie noch verbessern kann. Im Plenum werden die Ideen und Ergebnisse dann zusammen-getragen. Falls die Unterrichtszeit nicht ausreichen sollte, eignet sich eine solche Stellung-nahme auch als nachbereitende Hausaufgabe.

6. Reflexion der Unterrichtsstunde

Ausgehend von den Rückmeldungen im Seminar „Planung des Ethik- bzw. Philosophieunter-richts“ werde ich sowohl das Stundenziel, als auch die einzelnen Phasen reflektieren.

[...]


1 Ministerium für Bildung und Kultur Saarland: Lehrplan allgemeine Ethik Gymnasium Klassenstufe 7 und 8. Erprobungsphase, 2017, S. 78ff. Nachfolgend wird der Lehrplan unter der Sigle „LPE S.#“ verwendet.

2 Tiedemann hat dies in seinem „Handbuch Philosophie und Ethik“ sehr gut formuliert. Nachzulesen in Nida-Rümelin, Julian; Spiegel, Irina; Tiedemann, Markus (Hg.): Handbuch Philosophie und Ethik. Band 1: Didaktik und Methodik, 2. Aufl., Paderborn: Schöningh, 2017, S. 27

3 Die Überlegungen zum Thema, zu den Kompetenzen und dem Inhalt der Reihe entstanden im Rahmen des Se­minars zusammen mit Michael Arnold. Es kann also sein, dass Sie bestimmte Inhalte in doppelter Ausführung lesen werden.

4 Vgl. dazu Riedl, Alfred: Grundlagen der Didaktik. 2. Aufl. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2010, S, 33

5 vgl. Kapitel 1 „Thema der Unterrichtsstunde und Bezug zum Lehrplan“

6 Nachzulesen in Sistermann, Rolf: Unterrichten nach dem Bonbonmodell. Ein Musikvideo als Hinführung zur Reflexion über die Endlichkeit des Lebens (ab Klasse 8). In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik, Heft 4/2008, S. 302. Nachfolgend wird dieses Buch unter der Sigle „SRU S.#“ verwendet.

7 Die gerechten und ungerechten Situationen sind im Anhang unter „Gerechte und ungerechte Situationen“ zusam-mengefasst.

8 Eine Beschreibung der beiden Methoden ist hier zu finden: Schäfer, Stefan: 55 Methoden Deutsch. einfach, kreativ, motivierend. Donauwörth: Auer, 2011, S. 9

9 Diese Methode eignet sich besonders gut in einer Problematisierungsphase. Nachzulesen in Hankele, Madeleine: Politik & Unterricht. Methoden für den Politikunterricht. Beispiele für die Praxis. In: Zeitschrift für die Praxis der politischen Bildung 41 (2015), H.1/2, S. 35

10 Der Text zur angeleiteten Problemlösung ist dem Anhang unter „Was ist Gerechtigkeit?“ zu entnehmen.

11 Eine gute ausführliche Beschreibung der Methode ist hier zu finden: Bönsch, Manfred: Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig. Basiswissen Pädagogik. Unterrichtskonzepte und -techniken. Baltmannsweiler: Schneider, 2002, S. 80-83

12 Nachzulesen in Mattes, Wolfgang: Methoden für den Unterricht. 75 kompakte Übersichten für Lehrende und Lernende. Paderborn: Schöningh 2002, S. 31

13 Das Tafelbild ist dem Anhang unter „Tafelbild – Gerechtigkeit“ zu entnehmen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Stundenkonzeption zum Thema Gerechtigkeit (Klasse 7 Gymnasium)
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Philosophie)
Veranstaltung
Planung des Philosophie- bzw. Ethikunterrichts
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V703320
ISBN (eBook)
9783346186843
ISBN (Buch)
9783346186850
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gerechtigkeit, gymnasium, klasse, stundenkonzeption, thema
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Stundenkonzeption zum Thema Gerechtigkeit (Klasse 7 Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703320

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